7 Tipps für vielschichtige Charaktere

7 Tipps für vielschichtige Charaktere #7 Schwächen und Ticks

18. April 2018
Schwächen und Ticks
Schwächen und Ticks

Aufmerksamen LeserInnen meiner Blogbeiträge ist vielleicht aufgefallen, dass ich zwar angekündigt habe, über Charaktere und Method Acting zu schreiben, dies dann aber doch nicht getan habe. Jep, das passt zum Thema. Schwächen und Ticks. Und meine Schwäche ist es, manchmal zu schnell vorzustürmen. Ja, Method Acting auf die Charakterentwicklung anzuwenden ist genial, aber – wie mir klar wurde – weder in einem Absatz, noch einem Blogartikel abzuhandeln. Darüber muss und werde ich eine ganze Blogreihe schreiben, also habt noch ein wenig Geduld.

Ich kann diese Schwäche nicht besonders gut an mir leiden. Immer dieses Ankündigen und dann … Ich fange gerne etliche Dinge an, Buchprojekte zum Beispiel, und dann finde ich nicht die Zeit, sie alle zuende zu schreiben. Ich denke, ich kann mein Leben planen, aber dann gehe ich doch mit dem Flow. Nun mag es Leute geben, die finden das grausig an mir, aber – okay, das macht mich aus. Menschlich. Und – irgendwie vermutlich sogar sympathisch. Denn hinter meiner Schwäche versteckt sich eine Menge Enthusiasmus und Optimismus und wenn man so will, ist die Schwäche die andere Seite dieser Medaille.

Warum vielschichtige Charaktere Schwächen haben sollten

Was ich sagen will: Ihr werdet keinen Menschen finden, der keine Schwächen und Ticks hat. Beides ist übrigens nicht das Gleiche,  ich habe es aber in ein Kapitel gepackt, weil es kleine Unschönheiten sind, die das perfekte Bild einer HeldIn oder eines Charakters – nein, nicht kaputt machen, sondern  – abrunden. Den Charakter lebendig machen. Und liebenswert. Denn es ist sehr wichtig, dass die Leser eure Charaktere mögen und Lust haben, sich eine ganze Geschichte lang mit ihnen zu beschäftigen. Okay, wie groß sollte die Schwäche sein? Nun, nicht allzugroß. Denn wenn eure Heldin kein Rückgrat hat, dann ist das mehr als eine Schwäche, es ist ein Charakterfehler. Auch damit kann man eine Heldin ausstatten, doch ich versichere euch, das wird eine schwer zu schreibende Geschichte. Denn wer möchte sich eine ganze Geschichte lang mit einem rückgratlosen Charakter beschäftigen? Ich nicht.

Also sucht euch die kleinen Fehler, die gerade groß genug sind, eure Heldin in eine bedrohliche Situation zu bringen, aber die guten Charaktereigenschaften nicht unterhöhlen. Wobei wir bei dem nächsten Punkt wären:

Funktionen einer Schwäche

Geben wir der Heldin eine kleine Schwäche. Zum Beispiel Vergesslichkeit. Das macht sie menschlich und sympathisch. Doch in guten Geschichten sind Schwächen nicht nur Schwächen, sie haben auch eine (dramaturgische) Funktion. Das heißt, irgendwann wird deutlich, dass diese Schwäche die Achillessehne eurer Heldin ist. Hier kann man ihr schaden und der Gegner/Feind wird diese Schwäche nutzen. Oder sie wird sich selbst mit dieser Schwäche schaden, einen wichtigen Termin vergessen, eine Bus verpassen, etwas liegenlassen, was ihr wichtig ist. Die Schwäche kann auch zu  Stärke werden: Tasche vergessen – nun, da war eine Bombe drin. Und natürlich kann er oder sie die Schwäche auch im Laufe der Geschichte überwinden. Euren HeldInnen Schwächen zu geben, hat also mehrere Vorteile:

  • Die HeldIn erscheint menschlicher, der Leser kann sich besser mit ihm/ihr identifizieren
  • Die Schwäche kann dramatugisch eingesetzt werden, um der HeldIn zu nutzen oder zu schaden
  • Die Schwäche kann während der Geschichte überwunden werden
  • Die Schwäche kann von einem Freund/Feind ausgenutzt werden

Ticks

Speen, Fimmel, Knacks, Knall, Marotte, Spleen, Tick, Verrücktheit. Wir kennen viele Wörter für die kleinen Auffälligkeiten, die Menschen haben können. Ich habe mich für Tick entschieden, denn ich meine hier tatsächlich eher die kleinen Auffälligkeiten. Unter Berlinern ist Macke schon kurz vor verrückt, genauso wie Knall und Knacks. Nee, nee, ich meine die kleinen Ticks und Angewohnheiten, die Menschen in der Regel sympathisch machen. Oder auch höllisch nerven können. Sich an der Nase kratzen, die Brille hochschieben, sich ständig entschuldigen, nur blaue Kugelschreiber benutzen, eine Zigarette nie zuende rauchen und so weiter. Dinge, die einem Charakter Farbe geben. Ihn besonders machen. Gerade die Nebenfiguren eurer Geschichte profitieren von kleinen Ticks. Warum?

Funktionen von Ticks

Nebencharaktere sind großartig. Sie machen eine Geschichte bunt. Sie unterstützen die Protagonisten oder schaden ihnen, sie entlasten den Leser von zu viel Stress, wenn eure HeldIn gerade in Schwierigkeiten steckt, sie bringen Humor in eine Geschichte, sie sind – unentbehrlich. Doch manchmal – ganz ehrlich – sind sie schwer von einander zu unterscheiden. Nicht in guten Büchern, denn gute Autoren geben ihren Nebencharakteren charakteristische Merkmale. Ticks gehören dazu. Ticks können sich in vielfältiger Weise bemerkbar machen:

  • Aussehen: Trägt immer nur schwarz …
  • Sprache: Lispelt, stottert …
  • Verhalten: Wäscht sich ständig die Hände,
  • Kommunikation: Hört nicht zu, vergisst Namen …

Kleine Ticks und Macken sind ein gutes Mittel, einen (Neben-)charakter besonders zu machen, ihn/sie hervorzuheben. Wenn jemand auffällig spricht, verwechselt man ihn oder sie im Dialog nicht und kann den Charakter besser von anderen unterscheiden.

Natürlich könnt ihr auch euren HeldInnen einen Tick geben. Eine kleine Sache, kleiner als eine echte Schwäche, die ihn/wie aber (siehe oben) sympathisch, weil menschlich macht.

Wann baue ich Schwächen und Ticks ein?

Eigentlich ist das ein schöner Beitrag, um diese  Blogreihe über vielschichtige Charaktere abzuschließen. Er  gehört auch ans Ende. Denn über die Schwächen und Ticks eurer Charaktere, sollte ihr als allerletzes nachdenken. Sie sind das Tüpfelchen auf dem i, etwas, was ihr vielleicht sogar erst einbaut, wenn ihr eure Geschichte schon fast zuende geschrieben habt. Dann, wenn ihr selbst eure Charaktere so gut kennt, dass ihr eine kleine Schwäche perfekt in den Gesamtcharakter intergrieren könnt.

Einzige Ausnahme: Ihr schreibt das, was man leicht abfällig Sick-Lit nennt. Wenn ihr also Schwächen, Krankheiten, Verrücktheiten, Spleens und Ticks zum Hauptthema eines Buches macht oder zur Haupteigenschaft eures Charakters. Ich gebe zu, ich mag das nicht, auch wenn es einige gute Bücher in diesem „Genre“ gibt. Es ist leicht, beim Leser Betroffenheit und Sympathie für einen Charakter zu erzeugen, wenn er/sie eine tödliche Krankheit hat. Irgendwie zu leicht. Und aus dem Anteilnehmen und Mit-Leid haben wird nur zu schnell eine Art Voyeurismus. Sehen wir ihm/ihr beim Sterben zu! Juhu. Wie spannend.

Ich finde, mit diesen Geschichten sollte man sehr vorsichtig sein, auch, weil sie zur Zeit den Markt überschwemmen. Aber wenn ihr eine solche Geschichte erzählen wollt, in der eurer Hauptcharakter mit einer deutlichen Schwäche zu kämpfen hat, dann fangt – logisch – mit diesem Merkmal an. Alles andere – muss sich dann diesem Charakterzug unterordnen.

Okay, eine weitere Miniserie geht zuende. Ich überlege noch, über was ich als nächstes blogge (Vorschläge jederzeit willkommen) und lasse mir dafür etwas Zeit. Nächste Woche daher kein Blogbeitrag über das Schreiben von mir, wir sehen uns ganz frisch in zwei Wochen wieder, oder eigentlich – ups! – morgen, da gibt es einen neuen Beitrag über – Coooovvvver!

Auf in die Sonne

xoxo

Katrin

#amwriting #schreibtipps #redbugwriting #rbpub

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