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Wie veröffentliche ich mein Manuskript? #2 Einstieg in einen Verlag

18. November 2015
Wie veröffentliche ich mein Manuskript Einstieg in einen Verlag
Wo will ich mein späteres Buch sehen?

Vermutlich ist die wichtigste Frage, wenn man sein Manuskript veröffentlichen will, wo es hingehört oder wo man es (gerne) sehen möchte.

  • Auf dem Bestseller-Buchstapeln in den großen Buchhandlungen?
  • Beim Buchhändler um die Ecke in der Nische mit der Spitzenliteratur?
  • Unter den 100 besten Büchern in den Kindle Charts?
  • Auf der Plattform eines Verlages unter vielen anderen Titeln?
  • Auf der Website eines kleinen Labels mit wenigen Autoren, die einem alle ähnlich sind?

Nun, für jede der fünf Veröffentlichungsformen gibt es bestimmte Einstiegsmöglichkeiten. Allerdings ist es wie mit Bergen: manche sind leicht zu besteigen, einige schwer, manche scheinen unbezwingbar zu sein, andere erweisen sich als kleine Hügel.

Wie veröffentliche Verlag #3

Wo veröffentliche ich mein erstes Manuskript am besten?

Unsere Bewertung ist vereinfacht, hilft euch aber hoffentlich, eure Gedanken ein wenig zu klären. Heute geht es um den Einstieg in einen Verlag: Es hat sich ja sicher schon rumgesprochen, dass es nicht so einfach ist, an einen Verlag zu kommen. Doch es ist immer noch das Topziel für angehende Autoren. Was mache ich also, wenn ich mein Manuskript in einem Verlag unterbringen will? Die meisten werden am Anfang auf die Verlagswebsites gehen und dort auf den Link Manuskripteinreichung klicken. Dort steht dann vermutlich etwas wie: Lieber Autor, bitte sende uns eine Textprobe von etwas 20 Seiten, wir melden uns dann bei dir. Sollte uns dein Text gefallen, wollen wir mehr sehen, dann melden WIR uns. Es kann sehr lange dauern, bis wir uns bei dir melden, hörst du gar nichts von uns, sieh es als Absage an.

Was ist eine unaufgeforderte Manuskripteinsendung?

Schickt ihr ein Manuskript an den Verlag, nennt man das eine unaufgeforderte Manuskripteinreichung. Der Website-Text zählt nämlich nicht als Aufforderung. Er soll nur verhindern, dass hoffnungsvolle Autoren ganze, selbstgebundene oder handgeschrieben Bücher einsenden. Also denken die Verlage sich: Sagen wir besser schon mal vorab, was wir haben wollen, wenn jemand uns (unbedingt) unaufgefordert etwas schicken möchte. Habt ihr eure Textprobe an einen Verlag geschickt, heißt es warten. Es kann sehr lange dauern, bis wir uns bei dir melden. JA! Ein Jahr ist durchaus normal. Es kommt extrem selten vor, dass ein „unaufgefordert eingesandtes Manuskript“ angenommen wird. Wir kennen niemanden, bei dem so etwas geklappt hätte. Keinen. Und dafür wartet man. Auf eine kleine Chance.

Der Agent als Mittler

Und hier kommt ein Agent ins Spiel. Juhu, er verkürzt die Wartezeit. Für einen Autor, der noch nicht veröffentlicht hat, ist das vermutlich die wichtigste Funktion eines Agenten. Er schafft es, diesen nervigen Warteprozess nicht nur abzukürzen, sondern kennt Wege zu den richtigen Lektoren in den Verlagen, weiß überhaupt, was gerade gesucht wird. Er sagt euch: Dystopien sind out, sie (die Verlage) suchen gerade nach Büchern über Könige und Prinzessinnen, also schreib schnell, denn auch das ist bald wieder out. Okay, das ist ein wenig böse. Denn es ist natürlich toll, dass jemand, der sich auskennt, einem sagt, was da draußen in der Verlagswelt gerade los ist.

Ein Agent kann also nicht nur die Wartezeit verkürzen, sondern euch auch beraten, was die Verlage gerade an Stoffen so suchen. Sehr hilfreich! Aber macht euch keine falschen Vorstellungen. Es dauert eben, bis man im Verlag so weit ist, eine Entscheidung über einen Text treffen zu können. Verlage sind Ozeandampfer, sehr unbeweglich. Außerdem  gibt es mittlerweile eine ganze Menge Agenten da draußen, die Manuskripte unterbringen wollen und auch euer Agent schleppt garantiert nicht nur euren Text in die Verlage, sondern ist ständig mit vielen Manuskripten eurer Kollegen unterwegs. Und da es ihm grundsätzlich egal ist, welchen seiner Autoren er unterbringt, könnt ihr auch ganz unten auf seinem Stapel liegen.

Warum macht ein Agent Sinn?

