Charakter-Special: Bedürfnisse

Charakter-Special: Bedürfnisse #6 Kognition

17. Oktober 2018

Beduerfnisse #6 Kognitiv
Denken bis die Synapsen knapsen. Komplexe Rätsel zu lösen, Probleme logisch anzugehen, Überzeugungen zu Entwickeln und Argumente zu finden. Das alles tummelt sich auf der Ebene der kognitiven Bedürfnisse. Jede Geschichte, die uns zum Denken anregt, stimuliert dieses Bedürfnis. Und of stehen in ihrem Zentrum Figuren, denen es ähnlich geht. Ein komplizierter Krimi hat womöglich eine Hauptfigur, die sich an Rätseln labt. Die, kaum dass sie einen Raum betritt, anfängt, nach Hinweisen zu suchen und die in ein Muster zu legen, bis die farbenfrohe Lösung direkt vor ihrem inneren Auge schimmert.

Sherlock Holmes ist wahrscheinlich der Inbegriff einer Figur mit starken kognitiven Bedürfnissen. Er sieht die Welt nicht wie Watson, lose verbunden durch physische Kräfte, sondern als ein Mosaik aus Indizien, einem Spinnennetz aus Querverbindungen, dass in der Morgensonne funkelt. Wenn jemand sein Wohnzimmer betritt, dann kann er gleich an den Schlammspritzern am Hosensaum erkennen, von wo er angereist ist. Kann an der ausgefransten Hutkrempe oder einem Flusen auf dem Jacket erkennen, wie es um seinen Haushalt steht. Sherlock mag seine Schwächen haben. Aber in seiner Geisteswelt ist er der Größte, Schnellste, Klügste.

Mindpalace

Natürlich haftet diesen Figuren oft eine gewisse Unnahbarkeit an. Jemand, der zurückgezogen in seinem Schneckenhaus aus Gedankenkonstrukten wohnt, oder ständig in seinem Mind Palace hockt, mag für viele wirken, als wäre er an der Außenwelt nicht besonders interessiert. Dabei ist es ja gerade die Außenwelt, die ihre spektakulären Gedanken initiiert. Kein Beweis kann verarbeitet werden und ein Eindruck geordnet, wenn nicht zuvor ein Impuls von Außen gekommen ist.

Eine ambitionierte Anwältin, die sich für schwierige Fälle einsetzt, mag genauso stark ihren kognitiven Bedürfnissen nachgehen, wie ein Spieler, der unaufhörlich die Muster studiert, in denen rote und schwarze Bälle kreisen. Von den Gerichtssälen bis in die Casinos der (fiktiven) Welt, kognitiv ausgerichtete Charaktere finden sich überall.

Denkprofi

Grundsätzlich tritt das Bedürfnis nach anregenden Gedankenspielen erst dann auf, wenn die grundlegenderen Bedürfnisse gestillt sind. Hat der Charakter genug zu essen, ein Dach über dem Kopf und zumindest einen (Watson) Freund, können sich bereits rationale Ambitionen regen. Geschichten, die sich um kognitive Bedürfnisse drehen, spielen nicht selten in „professionellen“ Welten. Erzählen Geschichten über Gerechtigkeit und Moral, Logik und Verständnis.

Das muss nicht heißen, dass eine Figur mit kognitiven Bedürfnissen zwangsläufig gebildet sein muss. Aber sie wird ihr eigenes Interesse an der Welt entwickelt haben und viel Energie in ihr individuelles Verständnis ihrer Umgebung investieren. Obwohl diese Charaktere nich selten kühl wirken, kann der Wunsch nach Verständnis, nach Erklärungen allerdings ebenso dringlich, ebenso instinktiv wie der Wunsch nach Nahrung oder Liebe sein. Mitunter wird das Rätsel des Lebens für einen Charakter so zur absoluten Obsession.

Instinkt und Intuition

Oft ist das Bedürfnis danach, fruchtbare Gedanken zu denken mit einer Erwartung oder sogar einem anderen Bedürfnis verknüpft. Es ist nicht zu übersehen, dass Sherlock enorme Befriedigung und große Anerkennung aus seinen Denkleistungen zieht.

Immer mal wieder trifft man Charaktere, die gerade wegen ihrer Fähigkeit, abstrakt zu denken, den simpelsten Dingen im Leben mit Vorsicht begegnen. Hin und wieder haben sie sich so von ihren urtümlichen Impulsen entfernt, dass es ihnen schwerfällt, sich ihrem Instinkt hinzugeben. Das kann für ihre Mitmenschen, die nicht immer in ihre Gedanken eingeweiht sind, frustrierend sein.

Neben logischem Denken und einem ausgeprägten Verständnis für ihr Interessenfeld, entwicklen Charaktere oftmals ein unheimliches Gespür für Zusammenhänge und Situationen. Wo das denken aufhört, beginnt der sechste Sinn. Und je weiter Charaktere in die Welt des Bewusstseins vordringen, desto mehr Informationen liefert ihnen ihr Unterbewusstsein. Diese starke Intuition sorgt oft für angenehme Überraschungen und unvorhersehbare Wendungen.

Lust auf mehr

Lernen zu wollen, unsere Wissenschaft und unsere Erkenntnisse zu erweitern ist ein maßgeblicher Bestandteil unserer inneren Welt. Sobald wir die Möglichkeit dazu haben, erwacht in uns der Wunsch danach mehr zu wissen, herauszufinden, zu forschen, zu studieren.

Und das Wissen, das wir sammeln und die Fähigkeiten, die wir erlernen, wenn wir unseren kognitiven Bedürfnissen nachgehen, sind oft ein maßgeblicher Bestandteil bei der Erfüllung der nächsten Bedürfnisse. Ob das Formen und Farben für eine Malerin oder Einblick und Intuition über organische Vorgänge für einen Biologen sind. Der Einsatz, den wir auf dieser Ebene zeigen, zahlt sich im Verlauf unseres Aufstiegs in der Pyramide immer aus.

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