3-Akte-Struktur, Über das Schreiben

3-Akte-Struktur #9 Klimax

19. Oktober 2016
Klimax oder der finale Höhepunkt

Der finale Höhepunkt des 3. Aktes ist die Klimax. Okay, es liegt zu nah … . Wenn die 3-Akte-Struktur Sex wäre, dann ist die Klimax … genau. All die Nähe und Intimität, die der Autor zum Leser aufgebaut hat, all die Nähe, die die Buchcharaktere untereinander aufgebaut haben, löst sich in dem finalen Höhepunkt mit einem starken, intensiven, Moment/Akt zu einem befriedigenden Ende auf. Danach folgt eine entspannte, satte, befriedigte Ruhe. Doch bevor wir im Danach sind, dem Fade out, geht es erst einmal um die Klimax.

Der Spannungsbogen

Die 3-Akte-Struktur ist kein starres Gitter oder eine feste Struktur, die ihr einem Thema oder euch aufzwingen solltet. Im Gegenteil! Genau wie die Reise des Helden imitiert oder kopiert die 3-Akte Struktur eher menschliche Entwicklungsbögen. Menschliche Verhaltensmuster, wenn ihr so wollt. Wenn Menschen sich intensiv auf eine Entwicklung/Beziehung einlassen, kann man bei allen eine 3-Akte-ähnliche Spannungs- und Entwicklungskurve beobachten (wie auch im Sexakt ;). 3-akte-struktur_klimax_Katrin BongardUnd diese Entwicklung vollzieht die 3-Akte-Struktur in einem Spannungsbogen nach. Die 3-Akte-Struktur ist also eine Art Hilfsmodell, um euch daran zu erinnern, wie Konflikte gelöst werden/ihr zur Lösung findet. Kamasutra, wenn ihr so wollt. Die Regel lautet: Vom 1. bis zum 3. Akt sollte sich die Spannung einer Geschichte langsam und kontinuierlich aufbauen und dann in der Klimax gipfeln. Die Betonung liegt hier auf langsam steigern, was Casanova sehr gut verstanden hat. Und: Verschenkt diesen Moment nicht. Baut ein großes prachtvolles Finale. Lass es krachen, knistern, gebt euch hin.

Konzentration, Fokus

In der letzten Woche habe ich euch erklärt, was ihr beachten müsst, um die Spannung im 3. Akt zu steigern. Es gibt aber auch eine Art innere Haltung, die ihr einnehmen solltet, wenn ihr eure Geschichte und euren Helden zum finalen Höhepunkt führt. Ich will das Beispiel nicht überstrapazieren, aber niemand kann einen Höhepunkt erleben, der nicht in irgendeiner Weise an diesem Event beteiligt ist. Die unbefriedigte Frau, die im Akt an ihre Einkaufsliste denkt und den Orgasmus faket, steht hier für den falschen Weg. Besser ist es, für die Klimax alle Konzentration zusammenzunehmen und sich ganz auf die Kernfrage eures Buches/eurer Heldin zu konzentrieren.

Was war noch mal die Kernfrage? Nun, diese Frage beantwortet euch eure eigene Geschichte und zwar im 1. Akt. Hier hat die Heldin einen Mangel/Problem in ihrem Leben festgestellt. Etwas fehlt. Sei es Lebensfreude oder einen Partner, Freundschaft, Mut oder Unabhängigkeit. Wenn ihr die Klappentexte von Büchern lest, wird diese Frage dort in der Regel genau formuliert und die Lösung schon angedeutet. XY leidet an ….(Problem). Sie kommt in ihre alte Heimatstadt und trifft dort auf … (Lösung). Oder: nachdem XY seinen Job in der reichen Anwaltskanzlei verloren hat, muss er … (Aufgabe) Als er das arme Straßenkind … (Lösung).

