Cover Secrets, DIY-Donnerstag

Cover Secrets #3 Grundlagen

22. März 2018
Grundlagen oder wie man ein Cover selbst gestaltet

Diesmal geht es nun um die konkrete Gestaltung eines Covers. Zuerst – die Grundlagen. Cover werden heutzutage am Computer gestaltet, aber es kann nicht schaden, ein Cover mit Hand von Grund auf zu basteln, um einen Eindruck von der Arbeit und der Wirkung zu bekommen. Außerdem erkläre ich ein paar Begriffe und zeige euch einen Aufriss, also eine Vorlage, mit der Cover gestaltet werden.

Cover-Mitbestimmung

Vor vier Wochen habe ich euch erzählt, wie wichtig es mir war, das Cover des zweiten Bands der Radio Gaga-Trilogie mitzugestalten. Ich weiß, ganz besonders seit ich selbst Bücher verlege, dass ein Autor, der sich in die Gestaltung seines Buches einmischt, sehr nervig werden kann. Doch ich gebe nie auf, bis ein/e AutorIn ganz zufrieden ist. Das finde ich wichtig und möchte euch sehr dazu ermutigen, euer Buchcover – egal ob im Verlag oder selbstveröffentlicht – als eine wichtige Sache und Teil einer künstlerische Einheit anzusehen. Ihr habt (hoffe ich) einen besonderen, persönlichen Text mit einer interessanten Handlung und besonderen Charakteren erfunden. Das Cover sollte ebenso besonders sein. Es ist nicht egal und es sollte nicht (nur) eine Frage des Marketings oder der Zielgruppe sein. Denn wenn Inhalt, Verpackung und das Wesen der AutorIn gut aufeinander abgestimmt sind, dann ist dies für den Verlag, die AutorIn und die Leser gut.

Im besten Fall ergeben Cover und Inhalt, sowie eure Autoren-Persönlichkeit eine Einheit. Einer Autorin, die punkig/rockig/alternativ ist, ein rosa Cover zu verpassen – ist einfach nicht vernünftig. Und auch nicht nötig. Nach den Erfahrungen mit den ersten – wie ich fand – viel zu süßen Covern meiner Trilogie, beschloss ich dem Verlag Covervorschläge zu machen. Am Anfang wollte ich nur gehört werden und in eine offene Diskussion um Motive und Gestaltung treten. Später dann das Cover selber gestalten. Mein (Leidens-)weg ist in dieser Sache nicht gerade vorbildlich. Als Künstlerin weiß ich, dass ich einen guten Geschmack und ein Verständnis von guter Gestaltung habe. Doch ich war damals auch sehr naiv und wusste viel zu wenig über die technische Seite der Covergestaltung. Von meinen Fehlern könnt ihr nun profitieren ;)

Was ihr nicht braucht

Ich dachte – supernaiv – ich müsste das Foto für mein Cover selbst machen. Okay, klar, ich wusste, dass es Stockfotos gibt, die man einkaufen kann, aber die waren fast alle erschreckend platt und werbig. Da die zwei vorherigen Cover Foto-Motive hatten, wollte ich ein passendes drittes Cover – mit Foto. Heute würde ich sagen: Egal, was ihr macht, nehmt nur eigene Fotos, wenn es sofort passt und funktioniert. Und dann am besten auch nur Teile des Fotos.

Warum? Ein gutes Fotos zu machen ist aufwendig und teuer. Und ein Cover ist eine relativ kleine Fläche auf der zudem noch sehr viele Informationen untergebracht werden müssen wie Titel und Autorenname und Verlagsbadge. Von eurem Fotos wird nicht sehr viel übrigbleiben. Bedenkt außerdem, dass das Cover in der Amazon- und anderen Onlinevorschauen nur noch ein winziges kleines Rechteck ist, auf dem nicht mehr viele Details zu erkennen sein werden.

Ich war nicht so schlau, habe „Models“ bezahlt (!) und einen ganzen Tag lang ein Fotoshooting gemacht. Ich bin erst in die Berliner Pampa und dann zum letzten verbliebenen Wachturm in Berlin gefahren. Okay, ich habe für mein Cover gekämpft – und das bereue ich nicht.

Learning by doing

Ich hatte also Fotos – aber damit noch kein Cover. Wenn ich eine Ausstellung mache, muss ich Kunstwerke und Installationen im Raum sehen, um zu wissen, ob sie funktionieren. Also habe ich Dummies gebastelt (lacht da wer?). So lächerlich das vielleicht sein mag, ich habe so zum einen meine Verlegerin überzeugt, zum anderen sofort ein Gefühl für die verschiedenen Flächen und Gestaltungsaufgaben bekommen. Im Grunde kann ich diese Methode empfehlen. Im Verlag ist es ja auch so: Ein Coverentwurf wird ausgedruckt und im Ganzen beurteilt, bevor er zu einem Cover wird.

Hier seht ihr einen Teil (!) meiner Stimmungscover. Klar, weder in der Belichtung perfekt, noch im Look. Ich habe damals einfach Farbkopien gemacht, denn ich wollte das „Buch“ mit dem neuen Cover irgendwo hinlegen können, es ansehen, es optisch testen.

Finally!

Ich habe hart gekämpft und den Cover-Auftrag tatsächlich bekommen, was mir im Nachhinein ziemlich großzügig vom Verlag vorkommt. Das Geld für den Auftrag war mir egal und im Grunde auch schon für die Models ausgegeben. Zudem verlangte der Verlag, dass ich eine fertige Datei mit QuarkXpress erstelle und die Anschaffung dieses Profiprogramms kostete noch einmal ebensoviel wie ich für den ganzen Auftrag bekommen sollte.  Also – wie war das noch mal mit der Wurst an der Nase?

Ich erspare euch jetzt mal die bestimmt 100 Entwürfe, die ich per Mail an meine Lektorin geschickt habe, bis wir uns auf ein Cover-Motiv einigen konnten. Stattdessen skippe ich zu dem technischen Teil und der Arbeit, die mich von einem kompletten Laien in sehr kurzer und intensiver Zeit zu einem – nein, nicht Profi -, sagen wir: einer Coverkünstlerin gemacht hat. Letztendlich ist das Cover dann übrigens ganz anders geworden, als ich dachte. Auch eine Lektion, die ich für spätere Arbeiten mitgenommen habe: Nie zu schnell festlegen!

Und ich bin noch heute zufrieden. Ich mag das Graffiti im Hintergrund, die Farben, die gleichzeitig das Thema des Bandes (Neonazis) aufnehmen, die grafischen Farbflächen und den entspannten Gesichtsausdruck von „Rocco“.

Grundlagen in der Covergestaltung: U1 bis U4

Für das Rocco-Cover gab es eine Fotovorlage, aber ihr seht vermutlich, dass ich einige Tricks angewendet habe, um das Foto zu verändern. Photoshop und was man alles an einem Bild verändern kann – erkläre ich in einem späteren Blogartikel. Auch, warum die Schriftart nicht zu den anderen Covern passt. Jetzt weihe ich euch ersteinmal in ein paar Begrifflichkeiten ein, mit denen sich Coverhersteller und Designer verständigen, wenn sie über Buchumschläge sprechen.

U1 : Wird die Fläche genannt, die wir normalerweise als das Cover bezeichnen.

 

 

 

U2: Schlagen wir das Buch auf, ist die Gegenseite des Covers die U2. Zumeist wird diese nicht groß gestaltet. Manchmal ist es einfach nur eine farbige oder weiße Fläche.

 

 

 

U3: blättern wir nun dsas ganze Buch durch, dann kommen wir an die U3, die Innenseite der Rückseite. Hat das Buch einen Umschlag oder ist eine Klappenbroschur, findet sich hier oft ein
Foto der AutorIn.

 

 

U4: Buch zugeschlagen, wir sind an der U4 oder Rückseite des Buches angelangt. Hier steht in der Regl ein kurzer Text über den Inhalt des Buches.

Ach ja, und dann gibt es noch die SPIN. Das ist der Buchrücken, auf dem sich fast immer noch einmal der Titel des Buches und der Name der Autorin finden.

 

 

Aufriss

Nun ist klar, wie was heißt, und ihr könnt gestalten. Und zwar am Computer. Doch halt – welche Maße? Die erhaltet ihr von der Herstellung im Verlag oder als Selfpublisher von Amazon/Tolino … Es sei denn, ihr druckt selbst, entscheidet also über das Format eures Buches.

Wichtig zu wissen:  Der Umschlag muss sich dem Entwurf des Buches anpassen und nicht umgekehrt. Heißt, zuerst wird das Format des Buches festgelegt, ob es ein Hardcover, eine Klappenbroschur oder ein Taschenbuch wird und wie dick es ist. In meinem Fall musste man sich natürlich auch nach dem Format der Vorgängerbände richten. Da der Umschlag in einem Stück gedruckt wird, bekam ich die Maße in einem Aufriss von der Herstellung und das sah dann so aus:

Grundlagen

Tja, nur noch Farben, Bilder und Text einsetzen. Ganz einfach, oder? Für einen Profidesigner vermutlich schon, daher erklärt sich auch die eher geringe Bezahlung für eine normale Covergestaltung (um 500 Euro). Für mich war das dann schon etwas aufwendiger. Ich habe vermutlich 10 x so viel Zeit wie ein Profi gebraucht – und viel gelernt. Weitere Schritte und Tipps erkläre ich euch dann in vier Wochen.

Ach, und – ihr müsst euch nicht unbedingt ein teures Profi-Programm wie QuarkXpress anschaffen, um ein Cover zu gestalten.

Fragen und Anmerkungen gerne in die Kommentare.

Bis bald ;)

Katrin

#redbugwriting #covergestaltung #grundlagen

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