Was passiert in einem Verlag

Was passiert in einem Verlag – #5 Buchhandel

16. März 2016
Der Buchhandel

In Potsdam gibt es viele kleine Buchhandlungen, und alle werden von buchverliebten Enthusiasten geführt. Als AutoIn kennt man Buchhandlungen von Lesungen und natürlich als Kunde. Ich dachte mir, für diesen Blogbeitrag sollte ich mal vor Ort nachfragen, wie das so ist mit dem Verhältnis Buchhändler – Verlag. Victoriag1Und, ja, okay, auch wegen dem excellenten Kaffeee dort, fiel meine Wahl auf die Buchhandlung Viktoriagarten in PotsdamWest. Der Laden wird von Stefanie und Andrea geführt, die ich schon von einer 6×6 Veranstaltung kannte und grandioserweise hatte Stefanie spontan Zeit, meine Fragen zu beantworten.

 

Wie kommt ein Buch in den Buchhandel?

Für die Verlage sind nicht die Leser die Kunden, sondern die Buchhandlungen, bzw Buchhändler. Ich brauchte auch ein wenig, um das zu verstehen, zumal man ja auch ein Buch über Amzon kaufen kann. Aber nun, für die Verlage ist Amazon eben auch nichts anderes als ein großer Buchhändler. Buchhändler sind selbständige Unternehmer, die dem Verlag ein Buch abkaufen und es zu einem (vom Verlag) fesgesetzten Ladenpreis verkaufen. Sie erhalten 30-40 Prozent Rabatt, was bedeutet, dass sie diese Prozente an jedem Buch verdienen können. (Zur Erinnerung: Ein Autor verdient an jedem seiner Verlagsbücher 8-12 Prozent). Sollte sich das Buch nicht verkaufen, hat der Buchhändler die Möglichkeit, das Buch zurückzugeben. Das nennt sich Remission und bedeutet, dass eine BuchhändlerIn das Buch – zum Beispiel nach einem halben Jahr – zurückschicken kann und dafür den gezahlten Preis zurückbekommt. Ich weiß nicht, wie ihr das seht, aber für mich scheinen das ganz großartige Bedingungen für Buchhändler zu sein.

Verlagsvertreter

Bundesweit gibt es etwa 6000 Buchhandlungen an die im Frühjahr und Herbst gedruckte Verlagsvorschauen herausgehen. Stefanie hielt ihre Hand etwas in Hüfthöhe über dem Boden: So viele liegen unter meinen Schreibtisch und bei Andrea liegen noch mal so viel. Werden die gelesen? Jep. Aber eine größere Rolle bei der Beratung und dem Verkauf der Verlagsbücher spielen die Verlagsvertreter. Genau, die hatte ich letzte Woche schon erwähnt. Sie sind so etwas wie das persönliche Bindeglied zwischen Verlag und Buchhandel. Den Verlagsvertreter wird auf Vertreterkonferenzen das neue Progamm vorgestellt, mit dem sie dann (persönliche Terminvereinbarung) in die Buchläden gehen und die Buchhändlerinnen beraten. Einige sind richtige Experten. Sie kennen sich aus, das Programm der Buchhandlung, den Geschmack der Kunden, erzählt mir Stefanie. Wie wichtig sind die Cover? Sie lächelt. Sehr wichtig. Und zeigt auf ein Cover direkt vor uns. City on Fire wäre jetzt nicht unbedingt ihre Coverwahl. Aber der internationale Bestseller liegt dort natürlich trotzdem. Die Zahlen, die der Verlagsvertreter dann an den Verlag als Bestellung zurückmelde, hat auch Einfluss auf die Auflage.buch 3x3 2

Wie ist es denn eigentlich, wenn ein Verlag keine Verlagsvertreter hat? Hm, schwierig. Dannn liegt er wohl in dem hüfthohen Stapel mit seinem Buchangebot und muss hoffen, dass der Buchhändlerin eine Buchbeschreibung oder ein Cover gefällt. Denn ein guter Verlagsvertreter – ja! – liest die Bücher sogar, die er vertritt. Lest mal das Interview mit Verlagsvertreter Konrad Singer. Viele Verlagsvertreter bekommen ein Fixum vom Verlag, andere arbeiten auf Provision. Als Autorin frage ich mich natürlich, wie alle diese Gruppen am Buch mitverdienen können? Oder anders gesagt: Hier klärt sich, warum der Verdienstanteil des Autors nicht  viel mehr als die Mehrwertsteuer für gedruckte Bücher (7%) ist.

