Cover Secrets, DIY-Donnerstag

Cover Secrets #8 Autorenname

23. August 2018
Autorenname

Ja, Freunde tatsächlich werde ich dem Autorennamen auf dem Cover einen ganzen und eigenen Beitrag widmen. Denn er ist wichtig. Genauer gesagt: einer von zwei wichtigen Infos, die auf ein Cover gehören: Der Autorenname und der Titel. Was nimmt wie viel Platz ein? Was ist größer? Schauen wir mal …

Der eigene Namen auf dem Cover eines Buches – ist für die meisten Autoren das Ziel beim Schreiben. Doch wenn das Buch fertig geschrieben ist, werdet ihr feststellen, dass es noch viel mehr ist: Das seid ihr, das ist euer Schreibstil, das ist euer Leben, das ist eure Geschichte. Das ist etwas „für das ihr euren Namen gegeben habt“. Etwas, das euren Namen trägt, wie eure Kinder, wie eure Verwandten (zumindest ein Teil), wie eure Wohnung. Warum hacke ich so darauf herum? Weil es eben nicht „nur“ euer Name ist, sondern ein Label. Etwas, das eure Leser von nun an wiedererkennen werden, etwas, nach dem sie hoffentlich Ausschau halten werden.

Und um die alte Diskussion noch einmal kurz zu streifen: Es hat absolut keinen Sinn, sich hinter einem wohlklingenden Pseudonym zu verstecken, wenn ihr ernsthaft schreiben wollt. Denn irgendwann wird es euch dämmern: Es gibt keinen Unterscheid zwischen euch und dem Inhalt eurer Bücher. Wenn es nicht gut, nicht anspruchsvoll, nicht lustig ist (was auch immer ihr schreiben wollt), dann könnt ihr das nicht einem Pseudonym in die Schuhe schieben. Es ist euer Buch, auch wenn Rosa Rosig oder sonstwas draufsteht.

Der Autorenname als Logo

Wer gut gestalten möchte, muss vor allem gut wahrnehmen und analysieren können. Ein Cover zu sehen und zu sagen: ja, ganz schön, gefällt mir! Ist eine Sache. Herauszufinden, WAS daran so grandios ist, eine ganz andere. Aber sich das klar zu machen, ist eine Bedingung dafür, ein gutes Cover gestalten zu können.

Die Gestaltung des Autorennamens richtet sich in der Regel nach der Bedeutung, die die AutorIn schon erlang hat. Bei Debütautoren wird der Name der AutorIn niemandem etwas sagen. Also wird der Schwerpunkt auf den Titel des Buches oder und das Bild und die Gestaltung des Covers gelegt. Klar, erstmal heißt es: Hauptsache, jemand nimmt das Buch in die Hand. Wenn ein Autor berühmt und bekannt geworden ist, dann sieht das ganz anders aus. Dann wird der Name eine Marke und eine Marke braucht – ein wiedererkennbares Logo.

Stephen King ist ein gutes Beispiel. Seht euch das gewagte Schriftdesign auf den deutschen Covern an! Zwei Dinge fallen besonders auf:

  1. Die Schrift sieht aus, als wäre sie freihändig gestaltet, handgeschrieben.
  2. Der Autorenname ist deutlich größer als der Titel.

Welche Assoziation habt ihr zu dem Namensschriftzug? Ich finde, er sieht aus, wie mit Blut an die Wand geschrieben = Horror. Genau das Genre, in dem King sich sehr wohl fühlt (obwohl er immer mehr ein Autor von psychologischen Thrillern wird).

Der Autorenname nimmt fast die Hälfte des Cover ein. Und das macht Sinn, denn der Titel verkauft sich über den Autor. King Fans lesen ALLES vom Autor. Der Namenszug ist eine Erfindung des deutschen Verlags, denn ein Verlag erwirbt die Textrechte (Inhalt) und die Gestaltung liegt deshalb in der Regel beim jeweiligen Verlag. Der hat auch entschieden, dass die Titel der Bücher sehr kurz sein sollen und in einer einheitlichen Schriftart. So entstehen knackige Cover.

Die AutorIn als Marke

An bekannten Autoren, deren Name eine Marke ist, lässt sich am allerbesten studieren, worauf es bei der Gestaltung des Autorennamens auf Covern ankommt. Das ist sozusagen die aufgeblasene Version von Regeln, die auch im Kleinen gelten. Denn auch wenn ihr eine DebütautorIn seid, wollt ihr mit der Gestaltung eures Autorennamens ausdrücken, wer und wie ihr seid. Er sollte zu euch, eurem Schreiben, eurer Ästhetik passen.

Quelle: Wikipedia

handschrift Agatha Christie

Kennt ihr Agatha Christie? Sie hat von 1890 -1978 gelebt und Kriminalromane geschrieben. Besonders bekanntgeworden ist ihre schrullige Miss Marple. Ihr zweiter Kommissar ist Hercule Poirot. Wenn man so will: Eine weitere Untermarke. Auf den drei deutschen Cover steht der Autorenname wie ein Logo und ist – ihre Unterschrift! Persönlicher kann es eigentlich gar nicht sein. Denn egal ob A.C. über Miss Marple oder Hercule Poirot schreibt, ihre Leser lieben ihren (Schreib-)Stil. Auffällig: Die Titelschriften sind hier sehr unterschiedlich und dem Motiv des Buchcovers angepasst. Der Autorenname wurde nur farblich verändert.

