Über das Schreiben

Über das Schreiben #1 Lesen

11. Mai 2016
Lesen und Schreiben

Ich konnte schon vor der Schule lesen und schreiben. Doch einen Vorsprung vor allen anderen zu haben, ist nicht unbedingt ein Vorteil, wenn man sich gut in eine Gruppe intergrieren will. So hatte ich mit den besten Möglichkeiten einen schlechten Start. Zudem kam ich mit dem ganzen Konzept von Schule nicht besonders gut zurecht. Meine Fluchtmöglichkeit war – Das Lesen. lesenWar ich vorher eher das wilde Draußenkind, wurde ich bei Schulbeginn ein Super-Nerd.

Lesestoff einatmen

Ich las 3-4 Bücher am Tag, fing mit schmalen Kinderbüchern an, las Hanni & Nanni, 3 Fragezeichen (alle Bände), Astrid Lindgren, Preußler … anspruchsvolle Kinder- und Jugendbücher, Literatur, Kitsch, Schrott, alles. Ich glaube, Ulrich Plenzdorf hat gesagt, dass man 1000 Bücher gelesen haben muss, um EIN Buch zu schreiben. Da würde ich ihm absolut zustimmen. Dass unter 1000 Büchern auch mal ein paar Heftchenromane vorkommen können – okay. Aber noch wichtiger ist, dass man die großen SchriftstellerInnen liest.

Der Horizont

Lesen wurde bis zur Pubertät mein Ersatzleben. Okay, ich hatte Freunde, ich machte Sport, ich hatte noch andere Hobbys, aber Lesen war meine Sucht und wurde dann mein Forschungsgebiet. Ich lese bis heute unheimlich gerne How To-Bücher und – naheliegend – habe auch sehr viele Bücher über das Schreiben gelesen. Warum denke ich, dass man viel gelesen haben soll, um gut schreiben zu können? Damit man mit einer gewissen Demut ausgestattet ist, wenn man zu schreiben beginnt. Demut kann einen auch am schreiben hindern und einschüchtern, aber letztendlich verhindert sie, dass man etwas schreibt, was nicht wirklich gut oder originell ist.

Das ist wie mit Songs schreiben oder Mode entwerfen. Man denkt, Mensch, dass ist ja eine tolle Idee!, weil man keine Ahnung hat, dass man diese tolle Idee gerade im Radio gehört oder auf dem Laufsteg gesehen hat. Weil einem der Horizont fehlt. Das ist nicht so schlimm, wenn man seine Fans findet und diese damit ganz zufrieden sind, aber keine gute Idee, wenn man in die Gemeinschaft der großen Autoren/Künstler/Literaten aufgenommen werden will. Und das wollte ich immer. Wenn schon – denn schon.

Was sollte man lesen?

Es gibt viele Listen von Büchern über das, was man lesen sollte. Sie sind ein guter Einstieg. Zum Beispiel hat der Duden eine Reihe herausgebracht: 100 Bücher der Weltliteratur. Oder es gibt die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher. Ich würde sie auf keinen Fall von oben nach unten durcharbeiten, sondern nur das lesen, was einen gerade interessiert. lesenUnd das ist unterschiedlich, je nachdem wie alt man ist oder wie leseerfahren.

Literatur

Ich habe schon früh sehr viel Literatur gelesen, aber irgendwann erkannt, dass ich für manche Bücher einfach zu jung bin, um sie wirklich zu verstehen. Macht nichts, dachte ich mir, solange ich im Buch etwas finde, das mich interessiert. Ich konnte diese Bücher dann später meist mit mehr Gewinn erneut lesen. Nur quälen sollte man sich damit nicht. In der Regel ergeben sich Leseketten. Ich fand Doris Lessing interessant, kam vom ihrem Goldenen Notizbuch zu den Tagebücher von Anais Nin, über sie zu ihrer Beziehung zu Henry Miller, zu ihm als Autor. So hangelt man sich von einem Buch/Autor zum nächsten und frisst sich seinen eigenen Weg durch die Weltliteratur.

Bestseller

Es gibt auch noch andere Listen, auf den stehen die Bücher, die sich gerade am besten verkaufen. Das war schon immer so, und ich habe sehr viel aus Büchern gelernt, die gerne gelesen wurden und werden. Der Duden fand das auch und hat Populäre Bestseller mal in einem Buch zusammengestellt. Bestseller zu lesen ist besonders gut für Autoren, die sich gut verkaufen wollen. In der Regel beherrschen die Bestsellerautoren alle Tricks, auch wenn es schwer ist zu sagen, was das für Tricks sind. Auch hier gilt: Je mehr Bestseller man aufmerksam liest, desto eher erkennt man die Gemeinsamkeiten.