Die großen Filialisten

Klar, wir wissen es alle. Es gibt nicht nur die kleinen Buchhandlungen, sondern auch die großen Buchketten. Die sparen sich ganz gerne die Verlagsvertreter, denn sie haben sowieso nur vor, die gut laufenden Titel am besten stapelweise zu präsentieren. Verlage finden das sicher nicht schlecht. Trotzdem haben auch sie besorgt gesehen, dass das Kulturgut Buch immer weniger gewertschätzt wird. Damals waren diese Filialisten die Feinde der kleinen Buchläden  – und, ah, herrlich, einfach noch mal e-Mail für dich ansehen, da bekommt man einen guten Eindruck und eine süße Liebesgeschichte dazu. Heute ist der Feind wohl eher Amazon.

Wo kaufe ich mein Buch?

Man kennt das ja. Man will nicht zu Amazon sondern – unbedingt – in der Buchhandlung ein Buch kaufen, um den Buchhändler zu unterstützen und dann ist es nicht da. Aber keine Sorge, jedes Buch kann am nächsten Tag im Buchhandel sein, wenn es im Barsortiment vorhanden ist. Barsortiment, wieder eine Station – nämlich ein Großabnehmer von Büchern, der sie für die Buchhändler auf Vorrat hält – der für dei verlage wichtig ist und- mitverdient. Der Service ist in Deutschland grandios und weltweit einzigartig. Wir haben die größte Dichte von Buchläden. BuchhandelDie Diskussion um das Thema Buchhandel – Amazon wird sehr leidenschaftlich geführt, die Buchhandlungen fühlen sich ausgeschlossen, bedroht. Ich liebe besonders Kombi Buchläden. Mit Café, mit Lesecke. Ich kaufe im Buchladen, weil ich mich dort wohlfühle, nicht, weil ich ein Buch brauche. (Dann bestelle ich doch eher bei A.). Aber wenn ich mich in einem Buchladen entspanne, kaufe ich auch mal ein Buch, dass ich nicht brauche, das mir empfohlen wird, das mich inspiriert. Darum geht es auch.

Obwohl der Buchhandel sehr weit weg vom Verlag ist, spielt er für die Arbeit im Verlag eine große Rolle und der Kontakt wird gepflegt. Letztens hat mir jemand bei meinem Verlag erzählt, dass er halbjährlich Päckchen mit einer Auswahl, der vom Verlag besonders geschätzten Neuerscheinungen an eine sehr große Anzahl von Buchhändler – vorab – schickt. Diese Vorabexemplare für Buchhändler heißen Leseexemplare und sie werden weit vor dem Erscheinen des Buches extra gedruckt. Die Buchhänderln weiß dann schon, welche Bücher dem Verlag viel bedeuten. Letzten Herbst war ein Buch von mir in diesem Verwöhnpaket für Buchhändler. Jetzt bin ich natürlich gespannt, was das verändert und ob die BuchhänderInnne mein Buch mögen werden. Buchhändler sind ganz nah dran. Wenn sie schlechte Verkäufe haben, können sie an den Verlag zurückmelden: Das Cover war schuld oder Es war einfach zu teuer. Bei guten Verkäufen heißt es: Davon wollen wir mehr, so etwas lieben die Kunden. Bei all meiner Bewunderung für die Logarithmen von Amazon – das können die nicht.

Morgen mache ich mich auf zur Buchmesse nach Leipzig. Keine Lesung als Autorin, dafür Treffen als eBook Verlegerin und Autorin und … kreativer Mensch. Womit ich nächste Woche meine kleine Blog-Serie über die Arbeit in einem Verlag abschließe, könnt ihr euch sicher denken: Richtig, die Buchmesse.

Bis dahin eine schöne Woche, vielleicht sehe ich euch ja sogar auf der Messe …

Katrin

#redbugwriting #rbpub

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