7 Wege ein Buch zu schreiben

7 Wege ein Buch zu schreiben #5 Mit Deadline

4. Oktober 2017
Deadline
Deadline

Mein erstes Buch habe ich ohne echte Deadline geschrieben. Mein Manuskript war fertig, ging ins Lektorat, kam zurück, ich überarbeitete, es kam zurück, ich gab ab. Klar, in meinem Vertrag gab es einen Termin und der war eng, aber ich fühlte mich sicher. Immerhin hatte das Manuskript einen Preis gewonnen, also war es im Großen und Ganzen okay. Deadline? Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung, was das bedeutete.

Als Deadline (englisch „Todeslinie“; ein Zeitpunkt, der nicht überschritten werden darf, zu Deutsch etwa „Galgenfrist“) bezeichnet man den Ablaufzeitpunkt einer Frist oder Fälligkeit oder das Schließen eines Zeitfensters. (Wikipedia)

Wenn ich heute über das Schreibn mit Deadline schreibe, dann weiß ich es besser. Schreiben mit Deadline ist etwas ganz Besonderes. Es kann sowohl der blanke Horror als auch ein Segen sein und ich habe beides erlebt.

Schreiben ist (auch) ein Handwerk

Weil Schreiben sehr viel mit Handwerkszeug zu tun hat, also Umgang mit Sprache, Worten und letztendlich auch mit dem Schreibgerät, ist es doch logisch, oder? Man kann den Umfang einer Arbeit ganz einfach berechnen. Für eine Seite brauche ich 3 Stunden, macht für 300 Seiten 900 Stunden, wenn ich am Tag 6 Stunden schreibe und so weiter. Ist das nicht wunderbar? Im Prinzip schon. Ein Traum, wenn es so einfach wäre. Wenn Schreiben eine Tätigkeit wäre, die man erledigen könnte, wie Löcher in Stoff zu stanzen oder Kartoffeln zu pflanzen. Nun, so einfach ist es nicht. Zumindest nicht, wenn man mehr möchte, als oberflächliche Sätze und Handlungen und Charaktere erschaffen. Das ist auch der Grund, warum sich DEADLINE für viele Autoren schlecht anfühlt. Sehr bedrohlich. Sehr unangenehm.

Und gleichzeitig wissen wir Autoren es ja alle: Wenn man uns so lange schreiben lässt, bis wir zufrieden sind, bis wir denken, es geht nicht besser, dann … kann es ewig dauern.

Schreiben und Termine

Schreiben mit Dealine ist ein besonderes Schreiben. Und das auch, wenn man kein Verlagsautor ist. Denn irgendwo gibt es immer einen Zeitpunkt, der einen zwingt, fertig zu werden. In letzter Konsequenz der Tod, vor dem man spätestens sein Buch beendet haben sollte. Vielleicht ist es aber auch das Sabbatjahr, das ihr euch genommen habt, um euer Buch zu schreiben oder der Termin, wenn das Bankkonto so leer ist, und ihr den zweiten Abschlag, den es vom Verlag erst nach Abgabe eures ganzen Manuskripts gibt, braucht.

Das Schreiben mit Deadline hat Vor- und Nachteile. Arbeitet ihr im Verlag, dann wird es immer eine Deadline geben. Klar, der Verlag will ja auch wissen, wann er das Buch herausbringen kann. Und rechnet zurück, wann die Lektorin das Manuskript bekommt und wann es von dort ins Korrektorat muss und dann in die Herstellung. Da kann es schon mal sein, dass man sein Manuskript ein Jahr oder länger vor dem Erscheinungstermin abgeben muss.

Vorteile der Deadline

Okay, ich liebe Abgabetermine. Und noch mehr liebe ich Veröffentlichungstermine. Bei Verlagen sieht das meist so aus, wenn das Exposé angenommen ist.

Lektorin: Wann könntest du denn mit xy-Buch fertig sein?

ICH (hektisches Nachdenken): Drei Monate? Oder vier.

Lektorin: Also WIR bräuchten das Manuskript spätestens in einem Jahr.

