7 Tipps - Schneller & produktiver schreiben

7 Tipps – Schneller & produktiver schreiben #6 Spannung

7. Juni 2017
Spannung
Spannung erzeugen

Spannung ist die Nervosität und Neugier, die man empfindet, wenn man auf eine wichtige Entscheidung wartet oder wenn Gefahr droht, sagt mir Google. Spannung ist etwas, das jedes Buch braucht, damit der Leser es nicht nur in die Hand nimmt, sondern auch bis zu Ende liest, sage ich. Und zwar nicht nur einen Thriller oder ein Krimi, sondern jedes Buch. Spannung ist ein interessantes Wort im Deutschen. Es kann sich auf den geistigen, aber auch den körperlichen Zustand beziehen und beides ist wichtig für ein schnelles und gutes Schreiben. Das ist wie bei einem Sportler, der Hochstleistungen vollbringen will und muss. Oder einen Profi-Schachspieler. Sowohl die geistige Verfassung, als auch die körperliche Verfassung müssen stimmen.

Mens sana in corpore sano

Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Schriftsteller sind dafür bekannt, ihren körperlichen Zustand beim Schreiben eher zu vernachlässigen oder ganz bewusst negativ zu beeinflussen: Zum Beispiel mit Alkohol oder Drogen – Dinge, die es einem erleichtern, in einen tranceähnlichen Zustand einzutreten, in dem man flow-ig schreibt. Leider sehr ungünstig für den Körper, der schnell ausbrennt, nachlässt, und unaufmerksam wird, oder den Geist, der schon bald nicht mehr zwischen gut geschrieben und selbstverliebt verschwurbelt unterscheiden kann. Besser ist, diesen Zustand ganz natürlich herbeizuführen. Gut zu schlafen, mit maximaler Energie an den Schreibitsch zu gehen. Ein konzentrierter Körperzustand – energetisiert, gut gelaunt, fit. Genauso wichtig ist ein aufmerksamer Geist, damit man einen spannenden, aufregenden, grandiosen Text schreiben kann. Ein Text, der einen mitreißt, begeistert, nicht mehr loslässt. Gespannt, voller Spannung.

Es ist ganz natürlich, dass man diesem Zustand der positiven Hochspannung nie sehr lange halten kann. Niemand ist ständig euphorisch. Niemand kann ständig Hochleitstungen erbringen. Niemand kann ständig unter Spannung stehen.

Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich das verstanden habe. Gerade am Anfang meiner Schreiberfahrung, wollte ich lange und intensiv arbeiten und viel Zeit am Schreibtisch verbringen. Ich habe sehr viel geschrieben und dann sehr viel wieder gelöscht. Was lief falsch?

The spirit of writing

Ich habe es ja schon öfter gesagt: Ich bin kein Freund von Wordcounts. Also Wörter zu zählen, um den Schreibfortschritt zu dokumentieren. Das ist für mich ungefähr so unsexy wie wenn  mir jemand stolz erzählt, dass er fünfmal pro Woche Sex hat. Oder zweimal täglich. Okay, now what? Beim Schreiben geht es nicht darum, möglichst viele Wörter auf einer weißen Fläche zu platzieren. Für mich ist das Schreiben eher eine Art geistige Architektur. Ein 3D-Gebäude, das sich aus den zweidimensionalen Seiten erhebt, und das der Leser betreten und erforschen kann. Ein Spiegelkabinett. Eine Geisterbahn. Eine parallele Realität.

Und die lässt sich nicht erbauen, indem man möglichst viele Stunden brav am Schreibtisch hockt. Um dieses geistige Gebäude zu erschaffen, braucht man die Mentalität eines Träumers und Creators, nicht die eines Beamten, der brav und manisch Wörter zählt. Sein Pensum erledigt. Einen Text herunterschreibt.

Ganz im Gegenteil. Man muss eine Vision für den eigenenText entwickeln. Eine Spannung aufbauen und halten. Denn wenn man beim Schreiben Aufregung und Spannung spürt, neugierig auf die Entscheidungen der Charaktere ist, selber wissen will, wie es weitergeht, werden es auch die Leser sein. Umgekehrt: Wenn man sich beim Schreiben langweilt, unmotivert und gequält ist, dann wird es ganz sicher auch der Leser sein. Warum sollte etwas, das man sich selbst abgerungen hat, beim Leser Freude oder Spannung erzeugen? Genau.

 Achtung, Langeweile!

Daher ist die erste Regel: Sobald man aus dem besten, dem idealen Zustand fällt, muss man stoppen. Meist sieht man auf, ein Gedanke schießt durch den Kopf oder die Hand über den Tasten stoppt einfach. Ich kenne verschiedene Zustände, die mich zum stoppen bringen:

  • Euphorie. Weil der Satz/Gedanke gerade so genial war (auch, wenn sich später herausstellt, dass er noch roh und unbearbeitet ist).
  • Zögern. Weil ich spüre, dass irgendetwas nicht stimmt, nicht passt, ohne, dass ich sagen kann, was.
  • Unwillen. Weil ich mich gerade in eine Ecke geschrieben haben, in der alles nicht mehr richtig ist.

