DIY-Donnerstag, Epub Insights

EPUB INSIGHTS #6 Italics

7. Juni 2018

Howdy liebe AutorInnen und SelfpublisherInnen,

immer wieder kommt es vor, dass in Romanen Textstellen, einzelne Wörter oder längere Passagen herausgehoben werden sollen. Hier kommen dann oft italics zum Einsatz.

Dabei spielt es keine Rolle, ob der Text für eine digitale oder analoge Ausgabe gesetzt wird.

Italics ist die englische Bezeichnung für kursive Schriftschnitte. Sie sind im 16.Jhd in Italien eingeführt worden und der Begriff hat sich jetzt in der englisch dominierten Computersprache durchgesetzt.

Einfach nur schräg?

Auf den ersten Blick handelt es sich einfach um eine nach rechts schräggestellte Schrift. Nun wird aber nicht einfach die normale Schrift zur Seite gekippt (das nennt man oblique), sondern jede gute Schrift enthält einen eigenen Schriftschnitt mit kursiven Buchstaben. Sie unterscheiden sich oft von den Buchstaben der Normalschrift.

In manchen Schriften, wie hier in der Calibri werden das a und das g einstöckig, das f erhält eine Unterlänge etc.

In anderen gibt es in der kursiven Variante Ligaturen, die im normalen Schriftschnitt nicht vorkommen.

Manchmal gibt es auch echt crazy Versuche, das kursive Zeichen vom normalen abzusetzen. Des et-Zeichen hier in der Garamond ist so ein Fall. Er geht meines Erachtens fast ins Unleserliche, obwohl die ursprüngliche Kombination aus e und t eher zu erkennen ist.

Wann italics?

Da es sich um Hervorhebungen im Text handeln soll, versteht es sich von selbst, dass die italics nur sparsam eingesetzt werden sollten.

Auf keinen Fall ganze Abschnitte, Briefe, Epiloge, Prologe etc in italics setzen. Kursive Schrift ist in meinen Augen meist schlechter zu lesen, als aufrechter Text. Ich persönlich neige dazu, langen kursiven Text zu überspringen, oder zumindest flüchtiger zu lesen. Er zeigt, wenn er abschnittweise benutzt wird, hier kommt etwas, das nicht direkt mit der Haupthandlung zu tun hat. Also höchstens überfliegen und weiter  zur eigentlichen Story. Damit bewirkt kursive Schrift genau das Gegenteil von dem, was sie eigentlich erreichen soll. Statt die Textstelle betont herauszuheben und die Aufmerksamkeit auf sie zu lenken, hetzt sie mich als Leser vom Text weg.

Wann kommt kursive Schrift also zum Einsatz? Was wird in italics gesetzt?

  • Betonungen

»Du machst Frühstück?«

Doch richtig Klick gemacht hatte es nicht.

  • Firmen-/Markennamen

»Gehen wir noch zu Starbucks

wenn ich mal die Gala oder eine andere dieser Hochglanzzeitschriften las.

Gerion bockte seine Harley vor dem Zeltplatz auf.

»Hast du die Nivea-Werbung gesehen?«

als käme sie direkt aus einem Tim-Burton-Film.

  • Filmtitel

Auf der Premiere von Heimweh.

  • Buchtitel

Hast du schon Love on Paper gelesen

  • Song-/Plattentitel:

Ich konnte nicht glauben, dass es mein Handy war, das Mercedes Benz spielte.

Ich versuchte nicht daran zu denken, dass ich mir für den Preis Janis Joplin’s Greatest Hits auf Vinyl hätte kaufen können

  • Songtexte

Hey Brother! There’s an endless road to rediscover.

  • Kurze innere Gedanken:

Obwohl ich ihn in meinem Kopf sehr deutlich hörte: Gib es auf, Alter!

Ich ergänzte ihn still in meinem Kopf: Lasse.

Und alles wegen mir, hätte ich hinzufügen können.

Unauffällig verschwinden? Zum einen, um mir eine endlose Diskussion mit Sophia zu ersparen, …

Nicht meine Aufgabe! Schon klar.

Das kann doch jetzt nicht wahr sein.

  • Zitate

Die Überschrift prangte mir entgegen: Lasse Paulsen tödlich mit Motorrad verunglückt. 

Auf dem Küchentisch lag ein Zettel. Schlafe bei Ole.

  • Ausrufe

»Fuck!« Gerion warf sich zurück ins Zelt

  • Text in einer anderen Sprache

Okay, right! Ich hatte Lasse meinen Namen verschwiegen.

Noch mal an den Fans vorbei? No way.

