7 Tipps (nicht nur) für Schreibanfänger

7 Tipps (nicht nur) für Schreibanfänger #4 Schreibpausen

25. Januar 2017

Im Beitrag über das Prokrastinieren habe ich ja schon einmal über gute und schlechte Schreibpausen gebloggt. Also die kleinen Unterbrechungen, während des Arbeitens. In diesem Beitrag geht es eher um die großen Pausen: Stunden, Tage, Monate – okay, manchmal sogar Jahre, und warum sie manchmal viel wichtiger, als das eigentliche Schreiben sind.

Word counting?

Ich bin kein Freund des word counting. Also Worte zu zählen, während man schreibt, um so seinen Schreibfortschritt zu messen. Schreiben ist weder Sport, noch ein Wettbewerb. Dann eben ein Spiel? Da zählt man auch Punkte. Ja, aber nur wenn man GEGEN andere spielt. Beim Schreiben gibt es keine Gegner. Und niemanden, den man mit mehr Worten schlagen kann. Auch wenn manche Autoren ihren Wortfortschritt gerne twittern: „Seht her, wie viel ich heute geschrieben habe!“ So what? Wer sagt mir, dass da nicht nur Wortmüll aufgehäuft wurde? Ich betone das, da es uns Autoren nicht nur gelegentlich schwer fällt zu schreiben, sondern auch sehr oft, mal nicht zu schreiben. Dabei ist das mindestens genauso wichtig.

Arbeits – Pausen

Disziplin ist beim Schreiben ein großes Thema. Wenn ich nicht regelmäßig schreibe, also schreiben übe, werde ich keine MeisterIn werden. Genauso gilt aber, dass ich, wenn ich NUR schreibe, irgendwann auf der Stelle trete. Sogar schlechter werde. In der Regel hat man, wenn man vor dem Laptop sitzt und die Finger in die Tasten schlägt, das gute Gefühl zu arbeiten. Jeder versteht, wie wichtig eine Tätigkeit ist, bei der man vor einem Bildschirm sitzt. Warum auch immer.  Sie arbeitet an ihrem neuen Roman! Ja, wir Preußen mit unserer tollen Arbeitsmoral sind hier ganz vorne. Ich arbeite, tue etwas, baue Sätze, forme Worte. Handwerkerjargon. Nichts gegen Handwerk, aber Schreiben ist mehr. Oder sollte mehr sein. Und Schreiben passiert auf jeden Fall nicht nur mit den Händen auf der Tastatur.

Schreiben und Denken

Ich leide, wie alle Autoren, wenn ich nicht schreiben kann. Sei es, weil ich keine Zeit habe, oder einfach nicht in den Flow komme. Gemeint ist damit natürlich: Worte aufs Papier bringen. Und auch ich vergesse oft, dass ich, wenn ich mich von meinem Schreibtisch erhebe, eigentlich nicht aufhöre zu schreiben. Die innere Stimme hört nicht auf, Vorschläge zu machen, Sätze umzustellen, im Kopf durchzutesten. Meine Ideen sprudeln weiter, meine Gedanken schweifen beim Spaziergang ab, da mir ein Logikfehler in meiner Geschichte auffällt. Ich suche nach einer neuen Lösung, denke das mal durch, finde eine Lösung. Und stelle dann ganz erstaunt fest, wenn ich später zurück an mein Laptop gehe – ich habe in meiner Schreibpause eigentlich sogar sehr effektiv gearbeitet.

Arbeits- und Schreibpausen

Für mich gibt es Arbeits- und Schreibpausen. Arbeitspausen sind Pausen, in denen ich weder schreibe, noch recherchiere, oder im Kopf plotte, oder mit meinen Charakteren spreche (auch wenn sie supersmart sind), noch über das Schreiben nachdenke. Nada! Arbeitspausen sind Erholungspausen für Körper UND Geist. Den Körper vom Schreibtisch zu erheben ist einfacher, als die Gedanken zu stoppen. Der innere Monolog ist einem ja vertraut – nachher noch Klopapier holen – und warum soll der sich nicht auch noch etwas um meine Geschichte kümmern?  – unbedingt das mit der Safari ändern! Surfen ist cooler. Das (Nach)denken über meinen Text endet nicht in der Pause.

Und manchmal will ich das auch gar nicht. Das sind die Schreibpausen. Ich schreibe nicht – aber eigentlich doch. Ich arbeite im Kopf weiter.

