Charakter-Special: Bedürfnisse

Charakter-Special: Bedürfnisse #7 Ästhetik

24. Oktober 2018
Beduerfnisse #7 Ästhetik

Beduerfnisse #7 Ästhetik

 

Der Wunsch nach Ästhetik ist ebenso ein Grundbedürfnis, wie Nahrung oder Nähe. Ab dieser Stufe der Pyramide erwacht in uns der Wunsch danach, unsere Umgebung ansehnlich zu gestalten, uns in Räumen zu bewegen, die unserem Geschmack entsprechen, uns einzurichten und auszurichten auf die Schönheit der Welt.

Charaktere, die sich mit dem Bedürfnis nach Ästhetik auseinandersetzten, legen Wert auf ihren eigenen Stil. Sie zeichnen sich durch ihre eigene Vorstellung von Schönheit aus. Was dem einen gefällt, findet der andere hässlich. Und das ist oft genau das, was diese Charaktere sich wünschen. Erkannt zu werden, durch ihre Vorlieben.

 

Das sieht man auch den Räumen an, die sie beleben. Ob es ein Arbeitsplatz, eine Wohnung, ein Haus oder ein Garten ist, wie sie ihre Umgebung gestalten, sagt viel darüber aus, wie sie sich selbst wahrnehmen und wahrgenommen werden wollen. Natürlich beschränkt sich der Wunsch nach Ästhetik nicht nur auf Räumlichkeiten. Kleidung, Haarschnitt, Accessoires, Gegenstände, die ihnen wichtig sind, die Berufe die sie verfolgen. Jedes kleine Detail erzählt etwas über sie.

Elbenleben

Die Elben in Lothlorien sind ein schönes Beispiel für absolute Ästheten. Sie haben sich ein Leben in den Wäldern eingerichtet, dass an Nahrung, Sicherheit und Gemeinschaft nicht mangelt. Ihr Wissen und ihre Erfahrung ist so groß, dass sie nicht nur die funktionalsten, sondern auch die schönsten Dinge herstellen können. Sie lieben Musik, Tanz und Schauspiel. Sie sind begeistert von Poesie und wirken, als könnten sie stundenlang den Worten eines Meisters lauschen, ohne dabei auch nur an einem Salatblatt zu knabbern. Bilbo, der als erster dieses magische und wundersame Volk kennenlernt, ist sofort verzaubert und verstört von ihrem ausgeprägten Geschmack und Sinn für das Schöne. So richtig zu Hause fühlt er sich dennoch nicht. Ein Hobbit mag es eben gemütlich und dafür braucht es etwas mehr Gusto, als die Elben des Waldes mit sich bringen.

Schattenseiten

Charaktere die großen Wert auf Ästhetik legen, orientieren sich an der Art und Weise, wie die Welt sich ihnen zeigt. Natürlich kann der Sinn für Schönheit ein inneres Erlebnis sein, dass sich unter Umständen, völlig im Geist des Kreativen abspielt. Häufig ist es allerdings so, dass nach Ästhetik strebende Charaktere sich ausdrücken. Egal ob es durch Sprache, Farbe oder Formen ist, hier wird gestaltet.

Das heißt nicht, dass eine Figur, die sich mit Ästhetik auseinandersetzt, zwangsläufig gut sein muss. Der Wunsch danach, seine Umgebung zu gestalten, ist manchmal auch der Wunsch nach Kontrolle. Sich mit schönen Dingen zu umgeben, ein Zeichen von Status, Macht und Einfluss. Charaktere, die äußerer Schönheit zu viel Bedeutung beimessen, laufen oft Gefahr hinters Licht geführt zu werden. Nicht selten lernen sie im Lauf der Geschichte, ihren Sinn für Ästhetik auch auf innere Werte auszuweiten. 

Künstler

Natürlich, das Bedürfnis nach Ästhetik ist besonders stark ausgeprägt bei Figuren, die Künstler sind. Das Arrangieren der Formen und Farben des Universum zu angenehmen und anregenden Konstellationen. Wobei die Auseinandersetzung mit Ästhetik nicht zwangsläufig meint, dass man sich nicht genau so gut mit Hässlichkeit auseinandersetzt. Nur eben aus einem anderen Blickwinkel.

Bilden Künstler eine Ausnahme in der Bedürfnispyramide? Wenn ein bettelarmer Bildhauer selbst dann noch Ton knetet, wenn zwischen den Ritzen Ratten lugen und das Dach sich bedenklich neigt, muss man sich doch fragen, ob er schon mal was von Grundbedürfnissen gehört hat.

Diese spezielle Spezies Mensch scheint unberührt von dem Wunsch nach Komfort und Sicherheit, völlig unverfrorener beim Anblick eines regelmäßigen Paychecks oder einer Lebensversicherung. Aber auch sie unterliegen gewissen Gesetzten. Auch wenn das Bedürfnis nach Ästhetik bei ihnen besonders stark ausgeprägt ist, brauchen sie dieselben Dinge, wie jeder andere auch. Einen Charakter zu sehen, der sein Leben ungewöhnlich gestaltet,  gibt einem mehr Einblick in die Möglichkeiten, die wir bei der Befriedigung unserer Bedürfnisse haben.

Narrenfreiheit

In vielen Geschichten gibt es diesen einen crazy Charakter, der völlig gegen den Strom schwimmt. Häufig ist das nicht der Hauptcharakter, sondern Jemand, der über eine schöne Nebenstory herrscht. Oft beschreiben Autoren, dass ihnen das Schreiben dieser Figuren besonders viel Freude bereitet. Das liegt mit Sicherheit daran, dass es unglaublich befreiend sein kann, alle Konventionen los zu schütteln und sich dem inneren Nerd hinzugeben. In jedem von uns lebt Jemand, der lachend durch die Wiese hüpft, splitterfasernackt und mit einem wilden Blumenstrauß in den farbbeklecksten Fäusten. Diesem ungewöhnlichen Ästhet ab und an das Ruder zu überlassen, sorgt für eine frische Brise und einem großen Aufatmen, gerade in Geschichten, die dazu neigen, zu düster zu werden.

Ästhetik heißt nicht immer mahagonibeholzte Schreibtische und goldgerahmte Ölschinken. Ein Schloß in Calais oder Licht, das durch plangeputzte Fenster fällt. Im Licht einer individuellen Persönlichkeit nimmt das Leben eine stimmige Form an, die wunderschön und einzigartig ist.

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