Von der Idee zum Manuskript

Von der Idee zum Manuskript #8 Schreibblockade

6. April 2016
Von der Idee zum Manuskript Schreibblockade
Schreibblockade

Ich habe in Vorbereitung dieses Blogbeitrags ganz viel gelesen und ehrlich – auf einmal hatte ich fast selbst eine Schreibblockade. Das ist wie wenn man als Hypochonder zu viel über Krankheiten liest. Auch die Therapien dagegen … hm, dass Alkohol eben nicht nur die Zunge, sondern auch die Tippfinger lösen kann, mag stimmen, aber davon will ich hier nicht reden. Ich versuche mal einen neuen kreativen Ansatz – wozu bin ich Künstlerin!schreibblockade

Was ist eine Schreibblockade?

Es ist ja nicht so, dass sich die Finger so verkrampft hätten, dass man die Tasten nicht mehr hinunterdrücken kann oder den Stift halten. Das mag es auch geben, aber wenn wir von einer Schreibblockade reden, meinen wir eigentlich ein psychisches Problem. Man kann schreiben – der Einkaufszettel wäre kein Problem – aber man kann nicht sein Buch/diese Geschichte/diesen Blogbeitrag schreiben. An dieser Stelle möchte ich es ganz deutlich sagen: Die Schreibblockade ist euer Freund!

Lass uns reden

Natürlich fühlt sie eine Schreibblockade wie ein Feind an. Wenn du nicht wärst, wäre ich längst fertig mit dem Buch! Aber es ist wie mit vielen anderen Dingen, die wir im Leben wollen und bei denen die Psyche oder der Körper laut NEIN schreien. Irgendwo in einem Winkel eures Kopfes zieht da etwas  die Reißleine und sagt: Stop, hör mal liebe/r AutorIn, so wird das nichts. Und vertraut mir: Dieses Etwas hat recht. Wo genau der Wurm sitzt, müsst ihr rausfinden, das ist die Aufgabe, die euch die Schreibblockade stellt. Denn habt ihr das Wo, ist das Wie ein Klacks.

Schreibtypen

Wenn ich ein Schreibtherapeut wäre (nicht, dass ich nicht schon genug Berufungen hätte …), dann würde ich als erstes einmal versuchen, herauszufinden, was für eine Art von Schreiber ihr seid. WAS wollt ihr aufs Papier bringen. Ich teile mal grob in Patientengruppen ein:

study-1231393_640Schreibanfänger – Er/sie kann nicht schreiben, sie weiß gar nicht was und wie das überhaupt geht. Eingeschüchtert von großen Vorbildern oder einem nahen Verwandten (Eltern), legt man die Latte so hoch, dass sie unmöglich zu überspringen ist. Man erstarrt allein bei dem Gedanken, ein Wort zu tippen.

Hobbyschreiber – Er schreibt, wie er selber ständig betont – nur zu seinem eigenen Vergnügen. Hier mal ein wenig Erinnerungen, dort mal ein Gedicht oder eine Kurzgeschichte. Es gibt den Traum vom Roman, denn man – irgendwann in sehr ferner Zukunft – gerne schreiben will. Geht man dann in Rente oder hat ein Sabbatical oder lange Ferien, könnte man eigentlich schreiben … erst dann wird einem klar, dass man gar nicht richtig weiß: was und wofür?

computer-1185637_640Berufsschreiber – Seit es das Wort Burnout gibt findet es reichlich Anwendung. Wer für seinen Lebensunterhalt schreibt, macht das locker bis zu acht Stunden am Tag. Journalisten, Profi-Blogger, und Genre-Autoren wissen, dass ihnen nicht der große Ruhm winkt, aber zumindest ein Scheck/Tantiemen/Amazonerlöse.
Doch manchmal fühlt man sich in dieser Schreibmühle gefangen und auf einmal geht gar nichts mehr. Damn! Die Schreibblockade sagt ganz deutlich, was man vielleicht selbst schon mal überlegt hat: Wenn ich schon den ganzen Tag schreibe, warum dann nicht mal den großen Jahrhundertroman oder zumindest etwas, was mich zu einm richtig großen Einkommen führt?

Romancier (hier verstanden als Autor von anspruchsvollen Romanen) – Er oder sie lebt mit der Schreibblockade, sie ist sein ständger Begleiter. Er sitzt in Cafés oder mit einer großen Kanne Kaffee in seiner kleinen Wohnung, er brütet, denn er hat ja sonst nicht viel zu tun, vielleicht noch das Literaturstudium, aber da gibt es nur Kurs-Scheine, und wer weiß, wohin die einen führen. Sein Ziel ist das große Werk, der große Wurf, aber was funkioniert und trifft und ob der Roman, der jetzt schon zweihundert Seiten lang ist, dort auch ankommt ist reichlich ungewiss. Sollte man besser auf einer Party rumstehen und mit Literaturkritikern reden oder gleich mit einem Verleger ins Bett gehen? Sinnkrisen führen direkt zu Schreibblockaden.

