3-Akte-Struktur, Über das Schreiben

3-Akte-Struktur #8 3. Akt

12. Oktober 2016
Der 3. Akt

Der 3. Akt ist der letzte Akt und ändert das Tempo, Spannungs- und Drama-Level einer Geschichte oder Films. Ihr kennt sicher die Verfolgungsjagden oder großen letzten Kämpfe am Ende von Filmen?  Für alle großen Gefühle und Super-Aktionen ist der dritte Akt der richtige Ort.

Tempo & Spannung

Doch gehen wir noch einen Schritt zurück. Nehmen wir an, ihr seid mit eurer Achterbahn gerade von dem Höhepunkt der Strecke nach unten gerast und seht schon die nächste, noch steilere Steigung vor euch. Doch ganz unten steht eurer Wagen für einen kurzen Augenblick still. Dies ist die Situation am 2. Plotpoint. Nehmt euch diesen Zeit und gebt sie auch dem Leser. Die innere Erkenntnis des 2. Plotpoint führt zu einem Moment der Stille, der Ruhe, des Einhaltens, bevor das große Finale beginnt.3-akte-struktur_3-akt_Katrin Bongard

Denn im 3. Akt steigen Spannung und Tempo der Geschichte. Es geht wieder nach oben, nur diesmal erheblich schneller und steiler. Dieser Anstieg ähnelt dem Aufstieg zum Midpoint/Höhepunkt, doch der wird langsam und stetig beschritten. Die Held wirbt mit Blumen und Dates und Geschenken um die Gunst seiner Liebe, also äußerlichen Dingen. Aber der Aufstieg vom Tiefpunkt am Ende des 2. Aktes geht erheblich schneller. Hat der Held sein AHA-Erlebnis und verstanden, worauf es wirklich ankommt, dann bekommt sein Handeln ein ganz anderes Tempo. Er WEISS jetzt wirklich, was er will und er weiß auch, dass er es dringend für seine Auferstehung braucht. Auferstehung?

Die Auferstehung des Helden

In jeder guten Geschichte geht es um Wandlung und Veränderung. Wir alle wissen, dass wir durch eine neue Beziehung oder ein neues Auto nicht zu neuen Menschen werden. Es ist umgekehrt: Wir wandeln uns und neue Möglichkeiten eröffnen sich. Unseren Helden müssen wir auf genau diese Reise schicken. Im 3. Akt wird diese Entwicklung – äußerlich und innerlich – abgeschlossen werden und der Held neu auferstehen. Gute Geschichten machen keine Glücksversprechen, sie lösen sie ein, indem sie euch genau zeigen, wie (und nicht immer leicht) man glücklich/weise/stark werden kann.

Die Logik des 3. Aktes

Im 3. Akt findet eure Geschichte einen Abschluss, ein Ende, eine Lösung. Aber nicht irgendeine Lösung, sondern eine, die im 1. Akt von euch formuliert wurde. 1. Akt: Ich will einen Freund finden. 3. Akt: Ich finde einen Freund. Oder: Im ersten: Die Heldin hat wenig Selbstvertrauen – Im dritten: Sie hat Selbstvertrauen. Somit hängen 1. und 3. Akt eng zusammen. Der 3. Akt bringt die Antworten zu all den Fragen vom Anfang der Story. Doch das heißt nicht, dass es ein klassisches Happy End geben muss.

Nehmen wir die zur Zeit so beliebte Sick-Lit. Der Leser akzeptiert, dass die HeldIn am Ende an Krebs oder einem Tumor stirbt (vorzugsweise Tumor, denn damit kann sie noch schön aussehen), wenn dies für einen einsehbaren guten Grund passiert. Zum Beispiel (der Klassiker): Die Heldin erfährt von der Krankheit und alle Dinge fallen ihr ein, die sie noch erleben möchte. Das Thema/Aufgabe/Ziel, das im 1. Akt formuliert wird, heißt: Wirst du lernen, das Leben zu genießen und wirklich glücklich zu sein?

Der 3. Akt und das (Happy)End

Wenn dieses Ziel erreicht ist, ist die Aufgabe gelöst: Sie lebt in vollen Zügen (wenn auch nur kurz) und hat die Botschaft verstanden: Ja, ich genieße mein Leben! Dann akzeptieren wir auch ihren Tod. Oder Romeo und Julia. Wir nennen es die Liebesgeschichte des Jahrhunderts, aber mal ehrlich, im Grunde sind die beiden mit ihrer Liebe vollkommen gescheitert. Okay, das ist aber nicht schlimm, denn ihre Liebe (und die Geschichte) hatten nicht den Zweck und das Ziel, in einer Heirat oder einer Ehe zu enden. In Romeo und Julia geht es nicht (nur) um eine Liebesgeschichte, sondern um den großen Streit zweier Familien. Dieser Streit findet durch die Liebe ihrer Kinder zu einem Ende. Würde der Streit weitergehen, würden wir uns fragen, was das denn alles sollte? Und Romeo und Julia würden uns vermutlich heute nicht mehr interessieren.

Drama-Level

Der 3. Akt sollte schneller und spannender sein, denn nun geht es ums Ganze. Im zweiten Akt bemüht der Held sich vielleicht um seine Liebe, aber wenn es nichts wird, dann fängt er eben von Vorne an. Ist er aber am 2. Plotpoint angelangt, dann weiß er, dass er diese Liebe auf keinen Fall wieder verlieren darf. Und der Leser sollte das auch wissen und verstehen. Konzentriert euch nun ganz auf euren Helden und sein Ziel. Benutzt kurze Sätze und formuliert klare Ziele und Absichten. Im dritten Akt muss der Leser gebannt mit dem Helden mitzittern bis zur Klimax, dem Höhepunkt im 3. Akt. Ich  nenne ihn Klimax, da er äußere und innere Spannung vereinigt und damit eine Art Superhöhepunkt ist. Alle Aktion und alle Gedanken führen im 3. Akt auf diesen Superhöhepunkt hin.

Wie eine gute Klimax aussieht, erzähle ich euch dann nächste Woche. In der Woche darauf gibt es dann auch wieder ein tolles Worksheet. Ich gestalte euch verschiedene Skizzen, die ihr euch ausdrucken und über den (Schreib)tisch hängen könnt, wenn ihr mit der 3-Akte-Struktur arbeitet.

Bis dahin –

xoxo

Katrin

#redbugwriting #amwirting

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply