3-Akte-Struktur, Über das Schreiben

3-Akte-Struktur #10 Das Ende

26. Oktober 2016
Das Ende

Auch wenn im 3. Akt alles auf die Klimax und ein riesiges Crescendo zuläuft, ist das nicht das Ende eurer Geschichte.  Das Ende sind die wenigen Seiten danach, die eure Geschichte abschließen. Ich weiß, das klingt jetzt sehr banal, aber gute Ende sind gar nicht so leicht zu schreiben. Was ist ein Ende eigentlich genau? Nun, es kann vieles sein: Ein Abschluss, eine finale Schlussfolgerung, eine Lösung, ein endgültiges Aufgeben, ein Sieg, ein Sterben, das Ende einer Auseinandersetzung oder ein Ausblick in die Zukunft.

Der Kreis schließt sich

Wichtig ist, dass der Kreis eurer Geschichte sich an dieser Stelle schließt. Im Grunde seid ihr wieder an einem (neuen) Anfang angekommen. Alle Fragen, die ihr in Laufe eurer Geschichte aufgeworfen habt, sollten an dieser Stelle beantwortet sein. Alle Haupt – und (!) Nebenstories sollten zu Ende erzählt worden sein. 3-akte-struktur_ende_Katrin BongardDas heißt, das Ende ist nicht dafür da, diese Fragen zu beantworten. Das alles muss vor und während und vielleicht noch ganz kurz nach der Klimax geklärt worden sein. Also noch einmal: Das Ende ist nicht dafür da, die Fragen zu beantworten, die auf dem Weg liegengeblieben sind. NOPE. Ach, und der Ring der Königin lag übrigens in der Schublade und der Drachen konnte deshalb nicht fliegen weil … Nein! Gerade bei Thrillern bleiben am Ende viele offene Fragen. In der Hektik und Dramatik der Klimax können viele Dinge nicht erläutert werden, also schiebt man noch ein Gespräch oder eine Situation nach, in der geklärt wird, warum der Giftstoff tatsächlich tödlich war oder der Held im richtigen Moment aufgetaucht ist. Richtig elegant ist das nicht, aber manchmal einfach die beste Lösung. Habt ihr an eurem Ende alle Fragen geklärt? Falls nein – keine Panik, denn dafür ist die Überarbeitung da.

Was gehört ans Ende?

Was bleibt dann überhaupt noch am Ende zu erzählen übrig? Im besten Fall tatsächlich nichts mehr. Das Buch kann direkt nach der Klimax enden. Doch es ist schön, wenn man nach einer dramatischen oder besonders schönen Erfahrung noch einmal zusammenkommt, sich umarmt, verabschiedet. Ein paar Worte zu dem danach, eine kleine Szene, die dem Leser sagt, dass sich der Staub gelegt hat und der Held glücklich überlebt hat oder begraben wird. Wie ihr in der Zeichnung oben seht, senkt sich das Drama-Level am Ende, alle kommen „runter“ und entspannen sich.

Viele Autoren geben ihren Lesern dann noch einen kleinen Ausblick in die Zukunft der Heldin. Oder fügen einen Zeitsprung an die Geschichte an, um dem Leser ein wenig von „und sie lebten glücklich bis zum Ende ihres Lebens“ mitzugeben. Ich bin kein Fan von diesen Lösungen. Warum? Wissen zu wollen, wie es weitergeht (mit den Helden) ist sehr verständlich (ein guter Moment um über eine Fortsetzung nachzudenken). Doch eine Instant-Zukunft für den Helden an eine Geschichte anzukleben, bedient nur die Angst der Leser vor der Zukunft. Befriedigt ein Kontrollbedürfnis. Und das ist das Gegenteil von dem, was ein gutes Buch tun sollte. Mit einem guten Buch geht ihr auf eine (Abenteuer-)reise in euer Inneres, ihr bereist neue Orte und Gefühle. Am Ende eines guten Buches steht ihr vor einer neuen und unbekannten Zukunft. (Oh, yeah, darüber könnte ich jetzt ewig weiterschreiben …) Ein gutes Buch ist kein Pauschalurlaub mit Happy End-Garantie. Ein gutes Buch ist ein Hinweisschild in ein neues Denken, neue Gefühle, neue Vorstellungen. Kurz: Ein gutes Buch verändert euch, denn das ist die edelste Aufgabe von guter Literatur.

Drei Arten von Enden

In der Literaturwissenschaft unterscheidet man drei Arten von Enden.

  • Das geschlossene Ende (die Geschichte endet wie vom Leser erwartet.)
  • Das überraschende Ende (die Geschichte endet unerwartet)
  • Das offene Ende (die Geschichte und ihr Ende wird offen gelassen und muss vom Leser ergänzt werden).

Ich denke, es ist noch viel mehr möglich, aber nur zur Information: Euer Ende muss nicht zwangsläufig ein geschlossenes Ende sein, ihr könnt auch eine überraschende Lösung finden, oder es offen lassen. In der Belletristik gibt es offene Enden sehr häufig, da der Autor den Leser dort als mündigen und intelligenten Partner ansieht, der gerne zum Nachdenken gebracht wird. In der Genreliteratur verlangt der Leser eher nach Antworten, die ihm der Autor *bitteschön* abnehmen soll. Beide Erzählarten mischen sich übrigens sehr schön in der Jugendliteratur. Ein überraschendes Ende kann sowohl in der Genreliteratur als auch in der Belletristik einen interessanten Twist geben und ist vielleicht der schönste Kompromiss zwischen beiden Arten von Enden. Wenn ihr an die Achterbahn denkt: Am Ende sollten alle wissen/spüren/und sogar wollen, dass die Fahrt zu Ende ist.

Mein Gott, ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel am Ende noch zu Enden schreiben würde. Anscheinend sind sie mir viel wichtiger, als ich dachte! Nächste Woche dann aber wirklich die versprochene Zusammenfassung mit Worksheet.

Bis dahin ein gute Zeit!

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting

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