Junimond

Die Frage kam immer wieder auf: Was ist wahr in Junimond, was Fiktion. Vielleicht vorweg ein paar Aussagen, für die, denen das reicht:

  1. Die Gegend (Villengegend Potsdam/Babelsberg am Griebnitzsee) gibt es.
  2. Alle beschriebenen Häuser – bis auf das Haus von Frau Dohm – existieren. Bilder der Häuser findet ihr auf Pinterest im Mood Board zu Junimond.
  3. Alle Protagonisten in Junimond sind erfunden. also auch die Bewohner der Häuser.
  4. Alle historischen Schauspieler, Produzenten, Autoren, Nazis … gab es wirklich. Wie z.B.: Richard TauberMarika Rökk, Erich KästnerJoseph Goebbels, Magda Quandt, spätere Goebbels,
  5. Erfunden sind auch die Verwandten und Freunde der Protagonisten (Oma von Stella), wobei ihre Geschichte eine Stellvertreterfunktion einnimmt. Solche oder ähnliche Geschichten gab es.
  6. Alle historischen Ereignisse sind recherchiert und tatsächlich geschehen: Vermutlich besonders schockierend: Das Siechenheim, in dem Juden in Babelsberg gesammelt und in die Vernichtungslager geschickt wurden. Das hässliche, flache Gebäude auf dem Grundstück (wo früher das Siechenheim stand) ist zwischenzeitlich abgerissen worden. Es existierte noch, als Junimond geschrieben wurde. Der Gedenkstein, den Stella und Ares suchen, steht noch in Babelsberg.
  7. Die alte Garage, in der Ares und Nick Musik machen, gibt es – als Gebäude – aber es gibt dort keine Nazischmierereien.
  8. Es gibt eine Medienschule in Babelsberg.
  9. Stalin und Churchill haben in Babelsberg wirklich kurzzeitig gewohnt.

Und für alle, die es genauer wissen wollen: Wo fängt man an … Vielleicht erstmal bei der Gegend, in der Junimond spielt. Potsdam Babelsberg ist heute DER Filmort in Deutschland. Klar, das liegt an den Babelsberger- Filmstudios und ihrer langjährigen Filmgeschichte, die nach der Maueröffnung zu neuem Ansehen gekommen sind. Natürlich haben die Filmstars damals, die in Deutschland meist festangestellt bei einem Studio (UFA) gearbeitet haben, sich gerne in der Näher der Studios angesiedelt. Dieses Wohngebiet in Neubabelsberg am Griebnitzsee ist auch heute noch eine sehr exklusive Wohngegend, auch wenn hier – fast  – keine Filmstars mehr wohnen. 

Making of Junimond - Ein sonniges Buch über Freundschaft und Liebe

Quelle: Potsdam Babelsberg: Der spezielle Reiseführer, M. Schubert, W. Bernschein, 2005 Wolbern Verlag www.wolbern.de

Junimond Making of

Junimond – Ein sonniges Buch über Freundschaft und Liebe

Tortenstückartig – so wie Stella sie an die Tapete gemalt hat, sieht die Wohnsiedlung aus. Die roten Punkte zeigen damalige Wohnorte von Schauspielern, Künstlern etc. Die besten Villen natürlich nah am Wasser, dem Griebnitzsee. In der DDR Zeit verlief die Grenze in der Mitte des Gewässers. Wenn man die Gegend und ihre geschichtliche Entwicklung verstehen will, dann braucht man sich nur die Wechsel der Eigentumsverhältnisse der Häuser anzusehen. Ein gutes Beispiel ist die Villa Goldschmidt. Erster Besitzer war – wie Ares Vater erzählt – der  Theaterdirektor Adolph L’Arronge, danach erwarb der deutsch-jüdische Bankier Jacob Goldschmidt das Haus. Er floh bei der Machergreifung der Nationalsozialisten. 1939 wurde die Villa in eine Reichsführerinnenschule des Bundes deutscher Mädel (BDM) umgestaltet. Die Kampf-Rune oder Tyr Rune war eine Auszeichnung, die man auf den Reichsführerschulen bekommen konnte. (Ares und Nick finden das Bild der Rune in der alten Garage).

Oder: Den Wechsel der Straßennamen anzusehen: Die Karl-Marx-Straße hieß früher Kaiserstraße (wegen der Nähe zum kaiserlichen Schloss Babelsberg). 

Mich hat besonders interessiert, wie die verschiedenen Ebenen ineinandergreifen: Politik, Weltgeschehen, persönlich/biographische Geschichte, künstlerischer Werdegang. Viele fanden das Ende von Junimond zu offen. Nun, Geschichte ist offen, Geschichten sind offen. Selbst der Tod beendet ja nicht die Familiengeschichte und die Weltgeschichte schon gar nicht. Daher bleibt auch der Film von Ares, Olivia, Nick und Stella „nur“ ein Stückwerk, Impressionen und Eindrücke aus verschiedenen Lebenssituationen, die zusammen ein emotionalen Eindruck vermitteln. Ich habe Geschichte/Politologie und Kunstgeschichte studiert und mich hat besonders die Mentalitätsgeschiche fasziniert. Geschichtserzählungen sind von männlichen Bedürfnissen und Aktionen geprägt (Kriege, Eroberungen), aber was war sonst? Sind die Gewohnheiten der Menschen, ihre Lebensweisen, Träume, Ideen nicht genauso wichtig für unser das Leben, die Entwicklung, die Zukunft? Ich denke schon. (Katrin Bongard)

3 Comments

  • Reply Ira 25. September 2013 at 13:19

    Vielen vielen Dank für dieses ‚Making Of‘, das viele Fragen beantwortet hat, die mir seit dem Lesen im Kopf herumschwirren!
    Mich haben in Geschichte übrigens auch immer besonders die Menschen und ihre Situation, ihr Alltag und ihr Denken fasziniert. :-)

    • Reply Katrin 27. September 2013 at 17:54

      Hi Irina,
      gerne. Ich hätte da wirklich noch viel mehr schreiben können, wenn man anfängt zu suchen, dann findet man immer noch was. Aber dann wurde mir klar, dass es ja tatsächlich gar nicht so leicht zu sehen ist, was denn nun wahr und erfunden ist und habe ich mich beeilt, dieses Making Of in eine Form zu bringen. Hinzufügen kann man ja immer noch was …

  • Reply 19angelika63 19. Oktober 2013 at 17:29

    Hallo Katrin,

    ich finde diese Information auch sehr interessant und hätte sie mir als „Fußnote“ im Buch gewünscht. Werde diesen Link in meine Rezension mit einbauen, da es sicherlich einige interessieren wird.

    DANKE dafür.

    Liebe Grüße
    Angelika

  • Schreibe einen Kommentar zu Ira Cancel Reply