Autorenname und Genre

Bei den obigen Beispielen wird mit Handschrift gearbeitet. Wie ist es mit Schrift-Fonts? Hier müsst ihr vor allem darauf achten, dass der Schriftfont zu dem Genre passt, in dem ihr schreibt.

Also keine verschnörkelte Schrift, wenn euer Buch ein Thriller ist.  James Pattinson ist ein amerikanischer Thrillerautor (auch wenn das dt. Wikipedia ihn einen Krimiautoren nennt). Für die englischen Cover hat man einen ganz besonderen Schriftfont ausgewählt. Ich denke, dass die Strukturen auf der Schrift nachträglich hinzugefügt wurden, aber – hm, ganz sicher bin ich nicht. Wieder: Der Autorenname ist größer als der Titel. Schlicht, gerade, sachlich. Eine perfekte Schrift für einen Thriller, der eher Krimi-, als Horrorelemente hat.

 

Label und Wertigkeit

Ich weiß noch, wie ich einen Artikel darüber gelesen habe, dass die (billigen) Ja!-Produkte (von Rewe) eigentlich versteckte Markenprodukte sind. Warum in aller Welt packt man gute Lebensmittel in eine billig aussehende Verpackung? Weil es Menschen gibt, die teuer gestaltete Produkte automatisch für teuer halten. Und wenn sie billig einkaufen wollen, dann soll es auch billig aussehen. Und umgekehrt ist es ja auch meist so. Eine teure Verpackung deutet auf einen hohen Preis hin. Wir wissen allerdings auch: Nicht immer ist in teuer aussehenden Produkt auch der beste Inhalt.

Okay, wozu der Exkurs? Weil die Gestaltung eures Covers auch etwas über den Inhalt aussagt. Wenn ihr ein schlecht gestaltetes, billiges Coverdesign habt, dann werden die meisten Menschen automatisch denken, auch der Inhalt ist schlecht, minderwertig, billig. Aber nun – siehe Ja!-Produkte – viele wollen das auch so. Heftchenroman im coolen Bauhausdesign? Würde wohl kaum klappen.

Und umgekehrt funktioniert es auch (zumindest so lange kein echter Experte vorbeikommt). Man kann einen mittelmäßigen Buchinhalt in ein glorreiches Cover packen (ich finde Twilight ist ein perfektes Beispiel) und eine Wertigkeit behaupten. Doch mit beiden Strategien tut man sich im Grunde keinen Gefallen. Blöd, wenn die Leser Qualität erwarten, weil das Cover perfekt gestylt ist und dann einen Heftchenroman im Innern vorfinden. Oder umgekehrt. Was ich sagen will: Passt die Covergestaltung und damit auch den Autorennamen eurem Genre (Thriller, Liebesroman, Chick Lit) an, aber auch der Qualität eures Schreibens. Orientiert euch am besten an KollegInnen, die einen ähnlichen Schreibstil haben.

Autorenname und Qualität

Jodi Picoult ist eine erstaunliche Autorin. Sie schreibt Chic-Lit, Comics für Wonder Woman und Literatur. Sie kann sehr gut schreiben, aber wenn jemand Chic-Lit schreibt, vermutet man das wohl nicht im ersten Augenblick. Die Balance zwischen ihren femininen und den literarischen Büchern zu halten, hat der deutsche Verlag – wie ich finde – sehr gut gelöst.

   

Die Typografie, die man für ihren Autorennamen gewählt hat, ist einerseits schlicht und steht für ihren sehr guten Schreibstil. Auch wer noch kein Jodi P. Leser ist, erkennt sofort: Hier erhält er/sie Qualität. Die Schrift ist aber nicht nur sachlich, sondern hat auch interessante Rundungen (sehr schön – zwei o im Namen ;), die feminin wirken. Dazu kommen die Covermotive, die je nach Thema mal mehr, mal weniger „lieblich“ sind. Obwohl der Autorenname hier ein festes Logo ist, wird die Bandbreite von Picoults Schreiben deutlich.

Wenn ihr also feststellt, dass ihr auch eher ein breites Spektrum an Genres abdeckt, dann wählt auf allen Büchern eine ähnliche oder sogar die gleiche Schriftart für euren Autorennamen. Etwas, das in beide Richtungen funktioniert. So könnt ihr Leser auch für andere Bücher von euch interessieren, weil sie sicher sein können, dass es von euch kommt. Ihr und eure Leser wissen, wo ihr steht, auch wenn ihr eine persönliche Bandbreite habt.

Übrigens auch ein gutes Konterargument, falls euch Leute (oder der Verlag) erzählen, ihr müsstet ein Pseudonym annehmen, weil ihr das Genre wechselt. Nein, müsst ihr nicht. Es ist alles eine Frage der guten Gestaltung und einer geschickten Vermittlung an die Leser.

Okay, in vier Woche komme ich noch nicht zu Titeln auf Covern, sondern habe ein besonderes Schmankerl für euch: Ein Interview mit einer ganz besonders netten und hauptberuflichen Coverdesignerin. Ich bin extrem froh, dass ich ihr all meine nerdy Fragen stellen konnte. Freut euch auf viele Insights. Mehr dann in vier Wochen …

Frohes Gestalten und bis bald

Katrin

#coverdesign #DIY

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