7 Tipps (nicht nur) für Schreibanfänger

7 Tipps (nicht nur) für Schreibanfänger #3 Schreiben

18. Januar 2017

Schreiben? Natürlich schreiben, darum geht es doch. Aber, hm, schreiben! ist nicht gleich s*c*h*r*e*i*b*e*n. Ich rede vom lustvollen, kreativen Schreiben. Dem Schreiben, bei dem ich in einen hypnotischen Zustand abtauche, ganz absorbiert bin, lache, weine. Einem Schreiben, mit dem ich die Leser fesseln, berühren, erreichen kann. Genau um dieses Schreiben geht es heute.

Zwei Gehirnhälften

aus: Betty Edwards. Garantiert zeichnen lernen.

Ich habe mich mit den beiden Gehirnhälften beschäftigt, als ich mit Zeichnen begann. Ich war eigentlich auf der Suche nach einem How To-Buch über Zeichentechniken und fand Betty Edwards geniales Buch: Garantiert Zeichnen lernen. Alles, was sie über das Zeichnen und die Nutzung unser beiden Gehirn-Hemisphären sagt, kann man genauso gut auch auf das Scheiben anwenden. Okay, der Reihe nach.

Rational, analytisch – links

Unser Gehirn hat zwei Hälften. Jede Gehirnhälfte hat einen Job. Die linke Gehirnhälfte ist verbal, analytisch, abstrakt, zeitlich, logisch, rational, digital. Wenn man von einem Kopfmenschen redet, dann meint man wohl jemanden, der die linke Gehirnhälfte besonders intensiv nutzt. Klassenbester, immer wohl sortiert, kein Problem mit Rechnungen und Berechnungen, vielleicht sogar pingelig und etwas nerdig.  Ah, daher Rechtshänder! Genau.

Nonverbal, intuitiv – rechts

Die andere Hälfte ist chaotischer, aber sie hat einen genauso wichtigen Job. Nonverbal, synthetisch, konkret, analog, zeitlos, irrational, räumlich, intuitiv, ganzheitlich. Zu Menschen, deren rechte Gehirnhälfte dominant ist, sagen wir auch Bauchmenschen. Künstler, Chaoten, Traumtänzer, aber auch die pragmatischen Handwerker und zupackende Pragmatiker. Die rechte Gehirnhälfte steuert die linke Körperhälfte.

Die Verbindung der Hälften

aus: Betty Edwards. Garantiert Zeichnen lernen.

Beide Gehirnhälften agieren nicht allein, sondern tauschen sich mit der anderen Seite über einen Balken aus, der im Gehirn sitzt und auch so heißt. (Ist diese Stelle im Gehrin beschädigt, dann sind Menschen zum Beispiel nicht mehr in der Lage, Gegenstände zu benennen). Das Nervensystem ist kreuzweise mit dem Gehirn verbunden. Die linke Gehirnhälfte steuert die rechte Körperseite, die rechte Gehirnhälfte die linke Seite. Wir brauchen beide Gehirnhälften, aber leider leben wir in einer Gesellschaft, die der linken, analytischen und rationalen Gehirnhälfte wesentlich mehr Bedeutung und Wert zuweist. Wir reden vom rechten = feinen Händchen, dem rechten Weg, der rechten Haltung. Links wird mit Chaos und Anarchie verbunden. Das lateinische Wort für links = sinister, heißt auch finster, unheilvoll, schlecht.

Auf die dunkle Seite wechseln

Tja, ich sag’s einfach mal: Wenn ihr gute Künstler und damit auch gute Autoren werden wollt, dann müsst ihr auf die dunkle Seite wechseln. Natürlich ist die nicht wirklich dunkel, aber eben nicht sehr gesellschaftskompatibel. Das ist der Grund, warum die meisten Eltern vermutlich nicht  vor Freude in die Luft springen, wenn ihre Kinder verkünden, dass sie ab jetzt vom Schreiben leben wollen. Wie soll das gehen? Das ist Chaos, Unberechenbarkeit, Kreativität. Jep. Genau.

Schreiben im Flow

Kreatives, intuitives, anarchisches Schreiben ist das Schreiben, mit dem man ein gutes Buch/Text schreibt. Wenn ich in diesem Zustand bin, dann vergesse ich die Zeit (ich muss mir einen Wecker stellen, um das Essen nicht zu verpassen), ich tauche ab, bin im Flow. Ich empfinde meine Charaktere als real, bin witzig, einfallsreich. Wunderbar. Wäre da nicht diese linke Gehirnhälfte, die sich irgendwann beleidigt einschaltet.

