Was passiert in einem Verlag

Was passiert in einem Verlag – #6 Buchmesse

23. März 2016
Welche Buchmessen gibt es?

Ich sage es mal gleich vorab: Ich bin nicht gerne auf Messen. Als Berlinerin bin ich damit wohl überfüttert worden, die Grüne Woche, die Funkausstellung und die riesige Weihnachtsmesse mit den erschreckenden Weihnachtsmännern oder die Typen in den Berliner Bär-Kostümen (HILFE!) vor den Messehalle haben mich nachhaltig geprägt.

ABER – ich muss zugeben, die beiden deutschen Buchmessen in Leipzig und Frankfurt sind etwas ganz Besonderes. Hier treffen sich nicht nur Leute aus dem Verlagswesen, sondern begeisterte Leser, Autoren und Buchblogger zum Austausch, und machen damit die Messe zu mehr als einem Geschäftstermin. Verlage kennen noch weitere wichtige Buchmessen wie die Kinderbuchmesse in Bologna oder die London Book Fair. Messen sind für Verlage weniger Vergnügungsparks, als Arbeitsstätten, trotzdem kenne ich vor den Buchmessen auch immer die Aufregung in den Verlagen, und die Freude der Mitarbeiter, die mit auf die Messe dürfen. Wann und wo kommen sie sonst mit den Leuten zusammen, die die von ihnen ausgesuchten, lektorierten und gestalteten Bücher lesen und wertschätzen? Die Buchmesse ist für Verlage so etwas wie ein Buchladen für ein paar Tage. Sie stellen sich vor und aus und sehen ganz gebündelt das Programm ihrer Konkurrenz.

 

Wozu eine Buchmesse?

Warum Leser oder Blogger auf Buchmessen gehen, ist wohl ziemlich klar: Sehen, was es an Neuerscheinungen gibt, Autoren treffen, Bücherluft schnuppern. buchmesseIn diesem Jahr gab es sogar eine buchmesse:blogger sessions 16, auf der es um die Zusammenarbeit von Buchbloggern und Verlagen ging, mit Branchenkennern – was und wer das auch immer gerade ist. Spannende Partner und Multiplikatoren nennen die Verlage Buchblogger, aber es gibt auch Kritik. Wollen die Verlage nur an billige Werbepartner kommen? Nun, die Buchbranche ändert sich und damit auch die Buchmessen. Sicher ist, dass die Buchmessen für Verlage früher eine andere Bedeutung hatten.

Ich fand es sehr schön, Buchbloggerin Tintenelfe und ihre Cousine Katja zu treffen. Ein nettes Gespräch im Familiencafé, bei dem ich mehr über Buchleidenschaft erfahren habe, als in den Geschäftsterminen davor und danach. Ich fange an, mich zu fragen, ob es nicht doch Sinn machen könnte, einen Stand auf der Buchmesse zu haben, als kleines Label und dort Seifenblasen steigen zu lassen und Ballons, und Chai-Tee mit den Lesern und Buchbloggern zu trinken …

Geschäfte und Gespräche

Wenn man Verlagsangestellte fragt, dann bestätigen es alle: Früher wurden auf der Buchmesse hauptsächlich Geschäftsgespräche mit Autoren, Vertriebsleitern, Marketingmitarbeitern und Agenten geführt. Heute finden kaum noch Gespräche statt. Das heißt nicht, das weniger geredet wird, das tut man nur per Mail oder Chat oder Skype. Wozu also die Messe? Diogenes hat letztes Jahr in Frankfurt angekündigt, zur nächsten Buchmesse gar nicht mehr zu kommen.  100 000 Euro kommen für so einen großen Verlag locker mal zusammen. Standmiete, Veranstaltungen und die Reise- und Unterkunftskosten für Autoren – zu teuer und wozu? Wozu die Buchmesse? Hier mal ein paar vermischte Stimmen von Verlagsmenschen von der Buchmesse 2016 in Leipzig – von der ZEIT zusammengefasst.

