Charakter-Special: Bedürfnisse

Charakter-Special: Bedürfnisse #10 Finale

14. November 2018

Beduerfnisse #10 Finale

 

Unsere Bedürfnisse verbinden uns mit allen Menschen. Im Kern sind wir, bei all unseren farbenfrohen und wunderschönen Unterschieden, alle gleich. Haben dieselben Ängste und Bedürfnisse. Teilen den Wunsch nach Leben und Liebe, nach Freiheit und Verantwortung.

Jetzt, wo das Charakter-Special über Bedürfnisse zu Ende geht, noch einmal ein Überblick über das, was Bedürfnisse so spannend macht.

Wir haben die selben Bedürfnisse

Aber die Befriedigung eines Bedürfnisses kann bei jedem Menschen unterschiedlich aussehen. Einer kann sich sicher fühlen, wenn er weiß, dass er das nächste Essen bezahlen kann, ein anderer braucht einen Bausparvertrag und eine sichere Rente. Das ist okay. Jeder Mensch und somit auch jeder Charakter ist anders. Der Strom unser Bedürfnisse macht uns alle gleich, aber wie man die Welle surft, liegt ganz beim Einzelnen.

Bedürfnisse gelten für jeden Charakter

Ob gut oder böse, jeder folgt seinem Instinkt, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Das macht es spannend, Antagonisten zu kreieren, die genau wie jeder andere einem menschlichen Grundbedürfnis folgen. Zu erkennen, dass jemand ist wie man selbst, selbst wenn es nur in einem winzig kleinen Aspekt ist, regt unser Mitgefühl an, bringt uns zum Nachdenken, lässt ganz neue Gefühle aufkommen. Das wir uns mit einem Sieger genauso wie mit einem Verlierer identifizieren können, macht unserer Erfahrung reicher und gibt einer Geschichte Tiefe und Spannung.

Harry und Voldemort sind Erzfeinde. Und jeder, der die Geschichte liest, wird sich höchstwahrscheinlich auf Harry Seite schlagen, sich mit ihm identifizieren. Mit ihm fiebern und hoffen. Und so soll es sein. Aber Voldemort, auf der anderen Seite der Medaille, kämpft mit dem selben Bedürfnis. Nur das er völlig andere Mittel wählt, um Antworten auf seine Fragen zu finden.

Clarice und Hannibal Lector sind grundverschieden. Sie eine ehrgeizige Ermittlerin, er ein hochintelligenter Psychopath. Aber sie teilen die selben Bedürfnisse, dieselben Wünsche und Ängste. Wenn man die Ziele einer Figur auf ihre Grundbedürfnisse herunter bricht, ergeben sich die spektakulärsten und unerwartetsten Kombinationen.

Die Menge der Bedürfnisse definiert den dramaturgischen Bogen

Wenn eine Figur ganz unten in der Pyramide startet, wird sie sich, nach Maslows Ansatz, durch alle Stufen hindurcharbeiten müssen, um in die höheren Ebenen der Bedürfnispyramide zu gelangen. Das gibt der Geschichte organische Aufgaben und Checkpunkte, die den Verlauf der Story formen können.

Es kann spannend sein, einen Charakter durch die Pyramide rutschten zu lassen, bis an den Boden seiner Bedürfnisse, ihm zu zeigen, wie viele Ebenen man für selbstverständlich hält, wenn man sich weit oben befindet. Ebenso ist der Weg nach oben eine inspirierende Reise. Zu sehen, wie jemand einen Schritt vor den anderen setzt und so sein Leben verändert.

Maslows Pyramide ist eine Vereinfachung

Im Leben, ebenso wie in Geschichten, vermischen und überlagern sich Ebenen. Das Leben ist nicht statisch, es entfaltet sich organisch und nimmt nicht immer den vorhergesehen Weg. Aber die simple Darstellung ist eine gute Hilfestellung, um einen ersten Einblick in die innere Welt der Bedürfnisse zu bekommen und sich inspirieren zu lassen.

