7 Wege ein Buch zu schreiben

7 Wege ein Buch zu schreiben #6 Mit Planung

11. Oktober 2017
Planung_Katrin Bongard
Buch nach Plan

Ich habe ja eigentlich schon sehr oft darüber geschrieben. Also wie man sein Buch dramaturgisch durchplant oder wie man sich einen Arbeitsplan erstellt, um sich nicht immer ablenken zu lassen.Und jetzt kommt sozusagen der Masterplan. Ein Buch, das man komplett durchplant, von der Idee bis zu den Schreibzeiten. Um es gleich zu sagen: Es ist eher etwas für Schreib- und Arbeitsprofis, denn auch gut zu planen und vor allem sich gut in einen Plan einzufügen, ist ein Training. Wie so oft gibt es eine gute Seite an dieser Methode und eine nicht so gute. Spielen wir das Ganze mal durch. Also: Los geht’s, von A-Z oder besser von Z wie Zeitpunkt bis A wie anfangen.

Grobe Planung
  • Zeitpunkt: Es muss nicht unbedingt ein Zeitpunkt sein, an dem ihr viel Zeit habt, aber es sollte eine ruhige Zeit sein. Nicht unbedingt, wenn ihr mitten in einer Scheidung steckt oder keine Wohnung habt. Ein Gefängnisaufenthalt bietet sich dagegen an oder wenn ihr gerade ein Kind bekommen habt, das sehr viel schläft.
  • Ziel: Es ist gut sich am Anfang zu fragen, welches Ziel ihr mit dem Buch verfolgt. Wollt ihr viel Geld verdienen? Oder eure Geschichte in die Welt bringen? Ist es ein Hobby? Oder ernährt ihre eure Familie damit. Kommt es nicht darauf an, wie viel Geld ihr mit dem Buch verdienen wollt, seit ihr ganz frei in der Wahl des Themas, der Idee, des Genres. Wenn nicht …
  • Genre: Wenn man schon plant – warum dann nicht ganz pragmatisch? Thriller laufen am besten. Auf der ganzen Welt. Nicht euer Genre? Nun, auch gut funktionieren Liebesromane und historische Romane. Hier habt ihr auch die breiteste Leserschaft.
  • Wie veröffentlichen? Seid ihr geduldig? Könnt ihr warten? Dann geht den Weg einer Verlagsveröffentlichung. Wollt ihr euer Buch lieber schnell herausbringen – dann wählt Selfpublishing.

Warum sollte man all diese Punkte vorab planen? Nun, sie erleichtern das Schreiben enorm. Wenn ihr eure Ziele kennt, also den Ort, wo ihr euer Buch später sehen wollt, eure Zielgruppe (Leser). Es ist gut zu wissen, welches (Verkaufs)ziel ihr mit dem Buch verfolgt. Denn jede Entscheidung, die ihr danach trefft, wird von diesen Vorentscheidungen abhängen. Mehr dazu.

Okay, jetzt werdet ihr konkreter.

