7 Tipps (nicht nur) für Schreibanfänger

7 Tipps (nicht nur) für Schreibanfänger #1 Lese-Stopp

4. Januar 2017

Ein schönes Neues Jahr! Ich hoffe, ihr seid bereit, euch an eurem Schreibtisch auszutoben. Dieses Jahr werde ich endlich … ein Buch schreiben! Yeah, großartige Idee. Ich bin für 7 Wochen mit 7 Tipps dabei, die hoffentlich extrem hilfreich für euch sind. Fangen wir gleich an.

Lese-Stopp

Ja, ihr habt richtig gelesen. Moment mal! Habe ich nicht in meiner Beitragsreihe Über das Schreiben ein Kapitel nur dem Lesen gewidmet? Wie wichtig es ist? Stimmt. Viel und qualitätsvolles Lesen ist eine Voraussetzung, um ein guter Autor zu werden. Es schult euer Hören, es trainiert eure Sprache, es verfeinert euren Geschmack. Aber wenn ihr ein Buchprojekt beginnt, ganz besonders, wenn es euer erstes Projekt ist, legt einen Lese-Stopp ein.

Input und Output

Bücher und Lesen liefert Input. An Wissen, an Vorstellungen, an Sprachpattern und Formulierungen. Genau so würde ich das auch gerne schreiben können!, denkt man, wenn man seine/n LieblingsautorIn liest. Super. Wirklich. Was für eine tolle Idee!, ruft man, wenn man eine interessante Geschichte liest. Und – tja, da ist der Mensch irgendwie doch ein Herdentier – wenn man dann anfängt zu schreiben, fallen einem all die tollen Ideen und Formulierungen der Lieblingsautoren ein. Das ist normal. Das ist das, was man im Kopf hat, woran man sich erinnert. Viele Maler kopieren am Anfang ihre Vorbilder sogar, um ihren Stil ganz zu erlernen und zu erforschen. Beim Schreiben ist das als Fanfiction ganz in Ordnung, aber wenn man sein eigenes Buch schreibt – NICHT. Da müsst ihr schon mehr tun, nämlich euren eigenen Stil, eure eigenen Ideen finden. Jetzt seid ihr dran mit Output!

Der eigene Sound

Vielleicht das Wichtigste, was ein Autor haben sollte, ist eine eigene Stimme. Einen Sound. Das ist wie bei Musikern. Wir hören täglich Musik. Im Auto(Radio), im Supermarkt, im Café. Manchmal merken wir es schon gar nicht mehr. Aber dann gibt es doch diese Musiker, bei denen man schon bei den ersten Takten weiß: Ach, das ist doch … Genau. Der Name fällt einem fast nie ein, aber man erkennt den Sound. So sollte es auch bei einem Autor sein.lese-stopp

Jeder Mensch ist besonders. Er unterscheidet sich von anderen durch seine Gedanken, sein Wesen, seine Art zu sprechen und seine Art zu schreiben. Babys, die ihre ersten Worte finden, klingen irgendwie alle gleich: Abba, dabba, Papa, Ball! Aber schon sehr bald zeigen sich Vorlieben bei Worten, die ganz allgemein für Vorlieben stehen. Darum rasten Eltern so aus, wenn ihre Kinder Mama oder Papa sagen. Yeah, ich bin meinem Kind wichtig!

Teenager reden viel von Musik, Sex und Körperteilen. Erwachsene viel über Fußball, Nägel oder Rezepte. Und was für das Reden gilt, gilt auch für das Schreiben. Ihr werdet und solltet über das schreiben, was euch interessiert, was ihr liebt. Und zwar mit euren eigenen Worten. Auf eure ganz eigene Art.

Wie findet man seinen Sound?

Man muss sich selber zuhören. Beim Sprechen, beim Schreiben. Cornelia Funke liest sich ihre geschriebenen Texte immer wieder vor. Ich mache das auch oft, einfach um zu testen, wie es klingt. Hört es sich gut, rund, aber vor allem – nach mir an? Sehr wichtig: Befreit eure Sprache von abgenutzten Formulierungen. Satzbausteinen, die man vor allem in schnell und rein kommerziell erstellter Unterhaltungsliteratur ständig findet. Sätze wie: Wir müssen reden!  Es zerreißt mir das Herz. Verlass mich nicht! Deine Augen verzaubern mich. Aber lieben viele Leser nicht genau diese Sätze? Jep. Von vielen Auftragsautoren werden sie sogar verlangt. Doch diese Leser lieben jeden, der diese Sätze schreibt. Wenn man sich also nicht in eine Reihe von Fastfoodautoren einreihen will, dann löst man sich besser von diesen Formulierungen und ersetzt sie durch bessere, präzisere und vor allem eigene.

Wie erkennt man seinen Sound?