Maximale Anspannung

Seit ihr in eurem Buch bei der Klimax angelangt, ist die im 1. Akt gestellte Frage eine Sache um Leben und Tod geworden. Das sollte auch der Leser spüren. Diese Frage muss daher in einem Event, in einer großen Aktion und mit allergrößter Kraftanstrengung und Konzentration gelöst werden. In manchen Filmen oder Büchern ist das wortwörtlich zu verstehen. Der Held muss einen (End)Kampf überstehen und siegen. Gegen Voldemort, gegen das Böse. Oft heißt es aber auch, über seinen eigenen Schatten zu springen. Der Ängstliche muss in in der Klimax seinen Mut beweisen und ein Kind retten. Der isolierte Nerd muss eine Party für all seinen neuen Freunde feiern. Und – ja – die Sick-Lit-Heldin muss sterben, damit ihre Botschaft eindringlich genug weitergegeben werden kann: Lebe!

Action und Emotionen

Die Klimax ist ein hochemotionaler Moment in eurem Buch. Wenn ich mit meinem Buch an diesem Punkt bin, weiß ich oft nicht, ob ich es schaffe, einen guten Abschluss zu finden. Da ich Klischees, genauso wie flache Lösungen für tiefe Probleme nicht mag, muss ich mir am Ende sogar die Frage stellen, ob es überhaupt wichtig ist, dass ich dieses Buch schreibe? Ob das Buch gut genug ist. Oder anders gesagt: Ich muss eine gute Lösung für das Ende finden. Den Kampf gewinnen. Gute Enden (und Bücher) zeichnen sich durch starke, emotionale und logische Lösungen aus. Die Kavallerie, die im Western gerne heranreitet, ist ein starkes Bild, aber man sollte schon gut begründen, warum der Held durch Hilfe von außen gerettet wird. Natürlich freut sich der Leser, wenn der Held am Ende spontan geheilt wird oder sich seine Probleme in Luft auflösen, denn auch er sehnt sich nach einer Lösung, aber das ist – Kitsch. Ihr könnt das besser.

Abschluss und …

Wenn ihr eurer finales Endereignis gefunden habt, es spannend und eindringlich beschrieben habt, die letzten Fragen geklärt sind, dann könnt ihr euer Buch beenden. Und zwar sofort. Manche Autoren tun das auch, denn wozu mehr schreiben? Sie lebten glücklich bis ans Ende ihres Lebens? Wer glaubt das denn? Natürlich wartet an der nächsten Ecke eine neue Aufgabe. Nicht nur für James Bond, sondern uns alle. Trotzdem möchten die meisten Leser, dass man sie nach der intensiven Klimax nicht sofort verlässt. Noch ein bisschen kuscheln. Ich habe das früher nicht verstanden, wenn Leser sich beschwert haben, dass meine Bücher gar kein „richtiges“ Ende haben. Oder so plötzlich zu Ende sind. Ich gestehe, ich mag diese abrupten Enden auf dem Höhepunkt. Die sind cool. Intensiv. Und lassen dem Leser Raum für seine Visionen. In letzter Zeit gönne ich mir öfter ein wenig Kuschelzeit mit meinen Helden und den Lesern und stelle fest: Es fühlt sich auch gut an. Epiloge werden wohl trotzdem nie mein Ding sein. Denn was der Autor nicht auf der Klimax gelöst und nachvollziehbar gezeigt hat, kann in einem Epilog nicht noch angeklebt werden. Es ist immer eleganter (nein, keine Ausnahme), wenn ein Ende ohne Epilog auskommt.

In der nächsten Woche geht es um das winzige Stück Geschichte, das ihr nach der Klimax noch erzählen könnt. Den Moment der Ruhe, in dem ihr eure Geschichte ganz abschließt. Der Moment, in dem euch klar wird, dass ihr eigentlich noch einmal an den Anfang eurer Story gehen müsst, weil sich alles ganz anders entwickelt hat, als ihr ursprünglich gedacht habt. Auch Überarbeitung genannt. Aber davon nächste Woche mehr …

Eine gute Zeit!

xoxo

Katrin

#redbugwriting #amwriting #rbpub

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