Form und Inhalt
  • Idee: Habt ihr noch keine Idee, macht euch auf die Suche, lasst euch inspirieren. Bitte klaut keine Ideen, das ist schwach und ärgerlich und fällt irgendwann auf. Ein No Go. Kann man Ideen planen? Klar, in dem man alte Ideen recycelt oder neu aufgießt. Passiert ständig. Besser noch gleich mit einer eigenen Idee starten. Mehr dazu.
  • Titel und Autorename: Ich sag’s ja immer wieder: Pseudonyme sind nichts für Künstler und wenn man Literatur schreibt, sollte man dazu stehen. Mit seinem Namen. Aber – wer sein Buch als Produkte sieht, der sollte dieses Produkt auch gut planen. Ein wohlklingender Autorenname gehört dann ebenso dazu, wie ein eingängiger oder reißerischer Titel.
  • Perspektive: Okay, aus welcher Perspektive wollt ihr eure Geschichte erzählen? Bei einem historischen Roman bietet sich eine unabhängige Perspektive besser an, bei einem Liebesroman kann es auch die ICH-Perspektive sein. Plant gut und sinnvoll. Und dann legt euch – fest!
  • Länge des Buches: Veröffentlicht ihr im Verlag, will der natürlich wissen, wie dick (und teuer) das Buch wird. Aber auch sonst ist es gut, die Länge eures Buches zu kennen, um zu entscheiden, wo ihr eure dramaturgischen Wendepunkte setzt. Habt ihr keine Ahnung, wie lang das Buch insgesamt wird, verplaudert ihr euch vielleicht, die Spannung geht verloren, das Buch – wird langweilig.
  • Kapitellänge: Wenn ihr wisst, wie lang das Buch insgesamt wird (sagen wir 400 Seiten), dann könnt ihr entscheiden, wie viele Kapitel es haben soll. Macht die Kapitel nicht zu lang und achtet auf eine etwa gleiche Länge der Kapitel.
  • Sprachhöhe und Stil: Richtet die Komplexheit eurer Sprache (falls ihr die Wahl habt) sorgfältig auf eure Zielgruppe, das Genre und Thema des Buches aus. Wird es ein hochphilosophischer Roman – muss die Sprachhöhe das auch einlösen. Ein erotischer Roman – sollte besser eingängiger und einfacher geschrieben sein.
  • Struktur: Jetzt ist es Zeit, dem Buch eine dramaturgische Struktur zu geben. Ihr schreibt lieber einfach drauflos? Aber hier geht es um Planung und deshalb wird auch das Buch – durchgeplant. Methoden gibt es genug. Sucht euch die Beste aus. Strukturiert und plant nicht nur grob, sondern bis in die Kapitel, ja bis in die Abschnitte eures Buches hinein. Mehr dazu.
  • Arbeitplan: Ihr wisst was ihr schreibt, ihr habt das Buch durchgeplant, jetzt entscheidet ihr, wie viel ihr am Tag schreibt. Eine Seite? Oder zehn? Ein Arbeitsplan hilft euch, den Überblick über euren Arbeitsfortschritt zu halten. Mehr dazu.
  • Anfangen: Wenn ihr anfangt zu schreiben, ist es nun ein wenig wie „Malen nach Zahlen“. Alles durchgeplant – jetzt ausfüllen.
PlanungPlanung

 

Ist es so einfach? Nein. Ich denke, es erfordert sehr viel Disziplin und auch eine sehr nüchterne Herangehensweise, die für die meisten – gerade bei einer kreativen Tätigkeit wie Schreiben – gar nicht so einfach zu finden ist. Also:

Wer schreibt am besten mit Planung?
  • rationale Menschen
  • Pragmatiker
  • Menschen, die Ordnung lieben
  • und Listen
  • ängstliche Menschen
  • Schreibprofis
  • Arbeitsprofis

Diese Methode ist nichts für alle diejenigen, die mit dem Schreiben in die Tiefe ihres Unterbewusstseins vordringen wollen, alte Muster aufspüren und erneuern oder ihre Kreativität wecken wollen. Dies ist eher etwas für Menschen, die das Schreiben von Büchern als (Brot-)Job ansehen. Ein wenig von dieser Haltung sollte sich allerdings jeder abschneiden, da gut durchgeplante oder überhaupt sehr pragmatisch am Lesergeschmack orientierte Bücher sehr beliebt bei der Leserschaft sind. Werft nur mal einen Blick in die Bestsellerlisten und schaut euch an, wie diese Autoren arbeiten. Wie geschickt sie ihr Pseudonym, ihre Idee, ihre Titel gewählt haben. Glaubt nicht, dass das Zufall ist. Klar, ist das nicht sehr romantisch. Und in der Regel sind diese Bücher auch nicht sehr lange auf dem Markt. Doch – ein wenig (mehr) Erfolg tut jedem/r AutorIn gut.

Deadline und Planung

Termine und Deadlines können einen schnell in eine Schockstarre versetzen. Alles ist viel zu viel und unmöglich zu schaffen. Hier hilft mehr Planung. Auch, wenn ihr euch ein sehr hohes Ziel setzt, wie einen Blogbeitrag täglich zu schreiben, oder ein Buch in einem Monat fertigzustellen, ist Planung ein gutes Mittel, um den Überblick zu behalten und Ordnung im Kopf herzustellen.

