Was passiert in einem Verlag

Was passiert in einem Verlag? – #3 Cover

2. März 2016
Ein Cover ist ein Cover …

Ich habe eine lange Erfahrung mit Covern zu meinen Büchern. Ich bin eine Kämpferin und natürlich wünsche ich mir eine Buchgestaltung, die mir sehr gut gefällt und – Mitspracherecht. Die Verlage dagegen sehen es als ihre alleinige und Kernaufgabe an, die Buchcover ihrer Autoren zu gestalten. Seitdem ich ein eigenes Label habe, verstehe ich die Position der Verlage besser. Es ist verständlich, dass die Verlage hier ganz allein bestimmten wollen, immerhin müssen sie das Buch in die Buchhandlungen bringen und verkaufen und fühlen sich daher auch voll verantwortlich für die Gestaltung. Sicher ist, dass das Buchcover sehr entscheidend für den Verkauf eines Buches ist.

Wann entsteht ein Cover

Was viele sich vielleicht nicht vorstellen können: In Verlagen entstehen Buchcover sehr oft schon bevor ein Buch fertig geschrieben ist. IMG_0791Das liegt daran, dass das Cover in die Verlagsvorschau kommt und damit schon mindestens ein halbes Jahr vor Erscheinen des Buches präsentiert wird und präsent sein muss. Schließlich sollen die Buchhandlungen das Buch vorbestellen. Die Verlagsvorschauen erscheinen halbjährlich – im Frühjahr und Herbst – und sind zurzeit immer noch gedruckt, das heißt, auch für die Gestaltung der Verlagsvorschau gibt es einen Vorlauf. Rechts seht ihr die Vorschau für Manhattan Magic. Manchmal ändert sich ein Cover nach der Verlagsvorschau noch, das ist aber eher die Ausnahme.

Wie entsteht ein Cover

Manche Verlage haben Designer im Haus, die sich um die Buchgestaltung kümmern, andere, wie Oetinger, geben ihre Wünsche an eine Werbeagentur. Zum Beispiel an die Agentur Zero, die schon viele tolle Buchcover gestaltet hat. Diese Werbeagenturen werden im Impressum des Buches auch genannt, wenn euch also interessiert, wer ein Cover gemacht hat, könnt ihr dort nachsehen. Die Werbeagentur erhält ein Briefing für das Cover. Man fasst kurz zusammen, wer die Zielgruppe des Buches ist und ob das Buch Teil einer Reihe ist, denn dann muss es natürlich auch zu den anderen Covern passen. Zurück kommen dann in der Regel mehrere Covervorschläge. Als Beispiel habe ich für euch die drei Vorschläge für Street.Art.Love herausgesucht, mit denen Oetinger damals ein Covervoting unter den Lesern veranstaltet hat.

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So unterschiedlich können Vorschläge für Cover zum gleichen Buch sein. Ich fand die unterschiedlichen Ansätze extrem spannend. Und auch zu sehen, für welches Cover sich die Leser am Ende entscheiden. Die Community hat sich damals für den ganz rechten Entwurf entschieden, der dann das Buchcover wurde.

Was gefällt wem?

Mit der Wahl der Community bei Street. Art.Love war ich zufrieden. Obwohl ich die linken Entwürfe moderner und hipper fand, war mir klar, dass sie für die meisten Leser vermutlich nicht eindeutig und emotional genug sein werden. Die Abstimmung hat das dann noch einmal bestätigt. Mein Covergeschmack ist sicher nicht durchschnittlich, ein Cover soll aber möglichst viele Leser erreichen. Hier musste ich als Autor auch dazulernen – mein Geschmack ist eben speziell und nicht immer die beste Wahl für ein Cover. Trotzdem bilden auch für mich als Autorin der Umschlag und der Inhalt eines Buches eine Einheit. Ich wünsche mir – wie sicher jede AutorIn – ein passendes Cover zu meiner Geschichte.