Kleine und große Schreibpausen

Kleine Schreibpausen helfen mir, das Geschrieben zu verdauen, zu verarbeiten, im Kopf zu sortieren. Ich bin in der Story, ich überlege, ob mein Plot noch hält, wie ich das nächste Kapitel beginne, gehe das bisher Geschriebene gedanklich durch. Ob ich das tue, während ich mir einen Tee zubereite oder Kopfstand mache, ist egal. Hauptsache, das, was ich mache, lenkt mich nicht zu sehr ab, oder strengt mich zu sehr an, damit ich weiter nachdenken kann. Leichte körperliche Betätigung ist sogar sehr gut. Daher gehen Schriftsteller so gerne spazieren.

Große Schreibpausen sind kreative Erholungspausen. Ich habe sie oft, wenn ich ein Buchprojekt beendet habe, besonders, wenn es mich stark gefordert hat. In diesen längeren Pausen von 4-8 Wochen bereite mich auf mein nächstes Buch vor, versorge mich mit Ideen. Es sind kreative Erholungspausen und Auftank-Phasen. Der Urlaub, der Besuch im Kino, das Gespräch mit Freunden. Und damit eigentlich auch schon wieder Vorbereitungen auf das nächste Projekt. Genial, oder? Wenn es gut läuft. Und wenn es schlecht läuft, dann sind es – Krisen. Nichts gegen Krisen, jeder hat sie, jeder braucht sie. Ohne Krise kein guter Schriftsteller, würde ich sagen, aber sie fühlen sich natürlich nicht so gut an.

Von der Pause zur Krise

Wenn eine Schreibpause einen Tag dauert – so what. Wenn sie nach einem Buch mal zwei Monate dauert? Auch okay. Wenn sie Monate dauert, hat man in der Regel sowohl ein finanzielles, als auch ein psychisches Problem. Das macht die Sache nicht besser. Von Woche zu Woche wird der Druck größer, endlich wieder anzufangen. Endlich was zu schaffen, wieder zu arbeiten. Aber genau an diesem Punkt muss ich mich daran erinnern, dass Schreiben nicht nur ein Handwerk ist. Ich habe diese Momente in meiner Schreibkarriere schon öfter erlebt. Ich habe einen bestimmten Punkt erreicht: einen Preis gewonnen, ein großes Projekt abgeschlossen, meinem Agenten gekündigt, einen finanziellen Flop erlebt, einen Bestseller gelandet und frage mich: Was nun? Dabei ist es vollkommen egal, ob ich an einem Höhepunkt meiner Karriere oder einem Tiefpunkt ankomme. Auf jeden Fall habe ich meine Komfortzone verlassen und befinde mich in einer neuen Zone. Und weiß nicht genau, wo und wie es weitergeht. Ich habe eine Krise, ich brauche eine sehr große Schreibpause.

Phönix aus der Asche

Krisen gut zu erleben und nicht nur zu erleiden, ist eine Kunst für sich. Ich sage nicht, dass ich ein Experte bin, aber ich kann sagen, dass ich mich NACH einer Krise immer hervorragend fühle. Dann weiß ich auch, warum ich eine große Schreibpause einlegen musste. In der Schreibpause ärgert es mich heftig, dass ich so wenig zustande bringe, aber danach verstehe ich nicht mehr, wie ich überhaupt irgendwas auf die Reihe bekommen habe. Sehr weise Künstler legen sogar ganz bewusst große Schreibpausen in ihrem Leben ein. Sie gehen auf den Jakobsweg, machen eine lange Reise (in der Regel schreiben sie dann auch  darüber. Sehr genial!). Oder sie machen eine zeitlang etwas ganz anderes: lernen eine neue Sportart, oder arbeiten sogar in einem anderen Beruf. Was ich sagen will: Schreibpausen machen das Schreiben auf jeden Fall besser. Egal, ob sie kurz oder lang sind. Leider gibt es kein counting für Pausen: Wieder drei geniale Tage lang keine (überflüssigen) Worte aufs Papier gebracht, sondern den Kopf die Arbeit erledigen lassen! Wenn es ein break counting gäbe, wäre ich sofort dabei.

Nächste Woche schreibe ich über das Überarbeiten. Dazu habe ich schon mal etwas geschrieben, diesmal vertiefe ich das Thema weiter und – mal sehen :)

Eine tolle Woche –

xoxo

Katrin

#amwriting #redbugwriting #rbpub #schreibtipps

You Might Also Like

1 Comment

  • Reply Autoren: Medienlese 21.01.-27.01.2017 – Dembelo 28. Januar 2017 at 08:05

    […] 7 Tipps (nicht nur) für Schreibanfänger #4 Schreibpausen […]

  • Leave a Reply