7 Tipps für einen guten Schreibstil

7 Tipps für einen guten Schreibstil #7 Stimmigkeit

14. Februar 2018
Stimmigkeit
Stimmigkeit

Von Stimmigkeit spricht man, wenn die Teile eines Ganzen gut zusammenpassen und sich widerspruchsfrei ergänzen: dann ist es „in sich stimmig“. (Wikipedia)

StimmigkeitWenn Literatur beurteilt wird, dann taucht der Begriff der Stimmigkeit immer wieder auf. Und, ja, *seufz*, mal wieder so ein Begriff, der irgendwie schwammig ist und einem nicht so richtig weiterhilft – oder? Also werde ich mal versuchen, etwas mehr Kontur in den Begriff zu bringen und ihn zu umkreisen. Denn das, was man mit Stimmigkeit bezeichnet, fasst im Grunde alle vorhergehenden Blogbeiträge gut zusammen. Wenn du als Autor Stimmigkeit beherrschst, dann ist alles gut. Du merkst, wenn etwas in deinem Text nicht stimmt. Du hast ein Gefühl, eine Ahnung, denn du hast ein Gespür für Sprache und Ausdruck und wirst es schon richtig machen.

Spracherfahrung

Ganz klar sind hier diejenigen im Vorteil, die sich in einer Sprache sehr gut auskennen. Wenn du also schon als Kind in einem Umfeld aufgewachsen bist, in dem viel und auf hohem Niveau geredet wurde, wirst du ein gutes Sprachgefühl haben. Und – wieder einmal – haben auch alle die einen Vorteil, die viel lesen und so ein großes Sprachgefühl entwickelt haben. Oh, Moment! Alle, die GUTE Bücher gelesen haben. Denn liest man nur schlechte Bücher mit einem niedrigen Sprachlevel und schwachem Stil, dann entwickelt man sich nicht weiter. Allerdings kann es sehr wohl Sinn machen,  gute UND schlechte Bücher zu lesen, um den Unterschied zu erkennen. (Wobei es immer schwerer fallen wird, schlechte Bücher zu lesen, wenn man die guten zu schätzen weiß).

Kommunikation

Zu schreiben ist Kommunikation. Vom Autor zum Leser. Der Autor teilt etwas mit, der Leser sollte es verstehen. Gelingt das gut, dann ist es stimmig, wenn nicht, dann … nun, ich habe dafür mal ein Diagram des Kommunikationswissenschaftlers Friedemann Schulz von Thun nachgezeichnet.

Nehmen wir an, jemand erscheint im Jogging-Anzug auf einer Hochzeit. Für ihn selber ist das okay, nur in der Situation ist es nicht passend. Dann wäre er nach diesem Schema: daneben.

Aber auch, sich in ein tolles Kleid zu zwängen, wenn man sonst eher lässig herumläuft, ist nicht stimmig, sondern „nur“ angepasst.

Ebenso ist es mit dem Schreibstil. Der wäre dann stimmig, wenn er zum Autor passt, aber auch angemessen für die Situation, also die Zielgruppe der Leser ist. Ein gutes Beispiel wäre ein schnoddriger Coming of Age-Roman eines Rappers. Der mag nicht jedem gefallen, die Sprache ist vielleicht sogar sehr umgangssprachlich, die Inhalte eher roh und agressiv oder sexuell – aber alles im allem stimmt das Werk dann trotzdem im Ganzen. Man würde es stimmig nennen. Vielleicht sogar loben und mit einem Preis versehen. Dagegen wäre der Liebesroman, den eine Autorin unter Pseudonym in einem konventionellen Stil schreibt, zwar nicht daneben oder verquer, aber angepasst. Nicht wirklich sie selbst, was schon an dem Pseudonym deutlich wird.

Sprachgespür

Was man sehr oft sieht, ist, dass ein/e AutorIn versucht, sich besonders gewählt auszudrücken, dieses Sprachlevel aber nicht wirklich beherrscht. Häufig findet man das in Rezensionen von Buchbloggern, die versuchen, dem Stil eines Buches mit einer besonders gewählten Sprache gerecht zu werden, sich aber eben nicht wirklich auf diesem Sprachlevel befinden. Ich gebe mal ein Beispiel, das ich vor ein paar Tagen zufällig auf einer Website in einer Jugendbuchrezension gefunden habe:

„… Ich wusste zwar, dass es unausweichlich sein würde, es aber dann zu lesen und somit selbst mitzuerleben, war im wahrsten Sinne des Wortes überrollend.“

Ich gebe die Quelle hier nicht an, da ich niemanden bloßstellen will, denn darum geht es mir nicht. Im Gegenteil, ich finde es großartig, wenn Menschen bloggen/schreiben/sich ausdrücken, denn nur so lernt man, besser zu werden. Und – klar – in der Begeisterung kann es uns allen passieren, dass wir mit unserem sprachlichen Ausdruck mal daneben liegen. Doch das Beispiel ist so interessant, weil hier auf kleinem Raum viele Fehler gemacht werden.

