7 Tipps für einen guten Schreibstil

7 Tipps für einen guten Schreibstil #4 Klarheit

24. Januar 2018
Klarheit

Mir fällt auf, dass ich Worte benutze, die sonst eher nicht im Zusammenhang mit Stil gebraucht werden. Also im letzten Beitrag Rhythmus und heute Klarheit. Und das ist Absicht. Mein Stil sozusagen. Aber es gehört auch zu einem guten Stil, sich verständlich auszudrücken, so dass andere verstehen, was man meint. Genau das ist Klarheit. Drück dich so aus/schreib so, dass dem Leser klar ist, was du meinst, was du sagen willst. Und mache es vor allem dir selber klar, denn wenn es dir nicht klar ist, wie soll der Leser dich dann verstehen?

Klarheit ist die fette Überschrift zu ganz vielen Baustellen in einer Geschichte/einem Text. Was sollte ganz klar sein:

  • die Story
  • die Wortwahl
  • die Handlungen der Protagonisten
  • Gefühle der Protagonisten
  • das Setting,
  • die räumliche und zeitliche Einordnung
  • der Übergang der Szenen
  • die Diaologe
Wann ging die Klarheit verloren?

Irgendwann, ganz früher als kleine Kinder, haben wir einfach Sätze geschrieben. Ich habe dich lieb, Mama. Ich bin draußen. Warte nicht auf mich. Komme später. Die waren verständlich. Nun gut, das waren Sätzchen, die wir auf Zettelchen geschrieben haben. Aber waren sie nicht wunderbar? Die ersten Aufsätze oder Tagebucheintragungen mit – sagen wir – 10, waren dann schon länger, aber auch ganz einfach und klar: Gestern war ich in der Schule. Es war sehr heiß. Inga war echt gemein zu mir. Sie hat mich zweimal an den Haaren gezogen. Ich mag Inga nicht. Perfekt.Klarheit

Und dann kam – die Pubertät, das Erwachsenwerden, der innere Zensor, das Gefühl, wenn ich ein gutes Buch lese, dann hört sich das alles doch viel komplizierter an. Und so entstanden dann Sätze wie: Betrübt mit dem Gedanken ringend, ob ich zu ihm gehen oder besser zuhause bleiben sollte, da es doch so wichtig für mich war, meine Unabhängigkeit zu wahren, entschied ich mich … what the fuck! Es gibt Autoren, die so Literatur machen. So kompliziert und um die Ecke gedacht. Vielleicht wird das irgendwann mal euer Stil. Aber vorher ist es gut, sich darüber klar zu werden, was man meint und will..

Erkennen von Unklarheit

Das Schwierigste ist, die Stellen im Text zu erkennen, an denen man sich unklar ausgedrückt hat. Dafür gibt es Lektoren, stimmt. Das Problem ist nur: Wenn man sich nicht klar und deutlich ausdrücken kann, wird man wohl kaum zu einem Verlag und einem Lektor finden. Nun, zum Glück ist Klarheit etwas, das man lernen kann. Ich mache das ja nicht sehr gerne, also schlechte Texte schreiben, aber hier scheint es mir der beste Moment für ein Beispiel zu sein:

Eleonorella schob energisch die Tür auf und sah sich ängstlich in dem großen Saal um. Ihr Blick wurde wie magisch zur Wand gezogen, an der ein Schild und ein großes Schwert hingen. Das Schwert ihres Großvaters! Mit dem er gegen die Moorschrate gekämpft hatte und das nach seinem frühen Tod in der Endloskammer verschwunden war. Ein Seufzer entfuhr ihr und eine Träne suchte sich einen Weg ihre Wange hinunter. „Wer bist du?“, hörte sie eine Stimme und fuhr zusammen. In der Tür stand der Schattenfürst. Hinter ihm lauerten zwei Soldaten mit Lanzen und sahen bedrohlich zu ihr ….

Klarheit schaffen

Und jetzt – geht es an die Auf-klärung. Was sollte geändert werden:

