3-Akte-Struktur, Über das Schreiben

3-Akte-Struktur #2 1. Akt

27. Juli 2016
Der 1. Akt

Ich liebe es, ins Theater zu gehen. Meine Eltern haben mich schon als Kind mit in die besten Inszenierungen genommen. Der Vorhang öffnet sich, das Licht im Saal geht aus, das Spiel – beginnt. Es ist immer ein Moment größter und höchster Erwartung: Was kommt jetzt? Genau diese Erwartung und Aufregung haben Leser am Anfang eine Buches. Und daher ist es wichtig, gerade den Anfang gut hinzukriegen, damit die Erwartung sich in ein großes begeistertes AHHHH! auflöst. Ich vergleiche den Aufzug zum 1. Akt gerne mit der Leseprobe von Büchern. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass eine Leseprobe mehr für euer Buch tun kann, als ein schönes Cover oder ein knackiger Titel. Aber – der Reihe nach.

Einführung, Einleitung1.Akt

Stellt es euch wie die Fahrt auf der Achterbahn vor: Der 1. Akt nimmt ungefähr ein Viertel eines Films/Romans ein. Ist das nicht ganz schön viel für eine Einleitung? Nun, nicht, wenn ich euch erkläre, was ihr dort alles unterbringen solltet: Nämlich das Setting eurer Geschichte.

  • Ort – wo passiert die Geschichte?  Sind wir in der Stadt oder auf dem Land, in einem Appartement oder in einer Großstadt, im Weltall oder unter der Erde?
  • Zeit – wann spielt die Geschichte? Mittelalter oder Jetztzeit, in einer dystopischen Zukunft oder in der Vergangenheit?
  • Held – um wen geht es überhaupt? Wessen Geschichte erzählt ihr? Und wie ist er, euer Held? Was zeichnet ihn aus, was ist er für ein Typ?
  • Konflikt – was hat der Held für ein Problem? Wieso erzählt ihr seine oder ihre Geschichte überhaupt?
  • Impuls – was veranlasst den Helden loszugehen? Wer gibt ihm den entscheidenden Kick?
  • Plotpoint Nummer eins – Wo steht die Heldin am Ende des ersten Aktes?
Plotpoints

Wuahh! Plotpoints? Davon hast du uns aber nichts gesagt! Jep, right. Ich dachte mir, die harten Fakten kann ich euch zwischendurch mal unterschieben. Jetzt wird mir klar, sie verdienen mehr Aufmerksamkeit. Also werde ich zu jedem einzelnen PP einen eigenen Beitrag schreiben. 1. AktMerkt euch zu Plotpoints vorerst: In der 3-Akte-Struktur gibt es am Ende des 1. und 2. Aktes einen großen Plotpoint, der die Handlung in eine neue Richtung treibt. Es gibt auch noch 2 kleinere Plotpoints. Einen Höhepunkt – in der Mitte der Handlung – und eine Klimax – kurz vor Ende des 3. Aktes. Kleiner, aber nicht unwichtiger.

Dazu noch mal meine Kritzelei.

Frohe Botschaft: Im 1. Akt habt ihr es nur mit einem Plotpoint zu tun. Und auch erst am Ende des ersten Teils. Wenn ihr also dort ankommt, dann habt ihr nicht nur schon ein Viertel eures Buches geschrieben, sondern seit am Ende des 1. Aktes.

Mehr Hilfe?

Falls ihr das Gefühl habt, noch unsicher zu sein, wo Anfang, Mitte und Ende eurer Story ungefähr sind und die Plotpoints und Akte und Linien euch verwirren, dann lest doch vorher noch einmal den Beitrag Von der Idee zum Manuskript: Story von mir. Dazu gibt es auch ein geniales Worksheet, mit dem ihr üben könnt, wie ihr eure Geschichte in drei Teile einteilt.

Anfangen

Der 1. Akt führt den Leser in die Geschichte ein. Er ist so etwas wie die Speisekarte für euren Lesegenuss. Ihr erfahrt, worum es geht. What’s it all about? Viele Autoren machen gerne den Fehler und denken, sie hätten am Anfang Zeit. Gaaaanz viel Zeit den Leser einzuführen. Sie fangen mit kleinen Details oder mysteriösen Fragen an und verlaufen sich über Seiten bei Beschreibungen und Andeutungen von Geheimnissen, während sich der Leser ganz einfach fragt: Hä? Worum geht es denn eigentlich? 

Erwartungen

Jeder, der ein Buch aufschlägt hat Erwartungen. Das Cover, der Klappentext, der Name des Autors – all das hat schon Erwartungen geweckt und eine Oberfläche geschaffen, durch die der Leser dann so mühelos wie möglich in die Geschichte eintauchen können sollte. Macht es dem Leser so einfach wie möglich, in eure Geschichte einzusteigen. Ein witziger Dialog, eine spannende Szene, ein Konflikt.

Je eher ihr die Handlung beginnen lasst, desto besser. Und was ist mit der Liste von oben? All den Fakts, die man unterbringen muss? Nun, die müsst ihr so unauffällig wie möglich abarbeiten. In einem ersten Dialog lernt man den Helden gut kennen. Warum also mit Beschreibungen beginnen? Lasst ihn über sein Problem mit einem Freund in der entsprechenden Umgebung reden. All das, was ihr im ersten Akt an Informationen unterbringen müsst, damit der Leser sich gut orientieren kann, sollte nicht zu offensichtlich präsentiert werden und trotzdem ganz klar sein. London, 1880 über den Text zu schreiben, ist eine platte, aber gute Möglichkeit, wenn ihr gerne im Nebel und einer undurchsichtigen Situation beginnen wollt. Denn dann wäre Ort und Zeit schon mal geklärt. Aber man kann auch mit Regen, Kopfsteinpflaster, dem sich im Regen spiegelnden Big Ben und Kutschen beginnen, auch so wird London 1880 ganz schnell klar.

Funktion und Emotion im 1. Akt

Die Funktion des 1. Aktes ist, so viele Infos wie möglich so elegant wie möglich unterzubringen. Warum elegant? Weil wir Romane nicht lesen, um informiert zu werden, sondern uns wohlfühlen wollen. Es ist eine emotionale Reise, auf die wir uns begeben, Fakten sind nebensählich. Also sollte sich der Leser von Anfang an in der Geschichte super wohlfühlen, neugierig gemacht werden bzw. so in Spannung versetzt werden, dass er nicht aufhören kann zu lesen. Der 1. Akt sagt: Komm herein, lieber Leser, hier erwartet dich eine schöne/liebevolle/grausame/aufregende, aber in jedem Fall unterhaltsame Geschichte: Lehn dich zurück, lies und überlass mir (dem Autor) den Rest.

Habt ihr den Leser im 1. Akt dann in eure Geschichte eingeführt, fühlt er sich wohl und angekommen, könnt ihr anfangen, die Geschichte in Ruhe zu erzählen. Das wäre dann im 2. Akt. Doch vorher, am Ende des 1. Aktes kommt ihr an den ersten Plotpoint. Also den Punkt, an dem eure Geschichte zum ersten Mal eine neue Richtung einschlägt. Wie das geht und warum der Punkt so wichtig ist – sage ich euch in der nächsten Woche.

Bis dahin eine gute Zeit

Katrin

#rbpub #ww #redbugwriting

 

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