7 Tipps für einen guten Schreibstil

7 Tipps für einen guten Schreibstil #5 Originalität

31. Januar 2018
Originalität
Originalität

Nothing is original. Steal from anywhere that resonates with inspiration or fuels your imagination. (Jim Jarmusch)

Ja, das stimmt wohl. Und der Versuch, etwas ganz Neues und Originelles zu schreiben, ist vermutlich auch gar nicht der richtige Ansatz. Denn wenn man ganz gewollt anders sein will, dann ist man meist nur das – anders. Aber eben nicht mehr. Nicht wirklich gut oder grandios oder man selbst. Und ich denke, darum sollte es gehen. Originalität heißt für mich: Meinen ganz eigenen Schreibstil zu entwickeln.

Aber klar, es war alles schon irgendwie mal da. Wir haben eine Sprache, wir benutzen die gleichen Worte und Wortwendungen. Daher beschäftigt mich die Frage: Wie flechten gute Autoren die Worte, bauen Sätze neu, finden einen eigenen Rhythmus?

It’s not where you take things from – it’s where you take them to. (Jean-Luc Godard)

Das Gegenteil von originell

Manchmal weiß man nur, was man nicht will. Und erkennt einen schlechten Stil an abgenutzten Wortwendungen, Formulierungen und Phrasen.

Damals, als ich sehr aktiv als Drehbuchautorin unterwegs war, hat mich jemand mal gefragt, ob ich nicht für eine Serie schreiben will. Daily Soaps suchten damals dringend Autoren. Ich habe also bei einer Autorin, die in dem Bereich gearbeitet hat, Rat eingeholt. Und sie hat mir dringend abgeraten, für eine Daily zu arbeiten: Du wirst nicht besser in deinem Schreiben werden. Im Gegenteil. Da sind nur Worthülsen gefragt. Immer die gleichen Formulierungen.

  • Wir müssen reden
  • Er schwor Stein und Bein
  • Sie weinte bitterlich
  • Er schlug sich tapfer
  • Sie arbeiteten unermüdlich
  • Tränen rannen über ihr Gesicht
  • Sie arbeiteten Tag und Nacht
  • Er lächelte verschmitzt
  • Er streichelte sie zärtlich
  • „Geh nicht!“
  • „Wir müssen reden!“
  • „Für dich würde ich alles tun.“
  • „Du wirst noch von mir hören!“
Phrasen, Gemeinplätze und Redewendungen

Eigentlich ist es ja genial, dass wir viele Redewendung, stehende Wendungen, feste Ausdrücke, Phrasen und Floskeln haben. Da weiß man mit wenigen Worten sofort, was gemeint ist:

  • „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“
  • „So kommst du nie auf einen grünen Zweig.“
  • „Das kannst du dir abschminken!“
  • „Veranstalte hier bitte keinen Affenzirkus!“
  • „Du weißt ja, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“

Aber ein guter, ein origineller Stil ist das nicht. Und soll es auch nicht sein. Eine Soap darf nicht anecken, nicht aufrütteln. Sie soll möglichst das servieren, was man schon kennt. Vertraut sein. Bei den Sätzen oben sehe ich die Soap-Schauspielerin aufgeregt in den Raum stürmen. In meiner Vorstellung hat sie einen Hut auf und ist – empört! (Auch so ein Wort, dass mit Vorsicht zu gebrauchen ist). Wer sich nicht sicher ist, hier findet ihr eine Liste von Redewendungen. In – nun – nicht besonders guten Serien oder Büchern fliegen einem diese Wortfloskeln ständig um die Ohren (und auch das ist eine Redewendung). Ich merke gerade: Wenn man ersteinmal angefangen hat, in diesen Redewendungen zu denken und zu schreiben, dann kann man gar nicht mehr aufhören. Help!

Was bedeutet: Originalität
  1. die Eigenschaft, dass etwas besonders und ungewöhnlich ist.
  2. Reichtum an neuen und interessanten Ideen
Originalität

Pablo Picasso Drei Tänzerinnen 1925

Bücher sollten im guten Sinne originell sein und auch ich als Autorin in meinem Schreiben. Dafür muss ich Ideen finden, die noch nicht da waren, verbrauchte Wortwendungen neu beleben. Die Herausforderung ist, Handlungen, Situationen und Dialoge auf eine neue Weise zu schreiben. Dinge und Personen auf neue Weise zu be-schreiben. Das ist schwer und Mut braucht man dafür auch. Denn einen originellen Stil zu finden, heißt, die vertrauten Wege zu verlassen.

Wie wird man originell?

Originell ist das, was heraussticht und oft möchte man das gar nicht: Auffallen. Auch die Leser sind meist nicht begeistert von Sprach-Experimenten. Originell kann schnell verschroben, merkwürdig und ver-rückt werden. Ebenso ist zu wenig Originalität langweilig und öde. Die richtige Balance zu finden ist die Kunst.

Wenn ich das Gefühl habe, mein Sprachstil wird langweilig oder unaufregend, dann lasse ich mich durch gute Sprache und guten Stil inspirieren. Sehe ein gutes Theaterstück, einen guten Kinofilm, lese die Klassiker. Ebenso wichtig ist es dann für mich, mich von schlechten Büchern und Filmen und Soaps und Menschen, die nur in Worthülsen reden, fernzuhalten. Wie gesagt, es färbt schnell ab. Der ultimative Tipp ist also mal wieder, mehr gute Bücher zu lesen.