Was dann passierte ist meist, dass ich mich anderen Dingen zuwende. Ein Jahr??? Hallo? Ich nehme andere Projekte in Angriff. Nun, ein Jahr geht schneller rum als man denkt. Zweieinhalb Monate vor der Abgabe liege ich also schweißgebadet im Bett und überlege, wie ich das schaffen kann. Und schaffe es. Immer. Keine Ahnung wie. Denn das ist der Vorteil einer Deadline: Man bringt sich auf den Punkt, denkt konstruktiv über seine Story, die Handlung, den Stil nach. Auch realistischer. Nimmt Abküzungen, kommt auf neue geniale Ideen, findet einen Weg durch den Dschungel. Irgendwie. Ohne Deadline? Hm, hätte ich wohl immer noch nicht angefangen.

Nachteile der Deadline

Ich erinnere mich an einen Spitzentitel. Es dauerte ewig, bis das Exposé angenommen wurde. Und der Ababetermin lag irgendwann in einer sehr unbeschriebenen Zukunft. Als ich das Manuskript dann endlich beenden musste, hatte ich jedes Interesse an dem Stoff verloren. Über die Zeit war das Mojo verschwunden. Ich musste mich neu einarbeiten. Dazu kam der Druck, dass ein Spitzentitel wirklich außergewöhnlich gut sein sollte. Aber die wenigsten kreativen Dinge lassen sich auf Komando und mit Abgabetermin gut machen. Zu viel Druck nimmt die Freude und die Kreativität, die Schreiblust bleibt auf der Strecke. Die Deadline fühlte sich wirklich so an. Ich dachte, ich würde entweder erschöpft auf der Ziellinie zusammenbrechen oder es gar nicht schaffen.

Eine Deadline rechnet künstlerische Krisen nicht ein. Sie geht von einer Schreib-maschine aus. Davon, dass man Kreativität in ein Zeitraster klemmen kann. Nein, kann man nicht.

Also – für  wen ist das was?

Ihr kennt diese Leute … vielleicht gehört ihr selber zu ihnen. Ohne einen klaren Abgabetermin läuft gar nichts. Wenn die keinen exakten Termin haben, wird es nie etwas mit der Arbeit, der Reise, was auch immer. Und dann gibt es die Leute, die wunderbar mit einer Deadline umgehen können und sie als sportliche Herausforderung sogar brauchen. Yeah, sag mir, wann es fertig sein muss! Gib mir einen Termin! Dementsprechend bunt gemischt ist die Gruppe von Leuten, die am besten mit Deadline schreiben können oder sollten, nämlich alle:

  • die Pläne und Struktur lieben
  • die gut mit Zeitdruck umgehen können
  • die ihre Bücher gerne gut durchplanen
  • die Zwischenziele setzen können
  • gerne auf ein Ziel hinarbeiten
  • Absprachen lieben
  • mit Kompromissen leben können
  • denen es leichtfällt, bei komplexen Vorgängen den Überblick zu behalten

Und auf der anderen Seite alle:

  • die zu Chaos und Unstrukturiertheit neigen
  • gerne zu spät kommen und trödeln
  • Aufgaben immer wieder verschieben
  • sich bei größeren Projekten leicht verlieren
  • Versprechen oft brechen
  • Perfektionisten
  • die bei Aufgaben oder Tätigkeiten kein Ende finden
Eigene und fremde Deadline

Ein großer Vorteil des Selfpublishing ist die Freiheit, seine Bücher und Texte genau dann zu veröffentlichen, wann man will. Doch machen wir uns nichts vor, manche Termine sind besser, manche schlechter. Ein Weihnachtsbuch sollte VOR Weihnachten fertig sein. Für die Sommerferien bieten sich Sommerbücher an. Alles was im Schnee spielt, passt dann weniger gut. Kurz: Selbst wenn ihr euch eure Dealine selber setzen könnt, ist die Freiheit eingeschränkt. Und wenn ihr die Deadline gesetzt habt, dann ist die Freiheit – weg.

Denn entweder schafft ihr euren Termin einzuhalten oder nicht. Und das fühlt sich nicht gut an. Und ganz ohne Deadline schreiben? Kann leicht zu einem Projekt werden, das nie beendet wird.

Und – Abgabe!

Eine Lektorin erzählte mir einmal, wie viele Bücher trotz Vertrag und Vorschuss von den Autoren nicht beendet werden. Ich konnte es nicht fassen. Wie kann jemand diese Chance vorbeigehen lassen? Auf der andere Seite verschätze ich mich sehr oft, was ich alles schaffen kann. Fremde Deadlines (von Verlagen und Produzenten) halte ich strikt ein, eigene Deadlines sprenge ich gerne in die Luft. Das hat meinen Respekt vor Abgabeterminen wieder vergrößert. Die eigenen Dämonen erkennen und besiegen – dabei kann eine Deadline sehr gut helfen.

Mittlerweile weiß ich, dass für mich zu einer Deadline unbedingte eine gute Buchplanung gehört. Für mich ein perfekte Kombination. Denn wenn ich einen Plan habe, weiß ich, wann ich von ihm abweiche. Was okay ist, wenn ich dann umplane. Oder rechtzeitig verschiebe. Das betrifft sowohl das  Planen der Arbeitzeiten, als auch das Planen des Buches. Und darum wird es nächste Woche gehen: Wie schreibe ich ein Buch – mit und nach Plan?

Bis dahin viel Spaß beim Schreiben

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting

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6 Comments

  • Reply Roland 7. Oktober 2017 at 14:16

    Hi Katrin,

    deadline! deadline! deadline! Termine, Termine – überall diese Hetze um die Termine einzuhalten! Ich kann es nicht mehr hören – bin kein Freund davon, wenn es hierbei um’s Schreiben, um die Kunst, um das Kreative geht. Schreiben ist Handwerk bei einem (sehr schätzenswerten) Job , wie für Journalisten, Redakteure etc. Da kommt man, wohl noch mehr wie in den meisten anderen Berufen nicht ohne den Druck von Terminvorgaben aus.

    Warum ist das so? Auch weil wir alle ungeduldig sind, hierzulande schauen die Menschen in der U-Bahn schon auf die Uhr, wenn diese nicht um 10.00 Uhr sondern um 10.01 einrollt (was bei meinen griechischen Freunden große Heiterkeit erzielte, als sie mich besuchten. Denn in ihren, wie in vielen nicht so Hetze-geplagten Ländern, ist man oft schon froh, wenn überhaupt eine Bahn oder ein Bus kommt. (Ja antworten dann die Menschen hier: deshalb seid ihr ja auch pleite)
    Das ist doch die Offenbarung: Es geht ums Geld! Alles richtig, aber die Kunst sollte sich davon nicht auch noch vereinnahmen lassen, so meine Meinung.

    Ein Buch sollte reifen, wie guter Wein Irgendwann ist es fertig. Irgendwer wird es entdecken und veröffentlichen. Wenn das Thema, der Stil sein Zeitfenster, das Problem findet, das den Menschen auf den Nägeln brennt oder sie bewegt.

    Wer es braucht, weil er sonst sich ‚vertrödelt‘ zu wenig Antrieb spürt zu schreiben, der wird nie ein wirklich gutes Buch schreiben, aber zur Unterhaltung für gelangweilte Leser mag es reichen. So wie in jeder Arbeit, wer sie nicht gerne macht, wird sie auch nicht besonders gut machen. Wie die Hunde, die man zur ‚Jagd tragen muss‘.

    Sei mir nicht böse über diese kritischen Bemerkungen. Ich verstehe schon, dass du mit diesem Punkt ‚Deadline‘ nur eine von mehreren Anforderungen auf den Wegen ein Buch zu schreiben aufzeigen willst.

    Liebe Grüße
    Roland

    • Reply Katrin 7. Oktober 2017 at 23:22

      Hi Roland,

      ich mag Dealines. Etwas, an dem ich mich messen kann. Ich bin einfach eine Spielerin. Gib mir eine Vorgabe und ich will sie erfüllen. Natürlich ist es eine schreckliche Vorstellung, etwas erfüllen zu müssen, was man gar nicht mag. Zur Jagd will ich nicht getragen werden.

      Griechenland ist sicher aus verschiedenen Gründen pleite, nicht nur, weil sie sich weniger hetzen. Ich könnte mir auch Korruption und schlechte Bürokratie vorstellen. Oder die geographisch schwierigere Lage, die Hitze und so weiter.

      Und – vergib mir – ich höre immer wieder heraus, dass du gute Gründe hast, ein Buch über dich, dein Leben oder überhaupt deine Geschichten zu erzählen. Lass dich von deinem Ärger nicht abhalten!

      Ich freu mich übrigens immer über deine emotionalen Kommentare!
      Lg

      • Reply Roland 8. Oktober 2017 at 15:04

        Sorry Katrin,

        zu deiner geschätzten Antwort sollte ich hier eine Nachbemerkung zum Thema Griechenland senden. Ich wollte mit meiner Randbemerkung lediglich auf die Reaktion der griechischen Heiterkeit auf unser stressgeplagtes Leben (weil wir Termine so lieben!) beitragen. Diese Reaktion ist doch bezeichnend: Anstelle zu schmunzeln (und sich mal bewusst zu werden) kommt von den Umstehenden die typisch humorlose Antwort: Deshalb seid ihr ja auch pleite!

