7 Tipps (nicht nur) für Schreibanfänger

7 Tipps (nicht nur) für Schreibanfänger #5 Überarbeiten

1. Februar 2017

Heute gibt es den Geschwisterbeitrag zu #3 Schreiben. Gerade überarbeite ich ein Manuskript und mir ist noch einmal aufgefallen, wie viele Aspekte das Überarbeiten hat. Wenn mein erster Beitrag über das Überarbeiten die Spitze des Eisberges war, dann werde ich heute mal etwas tiefer tauchen!

Überarbeitunsgmodusüberarbeiten Katrin Bongard

Ich habe ja gesagt, dass das freie, kreative Schreiben am besten funktioniert, wenn man die rechte/kreative/impulsive Gehirnhälfte machen lässt und die kritische Seite seines Gehirns freundlich, aber bestimmt in die zweite Reihe verweist. Du bist später dran. Nämlich – tada – jetzt! Dann, wenn ich schon 50-100 Seiten Manuskript geschrieben habe,  oder eben, wenn der ganze Roman fertig ist. Spätestens dann, würde ich sagen.

Rechts und links

Die rechte Gehirnhälfte wird gerne etwas schlecht gemacht, wenn es um Kreativität geht. Stimmt schon, sie kann ein richtiger Spielverderber sein: Sie kritisiert, analysiert, rechnet, ist logisch und rational. Was hast du denn da wieder für einen Unsinn verzapft, sagt sie und – hat damit oft recht.

Überarbeiten Katrin Bongard

aus: Betta Edwards. Garantiert Zeichnen lernen.

Doch wenn es ans Überarbeiten geht, dann bin ich dankbar für meine innere KritikerIn (sie ist definitiv keine Göttin ;), denn jetzt brauche ich sie dringend.

Leider begleiten uns AutorInnen beim Schreiben zwei wenig hilfreiche Freunde: Eitelkeit und Selbstverliebtheit. Die Eitelkeit verführt dazu, zu ausführlich über Dinge zu schreiben, die man weiß oder gelesen/gehört/gelernt hat. Die Selbstverliebtheit dazu, Kapitel oder Abschnitte stehen zu lassen, die man für den Gesamteindruck des Textes eigentlich opfern müsste. Denn jeder Text hat seine eigene Logik, eine eigne DNA und nur der darf die AutorIn gehorchen.

Okay, also wie gehe ich an eine Überarbeitung heran? Das hängt ein wenig davon ab, wie ich schreibe. Ich habe schon mal darüber gebloggt, dass es grob gesagt zwei Arten von Autoren gibt. Die Planer und die Improvisateure. Also die, die sich vorher einen genauen Plan machen, was sie schreiben wollen und die kreativen Chaoten, die einfach so drauflosschreiben. Keine Kritik! Beide Methoden sind awesome.

Plotter oder Pantser?

Wenn ich eine Geschichte gut geplant habe, weiß ich meistens sehr schnell, wann ich mich in der Handlung verlaufen habe. Wenn ich am Ende des Buches bin, kann ich mir die große Überarbeitung meistens sparen und gleich mit der Feinüberarbeitung beginnen. Wenn ich intuitiver schreibe, laufe ich eher Gefahr, mich zu verirren. Manchmal heißt das, dass am Ende sehr viele Passagen des Textes umgestellt, gestrichen oder neu geordnet werden müssen. Aber egal, wie ich arbeite, am Ende muss ich meiner rechten, analytischen Gehirnhälfte vertrauen und meinen Text kritisch überarbeiten. Ich schlage drei Überarbeitungsphasen vor, die natürlich nicht ganz exakt voneinander zu trennen sind.

Erste Überarbeitungsphase

Wenn ich ein Buch beendet habe, bin ich immer in Hochstimmung. Erstmal möchte ich feiern, dass ich fertig geworden bin. (Hier Jubel einfügen.) Am besten lasse ich dann mein Manuskript ganz bewusst eine Weile liegen und schaffe einen Abstand von ca 2- 4 Wochen. Erst danach beginne ich mit der ersten Überarbeitung.

Bei der ersten oder groben Überarbeitung geht es erst einmal nur darum, ob die Geschichte „funktioniert“. Und zwar für mich. Klar, Betaleser sind super, ihre Rückmeldungen Gold wert, aber das Wichtigste ist, dass mir meine Geschichte gefällt. Also lese ich sie (mit Abstand) noch einmal wie ein Leser. Und weil meine rechte, kritische Gehirnhälfte weiß, dass das Buch noch nicht gedruckt ist, wird sie sich folgende Fragen stellen.

  • Ist der Rhythmus des Buches gut?
  • Wie logisch ist die Geschichte im Ganzen?
  • Ist es spannend?
  • Ist sie emotional genug?

Die rationale Gehirnhälfte hilft mir, da sie hervorragend analysieren kann und wie ich sie kenne, danach auch sehr praktische Vorschläge für Lösungen findet.

Für meine Änderungen arbeite ich mit Korrekturfunktion oder schreibe mit – ganz egal.