Was man weniger lesen sollte

Wer nur zur Entspannung liest und – wie ich es manchmal auf Buchblogs lese – um sein Gehrin abzuschalten, der kann dieses Kapitel gleich überspringen. Ich denke, wer liest, um etwas über das Leben oder Schreiben und die Literatur zu lernen, der sollte daran denken, dass Lesen einen auch vom Lernen und Verstehen abhalten kann. Wie meine ich das? Nun, wer immer nur in seiner intellektuellen Komfortzone liest, wird sich nicht weiter entwickeln. Und auch die Gespräche über Bücher und Literatur immer weniger verstehen. Wer wachsen will und bei Literatur mitreden möchte, sollte sich ab und an mit einem Buch beschäftigen, das etwas mehr Anstrengung erfordert. Den Kopf in Schwung bringt. Neue Gedanken durch den Kopf bläst.

Lesen und leben

Ich wollte nie Schriftstellerin werden. Obwohl ich wirklich die besten Voraussetzungen dafür hatte. Aber mir war ganz klar, dass das Lesen mich lange Zeit vom Leben abgehalten hat. Ich wollte mehr: lieben, viel erleben, viel mehr lernen. Und zwar durch Erfahrungen im Leben, mit Menschen, in anderen Ländern, außerhalb meiner kleinen Lesewelt. Mir war klar, dass jemand, der immer nur in seinem Schreibzimmer hockt, sicher gute Bücher schreiben kann, aber wenig Glaubwürdigkeit haben wird, wenn es um Erfahrungen geht. Und das wollte ich: eine gewisse Glaubwürdigkeit, wenn ich über das Leben schreibe. Das wurde manchmal ganz schön anstrengend und immer wieder habe ich mich zwischendurch in die Welt der Bücher zurückverkrochen. In ein Studium zum Beispiel. Man kann so viel aus Büchern lernen! Schreiben/Lesen mit dem Leben zu verbinden, ist eine Kunst für sich. Wer ein großer Schriftsteller werden will, sollte sie beherrschen.

Worksheet/Newsletter

Ich habe euch eine eigene kleine Literaturliste zusammengestellt. Sie ist nicht vollständig, denn dann hätte ich eine Woche daran gesessen. Sie teilt die Bücher der 100er Listen ein wenig nach Leseerfahrung und Alter ein und ergänzt sie auch ein wenig. Und hilft, wenn man seinen Lesestatus in Richtung Qualität, statt in Richtung Quantität aufbessern möchte ;) Großer Vorteil auch für alle, die ihre Bücherkaufetats ständig überziehen: Fast alle der Bücher stehen in den öffentlichen Bibliotheken.

Wer unserern Newsletter abonniert hat, findet die Leseliste in der Worksheet-Bibliothek. Alle anderen lade ich ein, sich in unseren Newsletter einzuschreiben. So erhaltet ihr Infos zu unseren Buchveröffentlichungen, Buchaktionen und Worksheets.

Da ich meinen eigenen Plan, heute über das Plotten und Planen zu schreiben beim Plotten und Planen dieses Beitrags über Board geworfen habe, sage ich wohl besser nicht, worüber ich nächste Woche schreibe. Lasst euch überraschen.

Ein sonnige Woche

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting #schreibtipps

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6 Comments

  • Reply Isabel 11. Mai 2016 at 14:31

    Toller Beitrag, der mir gleich Lust aufs Lesen macht! Meiner alten Lieblingsbücher, neuer Klassiker, bekannter Autoren, unbekannter Autoren, den Bronte Schwestern, Agatha Christie, Stephen King, Anais Nin,….ok ich muss los, bin auf dem Weg in die Stadtbibliothek! :D

  • Reply Isabel 11. Mai 2016 at 14:40

    P.S.: Was ich so interessant finde, dass immer mal wieder ein Buch vorbeikommt, das man wirklich mehrmals lesen kann. In 5 oder 10 Jahresabständen. Und jedes Mal, liest man den Text ein wenig anders, versteht den Inhalt auf andere Art und Weise und macht neue Erkenntnisse und Entdeckungen.
    Fast so, als würde der Leser selbst, das Buch mit formen.

  • Reply Andrea 3. Dezember 2018 at 22:50

    “ Da würde ich ihm absolut zustimmen. Dass unter 1000 Büchern auch mal ein paar Heftchenromane vorkommen können – okay. Aber noch wichtiger ist, dass man die großen SchriftstellerInnen liest.“ – Ein Vorurteil. Ich lese sowohl echte Bücher, als auch Heftromane.
    Frage: Wer sind große Schrifsteller/innen ? Und welche davon „muss“ man gelesen haben ?