Therapie

Schreibanfänger: Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Heilung. Anfängern fehlt vermutlich eine Portion Handwerk. Schreibkurse gibt es massenhaft, mittlerweile auch viele Bücher und Tutorials. Learning by doing, ist auch eine Lösung, also Schreiben als Übung und nicht, weil man glaubt, dann schon ein Werk zu produzieren. Mein erster, 300 Seiten langer, Berlin Roman (ja, lacht nur …) entstand in den frühen Morgenstunden zwischen fünf und sechs, bevor die Kinder wach wurden und er ist komplett in den virtuellen Papierkorb gewandert. Schreibübung. Mehr nicht.

pencil-918449_640Hobbyschreiber: Du denkst, es wird schon nicht ernst werden, denn du hast ja gar nicht die Zeit, richtig zu schreiben. Falsch. Irgendwann ist die Zeit da und pocht drauf, dass du dein Versprechen einlöst. Froschkönig und so. Mach dir klar, dass das verdammt viel Arbeit ist. Dass dudeine Rosenzucht gleich vergessen und rumhängen und Lesen zur Entspannung auch streichen kannst. Ab jetzt ist ALLES Schreibarbeit. Denken, lesen, notieren, planen, tippen.

Berufsschreiber: Irgendwann ist ja auch mal gut. Vielleicht hast du nur zu schreiben angefangen, weil du Geld brauchtest. Und dann ist es auf einmal da, das Geld. Die Fans wollen mehr, aber du … langweilst dich mittlerweile mit deinen Helden, ihren immergleichen Geschichten. Überlege, ob du ganz aufhörst und mit deinem Geld ein Café oder eine Finka eröffnest – neues Geschäftsmodel – oder weniger schreibst.

Nebengedanke: Stephen King behauptet in On Writing, dass ein schlechter Autor niemals ein guter Autor werden kann und ein guter niemals ein genialer Autor. Ich spiele hier mal 13. Fee und sage: Wer schlecht schreibt, kann mit viel Einsatz und einem besseren Handwerkszeug ein besserer Autor werden. Wer ein guter Autor ist, kann sich neu erfinden und mit viel Aufrichtigkeit und Studium und Lesen von anderen genialen Autoren, etwas geniales Eigenes schaffen. Aber S. King ist älter als ich und vermutlich auch weiser. Wenn er recht hat, dann sollte ein mittelmäßig guter Berufsschreiber, zumindest wissen, dass es sehr hart werden kann, nach Genialität zu streben. Das gleiche gilt dann wohl für den schlechten Schreiber, der ein guter Autor werden will.

Romancier: Er fängt sofort damit an, nach dem Höchsten zu streben. Dem Roman des Jahrhunderts oder zumindest einem sehr guten ersten Wurf. Ganz klar: hier scheitern viele. Und verarmen tun sie häufig auch. Viele Romanciers fühlen sich isoliert vom Leser, vom Literaturgeschäft, von der Welt. Wie soll man da schreiben? Manchmal hilft es, rauszugehen und die Ansprüche wieder ein wenig tiefer zu hängen. Oder sich einen Mentor zu suchen, der einem auf dem steinigen Weg begleitet. Literauturstipendien und Wettbewerbe sind auch hilfreich, um wenigstens mal einen Abgabetermin zu haben.

Mein SEO-Programm zeigt mir an, dass ich mal wieder viel zu viel geschrieben habe. What?? Also wenn mal nichts läuft, schreibt über Schreibblockaden. Kann ich wärmstens empfehlen. Für noch mehr konkrete Tipps habe ich wieder ein Worksheet erstellt. Ihr wollt mehr News und Tipps? Am besten den Newsletter abonnieren, dann bekommt ihr immer die neusten Infos und News über Buchaktionen, Veröffentlichungen und Worksheets.

Wenn ihr denkt, die Schreibblockade ist euer Feind, dann werde ich euch nächste Woche sagen, was ein euer echter, wirklicher, schrecklichster Feind ist: Procrastination, auch Aufschieben genannt und Ablenkung. Und euch Selbstverteidigungsmethoden zeigen.

Viel Spaß nun beim Abhängen in der Frühlingssonne – see ya

Katrin

#rbpub #redbugwriting #schreibtipps #amwriting

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