Planungsphasen

Nach meiner Erfahrung gibt es bei jedem Projekt Planungsphasen. Manchmal ist es gut, sich klarzumachen, in welcher Phase man sich befindet, um seine Forstschritte zu wertschätzen:

  1. Die Idee im Kopf: Sie wird hin- und hergewälzt, bis sie klar und deutlich vor einem steht: Ja, so könnte es gehen.
  2. Die Notiz auf dem Zettel: Meist handschriftlich, weil sich ständig etwas ändert. Man streicht durch, korrigiert.
  3. Der ausgearbeitete Plan: Gerne auf dem Computer, ausgedruckt, farbig unterlegt, in Boxen gebändigt, eingerahmt.

Aber Achtung: Pläne sind dazu da, überarbeitet zu werden. Am besten ständig. Ich habe manchmal nach 200 Seiten noch die Perspektive an einem Buch geändert, weil ich einfach nicht reingekommen bin. Oder habe die Namen der Hauptfiguren mitten beim Schreiben geändert (passiert mir übrigens häufig). Pläne sind nicht dazu da, strikt und eisern eingehalten zu werden. Sie leben.

Planung

Nächste Woche gibt es den letzten der 7 Beiträge – vor dem abschließenden Test, in dem ihr herausfinden könnt, welche Scheibmethode am besten zu euch passt. In Beitrag 7 wird es um das Schreiben mit Co-AutorInnnen gehen. Geht das schneller? Ist das besser?

Bis dahin!

xoxo

Katrin

#rbpub #redbugwriting #amwriting

 

 

 

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5 Comments

  • Reply Andrea 14. Oktober 2017 at 09:37

    Könnte man dich nicht zu youtube-Videos überreden?

    • Reply Katrin 15. Oktober 2017 at 13:22

      Hä, hä. Sehr lustig. Also nicht absurd lustig, sondern lustig, dass du es ansprichst. Denn ich beschäftige mich gerade sehr viel mit Videos, da ich bei Skillshare in ein Teachers-Program aufgenommen wurde und nun meinen ersten Schreib-Kurs mit Videos (auf Englisch) vorbereite.
      Und da dachte ich mir natürlich, wenn ich es schon auf Englisch mache, warum dann nicht auch auf Deutsch. Und You Tube kam dabei natürlich auch auf. Also Videos ist gerade definitiv ein Thema. Ich sag dann Bescheid. … :))

      • Reply Andrea 15. Oktober 2017 at 16:20

        Also, ich würde mich wahnsinnig freuen aus dem sehr simplen, sehr egoistischen Grund, dass du einen anderen, neuen, offeneren Ton in das Thema bringst, der viel mehr ermächtigt und ermutigt, als es andere bis jetzt geschafft haben (für mein Dafürhalten auf alle Fälle!)
        Und ganz offenbar will das Schicksal es ja auch!

        • Reply Katrin 17. Oktober 2017 at 11:18

          Oh, danke.
          Dazu kann ich *hüstel* sagen, dass ich mich seit einigen Wochen sehr intensiv damit beschäftige, dass ich offenbar die Hände vor der Kamera nicht stillhalten kann, immer albern vor der Kamera werde und mich natürlich on camera erstmal unmöglich finde. Wohl der ganz normale Ablauf …
          Die Skillshare-Challenge hat mir da unheimlich geholfen, da ich mich mit Technik und Style und Inhalt gleichermaßen auseinandergesetzt habe. An irgendeinem Punkt ist man ja auch über „Hey, Leute!“ weg, da geht es dann schon auch um Inhalte und Meinungen und einen Standpunkt. Stimmt schon, es ist mir wichtig, den einzunehmen. Und wenn ich ermutige, dann freut mich das sehr. Tolles Wort, weil MUT drin steckt, was ich am allerwichtigsten im Leben finde. Seinen eigenen Stil finden, mutig auch mal etwas machen, was nicht schon da war. Zu sich und seinem Namen/Arbeit/Look/Meinung stehen.

  • Reply Andrea 17. Oktober 2017 at 14:09

    Ach, da gehört das Arme nicht still halten können doch auch zu, zum eigenen Stil. Und ich glaube wirklich, man gewöhnt sich daran. Hoffe ich zumindest …
    Ich muss jetzt erst einmal Skillshare-Challenge googlen :-D

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