Heldenreise, Über das Schreiben

Heldenreise #3 Schwellen

29. Juni 2016
Schwellen

Helden weigern sich nicht ewig. Natürlich nicht. Sie treten die Reise an! Heute werde ich also drei weitere Stationen der Heldenreise erklären, wobei ich erneut darauf hinweisen möchte, dass mein Wissen auf Campell und Vogler zurückgeht. Der eine hat die Heldenreisestrukturen von Mythen untersucht, der andere diese Struktur fürs Drehbuchschreiben anwendbar gemacht.

Nächste Stationen der Heldenreise

4. Begegnung mit dem Mentor/Mentorin

5. Überschreiten der ersten Schwelle

6. Prüfungen, Verbündete, Feinde.

Wer mit der 3-Akte-Struktur mehr anfangen kann der Hinweis: Ab Punkt vier auf der Liste der Zwölf Stationen der Heldenreise befinden wir uns schon im 2. Akt einer Geschichte. Der 2. Akt nimmt ungefähr die Hälfte eines Drehbuchs/Films ein. Bei Büchern ist das meist genauso. Hier nun in drei Schritten die erste Hälfte des 2. Aktes.

Begegnung mit dem Mentor/der Mentorin

HeldenreiseHelden und Heldinnen sind meist jung und unerfahren. Zumindest ist ihre Persönlichkeit noch nicht voll entwickelt, was auch bei Älteren manchmal vorkommen kann. Der Grund ist klar: Bei der Heldenreise geht es nie nur um eine äußere Mission, sondern auch um eine innere Entwicklung. Ein Held will wachsen. Stärker, reifer, weiser werden. Und manchmal einfach nur er-wachsen werden.

Die Weisheit des Mentors

Ein Mentor ist in allen Heldengeschichten jemand, der diese Weisheit schon erlangt hat. Oder zumindest in einigen Punkten einen Wissens- oder Weisheitsvorsprung vor der Heldin hat. Wenn der Held/Hobbit, zögert, ob er sich auf den Weg machen soll, dann kommt Gandalf und erklärt ihm die Wichtigkeit der Mission. Wenn die Heldin in einer Liebesgeschichte nicht weiß, ob sie sich auf den attraktiven Badboy einlassen soll, dann gibt es oft eine Oma, eine Freundin oder einfach nur die Nachbarin, die unterstützenden Rat gibt. Mentoren sind auch für den Leser wichtig, weil sie dem Leser die höhere Perspektive auf die Handlung gestatten. Sie sagen sehr oft in Klartext: „Geh los und … rette/vernichte/liebe/“, denn die Heldin steckt in der Verweigerung fest und hat gerade den Überblick verloren.

Überschreiten der ersten Schwelle

Und dann bricht die Heldin auf und alle, inklusive des Mentors atmen auf. Manchmal verabschiedet der Mentor sich sogar genau in dem Moment, in dem der Held aufbrechen muss. Denkt an die Spiderman-Filme der 2000er: Onkel Ben sagt Peter/Spiderman, sein Leitmotiv – Aus großer Kraft erwächst große Verantwortung – und stirbt. Seine Mission ist erfüllt. Die erste Schwelle hört sich großartiger an als sie ist. Es ist vor allem ein Entschluss. Ich werde gehen/kämpfen/aufbrechen/lieben/vergessen. Es geht los!

Prüfungen, Feinde

Es wäre ja nun recht einfach und eine ziemlich schnell erzählte Geschichte, wenn es nun ohne Probleme weitergehen würde. Natürlich nicht! Wir, die wir hier auf der Erde leben, wissen es ja. Es ist – alles – nicht so einfach. Prüfungen sind in diesem Zusammenhang natürlich keine Klausuren, die man ablegt oder Fleißkärtchen, die man erwirbt. Prüfungen sind all die Dinge, die tricky sind, weil wir nicht wissen, wie wir sie bewältigen sollen. Rätsel, Fragen, körperliche Herausforderungen. Damit wird die Stärke des Helden geprüft, seine Intelligenz, seine Geschicklichkeit, sein Charakter. Je nach Story sind es mehr äußere Prüfungen: Schwertkämpfe oder Kriege oder innere: Moralische Stärke, Loyalität, Mut, die sich dann aber auch in äußeren Handlungen ausdrücken müssen.

Verbündete

Meist ist der Held in diesen Abenteuern nicht allein. Er hat einen Freund oder eine Freundin an seiner Seite. Einen Verbündeten. Wer sein gewohntes Terrain verlässt, muss oft feststellen, dass er alte Freunde verliert. Auf der Heldenreise wird er neue treffen. Manchmal werden die alten Freunde zu Feinden. Wie nach einer Trennung, wenn der alte Partnern die Entwicklung hintertreibt oder aufhalten will. Aber natürlich gibt es auch neue Feinde, die der Heldin sagen: Hier ist mein Gebiet, das ist meine Stadt, mein Freund, meine Clique, such dir einen anderen Platz. Und, nein, der Held wird nicht zurückweichen und sagen: Okay, dann gehe ich eben woanders hin. Denn er hat ein Ziel. Und alle Menschen oder Wesen, die ihm von seinem Ziel abhalten, sind mehr oder weniger Feinde.

Die Reise

An diesem Punkt seid ihr schon mitten im Buch, in eurer Geschichte, in der Handlung. Bis hierhin haben die meisten Autoren meist wenig Probleme mit ihrer Story. Der härteste Part kommt also noch – im nächsten Blogbeitrag.

 

xoxo

Katrin

#rbpub #redbugwriting #amwriting

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6 Comments

  • Reply Monika Dalmatiner Prinz 1. Juli 2016 at 19:33

    kurzzeitig beruflich gesehen

    • Reply Katrin 6. Juli 2016 at 14:19

      Hi Monika,
      danke für den Kommentar.
      Ich finde, jeder braucht einen Ratgeber oder Mentor, nicht nur beruflich :)

  • Reply Nicole Riekeberg 2. Juli 2016 at 14:09

    Ja, ich frage sehr gerne meinen Bruder um Rat, aber auch Freundinnen.
    Ich finde es toll verschiedene Meinungen zu bekommen, auch wenn ich es letztendlich natürlich selbst entscheiden muss.

    • Reply Katrin 6. Juli 2016 at 14:19

      Ja, finde ich auch! Und der Bruder ist bestimmt älter, oder ;)

  • Reply Lucky 5. Juli 2016 at 22:56

    Ja, meine Mutter. :)
    Aber Ratschläge bekomme ich eigentlich auch viele von Freundinnen oder meiner Schwester.

    • Reply Katrin 6. Juli 2016 at 14:20

      Oh, deine Mutter, das finde ich toll.
      Meine Mutter konnt mir auch immer gute Ratschläge geben.

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