  1. Unklare Haltung/Stimmung: Elenorella schiebt energisch die Tür auf, sieht sich ängstlich im Saal um. Mal abgesehen davon, dass wir nicht verstehen, warum sie den Raum erst energisch betritt und sich dann ängstlich umsieht (was ist dazwischen passiert, was hat ihre Haltung geändert hat?), wird das ängstlich auch nicht weiter erläutert. Wieso ängstlich?
  2. Aktiv statt Passiv: Ihr Blick wurde … zur Wand gezogen: Passivformulierungen machen Texte umständlich und schwer. Manchmal glaubman, die Formulierung wäre schöner, kunstvoller, doch ein guter Lektor wird hier erbarmungslos zuschlagen: Statt: Ihr Blick wurde zur Wand gezogen (Passiv) sollte man besser aktiv formulieren: Sie sah zur Wand.
  3. Unklarer Ort: Der Saal bleibt unbeschrieben und damit unklar in der Vorstellung des Lesers. Das einzige, was man von einem Saal weiß, nämlich dass er groß ist, wird erwähnt und ist – überflüssig.
  4. Unklare Beobachtung: Woran erkennt E., dass das Schwert von ihrem Großvater ist? Ist die Information: „mit dem er gegen die Moorschrate gekämpft hat“ hier irgendwie wichtig? Fällt ihr das tatsächlich ein, wenn sie ängstlich ist und offenbar vor etwas Angst hat? Erneut: Vor was hat sie überhaupt Angst?
  5. Unklare Gefühle: Ein Seufzer entfuhr ihr (weshalb? Trauer, Mutlosigkeit?)
  6. Unklare Erzählperspektive, falscher Fokus: Eine Träne suchte sich einen Weg. Nein! Der Leidensweg der Träne die Wange hinunter führt den Leser in diesem Moment zu weit weg von der Haupthandlung.
  7. Unklare Situation:  … hörte sie eine Stimme. Woher? Wie lange stand der Schattenfürst schon in der Tür? Welche Tür? Gegenüber? Wenn er gerade hereingekommen ist, müsste sie dann nicht erst die Tür aufgehen hören? Wie kann sie die beiden Soldaten im Hintergrund (hinter ihm?) erkennen? Wie weit ist die Gruppe überhaupt weg?
  8. Unpräzise Wortwahl: Ist Soldat hier wirklich die beste Wahl, da es offensichtlich eine Fantasy- Geschichte ist?
Klare Formulierung – klare Gedanken

Schuld an einem unklaren Schreibstil sind oft die Gedanken und (Vorstellungs-) Bilder, die man vor dem Aufschreiben nicht gut genug ge-klärt hat. Nun will ja niemand einen Text, der sich wie eine Gebrauchsanweisung oder eine Wegbeschreibung anhört. Das wäre ein anderer Fehler, aber trotzdem muss euch als Autoren immer ganz klar sein:

  • Wer ist mein Hauptcharakter? Um wen geht es in der Geschichte?
  • Wer spielt die HR in diesem Kapitel, in dieser Szene?
  • Was will ich in der Szene beschreiben?
  • Ist der Ablauf der Szene klar? Was kommt zuerst, was später?
  • Wird klar, wer, wann, wo und wie handelt?
  • Wer ist aktiv, wer passiv in der Szene?
  • Wie fühlen sich die Protagonisten?
  • Wie ist der Ort? Erkläre ich den Ort/Raum gut und verständlich?
  • Im Dialog: Wird klar, was meine Protagonisten sagen wollen?
  • Stimmt die Wortwahl? Kann ich das besser präsziser, genauer sagen?
Erst Nachdenken, dann schreiben

Es gibt zwei Phasen oder Punkte bei einem Schreibprojekt, in denen Klarheit sehr wichtig ist: Am Anfang und am Ende. Dazwischen kann gerne das kreative Chaos herrschen (und ich bin das beste Beispiel dafür).

Am Anfang ist es wichtig zu wissen:

  • Was will ich schreiben?
  • Welches Genre?
  • Welche Erzählperspektive?
  • Welche Erzählzeit?

Wenn man sich – zum Beispiel – über die Erzählperspektive nicht klar ist, dann kann es passieren, dass man ständig die Perspektive wechselt, ohne es richtig zu bemerken. Ist es gewollt – wunderbar. Aber wenn nicht, sollte man VOR dem Schreiben darüber nachdenken. Vor dem Projekt viel nachzudenken und Klarheit in seine Gedanken zu bringen, erspart viel Frust während des Schreibens und beim Überarbeiten später.

Nach dem Schreiben – Klären
Klarheit

Nachdem die erste Fassung fertig ist, geht es an die Überarbeitung. Dazu habe ich zwei andere Blogartikel geschrieben und eine Checkliste gemacht, denn eine Überarbeitung ist fast noch wichtiger, als den Text zu schreiben. Okay, sie ist auf jeden Fall wichtiger. Sehr viele Texte werden erst nach der Überarbeitung zu guten Texten, erhalten erst dann einen typischen und guten Stil. Also keine Panik, wenn zwischendurch alles noch holprig oder ungenau ist, das kann alles noch werden. Die frohe Botschaft: Je öfter man diese Überarbeitungsprozesse durchmacht, desto angenehmer werden sie. Und – ihr schafft das!

Nächste Woche gehe ich noch weiter heran an den Text. Es geht um – I love it – Originalität und zwar in den Formulierungen und der Sprache.

Ich freue mich wie immer über Fragen und Kommentare. Nicht nur, aber immer wieder gerne auch von Dir, Roland.

Bis dahin – good work!

xoxo

Katrin

#rbpub #amwriting #redbugwriting

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