Unsere Bedürfnisse sind das Lebenselixier einer packenden Geschichte

Die Antwort auf die Frage, warum wir lesen. Warum wir uns in andere hineinversetzen wollen. Warum es uns wichtig, ist, fiktive Abenteuer zu durchleben. Weil sie nicht fiktiv sind. Während wir mit unseren Helden reisen, reisen wir auch durch uns. Entdecken Schätze, die von Drachen bewacht werden, Ebenen auf denen das Gras weht, Wüsten mit verwehten Schädeln. Wir finden Sehnsucht und Großzügigkeit, Hass und Neid. Wir finden alles Schöne, Gute und Große und alles Dunkle und Unsagbare. In uns selbst. Und weil das eine unheimliche Sache sein kann, können wir uns anderen Menschen zuwenden. Egal ob sie frei erfunden sind oder direkt neben uns sitzen. Und wir sehen in ihnen die selbe wirbelnde Welt mit ihren dunklen Abgründen und gipfelhohen Aufgängen. Und das tut gut.

Wie hat dir die Blog-Reihe gefallen? Nutzt du Bedürfnisse, um deine Geschichte und ihre Charaktere zu entwickeln?

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11 Comments

  • Reply Roland 17. November 2018 at 09:49

    Danke Isabel für deine durchdachte, erhellende Blogreihe ‚Bedürfnisse‘ . Du hast dir sehr viel Mühe und Gedanken gemacht – speziell wohl im Hinblick auf das Schreiben von Geschichten als Hilfestellung von angehende AutorInnen zur Charakterbeschreibung und Entwicklung der Protagonisten. Das ist dir großartig und überzeugend gelungen und somit mein Kompliment: Es hat mir sehr wohl gefallen – in meinem Fall weniger um Geschichten zu schreiben oder zu entwickeln, sondern um das Leben, die Vielfalt der menschlichen Verhaltensweisen, das manchmal unergründlich scheinende klarer zu erkennen und – das ist mir wichtig: zu lieben. Denn gut empfundenes Leben heißt Vielfalt, Aufregung, Herausforderung wie auch Anforderung, Kampf gegen sich selber, aber auch Befriedigung.

    Gut gemacht – mal sehen was dir jetzt noch einfällt (lächel).
    Beste Grüße
    Roland

    • Reply Isabel 18. November 2018 at 19:22

      Hi Roland!

      Das freut mich sehr! Ich finde großartig, mit wieviel Weitblick und Lebenserfahrung du die Beiträge liest und bin immer gespannt auf dein Feedback.

      Yess. Sehr gut gesagt.
      Mir geht es genauso. Das Spektrum von Persönlichkeit ist für mich ein faszinierender Teil vom Mensch sein. Ich liebe Geheimnisse und Intuitionen genauso wie Klarheit und Erkenntnisse. Und finde es wunderschön, sich mit anderen über die menschliche Erfahrung auszutauschen. In Büchern, Blogs, oder hier in den Kommentaren.

      Hehe, da bin ich selbst gespannt.:) Gibt es ein Thema, das dich besonders interessiert?

      Beste Grüße!
      Isabel

  • Reply Charlie 18. November 2018 at 12:52

    Isabel,
    auch ich habe deine Blogreihe gespannt verfolgt und habe darin Inspiration gefunden. Mir ist bewusst geworden, dass hinter jeden Handeln ein Bedürfnis steckt, das befriedigt werden will. Jeder Mensch hat Bedürfnisse, darin gleichen wir uns alle. Das spannende ist nun aber der Unterschied, denn jeder Charakter hat doch seine eigene Geschichte und damit seine eigene Herangehensweise, seine Bedürfnisse zu befriedigen. Herunterbrechen war für mich ein Schlagwort. Es gab mir die Möglichkeit, die Charaktere meines Romans näher zu betrachten. Was steckt hinter ihrem Handeln? Nicht, dass ich das nicht schon vorher wusste, doch ein Teil schien wie selbstverständlich zu laufen. Mir bewusste zu machen, was hinter ihrem Handeln steckt, ermöglicht es mir sie als richtige Menschen zu sehen.
    Ich bin außerdem der Meinung, dass die Charaktere das wichtigste in jeder Geschichte sind und wir uns mehr mit ihnen beschäftigen sollten. Danke und weiter so!
    Charlie

    • Reply Isabel 18. November 2018 at 19:24

      Hi Charlie!