Interessant war für mich: Auch sehr gute Zustände können mich aus dem Schreiben reißen. Die frohe Botschaft: Man merkt immer, wenn man den besten Zustand verlässt. Und dann muss man aufhören. Zumindest eine kleine Pause einlegen, das Gehirn auf reset setzen, nachdenken, einen Spaziergang machen.

Wie der Autor, so der Leser

Sollte ich mich dann nicht einfach zwingen, weiter zu schreiben? Haben wir das nicht so gelernt: Zähne zusammenbeißen und durch? Nope. Aus langer Erfahrung mit kreativer Arbeit kann ich mit absouter Bestimmtheit sagen: NEIN. Es ist nicht gut, dann weiterzuarbeiten. Auch, wenn man „nur“ eine halbe Seite geschrieben hat. Es ist wie auf einer Wanderung, wenn man an eine Webgabelung kommt: Man muss erst entscheiden, wo und wie man weitergehen will, um wieder in den Schreibflow einzutauchen.

Denn jedes Mal, wenn das Schreiben schwer und lästig wird, wird der Leser an dieser Stelle das gleiche Gefühl von Langeweile und Unwohlsein spüren. Es ist sogar noch dramatischer: Wenn man aus dem Flow fällt, dann ist das mit Sicherheit ein Anzeichen dafür, dass etwas am Text nicht stimmt. Den Charakteren, dem Plot, der Spannung. Und es macht überhaupt keine Sinn, dann weiterzuschreiben. Die Spannung oder Luft ist raus. Und der Leser merkt das später ganz genau.

Tricks und Kniffe

Natürlich weiß ein erfahrener Autor wie er Spannung beim Leser erzeugen kann. Genauso, wie ein Spitzensportler trainiert hat, länger zu laufen oder höher zu springen, kann ein Autor auch die Spannung seines Textes auf einem hohen Niveau halten. Der Oberbegriff für alle dramatischen Spannungen heißt Tension. Und wird in drei Unterformen eingeteilt:

  1. Surprise = Überraschung. Wenn man den Leser mit einer Wendung, einem Plotpoint, der Handlung eines Charkters überrascht, steigert man seine Neugier und die Spannung beim lesen.
  2. Suspense = Gespanntheit. Es bedeute so viel wie „in Unsicherheit schweben“. Eine offene Frage wird durch einen längeren Handlungsbogen aufgebaut. Weil der Leser wissen will, wie die Frage beantwortet wird, liest er weiter.
  3. Mystery = Geheimnis. Informationen werden dem Leser vorenthalten, der sich fragt, wer „es“ getan hat oder wie bestimmte Situationen aufgelöst werden.

Diese Techniken kann man bei allen Texten anwenden, um die Spannung hoch zu halten. Wer bemerkt, dass seinen Büchern Spannung fehlt, sollte diese Techniken genauer studieren.

Cliffhanger

Zum ersten Mal hat Thomas Hardy 1873 den Cliffhanger in dem Roman A Pair of Blue Eyes erschaffen. Der Roman erschien, wie damals üblich, als monatliche Serie in einer Zeitschrift. In einer Szene musste sich sein Protagonist an einem Steilhang nur noch an einem Büschel Gras festhalten, um nicht in den sicheren Tod zu stürzen. Fortsetzung folgt. Und eine Methode war geboren. Heute kennen wir es alle: Serienstaffeln enden immer mit Cliffhangern und in wer im amerikanischen Fernsehen die wohlgesetzten Werbepausen kennt, weiß es auch: Erschaffe eine spannende Situation, die den Fernsehzuschauer/Leser zwingt, weiterzusehen oder zu lesen. Es macht absolut Sinn, ein Kapitel mit einer spannenden Situation zu beenden. Als Autor wird man motiviert sein, weiterzuschreiben als Leser weiterzulesen.

Vielleicht sollte ich auch diesen Blogbeitrag mit einem Cliffhanger beenden: Was wird wohl nächste Woche drankommen? Wie wird sie die Blogreihe abschließen? Auch, wenn sich das sicher nicht so anfühlt, als ob ich an einem Steilhang hänge und mich an einem Grasbüschel festhalte: Ich denke, ich werde über Buchserien bloggen … ;)

Bis dahin eine gute Zeit!

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting #schreibtipps

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1 Comment

  • Reply Dembelo 10. Juni 2017 at 08:40

    […] 7 Tipps – Schneller & Produktiver Schreiben #6 Spannung […]

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