  • Um die Bedeutung eines Textes eindeutiger zu machen

Er hätte die Schokolade teilen können

Er hätte die Schokolade teilen können

Er hätte die Schokolade teilen können

  • Schiffsnamen

Die Pauline segelte am Kieler Leuchtturm vorbei.

Die meisten Beispiele stammen übrigens aus Flying Moon – Lasse von Katrin Bongard.

Und was ist mit den Satzzeichen?

Kursive Buchstaben, Ziffern und Satzzeichen unterschneiden den Bereich des vorangehenden Zeichens.  Das gilt übrigens nicht nur für die hohen Ruf-  oder Fragezeichen, sondern auch für die niedrigen wie Kommas, Semikolons, Punkte, Doppelpunkte und Ellipsen. Sie erscheinen daher näher an den vorangehenden Buchstaben herangerückt.

Es gibt ja nun Fälle, in denen das Satzeichen zum kursiven Textteil gehört.

Sie rief: »Awesome!« Übrigens werden hier auch beide Anführungszeichen kursiv gesetzt.

Im Gegensatz zu folgendem Beispiel:

»Sie war einfach awesome!«

Hier gehört das Rufzeichen nicht eigentlich zum kursiven fremdsprachigen Wort, sondern zu dem gesamten Ausruf. Es müsste also heißen:

»Sie war einfach awesome!« In diesem Falle, in dem nicht die gesamte wörtliche Rede kursiv ist, werden auch die beiden Anführungszeichen aufrecht gesetzt. Entsprechendes gilt auch für Text in Klammern, (der in Romanen ja kaum vorkommt).

Trotzdem empfehle ich die einfachste Regel: Alle Satzzeichen nach kursivem Text auch kursiv setzen.

Warum? Je nach Schriftart können die hohen aufrechten Satzzeichen, wenn man sie mit kursivem Text kombiniert, unschön mit dem vorangegangenen Zeichen kollidieren. In einem analog gesetzten Buch ist das kein Problem, dort kennt man die verwendete Schrift, weiß also, wie die Zeichen aufeinader reagieren. Außerdem ist es in Satzprogrammen wie Indesign zum Beispiel recht einfach möglich, den Abstand zwischen kursivem Buchstaben und aufrechtem Satzzeichen zu kontrollieren.

Für EPUB habe ich so etwas leider noch nicht gefunden.

Enge, Hetze Schnelligkeit

Ein Grund, warum kursiver Text enger erscheint und weniger Platz einnimmt als aufrechter Text, sind eben die besagten Unterschneidungen der schräggestellten Zeichen.

Daher wurden anfangs in Italien ganze Bücher, nicht nur weil es chic war, in italics gesetzt, sondern auch, um Platz zu sparen. Heute nutzt man die normale aufrechte Antiqua als Brotschrift. Sie ist meines Erachtens auch viel leichter zu lesen. In den KDP Veröffentlichungs-Guidelines wird extra darauf hingewiesen, dass der normale Text nicht durch Auszeichnungen hervorgehoben werden darf, um das Leseerlebnis nicht zu beeinträchtigen.

Beim Durchsehen von E-Books fällt mir immer wieder auf, seltsamerweise mehr als bei gedruckten Büchern, dass mir die kursive Schrift zu eng erscheint. Zu klein, zu mickrig. Sie soll etwas hervorheben, verkriecht sich aber in sich selbst. Wie gesagt ein ganz subjektives Empfinden. Und vermutlich stoße ich auf typographisches Unverständnis, wenn ich mit minimal vergrößerten Laufweiten oder Buchstabengrößen in E-Books experimentiere.

statt:

Oder hier bei einem recht langen kursiven Abschnitt:

statt:

Noch ein Beispiel mit einer minimal vergrößertem letter-spacing:

statt:

Im folgenden, letzten Beispiel habe ich sogar den text-size bei dem Wow etwas vergrößert, um dem Ausruf mehr Gewicht zu geben.

statt:

In HTML und CSS

Das bedeutet aber, dass ich kursiven Text nicht einfach mit <i>Text</i> bzw. <em>Text</em> Tags versehe, sondern ihnen –autsch– je nach Bedarf eine eigene Klasse gebe. (Sehr aufwendig!)

Also:

<span class=“italic“>Text</span> und diese dann in der CSS entsprechend mit letter-spacing und font-size properties auszeichne.

Supertypografen werden jetzt sagen: natürlich! Die Mühe lohnt sich. Ihr – habt die Wahl.

Und jetzt aber ab in die Sonne bis in vier Wochen

Uwe

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