Cover Secrets, DIY-Donnerstag

Cover Secrets #10 Titel

4. Oktober 2018

Diesmal geht es um Titel auf Covern. Vermutlich die wichtigste Information und daher einen eigenen Blogbeitrag wert. Denn selbst wenn die AutorIn mich vor allem interessiert, möchte ich doch auf jeden Fall wissen, welches ihrer Bücher ich in der Hand halte. Bücher ohne Titel auf dem Cover, werdet ihr daher kaum finden.

Titel und Funktion

Die Funktion eines Titels ist dem Leser möglichst klar und deutlich zu sagen, was für einen Buchinhalt er erwarten kann. Klar und deutlich heißt für die Gestaltung: Wählt eine Schriftart, die gut zu erkennen ist (nicht zu verschnörkelt) und macht den Titel auf dem Cover groß genug. Ebenso sollte der Kontrast zum Untergrund groß genug sein – also keine grüne Schrift auf einem grünen Cover.

Es ist ein Unterschied, ob euer Buch in Print im Buchladen liegt oder auf dem Rechner als Tumbnail auftaucht. Wenn ihr den Titel gut gestaltet habt, sollte am besten beides klappen, aber prüft vor allem, ob der Titel noch gut zu lesen ist, wenn das Coverbild sehr klein ist. Ein einfacher Trick ist, die Weite der Buchstaben in eurem Gestaltungsprogramm so zu verändern, dass etwas mehr Luft zwischen die Buchstaben kommt. Je nach Schriftart schieben sich die Buchstaben weiter auseinander. So kann sich das Schriftbild einer Schrift erheblich verändern und die Lesbarkeit erhöht werden.

Natürlich geht es auch umgekehrt, was ich eher nicht empfehle, da Buchstaben, die zu eng stehen, schwerer zu lesen sind.

 

 

Titel und Titelbild

Im Grunde kann ich aber nicht über den Titel sprechen, ohne gleichzeitg von dem Coverdesign zu reden. Beides gehört zusammen und geht im besten Fall eine wunderbare Einheit ein. Wie Buchgestalterin Suse Kopp es in der letzten Woche schon erzählt hat, arbeitet eine CovergestalterIn von Anfang an mit allen Komponenten –  Buchinhalt, Buchtitel, Coverbild, Genre, Zielgruppe, Verlagsvorlieben oder Branding. Es macht keinen Sinn, einen Titel ganz losgelöst von der Covergestaltung auf dem Cover zu plazieren.
Der Titel, oder die typografische Gestaltung des Titels, kann sich allerdings in ein Coverdesign einordnen (siehe: „Der Vogelgott“), oder es dominieren, wie bei Maxim Billers Roman „Sechs Koffer“.

Der Titel füllt das ganze Cover. Durch die starke Gestaltung der Titelschrift ist sie gleichzeitig auch ein Bild und transportiert nicht nur eine Information, sondern auch ein Gefühl zum Buch. Hier: gestapelt, gepresst, wie Gepäck übereinander gepackt.

Bild und Titel

Beim Film gibt es eine Regel, an die sich alle halten, die gute Filme machen wollen: Was gezeigt wird, muss nicht gesagt werden.

Wenn also ein Vogel durchs Bild fliegt, muss niemand sagen: „Schau mal, ein Vogel!“ Das ist bei Covern anders. Hier verstärken sich Titel und Bild oft, wie man bei dem Roman „Der Vogelgott“ sehen kann. Nicht, weil es Menschen gibt, die nicht lesen können, sondern weil ein Bild die Emotionen steigert und in eine bestimmte Richtung lenkt. Gelungen ist die Kombination von Schrift und Bild, wenn auf der einen Seite eine klare und starke Botschaft vermittelt wird und zum anderen noch genug Geheimnis für den Leser bleibt.

Lange und kurze Titel

Es leuchtet vollkomnen ein, dass ein unglaublich langer Titel Probleme bereitet. Einen langen Titel in eine Gestaltung zu integrieren, ist schwierig. Manchmal weiß man auch einfach nicht, wie man ihn auf dem Cover unterbringen kann. Beim „Hundertjährigen“ ist das gut geglückt und zu einer Art Markenzeichen geworden.
Fast alle Titel des Autors sind ganze Sätze nach dem Schema: „Der XV, der …“ oder „Die XY, die …“ . Bei kurzen Titeln hat man mehr Möglichkeiten, man kann – wie hier bei „Kruso“ – die Schrift größer und kleiner machen, sie dem Bild (siehe Mitte) unterordnen oder die Gestaltung dominieren lassen. Auf allen drei Covern wird aber deutlich, dass es um Meer, Küste, eine Leuchturm, Schifffahrt geht.

Titelsprache

Ein Titel weist nicht nur auf den Buchinhalt, sondern auch auf die Qualität und das Genre des Buches hin. In der Belletristik ist sehr viel möglich, bei Genre-Romanen wollen die Leser (und Buchhändler) deutlicher sehen, was sie als Buchinhalt erwarten dürfen. Bei „Lustvolle Nächte in Singapore“ wird man einen (nicht besonders anspruchsvollen) Erotikroman erwarten. „Der Messerstecher“ deutet eher auf einen Krimi oder Thriller hin. Seid ihr also Genre-Autoren, dann denkt als schon bei der Wahl des Titels an das Genre (Lieberoman, Thriller…), in dem ihr schreibt und ob man genügend versteht, worum es in eurem Buch geht.

Ich leide immer ein wenig, wenn bei einem Buch schon der Titel falsch/schwach/sprachlich ungeschickt formuliert ist. Sprachlich sehr fragwürdig, aber außerst beliebt ist zum Beispiel die Kombination von einem Wort, dass einen Vergleich schon in sich trägt mit einem zusätzlichen Wie-Vergleich. Beispiel: Rosenrot wie … // Federleicht wie // Himmelhoch wie … Wenn etwas Federleicht ist, dann ist es genügend beschrieben, nämlich: Leicht – wie eine Feder. Natürlich hat man – besonders in der Lyrik – Freiheiten in der Sprache, um ein Gefühl // eine Stimmung besonders intensiv auszudrücken, aber dann muss ein Vergleich oder ein Bild auch stimmig sein. Kurz: Man sollte auch bei einem Titel auf eine gute deutsche Sprache achten. Im Zweifelsfall: eher schlicht also zu verschwurbelt.

Titel im Genre Liebesroman/Fantasy/Romantasy

In der Belletristik werdet ihr sehr unterschiedlich gestaltete Cover finden. Das ist anders in der Genre-Literatur, wo sich im Laufe der Zeit bestimmte Titelformen für Genres eingebürgert haben. Also ähnliche Schriftarten, ähnliche Coverbilder. Das macht sehr viel Sinn, da der Leser gleich erkennt, mit was für einer Art Buch er/sie es zu tun hat. Bei Liebesromanen werden für Titel häufig Schriftarten gewählt, die mehr oder weniger geschwungen sind und Serifen haben. Schriftarten mit Serifen (Times Roman, Baskerville, Bookman, Cambria, Garamond …) passen zu Lieberomanen und historischen Romanen oder Fantasy und Romantasy.

Als Serife bezeichnet man die (mehr oder weniger) feine Linie, die einen Buchstabenstrich am Ende, quer zu seiner Grundrichtung, abschließt. (Wikipedia)

Oder salopp gesagt: die Erweiterungen und kleinen Schnörkel am Ende eines Buchstabens.

Manchmal werde einzelne Worte besonders hervorgehoben (Wie hier das HERZ) und bekommen Extra-Schnörkel. Natürlich spielt auch das Coverbild eine Rolle. Die Motive gehen gerne in die Tiefe, ziehen den Betrachter in eine Szene hinein oder vermitteln eine emotionale Stimmung durch Motive wie Schmetterlinge, Blumen oder Herzen. Bilder von Frauen oder Paaren oder eine romantische Landschaft. Tatsächlich (und das war Zufall!) steht in allen 3 Titeln das Wort „Herz“.

Besonders beliebt sind in letzter Zeit auch die Handschriften geworden. Also Schriften, die wie handgeschrieben aussehen und damit sehr persönlich und emotional erscheinen. Also Lettering-Schriften und Brush-Schriften. Auch hier solltet ihr darauf achten, dass sie gut lesbar sind.

Titel im Genre Thriller/Krimi

Wie ist es mit Krimis und Thrillern? Nicht nur, weil in diesem Genre viel mehr Männer lesen, sondern auch, weil das Thema eher auf Aktion, Spannung und Fakten legt, werden hier die serifenlosen Schriften wie Arial, Avandgarde, Calibri, Geneva … für Titel auf den Covern bevorzugt.

Meist sind die Bücher in dunklen Farbtönen gehalten, gegen die sich die Schrift hell bis grell absetzt. Also rot oder gelb oder weiß. Es geht auch umgekehrt, dann sind die Cover weiß und die Titelschrift bildet einen Kontrast in Rot oder Schwarz. Die Covermotive sind symbolhaft, manchmal auch verstörend, als hätte man ein einzelnes Indiz gefunden, wie die Kratzspuren auf dem Cover von „Gone Girl“ oder die Blumen auf dem Karin- Slaughter-Titel. Hier wird es eher nicht lustig/gemütlich/kuschelig/emotional, sondern Fingernägelbeißen ist angesagt.

Titel und Bildaufteilung

In der Regel ist der Titel das wichtigste Element des Covers und ist damit am größten und auffälligsten. Seid mutig und bedeckt mit einem Titel ruhig Teile des Bildes oder sogar ein ganzes Bild. Viel zu probieren – Schriftarten, Farben, Motive – hilft bei der Gestaltung. Vielleicht schnipselt ihr sogar erst und bastelt mit Papier bevor ihr euch an den Computer setzt. Wagt etwas – Mutige Cover sind in!

Das nächste Mal geht es um Cover für Kinderbücher.

Bis bald und viel Spaß beim Gestalten!

Katrin

#coversecrets #redbugwriting #buchgestaltung

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply