Cover Secrets, DIY-Donnerstag

Cover Secrets #2 Entscheidungen

22. Februar 2018
Entscheidungen
Entscheidungen

Heute geht es um die Covergestaltung in Verlagen und zwar darum, wo welche Entscheidungen getroffen werden. Ich würde den Beitrag aber nicht schreiben, wenn er nicht viele Aspekte enthielte, die ganz allgemein für Selfpublisher/Autoren wichtig sind.

Okay, ich nehme einfach mal wieder meine eigenen Erlebnisse: Nach meinen Erfahrungen mit dem Cover meines ersten Buches (hä, worum geht´s?), nahm ich mir vor, bei den weiteren Covern meiner Trilogie besonders aufmerksam zu sein. (Das Dritte gestaltete ich dann schließlich selbst, dazu im nächsten Beitrag mehr.) Beim Cover für den zweiten Teil wollte ich erst einmal nur an den Coverentscheidungen teilnehmen. Sehen, was so in Erwägung gezogen wird, statt das im Grunde schon fertige Cover präsentiert zu bekommen. Verständlich, oder?

Meine damalige Lektorin hatte zum Glück sehr viel Verständnis dafür und versprach, mir alle Entwürfe frühzeitig zu zeigen. Juhu!

Kennt ihr das, wenn man sich etwas wünscht und dann fragt …

Die Qual der Wahl

Denn bis zu diesem Zeitpunkt war mir nicht klar, wie viele Motive für ein Cover in Erwägung gezogen werden, bevor man sich entscheidet.
Die reichten bei „Radio Gaga on Air“ von einem Rave-Cover mit einer jubelnden Menge im Dunkeln über einen DJ und einer tanzenden Menge bis zu einem Liebespärchen in New York.

Okay, alles passte zum Titel, aber – es war, als ob es um lauter verschiedene Inhalte ginge. Was war mein Buch? Wie war mein Buch? Ich war verwirrt. Klar, wusste ich, was mir am besten gefallen würde (keiner der Vorschläge) und mir war auch klar, dass es Leser und Buchhändler gibt, denen das Cover gefallen musste. Neu für mich war, dass so ungefähr jeder im Verlag im Prozess der Buchgestaltung mitreden darf. Jeder! Was nicht das Schlechteste ist, denn viele Meinungen erschaffen ein BILD.

Entscheidungen

Endcover für Radio Gaga On Air

Die LektorInnen …

sind sicher die stärksten Verbündeten des Autors, wenn es um ein Cover geht, denn – sie kennen den Inhalt des Buches. Yay! Sie haben das Buch tatsächlich gelesen und das ist nicht selbstverständlich. Ich meine, natürlich ist es selbstverständlich für eine Lektorin, das Buch gelesen zu haben, für das sie ein Cover beauftragen. Aber es nicht selbstverständlich für all die anderen Menschen, die sich danach einmischen und bestenfalls einen Klappentext kennen oder manchmal nur eine Art Pitch: Ein Liebesroman, es geht um Selbstmord// Ein Thriller, der in Bayern spielt // Ein historischer Roman, England 18. Jh. 

Die LektorInnen werden besonders darum kämpfen, dass der Inhalt des Buches nicht missverstanden wird. Keine blonde Frau auf einem Cover ist, wenn die Heldin braunhaarig ist. Kein Mann mit Waschbrettbauch, wenn keine Erotik im Buch vorkommt (obwohl Männer mit Waschbrettbäuchen sich extrem gut zu verkaufen scheinen).  Sie wissen, es ist wichtig, dass der Leser einen Eindruck vom Inhalt des Buches bekommt. Ungefähr weiß, was darin vorkommt. Denn ein Cover ist eine Art Versprechen. Ein Vorgeschmack.

Die CovergestalerInnen …

… sind in der gleichen Situation wie die AutorIn. Sie haben ihren Geschmack, sie wissen, was sie wollen, aber all das ist nur in sehr geringem Maße gefragt. Stattdessen bekommen sie einen Auftrag und einen Pitch und zusätzlich noch gesagt, für wen das Cover/Buch sein soll. Die Zielgruppe. Denn ein Liebesroman für 15-Jährige wird anders gestaltet, als ein Liebesroman für 50-Jährige. Also machen die Cover-Designer, die meist eine Ausbildung im Graphik-Desgin haben, ein paar Vorschläge.

Kleine Geschichte zwischendurch: Ich weiß noch, wie ich mich auf der Preisverleihung des Peter Härtling-Preises mit Max Bartholl, dem Covergestalter meines Covers, unterhalten habe und er SEUFZTE. Genervt, erschöpft, frustriert. Weil er ununterbrochen Vorschläge für das Radio Gaga-Cover gemacht hatte, die immer wieder zurückgeschickt wurden. Ständige Veränderungen, Verbesserungen und am Ende waren der vibe und der flow – weg. Ich fühlte mich sofort schlecht, dass ich das (rosa) Cover und sein Coverdesign kritisiert hatte. Jetzt verstand ich: Er war nicht schuld an dem Dilema.

Die Covergestalter wollen – im besten Fall – das beste, schönste, großartigste und künstlerischste Cover erschaffen. (Schließlich gibt es auch Preise für die Covergestaltung.) Aber sie hängen von dem Auftraggeber und damit von vielen (uneinigen) Stimmen im Verlag ab. Oder im besten Fall von einem Menschen, der nicht weiß, was er eigentlich will, aber immer ziemlich genau weiß, was er nicht will.

Die BuchvertreterInnen …

hatte ich nie auf der Rechnung. Ich meine – was haben sie zu dem Cover zu sagen? Hallo? Doch tatsächlich ist ihre Meinung in den Verlagen extrem wichtig. Bücher mit fertig gestalteten Covern werden nach Vertretersitzungen zurückgeschickt und überarbeitete! Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht, warum? Klar, müssen die Vertreter auch ein gutes Gefühl haben, wenn sie mit einem Buch und Cover durch die Buchhandlungen ziehen, aber wenn sie sich für jedes Cover schämen wollen, das ihnen nicht gefällt, dann können sie ihren Job gleich aufgeben.

Sie sagen auch selten: „Das Cover gefällt mir nicht!“, sondern wohl eher: „Das Cover wird nicht gut ankommen.“// „Das Cover wird mir mein Buchhändler so nicht gerne abnehmen.“ Und da der Verlag der Meinung ist, dass die VertreterInnen zumindest einen Schritt näher am Käufer sind, ist ihre Meinung eine Expertenmeinung und auf die wird gehört. Wenn man es so sieht: Wohl richtig.

BuchhandelAls Autor sollte man eine Sache daran sehr ernst nehmen: Das Cover wird nicht für den Autor gemacht. Und auch nicht für den Inhalt des Buches. Sondern für den Buchtisch des Buchhändlers. Hier soll das Buch gut aussehen.

Die Coverdesigner haben alles über Form und Gestaltung gelernt, sie sind die Profis. Wenn sich gute CovergestalterInnen durchsetzen oder freie Hand haben – Hurra! Und dann noch den Inhalt des Buches kennen und wertschätzen. Halleluja!

Doch wenn diese Bücher dann ungelesen auf den Buchtischen der Buchhändler liegenbleiben … ach, Freunde! Jetzt seufze ich einfach mal.

Die Herstellung …

ja, das ist auch eine Abteilung im Verlag. Die Leute, die sich mit dem Machen, dem Herstellen des Buches auseinandersetzen. Und dem Budget. Denn Glitter auf dem Cover oder das Lesebändchen, Lack oder teures Papier – kosten extra. Und machen das Buch teuerer. Wenn das Buch, das bei den Leserinnen hocherwartete Fantasybuch ist, dann wird Glitter schon mal drin sein. Wenn es der neue Roman der erfolgreichen Belletristik-Autorin ist, dann bekommt sie ein Lesebändchen. Und wenn es John Green ist, dann gibt es sogar ein Wende-Cover. Wenn hohe Verkaufszahlen erwartet werden, wird viel in ein Cover investiert.