Das ist gar nicht so einfach. Bei all den Worten, Sätzen, die täglich um einen herumfliegen, wird man ständig abgelenkt. Man übernimmt ganz leicht Formulierungen, Worte, Ausdrücke. Denkt an die Jugendsprache. Jugendliche schleppen täglich neue Worte aus der Schule an. Probieren sie aus, kneten sie durch, werfen sie wieder weg oder behalten sie bis ins Erwachsenenalter. Krass! Einer der Gründe, warum sich Autoren in ihre Schreibstube zurückziehen, hängt damit zusammen, dass sie dieses Hintergrundmurmeln ausschalten wollen. Und jetzt schließt sich der Kreis langsam. Denn wenn ihr beim Schreibprozess einfach weiterlest, als ob nichts wäre und eurem Gehirn weiter Input an anderen/fremden Formulierungen liefert, dann wird es verdammt schwierig, den eigenen Sound zu erkennen und weiterzuentwickeln.

Ich habe mich wieder in Rage geredet/geschrieben. Das ist ziemlich typisch für mich. Am Anfang habe ich versucht, das aus meinen Texten rauszuhalten. To intense! Genauso wie die englischen Worte. Die halben Sätze. Aber so bin ich nun mal. Ich mache mir meinen Flow kaputt, wenn ich ständig frage, ob das okay ist. Es ist mein Sound. Mögt ihn oder mögt ihn nicht. Doch ich weiß zumindest, dass ihr MEINEN Sound mögt, wenn ihr meine Texte lest. Und, ja, dafür musste ich am Anfang auch erst einmal eine Extra-Portion Selbstvertrauen aufbauen.

Nach dem Buchprojekt ist vor dem Buchprojekt

Professionelle Autoren schreiben manchmal an mehreren Büchern gleichzeitig. Oder fangen nach jedem Buch sofort ein neues an. Okay, irgendwie muss die Miete ja reinkommen und die Leser sind auch ungeduldig. Sehr schön ist es aber, nach einem Buchprojekt eine Pause einzulegen und sich ganz bewusst – und nicht mal zwischendurch – dem Lesen zu widmen. Mit einem Buch, das diese Zuwendung verdient. Weil es ganz bewusst geschrieben wurde und den unverwechselbaren Sound der Autorin oder des Autors trägt.

So, nachdem ich euch eure liebste Beschäftigung erst einmal weggenommen habe, kann es eigentlich nur noch netter mit den Tipps werden, oder? Na, schauen wir mal … ;)

Bis nächste Woche

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting #schreibtipps

 

 

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9 Comments

  • Reply Roland 5. Januar 2017 at 00:38

    Hi Katrin,

    großes Kompliment : was für ein sound zur Einleitung des neuen Jahres! Dein sound, unverkennbar – und mitreißend! Deinen Tipp liest man dann mit Vergnügen bis zum bitteren Ende. Also genau das, wovon du dringend den Träumern (nicht abwertend gemeint) von eigenen Buchprojekten ab rätst. Großes Kompliment für diesen kessen Rat – jetzt fehlt nur noch, im Umkehrschluss, dass Leser dann auf keinen Fall ein Buch schreiben sollten….

    Scherz beiseite. Tipps und Ratschläge sind so eine Sache, die zwar die Theorie erhellen aber nicht jedem/r Individualist/in so eingehen, dass er sein Schreibverhalten anpassen will, oder kann. Wer sich berufen fühlt soll schreiben, Hauptsache mit Herzblut, dann wird es richtig sein Für die Überarbeitung gibt es dann Lektoren, oder gute Freunde als Beta-Leser. Lesen ist das Schönste der Welt, immer ein geistiges Geschenk und kein ernsthafter Schreiberling wird davon negativ beeinflusst werden. Es sei denn er/sie ist nicht ernsthaft – dann spricht der Markt meistens das Urteil.

    Sein erstes Buch schreiben und gleich alles richtig machen können, gleich mit einem rasanten Erfolg zu liebäugeln – das wird nicht funktionieren.
    Kunst kommt vom Können, das (egal in welchem Metier) fällt das nicht vom Himmel, sondern muss mühselig erarbeitet werden. Jeder findet dabei dann seinen persönlichen Stil – oder sound – wie es sprachlich einfach salopper (moderner?) klingt.

    Aber erst einmal allen Literatur-Freunden (Leser, Blogger und Autoren) ein fröhliches, schaffensfrohes, inspiriertes Neues Jahr. Lasst euch nicht aufhalten, das zu tun, was euch Freude macht. Auf eure eigene Weise. Viel Freude und Erfolg

    wünscht Leser Roland

    • Reply Katrin 5. Januar 2017 at 11:26

      Hi Roland,

      danke, für das Kompliment und – dass Du die 13. Fee spielst. Na klar, Stephen King liest immer und schreibt immer. Und wie Du schon richtig bemerkt hast: Ratschläge sind die Theorie. Jeder muss und sollte umsetzen, was für ihn passt.
      Ich hoffe, Du und alle anderen inspirierten Autoren schreiben in diesem Jahr ihr Traumbuch. Yeah!

