Über das Schreiben

Über das Schreiben #5 Struktur

8. Juni 2016
Struktur

Nach Fantasie kommt Struktur – war ja irgendwie klar :) Ich habe die Geschichte schon oft erzählt, und zwar immer dann, wenn ich gefragt wurde, wie ich als Malerin zum Schreiben gekommen bin. Ihr wisst ja nun, dass ich schon immer geschrieben habe, aber natürlich ist es etwas anderes, ob man Tagebuch schreibt oder – einen Roman. Also, wie ging es los? Im Grunde war es reine Verzweiflung. Ich hatte mein drittes Kind bekommen und stillte, und ich kam einfach nicht mehr ins Atelier. Ich arbeitete viel mit Pigmenten, also hochgiftigen Farbstoffen, die ich selber anrührte, das alles passte nicht zu Baby, stillen, und meinem ganzen Leben. Also dachte ich, hey, ein guter Zeitpunkt, den Roman des 21. Jahrhunderts zu schreiben. (Keine Sorge, von diesem Werk existiert ganz sicher nichts mehr).

Einfach anfangen – ohne Struktur

Ich finde es super und grandios, wenn man einfach mit etwas anfängt, statt sich zu viele Gedanken zu machen. Reinstürzen in ein Projekt, eine Arbeit, einen Film, ein Bild. Ich begann meine Schreibkarriere genau so – ohne Regeln ohne Gliederung. Denn mir eine Struktur zu machen, war mir zu langweilig. Keine echte Herausforderung. Das hatte mich in der Schule schon gestört, die geordneten, langweiligen Bahnen in denen dort alles ablief. Ich schrieb also einfach drauflos. Und um es gleich zu sagen: Es lief ziemlich schlecht.

Schreiben & Film

Was sehr frustrierend war. Immerhin stand ich um 5 Uhr morgens auf, um das alles hinzukriegen. Zum gleichen Zeitpunkt lernte ich meinen Nachbarn, einen Drehbuchautoren, besser kennen. Wir sprachen über das Drehbuchschreiben. Und weil mich langsam interessierte, wie so ein Drehbuch eigentlich aussieht, fragte ich eine Freundin, die beim Medienboard arbeitete, ob sie mir mal eins zeigen könnte. Tat sie und erzählte mir, was man damit so verdienen kann. Okay. WHAT? 120 lächerliche Seiten mit sehr einfachem, eher zweizeiligen Dialogen, bringen eine fünfstellige Summe? Sollte das ein Witz sein? Das kann ich auch! So kam ich zum Drehbuchschreiben, was vielleicht mal in einen anderen Blogbeitrag gehört. Tatsächlich lernte ich ab da alles über Struktur und Dramaturgie, um gute Drehbücher schreiben zu können.

Struktur & Schreiben

Ich sah ein: Alles hat schon eine Struktur und Form. Warum sich gegen etwas sträuben, was existiert, statt mit der Tatsache zu arbeiten. Die Leinwand hat eine bestimmte Größe, die Sprache bestimmte Limits und die Aufmerksamkeit des Lesers auch. Darum baue ich hier so hübsche Überschriften ein, damit ihr diesen Beitrag möglichst angenehm lesen könnt.struktur
Es sollte eine ganze Weile dauern, bis ich wieder ein Buch schrieb. Das war dann „Radio Gaga“, das eigentlich eine Filmserie werden sollte. Für dieses Buch nahm ich alles, was ich über Filmdramaturgie gelernt hatte und erlaubte mir, es zu benutzen. Was ein ziemlicher Erfolg war, da ich damit nicht nur einen Literaturpreis gewann, sondern auch meinen ersten Verlagvertrag bekam.

Struktur & Leben

Mal ganz ehrlich, wer möchte aufstehen und Abendbrot essen? Okay, das, was man in England oder Schweden zum Frühstück bekommt, sieht sehr abendbrotmäßig aus, aber ich will natürlich auf etwas anderes hinaus. Nicht nur in der Kunst, auch im Leben gibt es Strukturen und Abläufe. Zwar ändert sich ständig ganz viel an unseren Strukturen – politisch, ästhetisch, gesellschaftlich – aber ein paar Dinge bleiben erstaunlich gleich. Zum Beispiel das Bedürfnis nach Geschichten. Geschichten, die vorne anfangen, eine Mitte haben und irgendwann enden (J.R.R. Martin, du hörst mich gerade gar nicht). Geschichten, die zwar unterschiedlich lang sein können, aber je nach Länge einen bestimmten Spannungsverlauf und Aufbau haben. Es gibt Leute, die das sehr genau analysiert haben und tolle Bücher darüber geschrieben haben (ich kenne fast alle). Und es gibt ein paar Klassiker, was die Struktur von (Dreh-)Büchern angeht, die ich euch in den nächsten Wochen hier vorstellen werde. Womit ich anfange, weiß ich noch nicht, aber es gibt einen Anfang, versprochen ;)

Bis nächste Woche –

xoxo

Katrin

#amwriting #rbpub #redbugwriting

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