Manhattan magiccoverNachdem mir der Entwurf für Manhattan Magic präsentiert wurde (der linke), hatte ich einen kleinen Realitätsschock. Ich fand, das Mädchen auf dem Cover sah überhaupt nicht aus wie meine coole Protagonistin, die allein oder mit dem verrückten Jona durch New York strolcht und Journalistin werden will. Ich fand auch, dass man den Eindruck hat, als ob sie von ihrem Vater durch die Stadt gezerrt wird. Also schrie ich VETO! Meine Lektorin ist nett, sie sprach mit ein paar Leuten im Verlag und gab meine Einwände zurück an die Agentur. Das Ergebnis seht ihr rechts. Ein Riesengoliath zerrt jetzt das gleiche Mädchen durch die Stadt. Verbesserung?  Hm … Ich habe gelernt: Kritisiere nie dein Cover, es könnte nachher noch schlimmer werden ;).

Wer entscheidet über ein Cover

Nicht der Autor, so viel ist schon mal klar. Nach meiner Erfahrung geben die verantwortlichen Lektoren/Verlagsleiter den größten Input, da sie die Werbeagentur oder den Designer briefen, also ihm sagen, was sie sich vorstellen. Wenn der Entwurf dann fertig ist, gibt es aber noch eine zweite Gruppe von Entscheidern, die sehr viel Einfluss auf das Cover hat: Das sind die Verlagsvertreter. Also die Menschen, die mit einem Koffer voller Bücher und Verlagsvorschauen in die Buchhandlungen gehen und dem Buchhändler die neuen Bücher anbieten. Tatsächlich gab es schon Entwürfe, die das Lektorat gut fand, die Verlagsvertreter (es gibt Sitzungen, auf denen ihnen die Cover vorgestellt werden) aber nicht. Dann wird geändert, schließlich müssen die Buchvertreter das Buch mögen, wenn sie es in der Buchhandlung vorstellen. Keinen Einfluss, oder sehr wenig, hat der Buchhändler. Manchmal melden die Buchhändler schlechte Verkaufszahlen und „beschweren“ sich über ein Cover, das nimmt man dann schon ernst.

Wann wird ein Cover nach Veröffentlichung noch geändert?

Bei schlechten Verkaufszahlen oder Beschwerden von Buchhändlern oder Lesern, denkt der Verlag in der zweiten Auflage über einen Coverwechsel nach.Manhattan Magic Das sind dann natürlich Mehrkosten, die abgewogen werden. Die beste Möglichkeit, ein Cover zu ändern, ist die Neuherausgabe als Taschenbuch. Bei Bestsellern hält man dagegen eher an der bekannten Gestaltung fest, damit der Leser das Buch auch als Taschenbuch sofort wiedererkennt.
Da Red Bug Books die eBook Rechte an Magic Manhattan hat, konnten wir uns beim eBook für eine eigene Gestaltung entscheiden. Und wollten das auch. Ich habe dafür mit Lukas zusammengearbeitet, der ein genialer Letterartist ist. Wie ein Cover – in einzelnen Arbeitsschritten entsteht – erzähle ich in späteren Blogbeiträgen noch einmal ganz ausführlich. Zum Beispiel, wo man Bilder für Cover herbekommt und wie man ein Cover auf den Buchmarkt und den Inhalt abstimmt.

Nächste Woche erfahrt ihr erst einmal, wie die Marketingabteilung im Verlag arbeitet und wie sehr und viel für welches Buch geworben wird. Wie immer empfehle ich euch unseren genialen Newsletter, den wir 1 x monatlich vermailen, und der Links zu allen bisher erschienenen Worksheets enthält, die besonders für angehende Autoren interessant sind. Außerdem gibt es für Abonnenten Vorteile bei unseren Verschenkaktionen und natürlich drücken wir sie ganz besonders innig an unser Herz ;)

Bis nächsten Mittwoch eine gute Zeit und – Cheers!

Katrin

#redbugwriting #rbpub

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