3-Akte-Struktur, Über das Schreiben

3-Akte-Struktur #1 Einführung

20. Juli 2016
3-Akte-Struktur

Als ich begann, Drehbücher zu schreiben, war die 3-Akte-Struktur für mich so etwas wie eine Religion, und ich wurde ihr leidenschaftlicher Anhänger. Es ist im Grunde die vereinfachte 5-Akte-Struktur des Regeldramas der französischen Klassik. Nein, schon klar, so viel Information will der Leser nicht. Aber wer da mal reinschauen will, der merke sich die Namen Gustav Freytag und Aritstoteles und Schiller und merke sich auch, dass es hierbei vor allem um Theater geht. Ich werde die 5-Akte-Struktur hier einfach mal außer acht lassen, denn die 3-Akte Struktur reicht vollkommen aus, ein gutes Drehbuch oder einen Roman zu schreiben. Der beste Theoretiker auf diesem Feld ist Syd Field, der viele Bücher über das Schreiben von Drehbüchern geschrieben hat. Bei ihm kann man nicht nur als Drehbuchautor, sondern auch als Romanautor sehr viel lernen.

Spanunngskurve

Im Grunde geht es  – egal ob drei Akte oder fünf – um die Spannungskurve innerhalb eines Dramas oder eines Drehbuchs/Films oder einer Geschichte. Das ist eine Art Achterbahnfahrt. Kurz gesagt, wie hält man den Zuschauer oder Leser bei der Stange? Habt ihr schon einmal das Kino verlassen? Oder das Theater oder ein Buch abgebrochen? Bestimmt. Wer ein Buch schreibt, für den ist es enorm wichtig, den Zuschauer oder Leser so geschickt durch die Handlung zu führen, dass er auf keinen Fall abbrechen kann. Was die meisten von euch vielleicht ganz selbstverständlich finden, ist die hohe Kunst, Spannung aufzubauen, auch Dramaturgie genannt.

Dramaturgie

Mal ganz weit gefasst, bedeutet Dramaturgie einen Ablauf in eine bestimmte Form zu bringen. Egal ob Fußballspiel oder Mahlzeit, Theaterstück oder Film, erzählte Geschichte oder Roman, wir haben eine Erwartung an einen bestimmten Ablauf. Nein, wir wollen nicht mit dem Dessert beginnen, das ist unser Schlusspunkt. Und wir wollen auch nicht das Elfmeterschießen vor der Verlängerung, genauso wenig wie die Liebesszene vor der Begegnung der Liebenden. Ich fand das sehr faszinierend, als mir klar wurde, dass die meisten amerikanischen Filme nach der 3-Akte-Struktur funktionieren. Tatsächlich wusste ich so schon im Kino – ohne den Film zu kennen – was mich wann erwarten würde. Ich habe auf die Uhr gesehen und gelächelt: Gleich gibt es einen Höhepunkt, gleich gibt es einen Absturz. Und, ja, ihr wisst das im Grunde auch, denn die 3-Akte-Strukur hat mittlerweile jeder Einwohner einer modernen Kultur ganz stark verinnerlicht.

Brauche ich die 3-Akte-Struktur?

Verinnerlicht heißt, dass man sie gut erkennt, aber noch nicht, dass man sie super gut anwenden kann. Ow, yeah, ich habe mich mit ihr sehr oft abgekämpft. Brauche ich sie überhaupt, wenn ich alles doch irgendwie verinnerlicht habe? Nun, sagen wir so: Jein. Bei einfachen Geschichten könnt ihr sicher vollkommen auf sie verzichten. Wenn ihr eurem Kind abends am Bett eine Geschichte erzählt, dann wird das sicher ohne 3-Akte-Struktur klappen. Aber wenn es komplizierter wird, dann hilft diese Struktur, den Überblick zu behalten. Mit ihr könnt ihr auch überprüfen, ob eure Story genug Konflikt hat, ob ihr genug Spannung aufbauen könnt, oder ob ihr vielleicht nicht doch eher alles ganz anders erzählen solltet. Gerade am Anfang kann sie eine sehr gute Hilfe beim Schreiben sein.

Konflikt und Lösung

Jede Geschichte braucht einen Konflikt oder ein Problem, darüber habe ich schon in der Heldenreise gesprochen. Wann tauchen nun die Probleme am besten auf, wann darf der Held mal ein Problem lösen? Die 3-Akte-Struktur gibt euch hier ein sehr genaues Raster bzw eine Spannungskurve vor. Yeah, ihr habt also eine Strecke, die ihr einfach abfahren könnt (streicht das einfach).

Wenn ich eine Idee für eine Story habe, male ich mir immer die 3-Akte-Fieberkurve auf ein Papier und versuche schon mal zu sehen, ob ich für jeden Höhepunkt oder Tiefpunkt ein passendes Ereignis habe. Wie ihr seht, geht es da mächtig bergauf und bergab. Ein echter Rollercoaster, aber logisch, eure Geschichte soll ja spannend sein.

Die Grundlinie ist eine Zeitlinie. Bei einem Film 90 Minuten, bei eurem Buch sind es dann wohl eher die 300 Seiten. Ich habe übrigens nicht schlampig gezeichnet, die Akte – I, II, III – sind nicht gleich groß. Der zweite Akt ist doppelt so lang wie der erste und dritte Akt. Keine feste Regel, aber eine Orientierung. Über die einzelnen Akte und diese tollen Höhepunkte und fiesen Tiefpunkte in der Grafik spreche ich die nächsten 3 Wochen ausführlich, also freut euch auf eine rasante Achterbahnfahrt!

Bis dahin habt eine gute Zeit!

Katrin

#rbpub #redbugwriting

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