Über das Schreiben

Über das Schreiben #3 Visuelles Tagebuch

25. Mai 2016
Schreiben und Bilder

Ich weiß eigentlich gar nicht, ob es die Wortkombination gibt: Ein visuelles Tagebuch. Ich habe das einfach mal so genannt, denn neben meinem normalen Tagebuch, habe ich so mit zwanzig angefangen, Bilder aus Zeitschrift auszuschneiden und in ein Buch zu kleben. BilderEs gibt Dinge, die konnte ich nicht richtig ausdrücken, wollte mir aber das Gefühl und die Farben und die Umgebung merken und immer wieder abrufen können. Also eine visuelle Erinnerung aufheben. Als Malerin kam mir das ganz normal vor. Mein künstlerischen Arbeiten sind oft abstrakt, erzählen aber trotzdem eine Geschichte, ein Gefühl, oder auch eine Erinnerung und lösen Gedanken und Erinnerungen in anderen aus. Schreiben und Malen haben für mich sehr viel miteinander zu tun. Das merkte ich besonders, als ich begann, Kunstgeschichte zu studieren und Worte für Bilder finden musste. Bilder beschreiben, Bilder interpretieren, Bilder deuten. Heute wird mir klar, dass diese Erfahrung  sowohl sehr wertvoll für meine künstlerische Arbeit, als auch mein Schreiben war.

Traumbilder

Natürlich gehört zum guten Schreiben die Fähigkeit, sich gut auszudrücken, aber es gibt Dinge, die lassen sich nicht sofort in Worte fassen. Nicht nur, weil einem die Technik dazu fehlt, sondern auch, weil man sie noch nicht ganz begriffen hat.Bilder Ich habe mir eine Zeitlang meine Träume notiert (und viele Schriftsteller tun das),  weil diese Traumbilder mir etwas über mein Unterbewusstsein erzählt haben. Was – war mir nicht ganz klar, aber ich schrieb sie erst einmal in mein Tagebuch.

Worte für Träume finden

Aber damit fing ich oftmals nicht den gesamten Traum ein. Was war mit dem Gefühl, das der Traum in mir ausgelöste? Was war mit der Angst, der Ahnung, den anderen Gefühlen und Stimmungen? Dafür brauchte ich mein visuelles Tagebuch. Hier habe ich Bilder eingeklebt und zusammengestellt, die dieses Gefühl ausdrückten und für mich aufbewahrten. Vor kurzem habe ich bei Pinterest (mein neues visuelles Tagebuch), ein Dream-Board angelegt. Und ich war erstaunt, was für Bilder ich mit dem Wort „Traum“ verbinde und dort sammele. Gerade ist es eines meiner liebsten Boards, weil ich mich durch die Bilder, die ich dort ablege immer wieder selbst überrasche und inspiriere.

Visuelle Tagebücher – DIY

Ganz wichtig war in meinen visuellen Tagebüchern die Zusammenstellung der Bilder. Meist ließ ich den Großteil der Seite weiß und plazierte das Bild wie in einer Ausstellung. Ich gab ihm damit eine Bedeutung, kombinierte es mit andere, mir wichtigen Bildern. bilderOder ich bearbeitete das Bild, zerschnitt es oder erfand etwas dazu. Heute ersetzt Pinterst viel von dieser visuellen Arbeit. Aber dann wieder … es ist etwas anderes, ob man selber, mit Hand ein Bild auschneidet, aufklebt, und die ganze DIY-Bewegung ist vermutlich nichts anderes – sie erinnert uns daran, dass wir Menschen sind und Dinge berühren und spüren wollen.

Bilder und Schreiben

Große Schriftsteller schreiben nicht nur auf, was sie beobachten oder denken, sondern erschaffen Bilder mit Worten. Bilder, die den Leser nicht nur an andere äußere, sondern auch innere Orte führen. Wer gut schreiben möchte, sollte daher lernen, in Bildern zu denken. Es geht dabei nicht nur darum, eine Szenerie vor sich zu sehen und zu beschreiben, einen Ort, eine Situation, sondern es geht auch darum, Bilder für Stimmungen oder innere Zustände zu finden. Und dabei etwas weiter zu gehen, als zum Beispiel das Wetter – schlecht, weil der Held traurig ist – zu beschreiben. Große Autoren können das, sie beschreiben ein Handtuch, das schlaff an einem Haken hängt oder einen Weihnachtsbaum, der alle Nadeln verloren hat und erzählen damit die kraftlose Stimmung ihres Helden oder ein missglücktes Weihnachtsfest.

bilder

Selber machen

Und jetzt seid ihr dran. Stellt euch ein visuelles Tagebuch für euer Buchprojekt zusammen. Oder für euren nächsten Urlaub oder euer Leben insgesamt. Bilder wirken viel stärker auf das Unterbewusstsein als Worte, machen euch glücklich, helfen euch, eure Träume zu verwirklichen. Und – sind die beste Vorbereitung auf ein visuelles Schreiben.

Fantasie hängt ganz eng mit Bildern zusammen. Mit Fantasie erschafft ihr Bildern von Orten und Helden, die es noch nicht gibt, und die ihr neu erfinden müsst, wenn ihr ein Buch schreibt. Wie ihr eure Fantasie, außer durch Bilder, noch ankurbeln könnt und was der Unterschied von Fantasie und Ideen ist – am nächsten Mittwoch.

Welche Bilder regen eure Fantasie an?

Katrin

#rbpub #redbugwriting

 

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2 Comments

  • Reply Laura Vollmer 26. Mai 2016 at 04:55

    Ein visuelles Tagebuch ist so eine gute Idee das muss ich sofort ausprobieren ^^

    • Reply Katrin 26. Mai 2016 at 18:14

      Hi Laura,

      ja, und du hast ja auch schon Erfahrungen mit dem Präsentieren von Büchern als Bilder-Bücher, also klappt das bestimmt gut :)

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