7 Wege zu einer Buchidee

7 Wege zu einer Buchidee #6 GETRÄUMT

6. Juni 2018
Erträumt und erdacht

Wenn wir das Wort Traum hören, dann denken wir in der Regel an etwas Schönes. Etwas, das sich erfüllen soll, das wir uns wünschen. Mein Traum wäre es … Und es klingt sehr viel netter als: Ich will oder möchte, was man besonders Mädchen gerne abtrainiert. Also etwas zu wollen. Daher kommt es vielleicht auch, dass so viele AutorInnen behaupten, sie hätten ihre Romanidee – geträumt.

Geträumt klingt romantisch, als hätte sich die Muse zu einem ins Bett gelegt und fast gegen den eigenen Willen verführt: Schreib ein Buch über … Ist das nicht unschuldiger als: Und dann habe ich mir überlegt, mal ein Buch über … zu schreiben? Und anhören tut es sich auch gut. Romantisch. Mysteriös.

Doch das heißt nicht, dass ich Traum-Ideen für schlecht halte. Im Gegenteil: Sie sind sogar ein wunderbarer Weg zu einer Buchidee. Warum werde ich heute genauer erläutern.

Einfach mal geträumt

Das prominenteste Beispiel für eine geträumte Buchidee ist vermutlich Stephenie Meyer. Nach eigener Aussage …

Die Grundidee zur Handlung von Twilight basiert auf einem Traum vom 2. Juni 2003, der Meyer veranlasste, ihr Buch zu schreiben. Sie sah, wie sich ein junges Mädchen und ein Vampir auf einer Lichtung trafen und unsterblich ineinander verliebten. (Fandom powered bei Wiki)

Angesichts der schon 2003 weit verbreiteten Vampirliteratur, zahlreicher Geschichten und Sagen über Vampire, kommt einem der Traum nicht mehr unbedingt nötig vor, um eine Vampir-Lovestory zu schreiben. Schon im 18. Jahrhundert war die Kombination: Vampir- Gefahr-Sexualität/Erotik ein beliebtes Thema.

Das Vampir-Thema steht für die Angst vor dem Tod und lebendig begraben zu werden, aber auch für verdrängte Sexualität und Erotik. Besonders den Vertretern der so genannten Schwarzen Romantik ließ die in diesen Künstler-Kreisen kultivierte Todessehnsucht den Vampir als Projektionsfläche interessant erscheinen. (Wikipedia)

Doch an diesem Beispiel lässt sich sehr gut zeigen, wie Inhalte, Ideen und Geschichten Eingang in unsere Träume finden und daraus nicht als gänzlich neue, aber doch gekärte und ganz einfache Ideen wieder auftauchen können.

Was ist ein Traum?

Ein Traum ist eine psychische Aktivität während des Schlafes. Er wird als besondere Form des Erlebens im Schlaf charakterisiert, das häufig von lebhaften Bildern begleitet und mit intensiven Gefühlen verbunden ist. (Wikipedia)

Die Ursache und Funktion von Träumen sind bis heute nicht gänzlich erforscht. Die Vorschläge der Wissenschaft gehen von der Verfestigung von Erinnerungen bis zur Aufarbeitung von Geschehnissen oder auch der Bereinigung von Erlebtem. Vermutlich das, was viele Computer zwischen zwei und drei Uhr nachts machen, wenn der Cache geleert wird oder das System gereinigt wird. Okay, mit dem Unterscheid, dass der Computer einem am Morgen nicht seine Träume präsentiert. (Oder das kommt noch … ;)

Träume verarbeiten

Alles, was wir lesen, hören, sehen wird in der Nacht und den Träumen – nun sagen wir mal neutral – verarbeitet. Es ist nicht so, dass etwas in der Nacht aus dem Nichts zu uns kommt. In der Regel ist es ganz einfach: Träume sind Geschichten, die wir mit am Tag Gesehenem und Gehörten zusammenbringen können. Also den Tag über erlebt haben. Wenn man am Abend „Lost“ sieht, muss man sich vielleicht nicht wundern, wenn man nachts von einer Insel träumt. Unterdrückte Sehnsüchte blubbern auf, verdrängte Wünsche suchen sich ihre Bahn aus  dem Unterbewusstsein.

Andere Dinge, die wir den Tag über aufnehmen, überfordern uns. Nachrichten, Mitteilungen, Gefühle. Manchmal erzeugen sie Albträume. Kann man ein Ereignis einordnen, erklären, wirkt es weit weniger bedrohlich. In der Nacht verarbeitet unsere Psyche ereignisse und macht daraus etwas, was vielleicht erst bei genauem Hinsehen Sinn ergibt. Und erstaunlich schlüssig sein kann.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass Stephenie Meyer schon lange Zeit vor ihrem Traum Vampirbücher gelesen und sich mit Romantik beschäftigt hat. Vielleicht gab es sogar die ein oder andere Geschichte, die sie besonders schön fand. Auch wenn ihr Oberbewusstsein sich nicht an alles erinnern kann, im Traum ist auf einmal alles präsent und wird in eine neue Geschichte verwandelt.

