Cover Secrets, DIY-Donnerstag

Cover Secrets #6 Arbeiten mit Ebenen

14. Juni 2018
Arbeiten mit Ebenen, Layern und Vignetten

So, nun komme ich zu den Feinheiten der Covergestaltung. Oder zu den Basics, denn jeder gute Covergestalter wird sich nicht mit einem Bild und Schrift drauf begnügen. Im Gegenteil, er wird versuchen, ein Cover so vielschichtig wie möglich zu machen. Und das meine ich im übertragenen, aber auch im wortwörtlichen Sinne:

  • Ein Cover, das viele verschiedene Signale sendet. Den Autor, den Titel, das Thema, das Genre deutlich macht. Die literatische Bedeutung herausarbeitet. Buchhändler und Leser anspricht.
  • Ein Cover, das aus vielen verschiedenen Bildebenen besteht, die so geschickt übereinander gelegt und zusammengestallt sind,so  dass ein einheitliches, wirkungsvolles Cover entsteht.

Der Minimalentwurf muss zumindest eine Grundfarbe, Name der AutorIn, Titel und vielleicht noch den Zusatz, Roman oder Thriller etc. enthalten.

Obwohl beide Cover sehr minimalistisch sind, habe ich hier – natürlich mit Absicht – schon viel richtig gemacht.

  • Schrift passt zum Genre
  • Nicht zu viele Schriftarten verwendet
  • Sinnvolle Aufteilung auf der Coverfläche

Und ganz so einfach sind diese Cover auch gar nicht, da ich für die Grundfarbe und jede Schriftinfo eine eigene Ebene in meinem Fotovbearbeitungsprogramm (Photoshop) angelegt habe. 4 Ebenen. Warum? Weil ich – wenn ich die Farbe ändern will oder die Schriftart, nicht ganz von vorne anfangen muss. Ich kann jede Ebene seperat verändern.

Stellt euch das so vor, als ob ihr das Cover aus einem Blatt Papier und Wortschnipseln  erstellt. Ihr nehmt ein einfarbiges Papier, schneidet die Worte aus und schiebt dann auf dem Cover so lange herum, bis es euch gefällt. Das hört sich kindisch an, ist aber eine sehr gute Methode, sich an Proportionen und Schriftgrößen heranzutasten. Außerdem – wenn ihr zwar eine optische Vorstellung von eurem Cover habt, aber das Cover nicht selber gestalten wollte, dann könnt ihr euren Papierentwurf an eine CovergestalterIn geben und sagen: So in etwa!

Adobe Photoshop

Nun sieht das Ganze als Entwurf schon etwas traurig aus. Man will mehr sehen, mehr über das Buch erfahren. Und hier sollte ich ein Werkzeug einführen. Keine Angst, das wird keine Werbung, das hat Adobe Photoshop gar nicht nötig. Es ist nur das Programm, mit dem ich seit 10 Jahren arbeite und mit dem ich mich am besten auskenne. (In einem weiteren Blogbeitrag zeige ich euch dann, wie ihr mit Online- Gestaltungsprogrammen und Apps sehr kostengünstig bis umsonst arbeiten könnt und auch so zu einem schönen Cover kommt.)

Photoshop von Adobe ist ein großartiges Fotobearbeitungsprogramm, jeder Gestaltungsprofi verwendet es. Es arbeitet unter Mac und Winsows, es ist ein Klassiker. Ich rechne nicht damit, dass ihr es euch anschafft, falls ihr es nicht schon habt, denn es kostet mittlerweile monatlich in der Creative Cloud im Abo so um 60 Euro/mtl und ist selbst als Einzelprogramm, also ohne Cloud, so ihr es noch irgendwo bekommt, sehr teuer. Aber um das auch ganz klar zu sagen: Photoshop ist DAS Program, was man sich anschaffen sollte, wenn man vorhat, professionelle Buchcover zu erstellen.

Ich bin sehr dafür, dass man die Technik günstig und die Tools einfach hält, denn wichtiger für die Covergestaltung als jedes Gestaltungsprogramm ist die Fähigkeit des Gestalters, gut mit Proportionen, Typografie, Farben und Bildaufteilung umzugehen. Kurz: Wenn ihr keine guten gestalterischen Fähigkeiten habt, nützt auch das teuerste Programm wenig.

Gestalten mit Photoshop

Zu wissen, wie man mit Ebenen arbeitet, ist vermutlich das wichtigste Tool bei Photoshop. Ihr könnt das Online lernen oder euch selbst beibringen, ich gebe euch hier nur eine kurze Einführung in die Möglichkeiten, die Photoshop bietet. Hauptsächlich will ich euch für die verschiedenen Ebenen sensibilisieren, die ein gutes Cover hat und braucht.

Hier sehr ihr die 3 Schriftebenen. Wenn ich will, kann ich auf das kleine Auge links der Ebene klicken und diese Ebene ausschalten. Natürlich kann ich sie auch verändern, also den Text. Und ich kann Ebenen verdoppeln, wenn ich eine Ebene verändern will, aber noch nicht sicher bin, ob mir das gefällt. Dann habe ich sozusagen immer noch die alte Ebene in Reserve.

