Was passiert in einem Verlag

Was passiert in einem Verlag? – #4 Marketing

9. März 2016
Marketing für Bücher

Die Marketingabteilung eine Verlags kümmert sich um die Werbung für Bücher. Früher hieß das, Aufsteller und Promomaterial für die Buchhandlungen, Lesezeichen oder Leseprobenheftchen und eine Pressemeldung an die Zeitungen und Journalisten, denen man dann ein Leseexemplar zugeschickt hat. Doch es sind viele Marketingmöglichkeiten dazugekommen. Nicht nur Presse, sondern auch Social Media-Plattformen, Blogger, Blogtouren, Leserunden auf Leserplattformen bis hin zu großen Kampagnen, die mit Liveevents mit dem Autor und Signierstunden verbunden sind.

FullSizeRender Kopie 8Als neue Autorin bei meinem ersten Verlag war ich glücklich, überhaupt verlegt zu werden. Über das Marketing für mein Buch habe ich mir überhaupt keine Gedanken gemacht. Doch als dann die erste Verlagsvorschau bei mir ankam, fiel mir auf, dass für einige Bücher/Autoren deutlich mehr geworben wird, als für andere. Natürlich gibt es Autoren, die schon seit Jahren erfolgreich für den Verlag arbeiten. Wenn sie ein neues Buch herausbringen, wird es oft gut beworben. Auch Debütautoren gibt man zum Start gerne viel Unterstützung und ein größeres Marketingpaket mit auf den Weg. Manchmal wundert sich der Autor dann, dass es beim zweiten Buch so still wird … Und dann gibt es natürlich auch die vom Verlag angekauften Lizenzen von Büchern, die schon in den USA oder England sehr erfolgreich waren. Diese Bücher bekommen ebenfalls viel Aufmerksamkeit, denn der Verlag hat schon viel Geld für die Lizenz und Übersetzung ausgegeben und will, dass das Buch erfolgreich wird.

Die Hierachie der Verlagsvorschau

In Verlagsrunden wird schon sehr früh entschieden, für welches Buch in der nächsten Saison Werbung gemacht wird. Entscheiden tun das die Verlagsleiter meist bevor sie den Inhalt eines Buches kennen. denn es gibt ja noch andere Kriterien, als den Inhalt. Vielleicht ist der Autor und sein Werk bekannt und in der Regel weiß man auch schon, wie gut er sich verkauft. Manchmal ist es auch eine Lizenz aus dem Ausland, dort hat sich das Buch schon sehr gut verkauft und der Verlag rechnet mit ebenso guten Verkäufen im Inland.

FullSizeRender Kopie 11  FullSizeRender Kopie 10FullSizeRender Kopie 9Und – ja – leider ist die Qualität eines Buches eher ein untergeordneter Grund, ein Buch gut oder stark zu bewerben. An der Verlagsvorschau kann man sehr gut erkennen, welche Bücher beim Verlag wie beworben werden. Meist wird über diesen Platz schon entscheiden, bevor das Buch fertig ist. Am sichersten kann man ein schönes Marketingpaket bekommen, wenn der Verlag sich von einem Buch gute Verkäufe erhofft oder der Autor sich im Vorjahr schon gut verkauft hat. Hier müsst ihr euch vor allem ein Wort merken: Spitzentitel

Spitzentitel

Meinen ersten Spitzentitel hatte ich mit Street.Art.Love, einem Jugendbuch der Pinkreihe. Was heißt Spitzentitel genau? Verschiedenes. Zum einen bekommt das Buch in der MarketingVerlagsvorschau einen Button, damit die Buchhändler schon wissen, dass für dieses Buch mehr Werbung gemacht wird und es sich daher vermutlich auch besser verkaufen wird. Als ich mich letztens mit einem Buchhändler unterhalten habe, erzählte er mir sogar, dass er nur die Spitzentitel der Verlage ordert, bei allen anderen Titeln wäre ihm das Risiko zu groß. MarketingZiemlich erschreckend.

Zum anderen gibt es mehr Raum, also Seiten in der Verlagsvorschau für Spitzentitel, in diesem Fall ein Interview mit mir zum Buch. Da es ein Titel innerhalb einer Reihe war, gab es nur ein paar Extraaktionen. Ganz anders sah das dann bei meinem Thriller Schattenzwilling aus, der etwas später Spitzentitel wurde.

Social Media Marketing

Als Schattenzwilling Spitzentitel wurde, kam ich den Genuss eines ganzen Pakets von Werbeaktionen. Mein Buch war Frontcover der Verlagsvorschau, hatte mehrere Seiten in der Vorschau, es wurden Leseproben gedruckt und es gab eine extra Presseaktion.
FullSizeRender FullSizeRender Kopie FullSizeRender Kopie 2 FullSizeRender Kopie 4 FullSizeRender Kopie 3Da Schattenzwilling in Gülpe, einem der dunkelsten Orte Deutschlands, spielt, der im Jahr der Veröffentlichung auch noch offiziell Sternenpark wurde, gab es dort eine Lesung und ein Pressetermin wurde organisiert.
Sogar das Cover wurde nach der Verlagskonferenz umgestaltet, da die Verlagsvertreter es nicht mochten. Ich denke es ist kein Zufall, dass Schattenzwilling schließlich auch stapelweise in den Buchhandlungen lag. Ich habe sogar bei meinem Buchhändler nachgesehen und richtig – den Spitzentitel hatte er vorrätig.
Bongard_SchattenzwillingIMG_1920Die Marketingabteilung freut sich allerdings besonders, wenn Autoren selber zusätzlich Werbung machen. Der Autor Richard Norden behauptet, Eigenwerbung  gehöre für Autoren mittlerweile zum Job. Am besten ist die Autorin auch bereit, an Events und Lesungen teilzunehmen. Nicht alle mögen das. Ich mag Lesungen, auch wenn ich kurz davor lieber ganz woanders wäre als in einnem Raum mit zwei oder drei Klassen von pubertären Teenagern.

Zum Social Media Marketing könnte man noch sehr viel mehr sagen, für viele Verlage geht das aber bisher nicht über eine Facebookseite, etwas Twitter und Instagram hinaus. Wenn eine größere Onlinekampagne zu einem Buchtitel geplant ist, wird sie meist von externen Werbeagenturen übernommen. Eine Marketingmaßnahme habe ich ausgelassen, denn sie hängt sehr eng mit den Buchhandlungen zusammen. Leseexemplare. Darüber und über die Beziehungen von Verlagen zu den Buchhändlern und wie und auf welchen Wegen die Bücher vom Verlag in den Verkauf gelangen,  blogge ich nächste Woche.

Bis dahin wünsche ich euch eine gute Lesezeit – Cheers!

Katrin

#redbugwriting #redbugpub

 

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2 Comments

  • Reply Ulrike Grabemeyer 28. August 2016 at 20:13

    Hallo Katrin erzähl doch mal wieviele Bücher als meiste von dir verkauft wurden oder ist die Auflage -die ja noch nicht der Verkauf sind- für euch als Autoren wichtiger? Ist der Verkauf für euch Autoren überhaupt relevant? Und kannst du vom Bücherschreiben leben?

    • Reply Katrin 28. August 2016 at 21:59

      Die Auflage sagt aus, wieviele Verkäufe sich der Verlag von einem Buch verspricht. Aber eine hohe Auflage, die sich nicht verkauft, bringt nichts. Meist erfahren wir Autoren die Zahlen auch gar nicht, man sieht sie dann auf der Abrechnung, mit 2 Jahren Verspätung. Bei 7-9 Prozent vom Nettoladenpreis muss man ganz schön viele Bücher über einen Verlag verkaufen, damit man etwas auf dem Konto merkt. Aber – es geht ja nicht nur um Verkaufszahlen. Auf Büchern sind nur 7 % MWSt, weil sie als Kulturgut gelten. Es ist gut, sich da immer mal wieder dran zu erinnern und Bücher nicht nur als Produkte anzusehen.

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