    Herzliche Grüße.

    Andrea

    • Reply Katrin 4. Dezember 2018 at 13:34

      Liebe Andrea,

      ich bin gerade über deine Formulierung gestolpert. „echte Bücher“ … Ich glaube nicht, dass es echte und unechte Bücher gibt. Buch/Bücher – ist ein vollkommen neutraler Begriff. So neutral wie ESSEN. Es kommt für mich aber darauf an

      wie es gemacht ist
      wie es präsentiert wird
      wie gesund es ist
      wie satt es macht
      wie gut es schmeckt

      Beim Essen wie bei Büchern kann ein Buch richtig sein, obwohl es keine Spitzenmahlzeit/große Literatur ist. Weil es passt, weil es einem hilft, unterhält, oder genau die Information bringt, die man braucht. Ich liebe (gutes) Fast Food. Es muss nicht immer Novelle Cuisine sein.

      Gute Literatur (und gutes Essen) wird von Menschen verfasst/gemacht, die einen Beitrag zur kulturellen Entwicklung leisten. Das Bewusstsein vergrößern, neues Wissen in die Welt bringen, vielleicht auch mehr Liebe oder Verständnis.

      Manchmal weiß man/wissen wir alle nicht, was gute Literatur ist. Sie muss sich erst über Jahre „beweisen“. Bleibt ein Buch – wichtig? Relevant für die Welt? Für uns Menschen? Bei manchen Büchern kann man jetzt schon sagen: Nein, das wird niemals groß werden, weil es einfach nur das Gewohnte wiederholt. Heftchenromane sind darauf angelegt, den Leser (kurzfristig) zu befriedigen. Die Autorinnen sehen es als Job an, diese Bücher zu schreiben, unter Pseudonym, denn sie wollen nicht mit ihrer Arbeit in Verbindung gebracht werden. Den Leserinnen ist das zumeist egal, sie lesen – um sich wohl zu fühlen, abzulenken. Mehr nicht.

      SchriftstellerInnen, die ein Buch geschaffen haben, das mehr leistet, das die Welt voranbringt, bezeichnen wir als große SchriftstellerInnen. Wie Mary Shelley, die „Frankenstein“ geschrieben hat, ein Buch, in dem sie die Frage stellt, wohin uns Wissenschaft bringt, was passiert, wenn sich Wissenschaft/der Mensch anmaßt „göttlich“ zu sein, und auch Fragen offen lässt wie: Kann man Mitleid mit einem Monster haben? Viele denken bei Frankenstein nur an die verkürzten Horrorversionen des Buches, die damals sehr populär waren. Gerade ist das Leben von Mary Shelly verfilmt worden. An deiner Stelle würde ich mir den Film ansehen, um zu verstehen, was eine „große Schriftstellerin“ ist.

      Welche muss man gelesen haben? Das hängt von dem Wissenshunger ab, den man hat. Und – ob man als Mensch tiefere Erkenntnisse erlangen will, oder lieber in den Tag leben, seine Arbeit machen, sich unterhalten (lassen) will. Niemand muss etwas tun. Jede/r hat die Freiheit, zu lesen was er will.
      Für alle, die mehr wissen wollen, habe ich die Liste gemacht. Aber auch hier gilt: Mit manchen großen SchriftstellerInnen kann man nichts anfangen. manche lesen sich schwer. Am besten fängt man mit den AutorInnen an, die man gerne liest, die man gut versteht und schaut dann, was einen als nächstes interessiert. In der Schule habe wir dies leider falsch gelernt. Uns wurde Lesestoff aufgedrängt. Deshalb vermeiden viele Menschen heute noch Literatur. Das ist schade.
      Mit guter Literatur kann man als Mensch wachsen. Dabei sollte man nicht auf das hören, was die Verlage einem einreden wollen: „ein fulminantes Buch“, „ein großer Roman“ Das ist oft nur Werbegetöse. Vieles wird nur großgeredet.
      Marry Shellys Frankenstein galt am Anfang nicht als groß. Es brauchte Zeit, zu erkennen, wie schlau und tiefsinnig dieses Buch ist.

      Was du lesen „musst“, kannst du nur du allein entscheiden. Manchmal muss man eine Weile suchen, bis man Literatur oder eine Schriftstellerin findet, die man gerne liest. Da würde ich anfangen. Ich kann dir aber schon jetzt versprechen, dass du irgendwann keine Lust mehr auf viele Heftchenromane haben wirst, weil sie dir einfach zu flach erscheinen werden, wenn du mehr gute Literatur gelesen hast.

