Charakter-Special: Bedürfnisse

Charakter-Special: Bedürfnisse #5 Anerkennung

10. Oktober 2018
Beduerfnisse Anerkennung

Beduerfnisse Anerkennung
Zu lieben und geliebt zu werden gibt einem das gute Gefühl, Teil einer Einheit zu sein. Zu jemandem zu gehören, mit jemandem zusammen zu sein. Ist dieses grundlegende Bedürfnis befriedigt, beginnt sich in uns ein neuer Wunsch zu regen. Der Wunsch nach Anerkennung.

Auf dieser Stufe der Bedürfnispyramide, fangen wir an, wir selbst zu sein. Wir wollen nicht einfach nur als Teil der Gruppe wahngenommen werden, als Partner von X, als Mutter, Sohn der Tochter von Y. Wir wollen wir selbst sein. Und als derjenige wahrgenommen werden, der wir sind.

Hier wollen wir uns abheben, hervortun und herausstechen. Wir wollen in der gleißenden Sonne von einer wogenden Menge zu einem strahlenden Thron getragen werden. Wir wollen bejubelt, beklatscht, berühmt und gelobt werden. Maslow bezeichnete diese Ebene der Bedürfnispyramide als erste Ebene der Individualbedürfnisse. Der Reihe von Bedürfnissen, die uns zu dem machen, wer wir sind und maßgeblich definieren, wer wir sein wollen. 


Der Kampf um Anerkennung

G.R.R Martins Game of Thrones ist ein Epos über den Kampf um Anerkennung. Der Thron symbolisiert Macht, Einfluss, Respektabilität. Auf ihm zu sitzen bedeutet, dass viele Menschen sagen, wir sehen, schätzen und brauchen dich. Du bist wichtig.

Jeder Charakter, der in A Song of Ice and Fire, um das Anrecht auf den Thron kämpft, ringt auch innerlich mit dem Wunsch nach Anerkennung. Der rechtmäßige Erbe, König des Nordens, Tochter des Drachen – Anerkennung definiert uns. Es ist bezeichnend, das wir für diesen Vorgang nicht nur auf uns selbst, unser Geschick und unsere Hoffnung angewiesen sind, sonder auch in hohem Maß auf andere Menschen.

Dani kann sich in der Roten Wüste einen Thron basteln, aus Stöcken und Rinden und sich stolz darauf platzieren, aber es wird ihr nicht dieselbe Genugtuung, den selben Energieschub geben, als wenn sie in Kings Landing die Stufen zum eisernen Thron besteigt.

Ambivalenz und Anerkennung

Genauso wie das Bedürfnis nach Liebe, birgt das Bedürfnis nach Wertschätzung die Gefahr, sich selbst aus den Augen zu verlieren. Womöglich eifert ein Charakter einem Ziel hinterher, für das er oder sie nicht geschaffen ist, nur um die Anerkennung zu bekommen, die er sich tief in seinem Herzen wünscht. Äußere Ehrungen, Titel und materieller Reichtum sind handfeste Anzeichen für Status und Prestige. Für die Bedeutung, die andere einem beimessen.

Was wertgeschätzt wird und was nicht, ist von den jeweiligen Regeln und Strukturen der Gesellschaft abhängig, in der wir uns bewegen. Ist die Welt des Charakters darauf ausgerichtet, Kriegsherren und Heerführern die meiste Wertschätzung entgegen zu bringen, tut eine Figur gut daran, sich in der Kriegsführung zu beweisen. Schätzt man Mitgefühl und Großzügigkeit, wird derjenige sich automatisch nach diesen Vorgaben richten.

Das heißt, es schwingt immer eine gewisse Ambivalenz mit, wenn es um die Erfüllung des Wertschätzungs-Bedürfnisses geht. Wir wollen wir selbst sein. Aber wir wollen auch, dass andere sehen können, dass das eine gute Sache ist. Das heißt, ein Charakter formt sich intuitiv nach den Regeln und Gepflogenheiten seiner oder ihrer Umgebung.

Krisen und Anerkennung

Viele Charaktere stürzen in Identitätskrisen, wenn die äußere Anerkennung, an sie sich gewöhnt haben, mit einem Mal ausbleibt. Oder wenn ihnen die Mittel, mit denen sie üblicherweise ihre Wertschätzung erhalten, verwehrt bleiben. Ein Sportler, der sich kurz vor dem entscheidenden Spiel das Bein bricht, oder eine Geschäftsleiterin, die gefeuert wird- wenn die Systeme zusammenbrechen, die man sich aufgebaut hat, um Anerkennung zu erhalten, gerät selbst der erfolgreichste Mensch ins Taumeln. Genau dieser Moment ist ein guter erzählerischer Kniff um die Figur zu animieren, sich wichtige Fragen zu stellen und ihre Vorgehensweise unter die Lupe zu nehmen.

Wer bin ich, wenn der Applaus ausbleibt? Wer kann ich sein, wenn der erste Platz an jemand anderen geht? Die Antworten auf diese Fragen, führen oft zu tiefgreifenden Einsichten, die den weiteren Verlauf der Geschichte verändern.

Innen und Außen

Bei Anerkennung geht es nicht nur um Geld oder glänzende Medaillen, obwohl das ein schöner Ausdruck für Wertschätzung ist. Es geht um mehr. Sich zu zeigen und einzubringen erfordert Mut und Ausdauer. Anerkennung ist unsere Belohnung dafür.

Die größte Herausforderung für einen Charakter, der nach Anerkennung strebt ist, den inneren und äußeren Reichtum in Einklang zu bringen. Das erkennen viele Charaktere im Laufe ihres Strebens nach Ruhm und Reichtum.

 

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