DIY-Donnerstag

EPUB INSIGHTS #5 – COMMON MISTAKES

10. Mai 2018

Howdy liebe AutorInnen und SelfpublisherInnen,

die angekündigten Überlegungen zur Verwendung von italics in Büchern und speziell in E-Books werde ich auf den nächsten Beitrag verschieben.

Wieso? In Vorbereitung auf den Beitrag wollte ich mir noch einmal ein paar Beispiele auf meinen E-Readern anschauen und bin wahllos durch meine Bibliothek geskippt. Dabei ist mir wieder aufgefallen, wieviele Schwierigkeiten es offensichtlich gibt, ein E-Book einigermaßen gut zu setzen. Und es sind nicht unbedingt die Selfpublisher, die hier Probleme haben, sondern oft auch die großen Verlage. Jedenfalls findet man seltsame Blüten überall.

Als großer Fan von E-Books, glaube ich aber, dass die Akzeptanz und Verbreitung sehr viel größer werden wird, wenn wir auch dem Satz und der Gestaltung von E-Books größere Aufmerksamkeit widmen. Leider sind die Konvertierungsprogramme für E-Books noch lange nicht auf dem gleichen Stand, wie die Programme für den Satz für Print und vieles muss noch händisch korrigiert werden. Aber darin kann auch eine große Chance liegen, neue Lösungen zu finden.

Ich möchte hier keinesfalls mißverstanden werden, es geht mir nicht darum, jemanden in die Pfanne zu hauen oder bloßzustellen. Auch in den eigenen E-Books finde ich immer wieder Verbesserungsbedarf. Hier geht es mir in erster Linie darum, ein paar Problemstellen aufzeigen, die ich häufig in E-Books finde, und die relativ leicht zu beheben sind. Und manchmal ist eben auch weniger mehr.

Links

Hier ein ziemlich krasses Beispiel:

Common Mistakes   

Da das Buch in Kapitel unterteilt ist, die einzelnen Kapitel aber offensichtlich keine aussagekräftigen Überschriften haben, hat man hier einfach »KAPITEL 1« an den Anfang der Seite gestellt. Daran ist aus meiner Sicht alles verbesserungsbedürftig. Eine einfache Ziffer oder einen  ausgeschriebene Zahl hätte es auch getan.

Warum ist die Schrift blau und unterstrichen. Weil es sich um einen Link handelt. Er weist zurück auf das Inhaltsverzeichnis. Diese Art von Backlinks machen an dieser Stelle meines Erachtens keinen Sinn. Wenn man es aber dennoch unbedingt beibehalten möchte, ließe sich zumindest in der CSS der EPUB die Farbe der Überschrift auf Schwarz ändern, um diesen unemotionalen, technischen Look zu vermeiden, der durch die Verwendung von Versalien noch verstärkt wird. Im übrigen läßt sich natürlich auch das Inhaltsverzeichnis selbst schöner gestalten und man muss nicht bei den vorgegebenen Linkfarben stehen bleiben.

In dem obigen Beispiel ist leider alles schiefgelaufen und man hat sogar vergesssen, den ersten Buchstaben, der durch die Initiale ausgezeichnet ist, im Wort selbst zu löschen. Na ja.

Initialen

Die Verwendung von Initialen ist wegen ihrer unterschiedlichen Darstellung auf den verschiedenen Lesegeräten generell tricky.

Nicht nur stellen Lesegeräte Initialen sehr unterschiedlich dar, sondern auch die Veränderung der Schriftgröße und Zeilenabstände, die der Leser auf seinem Gerät bevorzugt, kann nicht vorausgesehen werden. Im folgenden Beispiel geht die fette Initiale bei relativ kleiner Schrift über drei Zeilen. Dabei trifft sie in der dritten Zeile auf einen manuellen Zeilenumbruch mit Einzug, sodass ein seltsamer Weißraum entsteht.

Durch die übergroße, fette Initiale erscheint die Ziffer 1 der Kapitelüberschrift verschwindend klein auf der Seite.

Ich halte andere Lösungen für die Auszeichnung eines Kapitelanfangs in E-Books für wesentlich geeigneter. Z.B die Heraushebung des Satzanfangs durch Kapitälchen oder VERSALIEN, deren Größe sehr genau abgestimmt werden kann. Oder einfach nur die Auszeichnung des ersten Buchstaben durch eine größere Schriftgröße. Denn im ersten Abschnitt ist ja nach oben Platz.

Ein elegantes Beispiel

Obwohl auf den ersten Blick viel einfacher, ist meines Erachtens das folgende Beispiel viel gelungener. Eine einfache Ziffer etwas größer als die Brotschrift. Der erste Abschnitt natürlich ohne Einzug und der erste Buchstabe, nicht als Initiale, sondern nur ein wenig vergrößert. Einfach und elegant. Für mein Gefühl könnte lediglich der Abstand von der Ziffer zum Text eine halbe Zeile größer sein.

Kapitelüberschriften

Beim folgenden Beispiel ist jedem Kapitel eine Zeichnung vorangestellt. Sehr gut, dass sie trotz der Nuancen so kontrastreich sind. So werden sie auch auf einem Lesegerät mit E-ink Technik gut dargestellt. Die Kapitelüberschrift in Kapitälchen ist zentriert und sitzt gut zwischen dem Bild und dem Textanfang, der allerdings eingerückt ist, was das Bild überflüssigerweise unruhig macht. Der fette Schriftschnitt der Überschrift funktioniert in meinen Augen hier einmal ganz gut, da er schön zwischen der Zeichnung und dem Text vermittelt.

Bei einem kleineren und zarteren Bild funktioniert die fette Überschrift nicht mehr so gut. Sie dominiert die ganze Seite und die Zeichnung tritt in den Hintergrund.

Einige Kapitel später ist der Abstand zwischen Überschrift und Text offenbar verrutscht, ohne dass es jemand bemerkt hätte. Das ist schade, jetzt drückt die fette Überschrift auf den Text.

Genauso bei einer langenÜberschrift, die über zwei Zeilen geht. Hier kommt noch hinzu, dass der Zeilenabstand zwischen den beiden Überschriftszeilen optisch zu groß wirkt. Das hätte man in der CSS mit einer Reduzierung der line-height für die Überschrift und einer Vergrößerung des oberen Abstands des Textes leicht ausgleichen können.

Umbrüche und Absätze

Richtig störend und den Lesefluss behindernd ist meines Erachtens der große Weißraum/bzw. die Leerzeile nach jedem gewollten Zeilenumbruch. Statt die Zeilen einfach nur einzurücken, erscheint eine Leerzeile. Es wurde nicht zwischen einem einfachen Umbruch und einem neuen Absatz unterschieden. Beides ist eingerückt und wird von einer Leerzeile gefolgt. Vermutlich ist für beide Textstellen die gleich CSS Klasse verwendet worden. Ob da eine Absicht dahinter steht oder ob es versehentlich passiert ist, kann ich nicht entscheiden. Die drei Sterne, die einen neuen gedanklichen Abschnitt anzeigen, stehen nicht, wie zu erwarten wäre, mittig zwischen den Abschnitten. Das lässt vermuten, dass in der CSS der untere Abstand nach einem Umbruch zu groß, nämlich genauso groß wie vor einem neuen Absatz, angegeben wurde.

Will man bestimmte Textstellen hervorheben, eignet sich oft, das Schriftgröße oder die Laufweite etwas zu vergrößern, in VERSALIEN zu schreiben oder kursiv. Weniger geeignet finde ich fette Schriftschnitte, da sie auch immer den Grauwert einer Seite komplett verändern und zu sehr herausstechen. Dabei ist es immer ratsam, die Schriftgrößen oder die Laufweite der Buchstaben im trial-and-error-Verfahren auf unterschiedlichen Lesegeräten zu kontrollieren. Wählt man die Schriftgröße im Verhältnis zum normalen Text zu groß, kann die gesamte Seite auseinanderfallen, wie im folgenden Beispiel.

Farbig hinterlegte Schrift

Sehr fancy die Kapitelanfänge im nächsten Beispiel. Nur selten sieht man in E-Books und in Romanen generell farbig hinterlegte Schrift. Hier ein schönes Beispiel, in dem es für die Kapitelüberschrift genutzt ist. Wenn es so sparsam eingesetzt wird, sieht es meines Erachtens sehr elegant aus. Der große Abstand zum Seitenanfang verhindert, dass trotz des dunklen Textblocks eine gewisse Leichtigkeit erhalten und genug »Luft zum atmen« bleibt.

Außerdem hat man sich dafür entschieden, den ersten Abschnitt jeden Kapitels kursiv zu setzen, was meiner Meinung nach allerdings nur Sinn macht, wenn es auch inhaltlich von Bedeutung ist. Es sich also um eine andere Erzählebene handelt, als im folgenden Text. Dass die Kursivschrift hier soviel größer erscheint, beeinträchtigt für mein Gefühl eher das Leseerlebnis. Eine subtilere Größenverschiebung fände ich persönlich angebrachter.

Bilder,Vignetten, Signets

Ich liebe die Verwendung von Bildern,Vignetten, Signets zur Gliederung von Text, besonders an Kapitelanfängen. Wer unsere RedBugBooks E-Books kennt, weiß das. Es ist dabei allerdings zu beachten, wie sie auf den unterschiedlichen Lesegeräten erscheinen. Im folgenden Fall, wäre es vielleicht angebracht gewesen, der Vignette eine ganze Seite zu reservieren, oder sie viel kleiner zu machen, damit noch ausreichend Text auf der Seite erscheinen kann.

Der Backlink [Menü] zum Inhaltsverzeichnis über dem Bild scheint mir, wie oben schon erwähnt, überflüssig, da man das Inhaltsverzeichnis über die Menüleiste von jedem Punkt leicht erreichen kann. Und außerdem, na ja, sieht es hier nicht sehr chic aus.

Wenn man die ersten Worte am Kapitelanfang wie hier durch Versalien auszeichnet, sollte man darauf achten, nicht zu viel Text zu wählen, da er sich sonst je nach Schriftgröße unschön über mehrere Zeilen erstreckt.

    

 

Noch ein elegantes Beispiel

Hier werden meines Erachtens sehr schön Buchteile, Kapitel und Textabschnitte mit sehr einfachen Mitteln wirkungsvoll und elegant unterteilt. Die Buchteile erhalten eine Extraseite. Die Nummer des Buchteils wird als römische Ziffer in eckigen Klammern gesetzt, [I], was wie eine schlichte Vignette wirkt. Die Kapitel beginnen auf einer neuen Seite mit viel Luft zum oberen Rand, die Kapitelnummer zentriert als schlichte arabische Ziffer, nur wenig größer als der Fließtext. Die ersten drei Worte am Kapitelanfang als Kapitälchen. Einzelne Textabschnitte werden dann durch einen schlichten waagerechten Geviertstrich getrennt.

 

       

Geschützte Leerzeichen

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp. Immer wieder sehe ich, dass sich die drei Auslassungspunkte einer Ellipse verselbstständigen, oder sogar wie hier auf einer neuen Seite stehen.

Das lässt sich leicht verhindern, indem man im Quellcode der EPUB ein geschütztes Leerzeichen (non-breaking-space) vor der Ellipse einsetzt. Das sieht dann so aus:  …

Das funktioniert natürlich auch bei anderen Wortverbindungen mit Leerzeichen, die nicht getrennt werden sollen, wie z.B. in: Dr. Jekyll. oder 7. Juni.

So beim nächsten Mal, am 7. Juni soll es nun wirklich um den Einsatz von kursiver Schrift in E-Books gehen.

Bis dahin genießt die guten Bücher in der Sonne

Uwe

 

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