„Ich wusste zwar, dass es unausweichlich sein würde …“

Mit „unausweichlich“ wird eine Tatsache bezeichnet. Sein würde? Hier ist der Konjunktiv – schräg. Mit sehr viel Selbstbewusstsein hätte die Bloggerin einfach schreiben können: Was kam, war unausweichlich. Eine Behauptung, aber – nun ja – es ist ihre Rezension. Oder: Ich wusste, es war unausweichlich. Oder: Ich ahnte, dass etwas Unausweichliches passieren würde.

Sinn von Sprache

„Es aber dann zu lesen und somit selbst mitzuerleben“.

Nein. Lesen ist lesen und Erleben ist erleben. Aber man versteht, was gesagt werden soll. Es war, als ob man es miterlebt hätte. Unstimmig ist hier das Wort: somit. Es drückt aus, dass Lesen und Erleben in einer ganz normale Abfolge stehen. „Das Reh zu zu erschießen und somit zu töten, fiel mir schwer.“ Geht. Das Reh zu erschießen und somit zum Leben zu erwecken – geht nicht. Zu lesen und somit selbst mitzuerleben? So weit werden wir vielleicht irgendwann sein. Bisher – ist es noch nicht möglich.

Spracherfahrung

„… war im wahrsten Sinne des Wortes überrollend.“

Im wahrsten Sinne des Wortes ist eine sehr beliebte Floskel, die – schon ziemlich abgelutscht ist, aber okay, natürlich kann man sie anwenden. Im „wahrsten Sinne des Wortes“ in einem Satz anzuwenden, setzt eine große Spracherfahrung voraus. Dazu muss man wissen, dass es Worte gibt, die nicht im eigentlichen Sinne verwandt werden. Sagen wir: berühren. Er berührt sie. Sie wurde von ihm berührt. Also angefasst. Wir sagen aber auch gerne: Das Theaterstück hat mich berührt. (Natürlich nicht im wahrsten Sinne des Wortes!).

„Im wahrsten Sinne des Wortes“ benutzen wir, wenn ein Wort, das eigentlich nicht in seinem üblichen Sinn gebraucht wird, an die alte Bedeutung herankommt – also etwa: Der Schaupieler hat mich – im wahrsten Sinne des Wortes – berührt. Nämlich nicht nur mit seinem Schauspiel, sondern auch tatsächlich während des Theaterstücks.

… überrollend

Bücher sind nicht überrollend. Auch nicht das, was in ihnen beschrieben wird. Im wahrsten Sinne überrollend? Verquer.

Sprache ist Kommunikation

In einem Buch ist Sprache Teil der Kommunikation. Vom Autor zum Leser. Und die Sprache, der Sprachstil ist der Übermittler der Botschaft, des Sinns, oder auch eines Bildes oder Gefühls, das durch Sprache erzeugt wird. In poetischen Texten kann es Wortbilder geben, die der Autor erfindet oder auch neue Ausdrücke, die nur der Autor anwendet. Das ist Wortkunst oder eben Literatur, also eine Loslösung von den alten Sprachmustern, um etwas Neues zu erschaffen. So kann es also auch sein, dass ein Werk/Buch für einen Kritiker stimmig ist, das sehr viele Menschen nicht verstehen, da sie sich auf einem niedrigerem Sprachlevel befinden.

Mein Stil

Letztens meinte mein geliebter Lebensgefährte in einer Nebenbemerkung, dass ich Autoren wohl beibringen möchte, besser zu schreiben. Hm. Stimmt das? Ich denke: Ja, auf der einen Seite ist das richtig. Doch auf der anderen möchte ich niemanden bekehren und schon gar nicht anprangern. Eher ermuntern, die eigene Sprachebene (auch wenn sie niedrig ist) selbstbewusst zu umarmen (im übertragenen Sinn ;) und einen eigenen Stil zu entwicklen. Dazu zu stehen, was man schreibt und wie man es schreibt. Kein Verstecken hinter Pseudonymen und auch kein So-tun-als-ob in dem, was man schreibt. Ich habe die Texte meiner Kinder geliebt, die früher natürlich nicht ganz „richtig“ waren. Aber sie waren stimmig. Dem Alter entsprechend, ehrlich, direkt, großartig.

Worksheet/Newsletter

Vieles, was mit Stil beim Schreiben zu tun hat, ist eine Frage der Erfahrung. Mit Sprache und mit Wortanwendung.  Oder des Wissens: Über Wortbedeutung oder die Bedeutung von Ausdrücken und Aussprüchen. Kann man das üben? Na klar. Als kleinen Beitrag gibt es von mir heute ein mehrseitiges Worksheet und – keine Angst – darin wird es nicht um Stimmigkeit gehen. Dafür gibt es Übungen zu den vorhergehenden Blogbeiträgen, also: Show don’t tell, Adjektive, Passiv und Aktiv … Alle Newsletter-Abonnenten finden es in ihrer Worksheet-Bibliothek.

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Wenn ihr Fragen habt oder Anregungen, kommentiert gerne.

Bis dann

xoxo

Katrin

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