Trotzdem macht ein Agent Sinn. Da wäre nur noch ein Haken: Es ist mindestens so schwer, einen guten Agenten zu finden wie einen guten Verlag. Also – wie finde ich einen guten Agenten? Auch der Agent will als erstes ein gutes Manuskript sehen. Meist komplett. Und wenn ihr Anfänger seid, müsst ihr euch genauso unaufgefordert bei ihm bewerben wie bei einem Verlag. Hier mal ein Zitat aus der  SZ: (Es) landen täglich zwischen zehn und 20 Manuskripte im Postkasten von Michael Mellers Agentur. „Da ist fast nichts dabei.“ Gerade mal fünf Manuskripte hat Meller in 24 Jahren aus der Papierflut ziehen können, die am Ende als Bücher gedruckt wurden.“ Uff! Wie kann das sein? Wo findet der Agent denn seine Autoren? Nun, wohl eher persönlich, auf Veranstaltungen, oder er wirbt sie einem Kollegen ab.

Was kann ein Agent?

Natürlich wollen Agenten lieber einen erfolgreichen Autoren vertreten, als einen Neuling aufbauen. Verständlich. Es gibt aber aus unserer Erfahrung auch eine frohe Botschaft: Wenn ihr einen guten Agenten gefunden habt, dann wird er euch sehr sicher irgendwann in einem Verlag unterbringen. Wenn er gut ist. Daher raten wir euch unbedingt euch bei einem guten, großen, erfahrenen Agenten zu bewerben. Am besten sieht man sich an, wen der Agent alles vertritt. Sind es viele erfolgreiche Autoren, hat man mit diesem Agenten die besten Chancen, in einen Verlag zu kommen.

Was bekommt ein Agent?

Der Agent arbeitet natürlich nicht umsonst. Für seine Arbeit und Vermittlung nimmt er auf Lebenszeit 15 % von all euren Einkünften aus dem vermittelten Buch. Wir wiederholen: Von all euren Einkünfte des vermittelten Buches müsst ihr auf Lebenszeit 15 % abgeben (und später eure Erben). Es nützt auch nichts, dem Agenten zu kündigen, vom vermittelten Buch stehen ihm trotzdem immer 15 % zu. Zudem wird er eine Sperrfrist in euren Vertrag einbauen, sodass ihr nach Kündigung zwei Jahre lang keine Verträge mit dem Verlag machen dürft, bei dem er euch untergebracht hat. Tückisch, oder? Wenn ihr dann noch bedenkt, dass ihr in einem Verlag überhaupt nur etwa 8 % vom Nettoladenpreis eures Buches bekommt, bzw. 25 %-30 % vom E-Book, und der Agent von dieser Summe noch 15 % abnimmt, dann solltet ihr euch gut überlegen, ob ihr einen Agenten wirklich und überhaupt braucht.

Aber genug mit der Rechnerei, wen interessiert das überhaupt, wenn er noch kein Buch veröffentlicht hat?! Diese Rechenspiele bekommen ein Extrakapitel. Heute geht es ja eigentlich um den Verlag und wie ihr dort euer MS unterbringt.

Wie finde ich den Einstieg in einen (renommierten) Verlag?
  • Schickt den Anfang eures Manuskript an alle großen Verlage und wartet. Auf Antwort.
  • Sucht euch einen Agenten, der eine große oder anerkannte Klientel hat. Macht mit ihm einen Vertrag, beratet und besprecht mit ihm eure Wünsche. Schreibt weiter, wartet ab. Es wird klappen.
  • Nehmt an einem Literaturwettbewerb teil. Mittlerweile gibt es auch für Schreibanfänger viele Wettbewerbe. Verlage schreiben sie aus, um direkt an talentierte Autoren zu kommen. So kommt ihr direkt an einen Autorenvertrag oder ihr könnt einen renommierten Preis als Einstieg bei einem Verlag benutzen. (Es versteht sich von selbst, dass das mehr als der Superdubi-Blog-Award sein muss).
  • Verkauft eine große Anzahl (ab ca 50 000 Stück) von E-Books als Selfpublisher.
  • Habt eine sehr große Followerschaft auf  You Tube.
Gibt es noch andere Wege?

Sicher. Viele Wege führen ans Ziel. Eine kleine Anekdote: Angeblich hat Hera Lind ihr erstes Manuskript 1988 auf der Buchmesse einfach einer der Fischer Lektorinnen in die Hand gedrückt und gesagt: „Das ist besser als Eva Heller!“ Für Hera Lind hat es geklappt, ohne Agent und lästiges Warten, hat sie so einen Verlagsvertrag bekommen. Auch ein Weg, auf den Berg zu kommen ;)

Nächste Woche: Einstieg in ein E-Book-Imprint eines Verlages.

Bis dahin – Cheers!

Eure Redbugx

#rbpub #redbugwriting

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