Kurz: Wenn die Herstellung mitredet, dann geht es um Zahlen und Kosten und Ausgaben und die berechnen sich an den vermeintlichen Einnahmen. Das ist auch für Selfpublisher ein wichtiger Punkt: Es macht wenig Sinn, für ein Cover 300 Euro auszugeben, wenn man mit dem Buch nur 30 Euro einnimmt. Da ist es besser, sich ein wenig mit Covergestaltung auseinanderzusetzen.

Noch ein Wort zur Herstellung. Wenn ihr Selfpublisher seid, dann seid ihr bei der Frage, wie euer Buch später aussehen wird, etwas eingeschränkt. Egal ob E-Book oder Print, nicht alles ist möglich bzw. macht Sinn. Und wenn ihr „so ein schönes Cover wie in manchen Verlagen“ haben wollt, dann wird es gleich ganz düster. Oder teuer. Es gibt wenige Autoren, die das Risiko auf sich nehmen, ihr Buch selbt drucken zu lassen. Carina Bartsch hat das mal gemacht und dafür den Schandtaten-Verlag gegründet. Hardcover gedruckt. Und es ist irgendwie gut ausgegangen. Doch empfehlen würde ich das nicht, da man am Ende nicht nur viel Geld ausgibt, sondern vielleicht auch noch den Keller voller Büchern hat. Aber dazu in ein paar Wochen mehr.

Die LeserInnen …

die hätte ich doch beinahe vergessen. Aber natürlich spielen sie eine Rolle. Deshalb werden von Verlagen zum Beipiel Cover-Votings veranstaltet.

Und am Ende entscheidet man sich dann doch für eine andere Coverlösung, wie bei „Everflame“. Aber, nun, das macht man nicht, weil man die Meinung der Leser nicht ernst nimmt (oder zumindest hoffe ich das), sondern weil das Buch sich nicht so gut verkauft hat wie man dachte.

Also wird das Cover nachgebessert, in diesem Fall der amerikanischen Ausgabe angeglichen, ein neuer Impuls, der die Leser jedoch meist eher verärgert. Wenn sie sich den ersten Band schon in der 1. Version geholt haben – wie sieht das zusammen im Regal aus! Eben. Cover-Rebranding ist ein Thema für sich, und kännte auch ein interessanter Blogbeitrag werden.

Sollte man die Leser öfter fragen? Ihre Meinung einbeziehen?

Nun, die Leser sind vermutlich deshalb nicht die beste Berater, weil zu den 5-6 Stimmen im Verlag dann noch mal 500 dazukommen. Die vermutlich auch nicht einer Meinung sind. Ich finde Covervotings trotzdem genial, denn gerade die Kommentare zeigen, was die Leser sehen. Dinge, die einem selbst gar nicht mehr auffallen, weil man schon betriebsblind geworden ist.

 

Covermoden

Klar gibt es Covermoden und auch sie bestimmen Entscheidungen. Bestimmte Motive, die gerade in sind, gut funktionieren, angesagt sind. In Verlagen heißt es allerdings auch immer wieder gerne: Dies oder das ist tot. Menschen auf Covern, Gesichter auf Covern, Fotos auf Covern … Aber irgendwann steht alles wieder auf, dann sind Fotos auf Covern wieder in und  –  es ist ein wenig wie in der Mode. Hier die Balance zu halten zwischen: „Das haben wir doch nun schon 1000 mal gesehen“ und „das ist neu, aber niemand bemerkt es“ ist eine Kunst für sich. Da ist es dann vielleicht wirklich gut, den Blick nach draußen zu werfen, vielleicht noch nicht einmal auf andere Cover, sondern auf Zeitschriften, Blogs und Plattencover, um einen guten Stil zu treffen, etwas Frisches, Modernes und gleichzeitig schon Vertrautes zu gestalten. So würde ich anfangen, wenn ich mein Cover gestalte. Wobei – Moment mal, ich habe ganz anders angefangen! Uuuh ja. Meine persönliche Geschichte und – what I learned. Aber dazu dann mehr in 4 Wochen.

Bis dahin viel Spaß mit Archetypen, Lettering und EPUB-Secrets. See ya.

Katrin

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