      Liebe Grüße und ein schöne Vorweihnachtszeit –

      Katrin

  • Reply Andrea 4. Dezember 2018 at 15:15

    Hallo Katrin.

    Danke für deine Antwort. Ich freue mich sehr darüber.

    „Ich kann dir aber schon jetzt versprechen, dass du irgendwann keine Lust mehr auf viele Heftchenromane haben wirst, weil sie dir einfach zu flach erscheinen werden, wenn du mehr gute Literatur gelesen hast.“ – Wieder ein Vorurteil. Ich lese ja beides und mir bekommt beides recht gut.
    Mit dem von dir genannten Beispiel kann ich absolut nichts anfangen. Ja, ich habe „Frankenstein“ gelesen, allerdings nicht verstanden. Es werden Sachen erzählt, die für die Handlung komplett überflüssig sind. Was soll die Episode mit Justine Moritz ? Hmm.

    Ich lese viel und gerne. Mit echte Bücher meine ich solche, die im Regal stehen, keine E-Bücher (oder wie man die schreibt). Ich will etwas in den Händen halten, das Knistern des Papieren spüren, den Geruch der Seiten riechen etc.

    Ich halte Goethe, Schiller und die anderen Dichter für überbewertet, doch das ist Geschmackssache.

    Das „was will uns der dichter damit sagen“ hat mich zu meiner Schulzeit gestört, da jeder und jede ein Buch/ein Gedicht etc. anders interpretiert.

    „Welche muss man gelesen haben? Das hängt von dem Wissenshunger ab, den man hat. Und – ob man als Mensch tiefere Erkenntnisse erlangen will, oder lieber in den Tag leben, seine Arbeit machen, sich unterhalten (lassen) will. Niemand muss etwas tun. Jede/r hat die Freiheit, zu lesen was er will.“ – Für mich ist Lesen in erster Linie als Entspannung gedacht und in zweiter Linie um Wissen aufzunehmen.
    Wobei mir, besonders bei historischen Büchern auffällt, dass immer über dieselben Adeligen geschrieben wird und andere links liegen gelassen werde, weil u.a. zu wenig Material vorhanden ist, weil die Leute nur wenige Jahre/Jahrzehnte alt geworden sind etc.

    Bin so frei, auch weitere Einträge, vorwiegend die Schreibtipps, in deinem Blog zu kommentieren.

    Herzliche Grüße.

    Andrea

    • Reply Katrin 4. Dezember 2018 at 15:42

      Hi Andrea,

      ich freue mich auch über Kommentare!
      Dass du Bücher aus Papier gerne liest und unterhalten werden willst – verstehe ich beides sehr gut.
      Es geht bei Literatur aber nicht (oder nicht hauptsächlich) um Wissen. Wissen und Kunst – sind zwei vollkommen verschiedene Bereiche. Wenn man fragt: Was hat der Dichter sich dabei gedacht und so weiter – dann will der Lehrer oder die Lehrerin eine Wissensantwort. Das finde ich extrem verkürzt und – hier geht einem die Lust am Lesen komplett veroren. Keiner kann wissen, was der Autor sich gedacht hat. Und bei einem Kunstwerk/Gemälde ist es noch schwerer.

      Aber es ist auch schwer zu erklären, was – zum Beispiel – an einer Bergwanderung so toll ist oder an dem Anblick eines Sonnenuntergangs oder der Liebe. Wer es nicht selbst erfahren hat, gesehen hat, der wird nur mit den Schultern zucken und sagen: Seh ich nicht, kenn ich nicht, ist bestimmt gar nicht da oder so toll. Manchmal kommt es mir so vor, wenn jemand sagt: Ach, Literatur, das brauch ich nicht. Das sind auch nur Geschichten. Interessiert mich nicht. ich denke dann: Du hast es noch nicht wirklich gesehen/erfahren/gespürt/verstanden.

      Du liest aus Entspannung oder um etwas zu erfahren – es gibt aber noch andere Gründe, weshalb Lesen spannend sein kann. Kunst, Erkenntnis, tiefes Verstehen. Das meinte ich, wenn ich sage: Du wirst weniger Heftchenromane lesen, wenn du mehr auf eine neue Art und Weise liest, gute Literatur mehr erforschst.
      Aber – klar – es gibt eben auch Menschen, die können mit Waldwanderungen und Sonnenuntergängen nichts anfangen (um mal im Bild zu bleiben) Da kann ich mir den Mund fusselig reden. Muss ich akzeptieren. Und tue ich auch. Jeder geht seinen Weg.

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