Der innere Kritiker

Jeder Künstler kennt das. Gerade hat man noch wild, begeistert und im Flow gearbeitet, man hält einen Moment inne, betrachtet sein Werk, sein Schreiben mit Abstand und: Oh-mein-Gott, sagt die linke Gehirnhälfte. Das ist ja der totale Mist, den du da fabriziert hast! (Die rechte Hälfte benutzt gerne Fremdwörter). Da muss ich ja wieder endlos Überarbeiten. Und, ja, natürlich, die linke Gehirnhälfte, diese alte Besserwisserin, hat natürlich recht. Grundsätzlich. Irgendwann (ich komme bei Schreibtipps #5 dazu) muss man überarbeiten. Aber gerade NICHT.

Lustvolles Schreiben

Kreatives Schreiben kann nur mit Dominanz der rechten, chaotischen Gehirnhälfte stattfinden, also mache ich sie in meiner Schreibzeit zum Chef. Ich kann ihr helfen, indem ich Musik beim Schreiben höre, eine Duftlampe aufstelle, mir erlaube, einfach nur im Schreibflow zu bleiben, ohne groß nach-zu-denken. Wenig Unterbrechungen, Abschalten des WLAN, Tür geschlossen, bequeme Sitzhaltung, am besten nicht am Schreibtisch. Und wenn, dann mit einem Bild vor Augen, einem Blumenstrauß in der Nähe. Alles, was die linke Gehirnhälfte anregt, ihr Spaß macht, ihren Spieltrieb anregt, ist gut.

Die linke Gehirnhälfte vertröste ich. Sie bekommt ihre Zeit – später. Text, der in der kreativen Schreibphase entsteht, ist selten fertig und gut und sinnvoll. Und muss es auch gar nicht sein. Erstmal alles rauslassen, die Ideen sprudeln lassen, die Vorstellungskraft einsetzen, Bilder entstehen und die Finger einfach tippen lassen. Die schaffen das schon, um Rechtschreibfehler und Grammatik kann man sich später kümmern. Erst, wenn ich merke, dass ich aus dem Flow falle, ist eine – kreative – Pause gut. Die am besten ganz speziell und arbeitsfördernd sein sollte. (Darüber spreche ich dann nächste Woche.)

Kennt ihr das Gefühl im Schreibflow zu sein? Was sind eure Tricks? Love to hear it!

Ganz viel Spaß beim lustvollen *Schreiben* und – bis nächste Woche.

xoxo

Katrin

#redbugwriting #amwriting #schreibtipps

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2 Comments

  • Reply Roland 18. Januar 2017 at 15:38

    Hi Katrin,
    Du gute Schreibwisserin,

    Dir ist es offensichtlich gelungen die Balance zwischen den beiden Gehirnhälften zu finden. Begreifen können wir die Hinweise ja nur mit links.Auch die Tricks, die du von uns Laien wissen willst, dazu müssten wir ja auch eher wieder unsere nerdige Besserwisserin abfragen.

    Tricks gibt’s keine! Behaupte ich mal ziemlich frech, jedenfalls keine die übertragbar wären. Es ist die Stimmung, die einem packt, in die man hineingezogen wird wie in einen Fluss (Schreibfluss). Man liegt am Ufer und träumt, lässt einen Fuß in Strömung hängen, beobachtet die springenden Fische, die Entenküken die behände die Strömung überwinden . Erste Szenen kommen ins Kopfkino … wie es wäre sich nun einfach mit dem Fluss mit treiben zu lassen, vorbei an Auen, Wiesen … über Schnellen… durch waldige Schluchten… vorbei Dörfern wo Musik von Festen erklingt, ….winkenden Liebespaaren, die sich gerade noch gestritten hatten….

    und schon ist man im flow! Man hat die Realität verlassen und lebt nun seine Phantasie. Schreibt sie nieder bis es nicht mehr geht, weil der Stau-See vor einem unüberwindlichen Wehr ein Weitertreiben verhindert. Das Wehr, diese vernünftige Barriere, dieses sinistre Biest zur Stromerzeugung, das holt uns zurück in die Realität. Seufz! Immer noch besser Strom aus Wasserkraft, als von Kohle oder gar Atom.

    Schau einer an, die linke Gehirnhälfte hat uns wieder! Machen wir einen Frieden mit ihr, sie meint es gut.

    Liebe Grüße aus der Dornenhecke
    Roland

    • Reply Katrin 18. Januar 2017 at 19:03

      Oh, danke. Balance – ich versuche sie zumindest immer zu finden.
      Und, sei mal nicht so bescheiden, Roland. Kopfkino! ist doch ein Supertrick. Oder sich an den Fluss setzen und die Entenküken beobachten oder gerade wohl eher die Schwäne, die übers Eis wanken. Auch ein guter Tipp. Merci!

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