Charakter-Special: Bedürfnisse

Charakter-Special: Bedürfnisse #4 Liebe

3. Oktober 2018
Beduerfnisse #4 Liebe

Beduerfnisse #4 Liebe


Love, Love, Love. Die Magie, die unser Universum zusammenhält. Und so auch uns Menschen. Liebe überwindet Grenzen jeder Art, öffnet Türen und macht Unmögliches möglich. 
Und auch Liebe gehört zu unseren Grundbedürfnissen. 

Liebe findet sich in allen Formen und Verbindungen. Deshalb ist es nicht notwendig, das Bedürfnis nach Liebe auf Liebesgeschichten und Romanzen zu beschränken. Aber Liebesgeschichten illustrieren in der reinsten Form das Bedürfnis nach Zuneigung, Nähe und Intimität.

Liebe bringt eine Reihe von spektakulären Eigenschaften mit sich. Vertrauen, Großzügigkeit und Opferbereitschaft. Zusammenhalt, Authentizität und Lebensfreude. Kein Wunder also, dass viele Geschichten sich um diese lebensspendend Kraft drehen. Ob im Hauptplot oder einer Nebenstory, Liebe findet sich fast überall.

Liebe und Transformation

Unbequemerweise wird  unser Bedürfnis nach Liebe am stärksten durch ihr Fehlen verdeutlicht. Ob das nach einer sonnigen Woche, Hand in Hand, ein einsames, regnerisches Wochenende ist, oder die Suche nach einem Partner in einer undurchsichtigen Welt. Fehlt uns Liebe, fehlt uns Leben. Und das wird deutlich, wenn wir uns die Struktur einer Liebesgeschichte ansehen. Am tiefsten Punkt der Story, am Tod der alten Persönlichkeitsstruktur findet sich so gut wie immer, das Getrenntsein vom Partner oder der Partnerin.

Liebe ist uns allen vertraut und doch ein stetiges Mysterium. Wo kommt sie her, wo geht sie hin? Wie kann man sie schützen, erhalten, verändern? Manchmal kommt es einem so vor, als würde Liebe ihre eigenen Wege gehen, unabhängig von allen anderen Faktoren der (fiktionalen) Welt. Das macht sie zu einem spannenden Aspekt in allen Geschichten. Sie ist unberechenbar, frech, ungestüm und überraschend. Sie ist der Katalysator für enormen Lebenswandel und großes Entwicklungspotenital. Sie kickt einen Charakter vom Rand seiner sicheren Welt in ein Chaos aus Gefühlen, dass immer, und damit meine ich immer, zu einer erweiterten Persönlichkeit führt.

Angst und Liebe

Der Zwiespalt der Liebe, ist natürlich, dass sie Vertrauen schenkt und gleichzeitig Angst macht. Wer hat nicht schon einmal die fröhliche Miene seines Partners gesehen oder den friedlich schlummernden Hund vor dem Sofa, und mit eiskaltem Schock gedacht, eines Tage wirst du sterben. Vor mit oder nach mir, unter Umständen, die mir nicht bekannt sind. Aber eines Tages, wirst du nicht mehr da sein. Die Erkenntnis dieser einfachen Tatsache bohrt sich wie eine glühende Spitze durch unser flammendes Herz. Und wenn wir das Gesicht in der Umarmung des Geliebten oder dem Fell des Haustiers vergraben um unsere Tränen zu trocknen, denken wir damn you Liebe, was hast du getan?

Die Sehnsucht danach, zu Jemandem oder Vielen zu gehören ist oft ebenso stark, wie die Angst davor, verletzt zu werden. Wir sprechen mit Leichtigkeit von Liebe. Ich liebe diesen Film, ich liebe dieses Theaterstück…, aber die monströsen Ausmaße unser Liebesfähigkeit tasten wir nur selten. Das atemlose Ringen und fassungslose Glück jemanden zu lieben und geliebt zu werden. Liebe befähigt Charaktere, zu tun, was sie nicht für möglich gehalten haben, zu fühlen, was sie nicht zu fühlen gewagt haben. Sie schenkt Klarheit und Richtung in Momenten der Angst und schürt Unsicherheit und Zwiespalt selbst in den gefestigten Persönlichkeiten.

No risk no love

Sagen wir mal, du triffst jemanden auf der Straße, den du lange nicht gesehen hast. Und nehmen wir mal an, es wäre jemand, den du nur flüchtig gekannt und vage sympathisch gefunden hast. Wie würde die Begegnung aussehen? Womöglich fröhlich. Ach du hier, was für eine Überraschung, wie schön, dich zu sehen, ja, ja, ach so, nein sag mir doch. Man würde sich unterhalten, lose auf einen Kaffee verabreden und entspannt anderer Wege gehen. Vielleicht mit einem beschwingten Lächeln auf den Lippen und einem netten Winken über die Schulter. Mach’s gut, man sieht sich.

Und dann stellen wir uns vor, du biegst um die nächste Straßenecke und vor dir, aus dem Schatten einer Litfaßsäule, tritt eine Gestalt, die du unter Hundert erkennen würdest. Der gleiche Gang, diese federnde Art, mit den Füßen zu wippen, die selben Haare, die immer gleich in der Sonne glänzen, dieses unsagbare halbe Lächeln, dass um die schönen Lippen spielt. Dann hätte genauso gut Jemand den Lauf einer Schrotflinte auf dich richten können.

Liebe erhöht das Risiko. Sich zu entblößen, verheddern, wegzuschenken, auszugeben. Sich zu verraten und zu hintergehen, nicht wieder zur erkennen und im Kreis zu drehen. Deswegen ist sie die Prise Feenstaub, die eine Situation von einer unbedeutenden Alltagsplänkelei zu einem bedeutsamen Drama macht. Es ist keine kleine Sache, ob Darcy und Elizabeth zusammenkommen. Es ist die größte Sache. Wenn Liebe glückt, ändert das alles.

Und wenn sie scheitert, genauso.

Deswegen handeln Liebesgeschichten nicht einfach nur von Menschen, die auf der Suche nach einem Partner sind. Sie drehen sich um einen Grundpfeiler unserer Existenz und bestätigen die Möglichkeit zu größter Transformation.

Gegensätze ziehen sich an

Ein Trick von Liebe ist es, Amors Pfeil direkt ins Herz von jemandem zu schießen, der nicht unterschiedlicher von dir sein könnte. Zumindest augenscheinlich. Warum ist es so oft so, dass Paare in Büchern aus den verrücktesten Kombinationen bestehen? Weil wir so lernen, uns zu verändern. Wenn wir jemanden lieben, der anders ist als wir, erkennen wir diesen Teil auch in uns. Und wir haben die Möglichkeit, mehr zu sehen, zu empfinden und wertzuschätzen, als zuvor. Wir sehen unsere eigenen Stärken und Schwächen in einem anderen Licht und realisieren, dass jeder eine andere Perspektive aufs Leben hat. Wir werden weiter, besser, weiser.

Einen Charakter  lieben zu lassen, ist die einfachste Form, sie oder ihn auf eine Reise ins innerste seiner Gefühle zu schicken. In den Kern seiner Überzeugungen und Erwartungen. In die Höhle des Löwen. Und von dort aus, kommt Niemand unverändert zurück.

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