Charakter-Special: Bedürfnisse

Charakter-Special: Bedürfnisse #1 Start

10. September 2018
Charakter-Special: Bedürfnisse #1 Leben


Mitte der 40er Jahre entwarf Abraham Maslow zum ersten Mal ein Modell zur Darstellungen von menschlichen Bedürfnissen. Eine Pyramide, die alles abdecken sollte, was ein Mensch jemals zum Leben benötigen kann. Mit ein paar Ergänzungen ist die Maslowsche Bedürfnispyramide noch immer ein wertvolles Hilfsmittel um menschliche Bedürfnisse darzustellen und zu verdeutlichen.

Und das ist, womit sich diese Blog-Reihe beschäftigen wird. Bedürfnissen. Der treibenden Kraft hinter allen konkreten, äußeren Zielen. Dem Motor der Motivation, dem Ursprung jeder Bewegung. Die Antwort auf die Fragen: Warum tun wir, was wir tun? Warum wollen wir, was wir wollen.

 

Die Pyramide

Die Pyramide unterteilt sich in 8 Stufen, die aufeinander aufbauen. Die Basis der Pyramide bildet das ursprünglichste Grundbedürfnis und jede weitere Ebene steht für das nächsthöhere Feld von Bedürfnissen. 

Das Schema ist mehr oder weniger eine Geschichte in sich, in deren Verlauf immer neue Werte und Erwartungen eine Rolle spielen. Hat man das unterste Level erfolgreich bespielt, also das Bedürfnis befriedigt, das dieser Ebene zu Grunde liegt, rückt man automatisch ein Feld weiter und ein neues Bedürfnis tritt zu Tage. So gibt es immer etwas, nach dem wir streben, immer etwas Neues, das wir brauchen, um den nächsten Schritt in unserem Leben zu gehen.


Transzendenz
Selbstverwirklichung
Ästhetische Bedürfnisse
Kognitive Bedürfnisse
Wertschätzungsbedürfnisse
Liebes- und Zugehörigkeitsbedürfnisse
Sicherheitsbedürfnisse
Biologische Bedürfnisse

 

Welche Rolle spielen Bedürfnisse in Geschichten?

Bedürfnisse sind ein maßgeblicher Bestandteil von Geschichten, weil sie der Antrieb für jeden Entwicklungsschritt sind, die ein Charakter machen will. Und in den allermeisten Fällen ist ein Bedürfnis, dass befriedigt werden will, auch der Startpunkt für jede Story.

Unterschiedliche Stories beschäftigen sich mit unterschiedlichen Bedürfnissen

Liebesromane drehen sich am allermeisten um das Liebes-und Zugehörigkeitsbedürfnis, das jedem Menschen innewohnt. Ein packender Thriller handelt vom Überleben, also wichtigen Grundbedürfnissen, wie Sicherheit und Überlebenskraft. Sick-Lit- na klar, mit den biologischen Bedürfnissen, die die Grundlage für unsere Existenz bilden. Wenn du dir vor Augen führst, welche Bedürfnisse in unterschiedlichen Büchern thematisiert werden, fällt dir sicherlich auf, dass es einen fließenden Übergang zischen den Ebenen der Pyramide gibt. In „The Fault in our Stars“ geht es um Gesundheit, aber eben auch um Liebe. Und die Frage nach dem Tod und allem was danach kommt, bringt immer ein gewisses Stück Transzendenz mit ins Gespräch.

Je nachdem, welches Bedürfnis im Vordergrund steht, wird die Dynamik der Geschichte entschieden beeinflusst. Ein erfolgloser Schriftsteller, der von Terroristen entführt wird, ist auf einmal nicht mehr hauptsächlich mit Selbstverwirklichung beschäftigt, sondern kämpft ums Überleben. Das erhöht die Spannung und die Dramatik schnell und effektiv. Unter Umständen führen die  die überstandenen Strapazen und der Überlebenswille den er in sich entdeckt, am Ende der Geschichte dazu, dass er die Fähigkeit errungen hat, sich selbst zu verwirklichen. In dem er, sagen wir mal, ein Buch über seine Erfahrungen schreibt. Einmal durch die Pyramide und zurück, ist eine abenteuerliche und ereignisreiche Möglichkeit, eine Geschichte zu erzählen.

Persönlichkeit und Bedeutung

Ebenso wie bei den Archetypen, charakterisiert das Hauptbedürfnis einer Figur, sie und ihre Story maßgeblich. Ein Politiker, der nach Anerkennung strebt, wird sich in einer Geschichte anders verhalten, als einer, der sich nach Liebe sehnt. Unter Umständen schätzen Charaktere ihre Bedürfnisse zu Beginn der Story völlig falsch ein und müssen erst am Ende erkennen, dass sie etwas ganz andere brauchen, als sie dachten. Es ist typisch für die Grundbedürfnisse eines Charakters, dass sie sich nach und nach bemerkbar machen. Das man sie nicht so leicht erkennen kann, wie die äußeren Ziele. Immerhin kann die Besteigung des Mount Everest unterschiedlichste Bedürfnisse ins Spiel bringen und befriedigen.

Ein Charakter mag diese Reise zum Gipfel der Welt antreten, um von seiner verstorbenen Frau Abschied zu nehmen. Ein anderer will sich seinem strengen Vater beweisen. Wieder ein anderer erfüllt sich seinen letzten Lebenswunsch. Das Spiel mit den Bedürfnissen gibt jeder Geschichte Tiefe und größere Bedeutung.

Denn jeder von uns findet sich in der Pyramide wieder. Wir sind vielleicht keine Bergsteiger, aber der Wunsch nach Sicherheit, Anerkennung und Liebe ist uns bekannt. Das heißt, auf der einfachsten und wirkungsvollsten Stufe identifizieren wir uns nicht mit der Story des Charakters, sondern mit seinen Bedürfnissen. Wir lesen also nicht einfach nur ein Buch, über eine Bergbesteigung, wir lesen eine Geschichte über Liebe, Selbstverwirklichung und Transzendenz.

Die Blog-Reihe

In den nächsten Wochen sehen wir uns gemeinsam die acht Ebenen der Pyramide an und finden heraus, in welchen Stories sie vorkommen und wie sie diese Geschichten und ihre Charaktere formen. Ich freue mich darauf!

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