Charakter-Special: Bedürfnisse

Charakter-Special: Bedürfnisse #9 Transzendenz

7. November 2018

Beduerfnisse #9 Transzendenz

 

Erst in den 70er Jahren erweiterte Maslow die Pyramide um das Bedürfnis nach Transzendenz. Womöglich hängt das damit zusammen, dass sein Leben sich langsam dem Ende zuneigte und seine Lebenserfahrung darauf hindeutete, das hinter Selbstverwirklichung noch ein höheres, größeres, ungreifbareres Bedürfnis lag.

Transzendenz ist kein einfaches Konzept, deswegen handeln nicht viele Geschichten vordergründig von der Suche nach dem, was außerhalb der normalen Erfahrung liegt. Aber wenn man genau hinsieht, findet sich die Frage nach Transzendenz in vielen Büchern und Geschichten.

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Die Suche nach Mehr

Was passiert nach dem Tod? Wo kommen wir her, wo gehen wir hin? Wo hört das Universum auf?
Bei Transzendenz geht es um Erweiterung. Darum, seinen Horizont und alles, was man dahinter vermutet, zu weiten. Seinen Blick und seine Instinkte dafür zu öffnen, mehr zu sehen, zu erleben, zu erfahren.

Interessanterweise schließt sich hier der Kreis zu den Bedürfnissen, die die Basis der Pyramide bilden. Unsere eigene Sterblichkeit und Abhängigkeit von den Gesetzen der Natur, führt uns nicht selten an die Schwelle zur Transzendenz. Auf der Suche nach Erleuchtung, Einsicht und Erfahrung haben Menschen schon immer Nahrung, Schlaf und menschliche Nähe gefastet. In lebensbedrohlichen Situationen beschreiben viele eine sofortige Nähe zu dem Unbegreiflichen, dem Unendlichen, dem Transzendenten.

Die alltäglichsten Dinge können durchdrungen sein mit der Erfahrung dessen, was manche Gott, andere Magie und wieder andere den Sinn des Lebens nennen. Eine geliebte Person zu erblicken, ein Kunstwerk zu erschaffen oder ein Naturerlebnis kann uns mit dem Transzendenten in Verbindung bringen.

Erweiterung

Ein Charakter der sich nach Transzendenz sehnt, mag in seinem Leben alle Höhen und Tiefen erfahren haben, die die Ebenen der Pyramide mit sich bringen. Er oder sie ist innerlich weit gereist, hat viele Gipfel erklommen und einige Täler durchwandert. Und jetzt, wird es Zeit sich Ideen zu öffnen, die die Grenzen testen und vor allem erweitern.

Es gibt Charaktere, die mit lässiger Selbstverständlichkeit mit Transzendenz jonglieren. Schamanen, Medizinmänner (und frauen!) oder Mönche. Sieben Jahre in Tibet oder zehn Jahre in einem Kloster- die Pilgerreisen einiger Helden und Heldinnen regen zum Nach- und Weiterdenken an.

Oft werden transzendenten Persönlichkeiten Figuren vorgesetzt, die sich auf einer ganz anderen Stufe der Pyramide befinden um beide herauszufordern und den Kontrast besonders schön deutlich zu machen. Wenn der junge Dalai Lama auf einen Kriegsveteran trifft. Jemand, der in die menschlichsten aller Verstrickungen geraten ist. Sich mit Hass und Gewalt auseinandersetzt, dann gibt das einem wiedergeborenen Guru natürlich zu denken. Und macht transzendente Fragen überhaupt erst interessant.

Lebensprozess

Kann Erleuchtung endlich sein? Oder ist es vielmehr ein Prozess, der sich entlang der Lebenserfahrung entfaltet und erweitert. Widerspricht das Leben auf der Erde dem transzendenten Prinzip vielleicht sogar?

Denn seien wir mal ehrlich, wir sind nicht gekommen um sofort wieder auszuspacen. Wir wollen Erfahrungen machen, die uns begeistern und inspirieren, die majestätisch und out of order sind. Aber wir wollen uns auch durch den Matsch kämpfen, die Muskeln brennen spüren, Salz auf der Haut und Hunger erleben. Sehnsucht nach menschlicher Nähe empfinden und das wohlige Gefühl jemanden in den Arm zu nehmen. Wir wollen alle Stufen der Pyramide auskosten, ausschöpfen und in uns vereinen. Bis wir zum Gipfel hinaufsteigen und auf dem Weg immer weiter lernen, immer neue Dinge entdecken, die wir uns wünschen und die wir brauchen um uns weiter zu entwicklen.

Es ist bemerkenswert, dass wir schreiben und lesen um mit dem Leben besser klar zu kommen. Um zu verstehen, zu fühlen, zu bemerken. Und irgendwo da oben dann das Bedürfnis danach schlummert, alles fallen zu lassen, von sich zu werfen und aufzugeben. Um absolute Freiheit und lückenlose Einheit zu verspüren. Ob das in einem Leben schaffbar ist, wer weiß. Aber Charaktere die zumindest danach suchen, inspirieren uns zu mehr Weitblick und einer größeren Erlebnissphäre.

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