Ideen aus Träumen

Wir saugen täglich Ideen und Bilder auf und meist merken wir es noch nicht mal. All das ist oder wäre gutes Material für eine Geschichte, wenn wir es richtig sortieren könnten. Durchblicken würden. Doch unsere bewusste Wahrnehmung hat genug mit roten Ampeln und dem Schmieren des Schulbrotes für unsere Kinder zu tun.

Nun – kein Problem. Dafür haben wir die Schlaf- und Traumphasen. Das einzige, was wir jetzt noch tun müssen, ist zu garantieren, dass wir uns am Morgen auch an die Träume erinnern.

Wann träume ich?

Menschen träumen sehr viel öfter in den sogeannten REM-Phasen. Rapid eye movement heißt, dass sich die Augen im Schlaf zuckend bewegen. Wenn man nicht allein im Bett schläft kennt man das von der PartnerIn oder auch Kindern. Wird man iin dieser Phase geweckt, dann erinnert man sich doppelt so häufig an seine Träuem, haben Schlafforscher herausgefunden. Aber, nun, man kann schließlich niemanden neben sein Bett stellen. Die REM-Phasen nehmen bei Erwachsenen nur noch 20 % der Schlafzeit ein und nehmen zum Ende der Schalfzeit zu. Wer sich also überhaupt nicht an seine Träume erinnert, kann den Wecker einfach mal etwas vorstellen. Vielleicht hilft das schon.

Traumtagebuch

Ich habe lange ein Traumtagebuch geführt. Das ist nichts anderes, als ein Tagebuch, das mit einem Stift griffbereit neben dem Bett liegt. Sobald ich aus einer Traumphase erwache, egal ob in der Nacht oder am Morgen, mache ich Licht und schreibe alles auf, an das ich mich erinnern kann. Am Anfang ist das meist nicht viel. Eher Fetzen von Geschichten. Doch es wird mehr. Versprochen

Manchmal erwache ich aus einem Traum und befinde mich in einem halbwachsen Zustand. Nicht wach genug, die Augen zu öffnen und etwas aufzuschreiben, aber wach genug, zu wissen, dass ich gerade geträumt habe. Dann versuche ich mir das Traumgeschehen selber zu erzählen. Am besten mehrmals, weil es dann besser hängenbleibt. Auch wenn ich dann wieder einschlafe, erinnere ich mich am Morgen meist daran.

Bin ich so schon einmal im Traum auf eine neue Buchidee gekommen? Nein. Aber Kunstwerke sind mir im Traum schon eingefallen und manchmal habe ich sie auch umgesetzt. Träume helfen mir aber zu verstehen, warum ich über bestimmte Inhalte schreiben möchte, was mir wichtig ist, worauf es mir ankommt, wie ich besser damit umgehen kann. Eine Menge an Minierkenntnissen, die ich im Schlaf erhalte und die mir in Träumen mitgeteilt werden.

Traumhafte Ideen

Ideen, die man sich nicht ausgedacht hat, sondern die aus dem tiefen Unterbewusstsein kommen, treffen oft ein kollektives Bewusstsein. Also etwas, was viele Menschen verstehen und teilen können. Sie sind oft viel mächtiger und erfolgsversprechner als Ideen, die im Wachzustand erdacht wurden. Daher kann es sehr viel Sinn machen, sich den Tag über mit einem Thema ganz unsortiert und chaotisch zu beschäftigen und es der Nacht zu überlassen, daraus eine Idee zu schmieden.

Manchmal bekommt man vielleicht auch den Hinweis, ein Thema komplett fallen zu lassen. Auch das muss man ernst nehmen. Was das Oberbewusstein noch nicht anerkennen kann, hat das Unterbewusstsein längst akzeptiert. Es hat zwar nicht die besseren Ideen, aber es kann sehr viel besser gute von schlechten Ideen unterscheiden. Kommt man mal nicht weiter oder hat eine Schreibblockade, kann ein kleines Schläfchen also genau die richtige Entscheidung sein.

In diesem Sinne, werde ich gerade sehr müde ;) Nächste Woche schließe ich die Blogreihe mit „inspiriert“ ab. Ideen, die wie aus dem Nichts und bei vollem Bewusstsein zu einem kommen.

Bis dahin, schreibt gut!

xoxo

Katrin

 

#schreibtipps #amwriting #redbugwriting #rbpub

 

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2 Comments

  • Reply Charlie 10. Juni 2018 at 20:16

    Wow tolles Thema.
    Grandios, dass du das hier aufgreifst!
    Ich bin stark davon überzeugt, dass Träume uns beim Schreiben weiterhelfen können.
    Da ein jedes Schreibprojekt unweigerlich etwas mit uns selbst zu tun hat, eignen sich Träume perfekt, um sich mit der eigenen Gedankenwelt zu beschäftigen. Als Schreiberling beschäftigt man sich so viel mit Dingen von Außen, was gut ist! Aber das, was tief, und scheinbar verborgen, in uns schlummert, kann um einiges spannender sein!
    Ach ein tolles Thema, dem man sicherlich auch eine eigene Blogreihe widmen könnte..?!

    Katrin, toll, weiter so!

    • Reply Katrin 17. Juni 2018 at 13:22

      Danke Charlie,
      ja, verrückt, je detailierter die Themen, desto mehr fällt mir dazu ein.

      Lg Katrin

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