Der Messestand

Vielleicht sollte man ganz entspannt sein, es ist ein wenig wie auf jedem Markt. Da gibt es Stände und dort preisen die Marktständer (Verlage) ihre Ware an. Allerdings ist es Ausstellungsware, und nur an wenigen Ständen gibt es eine Kasse, an der man auch etwas kaufen kann. Und die Goodies? Gerade am Wochenden sind die Mitarbeiter, die den Verlagsstand betreuen auch mal genervt. Die Jagd auf Leseproben und Buttons nimmt dann groteske Formen an. Werden viele Bücher geklaut? habe ich eine Verlagsleiterin gefragt. Klar und jedes Jahr wird das meistgeklaute Buch gekürt. So kann man auch zu Marktanalysen kommen ;)

Autoren auf Messen

Die Buchmesse ist auch ein wunderbarer Ort für die Verlage, ihre (verkaufs)starken Autoren zu präsentieren. buchmesseMeine Erinnerung an die letzte Lesung in Leizig ist seltsam verschwommen. Kurios. Absurd. In einer Lesekoje, mit einer Schulklasse, die mich nachher um Autogramme bestürmt hat, als wäre ich ein Popstar – für eine Viertelstunde.

Für sehr bekannte Autoren bilden sich bei Signierstunden gerne auch mal lange Schlangen. Wo sonst bekommen Fans, an einem Ort, ihre Autoren zu sehen? Und Verlage können den Autoren anlässlich der Buchmesse ihre Wertschätzung zeigen. Ich war dieses Jahr zu einem Autorentreffen in einem Leipziger Restaurant eingeladen und hatte meinen Fanmoment, als ich mit Kirsten Boje an einem Tisch saß. Und dann meinen Lieblingsmitarbeitermoment, als ich mich mit einer Kinderbuchlektorin unterhalten habe, die sich nicht nur mit den Alltime-Kinderbuchklassikern auskannte, sondern genau wie ich ein Superheldenfan und eine Gamerin ist. Yeah!

Was will man also mehr? Noch ein wenig durch die nächstlichen Straßen von Leizig streifen, vorbei an den Schirmen und Stühlen, den Lichtern und dann zurück nach Hause.
Zurück an den Schreibtisch, weiterschreiben, egal ob Blogbeiträge oder Bücher. Zurück mit neuen Büchern, die dann in ruhiger Atmosphäre verschlungen werden können.  Zurück an den Arbeitsplatz im Verlag – bis zur nächsten Messe. War doch nett, oder?

IMG_3259

In der nächsten Woche werde ich wieder über das Schreiben bloggen. Von der Idee bis zum Manuskript ist bei Exposé angelangt, das kann ich nicht so stehenlassen, denn jetzt wird es ernst :)

Wie wird aus dem Exposé ein langer Text, ein Manuskript, ein Buch? Es geht als erstes um die Frage, ob man beim Schreiben besser planen oder improvisieren sollte oder nicht beides genial kombinieren kann.

Mal sehen, ob wir dann auch wieder ein schönes Worksheet für euch basteln können. Wer die alten Worksheets gerne noch haben möchte, der schreibt sich am besten in unseren Newsletter ein, der immer in der Mitte des Monats zu euch kommt. Da gibt es für jedes freie Worksheet einen Link, so dass man auch die Worksheets der vorherigen Beiträge bekommen kann.

Bis nächste Woche – Ich freue mich auf euch!

Katrin

#redbugwriting #redbugpub

You Might Also Like

2 Comments

  • Reply Tintenelfe 23. März 2016 at 15:27

    Es hat mich sehr gefreut, euch zu treffen! Mein Fanmoment! So ein richtiges Gespräch ist eben unersetzlich und ich fand es sehr interessant. Gut, dass Katja gerade bei Facebook reingeschaut hatte und wir daher wussten, wo wir euch finden würden.
    Ich mochte die Leipziger Buchmesse schon immer sehr gern. Als Bloggerin kommt nun hinzu, dass man unheimlich viele Leute kennt. Das macht Spaß. Durch die Verlagskontakte komme ich allerdings viel weniger zu Lesungen und das finde ich schade.

    Liebe Grüße
    Mona

    • Reply Redbug Team 17. April 2016 at 19:35

      Hi Mona,
      sorry für die späte Anwort. Bzzzzzz, hier schwirrt es schon seit Wochen, manchmal merken wir ganz deutlich, wie klein unser Team ist :)
      Ja, auch UNSER Fanmoment. Ihr wart die ersten Buchbloggerinnen, die ich live getroffen habe! Es war sehr nett, sehr entspannt. Das machen wir wieder! Liebe Grüße auch an Katja!
      Katrin

    Leave a Reply