Charakter-Special: Bedürfnisse

Charakter-Special: Bedürfnisse #3 Sicherheit

26. September 2018
Beürfnisse #3 Sicherheit

 

Beduerfnise
Jede Geschichte, die ihre Protagonisten in lebensgefährliche Situationen bringt, wird Spannung mit sich bringen. Das Kämpfen ums Überleben ist unser stärkster Trieb und wann auch immer unsere Helden in Lebensgefahr geraten, verspricht das Herzklopfen und schweißnasse Hände.

Steht unsere Sicherheit auf dem Spiel, zeigen sich Seiten an uns, die wir zuvor nicht kannten und wir werden Fähigkeiten gewahr, die bisher verborgen blieben. Ein schüchterner Computernerd behält in einer Notsituation die Nerven, eine hochnäsige Prinzessin wird auf einmal kleinlaut, einer beweist seinen Mut, eine andere ihr Geschick. Wenn es darauf ankommt, überraschen wir uns oft selbst.

Physische Sicherheit

Klar, wenn Pfeile unsere Haarspitzen streifen und Monsterfinger nach unseren Knöcheln greifen, fällt es einem schwer sich sicher zu fühlen. Auf Gefahren müssen wir schnell reagieren, uns verteidigen, loseisen und heraus manövrieren. Wer kann schon klar denken, mit einer Hand am Abgrund hängend? Körperlich in Sicherheit zu sein, ist fast immer unsere erste Priorität.

Charaktere, die um ihr Leben kämpfen, müssen schnell sein. Wenn die Spannung steigt und der Feind hinter dem nächsten Busch lauert, bleibt keine Zeit für lange Reden und weitreichende Gedanken. Raus hier und zwar schnell. Lebt ein Charakter in einer Welt, in der er oder sie ständig ums Überleben kämpft, kann es sein, dass das Nachdenken auf der Strecke bleibt. Sie sind darauf trainiert zu handeln. Was auch immer sie tun, tun sie schnell, effizient und mit vollem Einsatz. Sie vertrauen auf ihre Instinkte, auf ihr Körpergefühl und Entscheidungskraft.

Es kann aufregend sein, diese Persönlichkeiten durch ihre haarsträubenden Abenteuer zu begleiten. Wenn sie, nach rauschender Verfolgungsjagd, durchgeschwitzt und abgewetzt um die nächste dunkle Ecke biegen und vor einer Mauer stehen. Der Atem des Verfolgers schon warm im Nacken. Und wenn man denkt, es gibt keinen Ausweg mehr, drehen sie sich um, die Fäuste geballt, die Zähne zusammengebissen und stürzen sich auf ihren Gegner. Ihnen macht keiner was vor. Sie sind wahre Überlebenskünstler.

In Suzanne Collins Hunger Games spielen zwölf Jugendliche ums Überleben. Dass ein Turnier, in dem es darum geht, der oder die einzige Überlebende zu sein, ein nägelkauendes und nervenaufreibendes Event ist, liegt auf der Hand.

Häuser, Höhlen, Hogwarts

Ein Faktor, der unser Gefühl von Sicherheit und oft auch unsere tatsächliche Sicherheit beeinflusst ist- unser Haus. Oder ein Haus. Eine Höhle, ein Zelt, ein Unterschlupf aus Ästen. Können wir uns vor Witterung und unliebsamen Blicken schützen, steigt unser Wohlbefinden erheblich. Nimmt man uns das Dach über dem Kopf, kann es schnell ungemütlich werden.

Denn noch bevor ein Haus ein Zuhause wird, mit Sofakissen und Kaminfeuer, ist es in erster Linie, ein Schutz. Sobald Frodo die Türschwelle seiner warmen Hobbithöhle verlässt, ist er vogelfrei. Sobald Katniss die Arena der Hunger Games betritt, gibt es keinen Ort mehr, an den sie sich zurückziehen und an dem sie sich sicher fühlen kann. Selbst die heruntergekommenen Häuser im District 12 sind besser als der bloße Dschungel. Einen Charakter seinem eigenen Schicksal auszuliefern, wird wirkungsvoll in die Wege geleitet, wenn man ihn aus seinem Haus jagt.