Layer

Hier habe ich die lila Ebene verdoppelt und ein Ornament ausgeschnitten. Unter dem ausgeschnittenen Ornament habe ich eine rosa Ebene eingefügt. So erscheint das Ornament rosa. Ich hätte es auch anders machen können, also gleich ein rosa Element einsetzen können – auf einer extra Ebene. Die oberen Ebenen verdecken die unteren Ebenen. Hier liegen die Schriftebenen ganz oben.  Aber – keine Angst – ihr könnt die Ebenen auch verschieben und entscheiden, welche Ebene ihr oben und welche ihr unten haben wollt. Schicht für Schicht könnt ihr so euer Cover aufbauen.

Vignetten

Es gibt n0ch eine Ebene, die ich eingefügt habe und die jeder, der ein Smartphone besitzt, wird sie kennen. Unter den verschiedenen Tools, mit denen ihr ein Foto bearbeiten könnt, gibt es auch die Vignette. Die Vingette hat die Funktion, den Blick des Betracherts zu fokusieren und stärker auf das Objekt/Bild zu lenken. Zudem ist es, als ob ihr in eine Szene hineinblickt. Die Vignette gibt dem Foto Tiefe.

Wenn ihr euch an das Beispiel von letzter Woche erinnert, dann wird euch jetzt vielleicht auffallen, dass der Coverdesigner auf dem Kissing-more-Cover genau das gemacht hat: Um den Blick stärker auf den Buchtitel zu fokusieren, wurde diese Vignettte eingefügt.

Die Vorlage, also das Origninalbild, hat übrigens auch eine Vignette. Wenn ihr genau hinseht, erkennt ihr, dass die Ecken des Bildes dunkler als der Rest sind. Die hat der Fotograf bei der Bildbearbeitung eingefügt. Vignetten sind eine ziemlich geniale Art, Tiefe in ein Bild zu bringen und den Blick des Betrachters auf den wesentlichen Teil eures Covers/Bildes zu lenken.

Layer

Als Layer bezeichne ich eine transparente Ebene. Die Vignette ist in diesem Fall auch ein Layer, also eine leicht transparente Ebene, die über dem Cover liegt. Man sieht durch einen Layer auf die nächte Ebene. So, als ob ihr eine transparente und farbige Folie über ein Bild legt. Das Geniale an Photoshop ist – man kann jede Ebene in einen Layer verwandeln, indem man die Deckkraft der Ebene reduziert.

Hier habe ich die Deckkraft der schwarzen Vingette auf 48 % heruntergesetzt, damit sie unauffällig ist. Ein weiteres Beispiel: In meinem Beitragsbild liegt ein tranparenter weißer Layer über dem Bild. Darauf habe ich den Titel des Blogbeitrags geschrieben, der so besser lesbar ist. Mit Ebenen und Deckkraft habt ihr unendliche Möglichkeiten, eure Cover zu gestalten. Ihr könnt auch Deckkraft von Fotos herunterziehen.

Und so – zum Beispiel – zwei Fotos ineinanderblenden. Ein sehr schönes Beispiel für die Arbeit mit Layern ist die Covergestaltung von Sonya Pletes für die deutschen Twilight Cover. Auch wenn ich kein Fan des Inhalts bin – auf die Cover bin ich richtig neidisch. Über dem Foto des Mädchens liegt eine Blume mit einer gelben Blüte (mit vielleicht 30 % Deckkraft), die auf der Stirn endet. Das Cover wirkt geheimnisvoll, mysteriös, gleichzeitig emotional und stimmungsvoll.

Auch die Deckkraft einer Schrift kann heruntergezogen werden. Ihr seht das bei dem zweiten „s“ in Biss zur Morgenstunde, es ist blasser. So erhält der Satz zwei Lesarten: Bis zur Mittagsstunde oder (Ein) Biss zur Mittagsstunde. Ein Wortspiel, das ich immer gehasst habe, weil es einfach überhaupt nicht raffiniert ist. Aber – schön gestaltet.

Gestalten mit Ebenen und Layern

Wie immer nützen einem Tools nichts, wenn man sie nicht geschickt benutzen kann. Dies ist aber schlicht eine Sache der Erfahrung und des Trainings. Eine Regel könnt ihr euch auf jeden Fall merken: Wenn die Einzelelemente euer Gestaltung, also die Fotos oder die Muster und Ornamente, nicht gut gewählt oder qualitätsvoll sind, werden sie auch durch das miteinander Mischen nicht besser. Das ist ein wenig so wie beim Kochen: Gute Zutaten, intelligent zusammengestellt und miteinander kombiniert, ergeben ein gutes Gericht.

Wie schon gesagt, gibt es Plattformen im Internet, die viele Photoshjop-Funktionen haben und mit denen ihr Online ein Cover kreieren könnt. Doch bevor ich euch diese vorstelle, ist es wohl sinnvoll, ein paar Worte über Typografie, also die Schrift auf dem Cover zu verlieren. Da dies ein umfassendes Thema ist, werden das vermutlich zwei bis drei Blogbeiträge werden, in denen ich euch erzähle, wie ihr an günstige Schriftfonts herankommt, wie ihr sie kombiniert und welche Schrift am besten zu welchem Cover passt.

Bis in vier Wochen und –

Eine kreative Zeit!

Katrin

#cover #redbugwriting #covergestaltung

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