      Vielen Dank für Dein Kommentar! Es freut mich riesig, dass du die Blogreihe gelesen und sie dich inspiriert hat.

      Total spannend, dass durch die Frage nach ihren Bedürfnisse deine Charaktere noch menschlicher geworden sind!

      Manchmal geht es einem ja auch im „echten Leben“ so, man trifft Jemanden, mit dem man sich schwer identifizieren kann, oder den zu verstehen einem schwer fällt. Und wenn man versucht sich vorzustellen, was derjenige braucht, was sie oder ihn antreibt, entsteht eine ganz menschliche Verbindung. Man fühlt sich demjenigen näher und kann besser verstehen, wie man sich ähnelt und wo man unterschiedlich ist. Mit Buch-Charakteren geht es mit in jedem Fall so! :)

      Ich finde auch, Charaktere machen Geschichten stark!
      An welchem Punkt im Schreibprozess bist du bei deinem Roman?

      Viele liebe Grüße,
      Isabel

    • Reply roland 19. November 2018 at 00:09

      Hi Isabel,

      endlich mal etwas Bewegung in der Kommentarfunktion – das ist schön und dir (wie auch alle redbuggs die an den verschiedenen Blogreihen ihr Wissen weitergeben) gebührt große Achtung und Respekt. Denn ihr gebt euer Wissen selbstlos weiter! Deine Frage soll deshalb auch nicht unbeantwortet bleiben, obwohl ich gar nicht sagen kann, welches Thema mich besonders interessiert. Denn meine Interessen sind so vielfältig wie die Zeiten, die Politik, die Umweltzerstörung, die drohende Verrohung der Gesellschaft eben mich bestürmen – sie changieren mal hier hin, mal dorthin. Eines aber ist mir schon das Wichtigste: Behavior aus psychologischer Sicht. Was sind die Antriebe des Bösen, der Mächtigen, der Reichen (das ist noch leicht zu beantworten: nämlich Gier) und vor allem …… jeglicher KUNST!
      Bücher die die Hintergründe an Hand von Geschichten aufzeichnen lese ich besonders gerne. Dabei nehme ich mich als Person nicht aus und wenn ich könnte würde ich mich selber mal unter die Lupe nehmen, mich analysieren warum ich mich so und nicht SO in meinem wilden (aber selbstbestimmten, schönen) Leben verhalten und entschieden habe.
      Zufrieden mit der Antwort auf deine Frage?

      Liebe Grüße
      Roland

      • Reply Isabel 20. November 2018 at 17:32

        :D Yeah!
        Danke Roland!
        Mit deiner Antwort bin ich sehr zufrieden! Und ich kann mich mit ihr gut identifizieren. Behavior aus psychologischer Sicht trifft es auf den Punkt.
        Was sind die Antriebe von jeglicher Kunst- eine super spannende Frage. Beim Schreiben, so wie bei allen anderen Kunst und Ausdrucksformen.
        Gibt es Bücher, die die dich in letzter Zeit besonders inspiriert haben?

        Liebe Grüße
        Isabel

        • Reply roland 21. November 2018 at 15:20

          Hi Isabel,
          ich freue mich über deine Nachfragen und weil ich dich und dein Schreibkönnen sehr schätze, will ich sie dir hier im Allgemeinen beantworten – welche Lektüre mich inspirierte.