Zweite Überarbeitungsphase

Wenn alles gut läuft, endet die erste Überarbeitung damit, dass ich nur wenig ändere. Also weder Kapitel umstellen, noch Chraktere streichen oder sogar die Handlung verändert muss. Yeah! Nun zoome ich etwas näher an den Text heran. Oh, ja, meine rechte Gehirnhälfte liebt Details. Und schaue mir die einzelnen Kapitel an. Denn was für das große Ganze gilt, gilt auch für die kleinen Teile des Textes. Das ganze Buch sollte einen Spannungsbogen haben – aber auch jedes Kapitel, jeder Abschnitt und jeder Dialog. Also:

  • Wie ist der Rhytmus der einzelnen Kapitel?
  • Ist der Anfang der Kapitel klar und interessant?
  • Ist das Ende so spannend, dass man unbedingt weiterlesen möchte?
  • Wie ist das Verhältnis von Dialog und Erzähltext?

Bei der zweiten Überarbeitung macht der Einsatz der Korrekturfunktion Sinn. Oft ist ein Manuskript in dieser Phase schon das erste Mal im Lektorat des Verlags gewesen. Doch hier sollte man sich nichts vormachen. Auch die LektorIn hat nur begrenzt Zeit für ein Manuskript und kann es nicht zu einem Meisterwerk machen, wenn es nicht so angelegt ist.

Dritte Überarbeitungsphase

Nun wird noch etwas weiter herangezoomt. Meine rechte Gehirnhälfte jubelt, die linke leidet jetzt wirklich. Korinthenkacker, hat mein Vater diese Leute genannt, die so detailversessen sind. Doch jetzt muss ich genauso denken wie diese Typen. Es geht um einzelne Sätze und Wörter. Okay, zugegeben, wenn man nicht Kafka ist, der an jedem Komma in seinen Texten gearbeitet hat, dann wird man an dieser Stelle vermutlich keine Perfektion erreichen. Lebe damit, rechte Gehirnhälfte! Aber anstreben sollte man sie schon. Hier mal ein Beispiel:

Ich sah zu meinen Füßen auf dem Boden und stellte fest, dass meine Turnschuhe klitschnass waren.

Ich sah zu meinen Füßen auf dem Boden und stellte fest, dass meine Turnschuhen. Sie waren klitschnass waren.

Oder: Sie waren klitschnass/sie waren vollkommen durchnässt/sie trieften vor Nässe.

Logisch stehen die Füße auf dem Boden, das kann auf jeden Fall gestrichen werden. Beim zweiten Satz ist es schwieriger. Was will man mit den nassen Turnschuhen erzählen? Das Wetter? Die Stimmung? Geht es um eine Feststellung/Betonung/Übertreibung?

Am besten sieht man sich alle seine Sätze und Worte kurz und kritisch daraufhin an, ob sie nicht kürzer, präziser und klarer sein könnten.

  • Passen meine Sätze/Worte an dieser Stelle?
  • Drücken sie in der Situation das Richtige aus?
  • Sind meine Sätze/Worte emotional genug? Zu emotional?
  • Wird klar, was ich sagen will?

Die Kunst in dieser Phase der Überarbeitung ist, den Text sowohl klarer, als auch emotionaler zu gestalten.

Lektorat

Ja, das ist wirklich hart. Von Jubeln über den eigenen Text ist man nun schon sehr, sehr weit entfernt. Wenn man sich diese Mini-Überarbeitungen sparen möchte, und nicht bei einem Verlag ist, dann hilft nur, eine LektorIn zu beauftragen, die den Text mit vollkommen kühlem Verstand liest und ganz brutal überarbeitet. Zu 99,9 % verbessert eine Lektorin im Feinlektorat den Text. Es ist schmerzhaft, es tut richtig weh, doch es lohnt sich. Und wenn man den Text dann zurückgekommt, und er vor lauter Anmerkungen kaum wiederzuerkennen ist, dann ist es gut, jede einzelne Änderung zu prüfen und für das nächste Buch etwas dazuzulernen.

Überarbeiten und Korrektorat

Wichtig: Das Korrektorat kommt nach all diesen Überarbeitungsphasen. Es hat mit dem Überarbeiten nichts zu tun. Wenn ihr eine nette KorrektorIn habt, dann weist sie euch auf Wortdoppelungen hin. Ansonsten ist sie nur für die Grammatik und Rechtschreibung eures Textes zuständig. Für mehr nicht.

Wenn ich mein Manuskript von meiner Lektorin (vor dem Korrektorat, aber nach der 3. Überarbeitung durch sie und mich) zurückbekomme, bin ich meist schon in diesem leicht hysterischen Zustand, der jeder Veröffentlichung vorausgeht. Nur meine rechte, analytische, rationale, coole Gehirnhälfte weiß zu diesem Zeitpunkt, dass es gut und sinnvoll ist, meinen Text noch ein allerletztes Mal zu testen und zu überprüfen. Und hilft mir. Danke, dafür!

Checkliste Überarbeiten /Newsletter

Diesmal gibt es wieder ein Worksheet. Yay! Es ist eine detaillierte Checkliste mit den Punkten, die in den drei Überarbeitungsphasen wichtig sind. Wer unseren Newsletter abonniert hat, findet es in der Worksheet-Bibliothek. Allen anderen lege ich unseren wunderbaren Newsletter ans Herz. Wir verschicken ihn monatlich, er enthält News zu Buchveröffentlichungen, Buchaktionen und neuen Worksheets und Schreibtipps.

Nächste Woche blogge ich über den Zeitabschnitt zwischen dem Fertigstellen des Manuskripts und dem Überarbeiten und wie man diese Zeit am besten nutzt.

Bis dann – habt eine glohrreiche und schneereiche (Urlaubs-)Pause!

xoxo

Katrin

#amwriting #redbugwriting #schreibtipps #rbpub

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