        Keineswegs wollte ich damit die missliche Lage Griechenlands analysieren, neben all dem persönlichen Drama der Griechen , ist das wohl eher Stoff für einen heiter-sarkastischen Roman. Mit zahlreichen griechischen Protagonisten und einigen bösen Antagonisten, darunter die mächtige Kreditwirtschaft und Deutschlands wirtschaftliches Interessen.

        Als Kenner und Griechenland Liebhaber will ich das doch mal gesagt haben.

        LG
        Roland

        • Reply Katrin 10. Oktober 2017 at 18:44

          Hab schon verstanden. Und ich weiß ja, dass du Griechenland für die Gelassenehit schätzt. Was das andere angeht, kenne ich mich leider überhaupt nicht aus. Ich habe mir das von einem Deutschen, der viel in Griechenland lebt, erklären lassen, der Missstand bei der Immobilienspekulation, die Bauern, die ihre Höfe verlassen müssen. Oft ist es ja ein Zusammenspiel von vielen Dingen. Irgendwie schade, dass wir das in Europa nicht besser hinkriegen. Also zusammen.

  • Reply Andrea 8. Oktober 2017 at 23:14

    Yay! Ich traue es mich kaum, aber wieder einmal: Yay!
    Wieso, weshalb, warum? Ja, ehrlich gesagt, weil alles stimmt und ich doch auch noch anders denke. Nein, fühle, seien wir wirklich ehrlich: Allzu viel darüber nachgedacht habe ich nicht.
    In meinen Jobs habe ich immer, immer, immer mit Terminen zu tun gehabt. Und zwar nicht solche wie „in einem Monat“ oder „in einem Tag“, sondern tagtäglich im anderthalb Stunden-Takt und dazu kannte ich alle Termine für die nächsten sieben Tage auswendig. Und superpünktlich war und bin ich. Klingt total planvoll und strukturiert? Ha ho. Ich hasse Listen schreiben, mein Plot ist eine vage Idee unter der Dusche und ich verlasse mich beim Schreiben darauf, dass das so bleibt. Ich lasse mich treiben und rudere selten zurück. In der Ferne das Ziel, der Weg dahin ein Abenteuer. Ich rede mir erfolgreich ein, dass ich damit meine Heldin begleite, die ja auch mit allem dem Kram fertig werden muss, ohne vorher zu wissen, was geschieht. Ich buche das unter Authentizität ab – neulich habe ich gehört, dass man so nur Liebesromane, aber keinesfalls Krimis schreiben darf, tja.
    Ich hasse heute übrigens jeden Termin, auch die schönen, weil sie mich in meiner faulen Planlosigkeit stören. Aber ich liebe Deadlines und habe sie mir oft künstlich verkürzt: Der Chef will nächste Woche ein neues Behandlungsprogramm plus Werbebroschüre und Preisliste? Und ich soll das machen? Dann mache ich sie am besten einen Tag, bevor er sie sehen will. Denn bis dahin habe ich sie in meinem Kopf so oft hin- und hergewendet und sie im Unterbewußten zu Ende gedacht, dass es hinhaut. Tat es immer, was natürlich nicht nur stolz, sondern auch fürchertlich arrogant macht. Aber Arroganz setzt eben auch unter den Druck, es gut machen zu wollen. Also Deadline, yay.
    Die Texte, die ich für zwei Verlagsbücher geschrieben habe, waren natürlich mit Abgabetermin, den ich mir einfach vorverlegt habe – für zehn Texte drei Monate zu veranschlagen – da geht es mir wie dir, das Mojo schwindet. Das ist wohl meine genetisch eingebaute Deadline: Ungeduld und Langeweile. Ein solcher Endpunkt schürt bei mir den Glauben an mich selbst und das setzt Kreativität frei.
    Und irgendwann schlucke ich wegen dieser Worte Kreide und streue mir Asche aufs Haupt. Möge es spät sein!
    Liebe Katrin, mal wieder Danke.

    • Reply Katrin 10. Oktober 2017 at 18:37

      Aber gerne. Freue mich jedes Mal über deine schönen langen Kommentare :)

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