          Ich kann dir jetzt nicht nur ein Buch nennen, auch weil ich etwas unterscheide,
          a) Welche Lektüre mich faszinierte (bezauberte, in Bann zog)
          b) Und welche mich inspiriert ( begeisterte, geistig zu eigenem Denken anregt)

          Das liegt nah bei einander, ist aber nicht das gleiche.
          Zu a) zählen folgende Bücher:
          Alle außer mir von Francesca Melandri
          Diebe und Vampire Doris Dörrie
          Untreu Paulo Coelho
          Love on Paper Katrin Bongard (ja wirklich, grins)
          Ein Gott der Frechheit Sten Nadolny

          Zu b) : (Diese Bücher haben in meinen mehrfachen, teils schicksalhaften Lebensumbrüchen meine geistige Haltung befördert)

          Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten von Robert M. Pirsig (1978 gelesen)
          Wer bin ich und wenn ja wie viele? Richard David Precht

          Soweit hier öffentlich – wenn dich mehr dazu interessiert, dann bitte über meine email.
          Gegenfrage: Welche Bücher haben dich bisher inspiriert oder fasziniert?

          Liebe Grüße
          Roland

          • Isabel 23. November 2018 at 17:15

            Hey Roland!
            Vielen Dank fürs Teilen!
            Sehr gute Inspirationen, die ich mir gleich auf meiner Leseliste notiere. :) Und eine interessante Einteilung!
            Ein paar Bücher, die mich als Kind, in der letzten Zeit und dieses Jahr besonders begeistert haben, sind:
            „Die Kinder des Mondfalken“ von Peter Dickinson
            „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner
            „Die Pfeiler der Macht“ von Ken Follett
            „Die Strukturen des Bösen“ von Eugen Drewermann
            „The Crimson Petal and the White“ von Michel Faber
            und „Rebecca“ von Daphne du Maurier
            Beste Grüße!
            Isabel

  • Reply Charlie 18. November 2018 at 22:48

    Liebe Isabel,
    Ich bin immer dankbar, wenn ich etwas über das Schreiben lernen kann! ; )

    Ich bin mittendrin und doch noch ganz am Anfang : D Ich arbeite gerade an dem Kapitel, welches auf den ersten Wendepunkt der Geschichte zusteuert. Sehr spannend, sehr nervenaufreibend.. und wahnsinnig schwer zu schreiben! Ich plane nebenher, wann immer ich nicht frei genug bin, um zu schreiben. Das passiert schon öfter! ; )
    Ich schreibe nicht hauptberuflich, mache das neben meiner Arbeit, was für mich ein wunderbarer Ausgleich ist! Doch ich merke natürlich auch, dass es irgendwann an der Zeit wird, richtig einzutauchen.
    Liebe Grüße zurück
    Charlie

    • Reply Isabel 20. November 2018 at 17:35

      Ouu aufregend!
      Das klingt nach einem spannenden Prozess!

      Ich finde, das Planen einer Geschichte, ist eine der herausforderndsten Dinge. All die kreativen Gedanken in eine gute Form zu bringen und den roten Faden so einzubetten, dass man sich voll auf den Schreibprozess einlassen kann.

      Heißt das, du spielst mit dem Gedanken, dich Vollzeit dem Schreiben zu widmen?

      Beste Grüße und viel Kraft und Inspiration für den ersten Wendepunkt!
      Isabel

      • Reply Charlie 24. November 2018 at 17:08

        Ohja, das ist es. Es macht sehr viel Spaß.
        Ich werde mich auf jeden Fall früher oder später Vollzeit mit diesem Projekt auseinandersetzen. Weil es anders nur sehr schleppend vorwärts geht.. und ich will es unbedingt fertig schreiben. Das heißt, in meinem Kopf ist ja alles schon fertig. Diese Bilder muss ich nur noch in Schrift umwandeln. ; D …wenn es so einfach wäre…

        Ich danke dir, ich nehme hier viele Anregungen mit!
        Liebe Grüße zurück
        Charlie

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