  • Reply Roland 5. Januar 2017 at 13:07

    Allseits geschätzte Fee Katrin,

    lächelnd nehme ich zur Kenntnis, dass du mir die Rolle der 13. Fee zuweist. Dabei bin ich doch Dornröschen! Und warte auf den Kuss der Muse…

    Liebe Grüße aus der Dornenhecke

    Roland

    • Reply Katrin 7. Januar 2017 at 15:40

      Oh, sie muss sich durch die Dornenhecke kämpfen?! Das schaffen nicht viele Musen ;)

  • Reply Andrea 8. August 2017 at 10:36

    Ich weiß gar nicht mehr, wie ich diese Seite fand, aber froh bin ich darum :-) Da lese ich mir beim Frühstück eben diesen Beitrag durch und fühle mich sofort gut. Denn jedes Wort unterschreibe ich, so fühlt es sich an, so muss es sein.
    Jahrelang blogge ich, anfangs sachlich, irgendwann persönlicher, intimer, aufgeregter, über dieses, jenes und anderes. Und genieße die Freiheit, dort alles so stehen zu lassen, wie es in dem Augenblick richtig ist – mit Füllwörtern, Windungen, langen Sätzen, kurzen Sätzen. Dann fragt ein Verlag an, ob ich Texte zu ihren Handarbeitsbüchern verfassen will. Ich tue es, moderiere meinen Blogton ein wenig und stelle erstaunt fest: Das darf so bleiben, deswegen wollte man mich. Und endlich, endlich setze ich mich hin und schreibe die Geschichte auf, die mich seit zehn Jahren begleitet – weil neben meinen Blogleserinnen einmal Profis mich lobten. Des eigenen Sounds wegen. Es lohnt sich also, wenn man nicht eben ein verbitterter Menschenhasser mit sadistischen Tendenzen und Sprachschluckauf ist, seine eigene Stimme zu kultivieren.
    Dennoch zweifelte ich, insbesondere nach all den guten Ratschlägen klassischer Schreiblehrer – darf ich das? So schreiben, wie es mir gefällt? Sollte ich nicht plotten und meine Figuren meinem Willen unterwerfen? Lange Sätze streichen und halbe ergänzen? Zwei Dinge haben mir in den letzten Tagen geholfen, Selbstvertrauen zu finden: Die Dokureihe Böttingers Bücher, in denen Autoren von sich erzählten. Und dieser Beitrag hier.
    Vielen Dank (und ja, ich kann auch kürzer, aber lieber nicht!)

    • Reply Katrin 8. August 2017 at 11:42

      Hi Andrea,
      danke für den schönen Kommentar. Hey, genau für Menschen wie dich blogge ich! Bleib auf jeden Fall bei deinem Sound. Was dann nämlich passieren wird: Am Ende lesen Menschen deine Blogbeiträge, OBWOHL sie sich gar nicht so besonders für Handarbeit interessieren. Denn in einem größeren Kontext betrachtet, ist Handarbeit für dich mehr als ein Hobby, mehr als eine „Hand“-arbeit. Und daher für viel mehr Menschen interessant. Ohne deinen Sound, hätten sie das gar nicht herausgekriegt, verstanden. Und mit deinen Geschichten ist es ähnlich. Sie erzählen alle deine Erfahrungen und müssen daher auch nicht nach Rezept geschrieben werden. Das können andere vermutlich auch besser, also sich an Schreibregeln halten und den Leser damit auch etwas „austricksen“. Du bist wahrscheinlich anders, offener, näher bei Dir und das werden deine Leser am Ende genau an deinen Texten mögen. LG Katrin

  • Reply Andrea 8. August 2017 at 11:53

    Über die Handarbeit geht es ja schon lange hinaus – es ist vielmehr so, dass ich seitdem mein Spektrum erweitert habe und dadurch auch bei meinen Leserinnen ganz neue Facetten entdecken konnte.
    Ansonsten ist das mit den Schreibregeln ja so eine Sache: Sehr vieles verwendet man ja nach all den Jahren des Lesens und Schreibens sehr automatisch, dann sollte man sich einmal genug vertrauen, es fließen zu lassen.

    • Reply Katrin 8. August 2017 at 12:13

      Ja und dein Blog ist richtig schön. Und, stimmt, wenn man – zum Beispiel – gerne gute Filme sieht oder gute Bücher liest, dann lernt man so ganz nebenbei auch etwas über Dramaturgie und Spannungsaufbau.

  • Reply Andrea 8. August 2017 at 12:26

    Danke :-)
    Sagen wir mal so: Nicht erst 20 zu sein, mag da helfen (für irgendwas muss das Altern ja gut sein!)

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