Der Fänger / The Catcher – Making of

Teer auf PapierDer Fänger

Das Fänger-Projekt startete 2008, als wir (Uwe und Katrin) beschlossen, gemeinsam ein Buch zu machen. Klar war, dass es Text und Bilder enthalten sollte, und dass wir diese Bereiche nicht aufteilen, sondern gemeinsam entwerfen wollten. So weit so gut … Überspringen wir das tagelange Brainstorming bei Cappuccino und Milchkaffee und die Zweifel. Irgendwann gab es die Idee, eine schon existierende Geschichte noch einmal neu zu erzählen. Und weil wir von Anfang an worldwide dachten, suchten wir uns eine Geschichte, die so gut wie überall auf der Welt bekannt war:

Der Rattenfänger von Hameln

In unserer großen Naivität dachten wir, nun müsse es schnell gehen. Die Geschichte musste ja nur nacherzählt werden und die Bilder… Doch wozu ist man Künstler, wenn man das Vorgefundene nicht weiter bearbeitet, verändert, weiterentwickelt. Und wie das so ist, verändert einen dieser Prozess auch selbst und dann erneut das bisher Erarbeitete. Viele Milchkaffees später gab es ihn dann: Den Fänger.

Die Graphic Novel

Wir fanden ihn gleich cool und richtig, aber er sah nicht gerade aus, als ob er Lust darauf hätte, Ratten aus Städten zu vertreiben. Und wer hat das schon … Trotzdem versuchten wir ihn in dieser Rolle zu sehen und mühten uns mit eher konventionellen Bild und Schreibversuchen. Bis klar wurde: Dieser Typ wird uns seine Geschichte erzählen, und sie wird anders sein, als alles was bisher erzählt wurde. Unser Rattenfänger ist kein naiver Spielmann, der sich an den Bürgern von Hameln rächt und erst die Ratten und dann die Kinder aus der Stadt lockt. Oder – wie dann gerne weiterinterpretiert: ein Nazi, der Menschen/Kinder zum Nationalsozialismus verführt.

der fänger_bongard Carow

Er war eher ein Freak und Künstler, der den Bürgern von Hameln mit seiner Flöte/Musik die Ratten vom Hals schaffte und dann für seine kreative Lösung/Arbeit nicht bezahlt wurde, da sie scheinbar so mühelos und einfach war. (Kommt das irgendjemanden bekannt vor?)

Wer ist der Fänger?

Mit der Neuinterpretation änderte sich auch der Stil radikal. Es gab mehr Interpretationsebenen also sollte es auch mehr künstlerische „layer“ geben. Erst arbeiteten wir mit farbigen Hintergründen, aber das Ergebnis erschien uns zu konventionell.

Wir wollten mehr Zeitbezug und arbeiteten mit Fotohintergründen für die Zeichnungen von Uwe. Und es ging auch nicht nur um einen Hintergrund. Das war uns auch klar. Denn ebenso wie eine Sage viele Quellen und verschiedene Überlieferungsstufen hat, wurde auch unsere Hintergründe vielschichtige. Die eingescannten Zeichnungen gestalteten wir schließlich ausschließlich am Computer. Uwe perfektionierte eine Photolayer-Technik die in Kombination mit seinen Zeichnungen zur Grundlage der Entwicklung unseres eigenen Bildstils wurde. Wir verabschiedeten uns von Papier, schafften ein zweites Wacom-Board an und arbeiteten ausschließlich auf dem Computer.

Teer und Farbe auf Papier
Bildebenen – Bedeutungsebenen
Die Bilder hatten manchmal in Photoshop bis zu 100 Ebenen und brachten unsere Rechner an die Grenzen der Speicherkapazität. Bei längeren Ladezeiten übte Uwe einfach mal Schlagzeug, Ungeduld wurde mit Systemabstürzen bestraft, in einer Pause kam dann aber auch gerne mal eine geniale Idee.
Wir entwickelten ein Arbeitssystem, bei dem die Bilder zwischen uns hin- und her-wanderten, so dass immer wieder neue Ideen und Ansätze in die Arbeit einfliessen konnten. Ob ein Bild wirklich fertig war, entschieden wir gemeinsam.
Die Geschichte folgte den Bildern und umgekehrt.
Wer erzählt hier eigentlich die Geschichte?
Der Fänger selbst? Wir hatten nicht das Gefühl, dass er uns unbedingt von dem Misserfolg in Hameln erzählen wollte. Außerdem ist er nicht besonders gesprächig. Die Bürger von Hameln? Nun, auch für sie war die Sache nicht gerade ein  Highlight ihrer Stadtgeschichte. Es blieben die Kinder. Der Rattenfänger hat sie mit seiner Musik aus der Stadt entführt? Mit Magie? Wirklich?
ComputergrafikIn der Sage heißt es: Alle Kinder wurden entführt. Nur drei kamen zurück: Eines war taub, eines blind, ein anderes hatte seinen Mantel vergessen (?). Alright. Es gab also Zeugen. Kurz, es war schnell klar, dass die Kinder die Geschichte erzählen mussten. Und das haben sie dann auch …
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