Pablo Picasso The Lovers 1923

Wenn Jarmusch sagt: „Steal!“, also klaue, dann meint er genau das: Hol dir Ideen bei guten Künstlern. Was er sicher nicht meint (und auch nicht tut), ist kopieren. Also Ideen eins zu eins übernehmen. Abschreiben. Es gibt einen schmalen Grat zwischen nachahmen und transformieren. Für den Lernprozess kann Nachahmen sinnvoll sein, aber nie für das Endergebnis. Zeichner lernen ihren eigenen Stil, indem sie Gegenstände zuerst so realistisch wie möglich abzeichnen. Und wenn sie das Handwerk beherrschen, müssen sie es frei interpretieren. So entsteht langsam ein eigener, origineller Stil.

Pablo Picasso Die Lesestunde 1932

Der Mut, anders zu sein

Künstler wachsen. In Picassos Fall werden viele vermutlich sagen: Der alte Stil gefällt mir besser. Doch hätte Picasso mit seinen alten, noch sehr konventionellen Bildern, nichts Neues in die Welt gebracht. Als Schriftsteller muss man sich daher auch daran gewöhnen, dass besser zu schreiben manchmal bedeutet, von weniger Lesern verstanden zu werden. Originalität am Anfang als „verrückt“ bezeichnet wird.

Auch wenn wir ständig auf der Suche nach „Neuem“ sind fühlen wir Menschen uns beim Altvertrauten oft am wohlsten. Das ist die Krux. Für die Autoren, genauso wie für die Leser. Ich möchte euch trotzdem ermuntern, euren eigenen, originellen Stil zu finden. Nicht nur, weil ich einen guten Stil für wichtig halte, sndern vor allem, weil ihr nur so verhindern werdet, dass eure Bücher schnell gelesen und ebenso schnell wieder vergessen werden. Wer nichts wagt – gewinnt. Klar, man kann ebenso leicht auch mal daneben greifen, Fehler machen, zu auffällig werden. Doch ich finde, das ist besser, als zu verblassen.

Nächste Woche gehe ich noch etwas weiter heran an den Text. Mit der Lupe sozusagen. Es geht um – Details. Genauer gesagt: Worte. Denn es sind nicht nur Formulierungen und Sätze, die einen guten Stil ausmachen, manchmal können winzige, kleine Worte alles verändern.

Bis dahin

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting

 

 

You Might Also Like

3 Comments

  • Reply Roland 7. Februar 2018 at 09:13

    Hi Katrin
    sehr originelle Ausleuchtung zum Thema Orginalität (grins). Und guter Fokus auf dem Balancieren des schmalen Grat zwischen ‚abgedroschen‘ und “verschroben‘ und vielleicht auch als ‚verrückt‘ zu gelten. Wobei ich persönlich es liebe, verrückt zu sein. Also nicht an einem gewöhnlichen Platz im Leben, wo einem der mainstream der Massen gerne hinstellen wollte. Denn nur wer eine persönliche Erfahrung von verrückten Ereignissen und Geschehnissen im Leben hatte – hautnah möglichst, der wird auch verrückt schreiben können – was zu mindestens Interesse erweckt. Das ist schon was. Ansonsten bin ich aber doch der Meinung, dass es mehr um Inhalte gehen sollte als um die Ausformung der beschreibenden Worte. Wer um einen nicht gewöhnlichen Ausdruck bemüht ist, der kann ja immerhin ein Synonymen-Lexikon zu Rate ziehen – auch um des Stiles willen.

    Es ist immer wieder eine Freude deine Beiträge zu lesen – das ist schon sehr viel!
    Roland

    • Reply Katrin 7. Februar 2018 at 12:37

      Danke, Roland,

      Ein verrücktes Leben – das sollte ein tolles Buch geben!
      Weniger meins sind die Geschichten von Autoren, die im Grunde nie ihr Schreibzimmer verlassen oder ihren Elfenbeinturm oder was auch immer und die nur noch am Schreibstil feilen. Der klingt dann oft nicht mehr nach Leben und ich frage mich dann: Worum geht es überhaupt beim Schreiben? Für mich ist es immer noch eine Form von Kommunikation. Wenn man dann nur noch die Literaturkritiker erreicht – finde ich merkwürdig. Elitedenken in Bezug auf Kunst sowieso unangebracht. Kunst ist ein „schmutziges“ Geschäft. Da muss man sich schon mal die Finger dreckig machen, um an die wirklich interessanten Themen zu kommen ;) Aber das weißt du ja.

  • Reply Roland 7. Februar 2018 at 15:56

    Du sprichst gelassen aus was ich (meistens) bei den jungen, sich zum Schreiben berufen fühlenden denke: Worum geht es denn überhaupt? Was hat man zu sagen , ‚first‘ und dann hinterher noch: wie sage ich das! Wenn‘ s was Interessantes ist – und sei es auch aus der Schmuddelecke des Lebens – dazu noch stimmig im Jargon geschrieben, dann wird das auch gerne gelesen. Wobei ich jetzt nicht sagen will, nur die dunklen Seiten des Lebens und Erlebens sind interessant – aber darüber schweigen die Etablierten, die Politiker, die Profiteure am liebsten. Und die Eliten sind deren Lieblinge, darum möchte ich hier dein Elitedenken in Bezug auf Kunst so ziemlich auf alle Elitenbereiche ausweiten. Es ist unangebracht. Die Menschheit plagen ganz andere Sorgen und solange die Eliten, die dafür das geistige Rüstzeug hätten, hier wenig zur Verbesserung beitragen sollte das die Kunst tun: Aufklärend, anprangernd, versöhnend. In Bild, Ton und Schrift. Das ist die Aufgabe auch der Literatur – und JAAA : Kommunikation! Anscheinend sind in Zeiten des smartphones die Diskutierfreude und Meinungsaustausch abhanden gekommen oder zu Kürzeln verkommen. Sehr schade.

    Roland

  • Leave a Reply