In den Harry Potter Romanen ist der Gipfel der Unsicherheit, die Schlacht von Hogwarts, auch deshalb so bedeutend, weil die Zaubererschule für Harry zu einem Zuhause geworden ist. Und für die Kämpfer gegen den dunklen Lord, zum letzten Rückzugsort. Ein Ort, der Schutz verspricht und verteidigt werden muss, da er für all die immaterielle Sicherheit steht, die ein geborgenes Zuhause einem geben kann.

Wenn der Held das Haus nicht verlässt, muss das Monster zum Bahnhof gehen. Hat es sich ein Charakter Zuhause gemütlich gemacht, ist ein sicheres Mittel, um eine Gesichte in Gang zu treten, das Abenteuer direkt an die Türschwelle kommen zu lassen. Ob das dreizehn Zwerge, ein Zauberer, ein Troll oder ein Rivale ist, spielt dabei keine Rolle. Dringt jemand in die Domäne des Helden ein, ist er schutzlos ausgeliefert. Und dann beginnt der Kampf.

Psychische Sicherheit

In einer Welt, in der wir uns gut auskennen, deren Regeln wir blind vertrauen und in der wir uns sicher bewegen, gibt es kaum Anlass für Angst. Es kommt selten vor, dass man sich bedroht fühlt oder sich ernsthaft fürchten muss. Wechselt ein Charakter jedoch von einer Welt in eine andere, rasselt eine ganze Kette von Ängsten auf ihn ein, die er vorher nicht gekannt hat. Wenn Frodo zum ersten Mal das Auenland verlässt, dann reicht das schon, um ihn ihm ein Gefühl von nervöser Erwartung zu schüren. Eine dunkle Ahnung, dass ab hier, nichts mehr so sein wird wie früher.

Noch scheint die Sonne und die Bienen summen über die Wiesen, kein Lüftchen trübt das stille Wasser im Dorfteich. Von Gefahr kann keine Rede sein. Aber Frodo und seine Gefährten beginnen, sich mit einer neuen Gefahr anzufreunden. Der Gefahr, die in ihren Köpfen stattfindet.  

Natürlich muss es keine physische neue Welt sein, in die ein Charakter sich begibt. Es kann ebenso gut ein Zustand sein, eine neue Lebenssituation oder eine neue Beziehung. Jede neue Situation ist ein Angriff auf unsere Sicherheit. Innerlich wie äußerlich.

Fight or Flight

Wird unsere Sicherheit bedroht, haben wir zwei Möglichkeiten. Fliehen oder kämpfen. Egal, ob es sich um einen Streit mit einem geliebten Menschen oder die Schlacht der fünf Heere handelt, die Entscheidung ist die gleiche. Should i stay or should I go. Diese einfache Frage symbolisiert die unglaubliche Kraft, die von einer Entscheidung ausgeht. Und zeigt uns, wie sehr all die kleinen Momente im Leben, in denen wir uns für das eine oder das andere entscheiden, unsere Persönlichkeit formen. Für einen Charakter ist es maßgeblich, Entscheidungen zu treffen. Nur so tritt ihre oder seine Individuelle Persönlichkeit zutage und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Eine Gefahrensituation ist die einfachste und wirkungsvollste Möglichkeit um uns die Herangehensweise unserer Heldin zu verdeutlichen. Und zu zeigen, an welchem Punkt ihrer Entwicklung sie sich befindet. Wo sie vorher noch gerannt wäre, entscheidet sie jetzt zu kämpfen und wir wissen: sie hat gelernt. Sie ist reifer geworden, gewachsen. Das heißt nicht, dass ein Charakter sich immer dafür entscheiden muss zu kämpfen. Aber es ist wichtig, dass sie entscheidet. Eine Figur die zwischen den Stühlen sitzt, führt zu Verwirrung und Unsicherheit. Und wenn ein Drache vor ihr steht und das feurige Maul aufreisst, machen wir es unserer Heldin leichter, eine klare Entscheidung zu treffen und geben ihr somit die Möglichkeit sich uns zu offenbaren.

 

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