DIY-Donnerstag, Epub Insights

EPUB INSIGHTS #4 – RANDAUSGLEICH

12. April 2018

Howdy liebe AutorInnen und SelfpublisherInnen,

ein Beitrag über optischen Randausgleich in E-Books? Macht das Sinn? Ist man bei E-Books nicht sowieso dem Darstellungsmodus der unterschiedlichen E-Reader und den Vorlieben der Leser, die sich Schriftarten und Größen, Zeilenabstände und Randbreiten selbst einstellen, völlig ausgeliefert?  Und was ist optischer Randausgleich überhaupt?

Mit optischem Randausgleich ist der ästhetische Ausgleich der Spaltenränder in einem Textblock gemeint. Endet eine Zeile z.B. mit einem Trennstrich, einem Komma oder Punkt, wirkt der rechte Rand einer Seite optisch oft ausgeglichener, wenn diese Zeichen leicht über den Satzspiegel hinausragen.

Kommas und Trennstriche ragen über den rechten Textrand hinaus

Ähnliches gilt auch für den Zeilenanfang, wo manche Großbuchstaben wie z.B. das »W« oft über den linken Rand hinausgesetzt werden, um eine optisch ausgeglichene Linie zu erreichen. Mit modernen Textverarbeitungs- und -satzprogrammen wie InDesign lässt sich der optische Randausgleich automatisch einstellen.

Da bei E-Readern der Text flowable ist und sich ein optischer Randausgleich auch nicht per CSS steuern läßt, scheint es zunächst so, als wäre das Thema hier obsolet.

Mir ist aber in vielen Romanen aufgefallen, dass in dialoglastigen Passagen oft Absätze mit wörtlicher Rede und Absätze mit normalem Text schnell aufeinander folgen.

Je nachdem welche Anführungszeichen dort benutzt werden, kommt es zu kleinen unruhigen optischen Löchern.

Kleiner Exkurs zu Anführungsstrichen:

Beispiele für die Anwendung von Anführungszeichen in verschiedenen Sprachen.

  • ‘englisch’
  • “amerikanisch”
  • „deutsch“
  • »französische Guillemets, deutsche Anwendung«
  • « französische Guillemets »

Bei der französischen Schreibweise der Guillemets wird eine Leerzeichen zwischen Anführungszeichen und Text geschrieben. Bei allen anderen Beispielen steht der Text ohne Leerzeichen zwischen den Anführungszeichen.

Wird innerhalb eine wörtlichen Rede noch einmal zitiert, wechselt man in den meisten Fällen auf einfache Anführungszeichen. Nur die Briten machen es (nicht erst seit dem Brexit) anders. Sie wechseln innerhalb der wörtlichen Rede, dann auf doppelte Anführungszeichen.

  • ‘englisch “verschachtelt”’
  • “amerikanisch ‘verschachtelt’”
  • „deutsch ‚verschachtelt‘“
  • »französische Guillemets, deutsche Anwendung ›verschachtelt‹«
  • « französische Guillemets ‹ verschachtelt ›»

Obwohl in gedruckten Texten die Guillemets  die geringsten optischen Löcher verursachen, scheinen mir sie in E-Books besonders unruhig.

Guillemets in einer Line mit dem Einzug

Also habe ich versucht einen »optischen Randausgleich« nur für die eingezogen Abschnitte einzurichten, die mit einem Anführungszeichen beginnen.

Guillemets etwas nach links hängend

Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die Guillemets hängen fast unmerklich nach links und sorgen so für ein ruhigeres Bild.

Um diesen Einzug zu erreichen füge ich in der CSS eine weitere Klasse ein. Ich nenne sie .umbruch_2. Sie ist mit der Klasse für den normalen Zeilenumbruch .umbruch bis auf einen Wert identisch. Ich habe den indent Wert von 1em auf 0.9em reduziert.

Jetzt ordne ich allen Absätzen, die mit einem Guillemet beginnen, dieser neuen Klasse zu.

Das mache ich natürlich nicht händisch, sondern ersetze in meinem Text-Ordner im OEBPS-Ordner alle Codeschnipsel <p class=„umbruch“>&raquo; mit <p class=„umbruch_2“>&raquo;

Bis in vier Wochen, wo es um die Anwendung von italics gehen wird.

Bis dahin, steht auch mal vom Rechner auf und genießt die Sonne.

Uwe

 

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply