7 Wege ein Buch zu schreiben

7 Wege ein Buch zu schreiben #4 Biografisches Schreiben

27. September 2017
Biografisches Schreiben
Biografisches Schreiben

Streng genommen, ist alles Schreiben Biografisches Schreiben. Man kann gar nicht anders als biografisch zu schreiben. Selbst wenn man ein Pseudonym verwendet und glaubt, dass man seine Geschichten nur am Leser oder den Verlagsvorgaben oder an was auch immer orientiert, glänzt die eigene Persönlichkeit durch. Sei es in den Dialogen, in der Weltanschauung, in den Formulierungen, in der Story. Und das – ist gut so. Es ist auch der Grund, warum ich Autoren immer abrate, ein Pseudonym zu verwenden.

Denn egal, mit welch wohlklingendem Namen man sich schmückt, am Ende bleibt man „Lieschen Müller“. Egal, ob man sich einen amerikanisches oder einen sonstwie exotischen Namen gibt. Warum nicht gleich zu sich, seinem Namen, seinem Leben, einer Arbeit als Autor und Schriftsteller stehen? Am radikalsten tut man das, wenn man biografisch schreibt, die Inspirationen für sein Schreiben also ganz direkt aus seiner Biografie und real erlebten Ereignissen nimmt.

Warum Biografisches Schreiben?

Der Impuls zu schreiben kommt sehr häufig aus dem Wunsch, Ereignisse zu verarbeiten. Es tut einfach gut, scherzhafte, dramatische Ereignisse herauszulassen, sich vor Augen zu führen, zu verarbeiten. Mit Biografischem Schreiben kann man …Biografisches Schreiben

  • Erinnerungen festhalten
  • Blockaden lösen
  • Trennungen verarbeiten
  • Abschied und Tod akzeptieren lernen
  • das Unterbewusstsein aktivieren
  • Wünsche klären
  • Träume real werden lassen
  • Traumata abarbeiten
  • Ängste lösen

Biografische Fetzen schleichen sich immer in die Texte ein, doch beim Biografischen Schreiben stellt man sich seinen Ängste und Erinnerungen ganz direkt.

Wie geht Biografisches Schreiben?

Biografisches SchreibenKreatives Schreiben und Biografisches Schreiben hängen eng zusammen, da man die gleichen Techniken benutzt, um sein Unterbewusstsein zu aktivieren und den Mut zu finden, einfach loszuschreiben. Ohne Kritik und Hemmungen, erstmal – anfangen. Nun ist es allerdings so, dass Ängste und Traumata sich ganz gut in unserem Unterbewusstsein versteckt halten und sich ungern hervorlocken lassen. Über innere Bilder, Assoziatives Schreiben und Schreiben mit Gefühlen habe ich letzte Woche schon etwas geschrieben, heute ergänze ich noch eine schöne Technik.

Morgenseiten

Der kreative Trick der Morgenseiten stammt von Julia Cameron. Künstlerin, Lyrikerin, Regisseurin, Autorin von Kurzgeschichten, Musicals, Drehbüchern, Komponistin von Filmmusik. Kurz, jemand der sich nicht nur mit kreativen Prozessen auseinandergesetzt hat, sondern sie auch selbst gelebt und erfahren hat. Morgenseiten ist ein Weg, seine Schreibhemmungen zu überwinden und sich daran zu gewöhnen, täglich zu schreiben. Also jeden Morgen ein Blatt mit Erinnerungen, Geschichten, Sätzen, Worten zu füllen. Egal, was kommt. Einfach aufschreiben. Und zwar nur eine Seite, dann kann man sich wieder dem Alltag zuwenden.

Was man dabei lernt, ist nicht nur, täglich etwas aufzuschreiben – was sowieso sehr hilfreich ist – sondern man lernt auch sich selber besser kennen. Seine Ängste, seine Wünsche, was einen in der letzten Zeit beeindruckt hat, oder einfach hängengeblieben ist. Je länger man diese Methode beteibt, desto tiefer wird man in sein Unterbewusstsein vordringen. Dann wollen auch die tieferliegenden Geschichten heraus und – tja, dann hat man bestimmt genug Material für mehrere Bücher.

Für wen ist Biografisches Schreiben?

Alte Wunden, verdrängte Verletzungen. Eine kleine Warnung: Biografisches Schreiben ist etwas für Mutige. Schreiben ist ein kreatives Mittel, die tiefsitzenden Ängste zu lösen, also seid darauf vorbereitet, dann auch auf diese Ängste und Wunden zu stoßen. Manchmal reichen die viel weiter als nur in das eigene Leben, sondern beziehen die vorherigen Generationen mit ein. Wann ist es die richtige Methode? Wenn man ..Biografisches Schreiben

  • Lust hat, seine Biografie zu erforschen
  • Mut hat, sich mit dem Vergangenen auseinanderzusetzen
  • Denkmuster neu überdenken möchte
  • Nach neuen Wegen sucht
  • Sein Leben ändern möchte
  • Ein Trauma aufarbeiten muss/möchte
  • Eine neue Perspektive braucht
  • An einem Wendepunkt in seinem Leben steht

Ist diese Methode eher etwas für die Älteren? Nope, denn auch wenn man wenig erlebt hat, kann man unter familären Mustern leiden. Daher sollte jeder sie ausprobieren, der an dieser Stelle ein Aha-Erlebnis hat.

Wie wird ein Buch daraus?

Biografisches Schreiben ist nicht mit einer Autobiografie zu verwechseln. Ihr schreibt nicht euer Leben auf, sondern nehmt Inspirationen oder auch ganze Erlebnisse und verwandelt sie in Literatur oder auch erstmal „nur“ in eine Art Erinnerungssammlung. Wie bei allen Büchern braucht ihr irgendwann – wenn ihr zum Beispiel ein Jahr lang Morgenseiten geschrieben habt – ein Thema, einen roten Faden, etwas, das alles zusammenhält. Dafür müsst ihr eure Aufzeichnungen überarbeiten, vielleicht einen Rahmen finden, vielleicht auch nur eine bestimmte Form wie den Briefroman oder eine Gedichtsammlung.

Außer Atem _Uwe Carow und Katrin Bongard Ein gutes Beispiel ist die Graphic Novel „Atem holen“, die Uwe und ich zusammen gemacht haben. Inspiration war eine Sammlung von Briefen seines Großvaters aus der Kriegsgefangenschaft. Herausgekommen ist eine Auseinandersetzung mit Krankheit, Tod, dem Leben. Assoziativ mit vielen Bildern.

Es kann sein, dass ihr mit einem biografischen Ereignis beginnt und dann fiktive Situationen dazu erfindet. Vollkommen in Ordnung. Es kann auch sein, dass sich in eine fiktive Geschichte eigene Erfahrungen mischen. Eigentlich ständig. Habe ich Lust, die ganze Welt an meiner Privatssphäre teilhaben zu lassen? Will ich andere Menschen in meine Bekenntnisse hineinziehen? Habt keine Angst davor, euch zu zeigen. Der Kontext und die literarische Form schützen eure Erfahrungen. Und wenn jemand partout nicht in euer Buch will – dann streicht ihn einfach heraus.

Nächste Woche geht es um das Schreiben mit – Deadline. Stimmt, es ist weniger eine Schreibart als ein Modus, aber ich kann euch versichern, es ist ein höchst effektiver. Egal, ob ein Verlag euch eine Deadline vorgibt oder ihr euch selbst eine erschafft.

Bis dann und eine gute Schreib -Zeit

xoxo

Katrin

#rbpub #redbugwriting #amwriting

 

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8 Comments

  • Reply Roland Weber 30. September 2017 at 16:21

    Hi Katrin,

    deine letzten beiden Beiträge sprechen mir aus der Seele. Hoffentlich lesen die – meist jungen, hoffnungsvollen AutorInnen – die von dir angeführten Bezugspunkte gründlich,, auch den Satz: ‚Ihr schreibt nicht euer Leben auf, sondern nehmt Inspiration ….

    Schön klar und verständlich hast du die Bezugspunkte zum biografisch und dem damit zusammenhängenden kreativen Schreiben benannt, die ich vollinhaltlich auch so sehe. Man (sollte) schreiben wenn man:

     Erinnerungen festhalten
     Blockaden lösen
     Trennungen verarbeiten
     Abschied und Tod akzeptieren lernen
     das Unterbewusstsein aktivieren
     Wünsche klären
     Träume real werden lassen
     Traumata abarbeiten
     Ängste lösen

    möchte. Oder und auch (u.a.) – Mut sich mit Vergangenen auseinander zu setzen, sein Leben ändern möchte, an einem Wendepunkt seines Lebens steht –

    Was heißt das eigentlich? Wohl schon, dass man ‚was‘ erlebt hat (und nicht nur in normalen Bahnen in jungen Lebensjahren wandelt: Schule-Studium-Berufsanfänger) also jemand der schon tiefgreifende menschliche Nöte, auch Schwächen durchlebt und durchlitten hat, abseits der üblichen Lebenswege sich tummelte, der kann darüber schreiben. Aber dass als Schreibziel gleich eine Buchveröffentlich sein sollte, da habe ich meine Zweifel. Es sei denn man liebt professionelle Hilfe beim Marketing, sowie diese überhaupt – dann ist man aber mehr Kaufmann als Schriftsteller. Ansonsten – allein wegen dem ‚literarischen Wert‘ – sind kaum Früchte, sei es Ruhm oder Geld zu ernten. Denn das neugierige Lesepublikum will überwiegend nur unterhalten werden, ernsthafte Literatur gibt es schon zuhauf, man traut sich fast zu sagen: es ist schon (fast) alles geschrieben sowohl in Drama, Essais, Romanen …..
    Hier eine Lücke zu finden … dann viel Glück. Deshalb meine Meinung: Schreiben ja! Ja! Für den oder die, die sich mit den von Katrin genannten Punkten identifizieren können – nur für sich, für ihre Freunde und Lieben und denen die danach fragen, weil sie die eine oder andere Aussage oder Erkenntnis eures Schreibens anspricht. Den Rest einer glückhaften Entwicklung überlassen. Wenn es sein soll, dann wird vielleicht auch (einmal) ein Buch daraus.

    * * *

    Hierzu zwei meiner tatsächlichen Lebenserfahrungen, was gutgemeinte Bücher auch anzustellen vermögen:

    Einst (es ist schon eine Weile her) entdeckte ich und meine Lebensgefährtin auf unseren oft weglosen und auf jedenfall nicht ausgeschilderten oder beschriebenen Wanderungen einen idyllischen Küstenort auf der Peleponnes in Griechenland. Deshalb, weil der nur über einen hohen Pass mit sehr schlechter Straße mit einer nur wöchentlichen Busverbindung erreicht werden konnte – oder auf weglosen Hirtenpfaden entlang einer Steilküste – und im Winter, wenn im nahen Parnongebirge Schnee fiel, gar nicht. Die wenigen Einwohner lebten von karger Landwirtschaft, von Ziegen, Olivenbäumen und etwas Fischfang. Ein Ort, an dem die Zeit stehen geblieben zu sein schien und wir wurden herzlich aufgenommen.
    So entschieden wir, schon lange auf der Suche nach einer ‚anderen‘ Heimat uns oben in den Bergen eine alte Hütte zu erwerben, die ich ausbaute, ebenfalls in einer gottverlassenen Gegend mit weniger als 80 Menschen im Umkreis von 5 km.
    Später, gab es aber noch einen Besucher außer uns, der ließ sich vom Meer aus übersetzen weil er eine Spürnase für verlassene Orte hatte, über die er berichten wollte. Herr R. – war ein renommierter Reiseschriftsteller einer angesehenen deutschen Zeitung-
    Zufällig waren wir auch zum gleichen Zeitpunkt in der einzigsten Taverne am Meer. Herr R. war begeistert und fragte uns Löcher in den Bauch. Als er erfuhr, dass wir rund 700 m oberhalb in den Bergen eine alte Hütte ausbauten, bat er uns besuchen zu dürfen, was wir ihm auch gewährten. Dabei entdeckte er dass um unser Grundstück herum wilde Orchideen wuchsen (Quadra punctata) und war noch mehr begeistert. Leider sagte er uns nicht, dass er darüber eine Reisebuch schreiben würde. Die Folge war, dass in den kommenden Jahren sowohl der Küstenort so wie die Natur des Parnon-Vorgebirges nun, weil genau beschrieben (inkl der Herzlichkeit und Freigiebigkeit der Eingeborenen) überschwemmt wurden von Touristen. Alles änderte sich. So tanzten die Einheimischen schon immer gern, aber dazu brauchte es einen Anlaß: Kirchweih, Hochzeiten, Taufen oder wenn Einer ‚kefi‘ hatte… (ihm der Sinn danach stand, weil er abgrundtief glücklich oder traurig war). Nun aber verlangten die Touristen, dass jeden Abend in der Taverne getanzt wurde, gegen Geld und weil das wohl in der touristischen Vorstellung zum Thema Wein Weib und Gesang nötig wäre.
    Auch brauche ich nicht weiter zu betonen, dass nun auch ganze Heerscharen von Naturfreunden das Vorgebirge des Parnon durchkämmten – und das bald keine wildwachsenden Orchideen mehr zu finden waren.

    Es gibt aber auch ein anderes Beispiel, was durch meine Lektüre einer Bergsport-Zeitung ausgelöste wurde:

    Ein Österreicher hatte im Laufe eines Winters mit Langlaufski den Alpenhauptkamm von Wien bis Nizza bewältigt. Das reizte mich irgendwie und ich entschloss mich diese Route im Groben im Sommer, nur zu Fuß mit Rucksack zu machen. Das schaffte ich auch wenn auch nur in mehreren Jahren, zerlegt in einzelnen Etappen, da nur im kurzen Urlaub immer möglich. Dabei erhielt ich nicht nur grandiose Einblicke abseits der klassisch beschriebenen Bergtouren, in unser europäisches Gebirge. Ich lernte auch Vorteile wie Nachteile (z. Bsp. oft das Gegröle von Nazi-Liedern auf den Berghütten, die Überfüllung dieser, weil teilweise die Wochenendtouristen mit einem Bus auf Forstwegen herauf gekarrt wurden) wie auch die Abfallberge auf den Gipfeln kennen. Aber auch abseits, wie ich nach den ersten Erfahrungen dann meine Route plante, die einfache herzliche Gastfreundschaft der noch verbliebenen Bergbauern.

    * * *

    Wenn das was Geschrieben wird zur Anregung, zur kreativen Lebensgestaltung führt, dann ist es gut. Ob als Buch, ob als Bericht und Brief an Freunde, oder Zeitungsartikel. In diesem Sinne sollte man schreiben! ‚Wer was zu sagen hat, das ist schon viel‘ (Zitat von Goethe, man verzeihe mir)

    Danke liebe Katrin, für deine gut durchdachten Schreib-Anregungen.
    Auf die Buchmesse (danke für die Einladung!) kann ich leider nicht kommen, da auf einer Hochzeit eingeladen.

    Liebe Grüße
    Roland

    • Reply Katrin 30. September 2017 at 19:02

      Hi Roland,

      ehgrlich gesagt, habe ich beim Schreiben dieses Beitrags oft an dich gedacht. Also wenn jemand ein biografisch inspiriertes Buch schreiben kann, dann Du.
      Ich denke nicht, dass es alles schon gegeben hat, sondern, dass jeder mit seiner eigene Stimme etwas beitragen kann. Aber nicht muss, na klar. Danke für den Input hier.

      Viel Spaß auf der Hochzeit!
      Es gibt dann bestimmt noch einen Bericht von der Messe.

      Beste Grüße

      Katrin

  • Reply Andrea 3. Oktober 2017 at 01:37

    Und wieder so ein Beitrag, der all das üblicherweise zu Lesende einfach beiseite fegt und Mut macht. Weshalb Schreibratgeber selten vergessen, dem Leser klarzumachen, sein Leben sei uninteressant und lanweilig, ohne dabei zu merken, dass es einem danach schwerfallen könnte, aus eigenen Erfahrungen und durchlebten Gefühlen zu schöpfen – das will sich mir nicht erschließen. (Der Satz war natürlich wieder viel zu lang, jajajaja!).
    Denn natürlich schöpft man aus dem eigenen Leben, durchlebt noch einmal schönes und scheußliches, wenn es der Figur dient. Und wer Angst davor hat, an Vergessenes zu rühren oder alte Wunden aufzureißen, der sollte vielleicht nicht schreiben, denn dann entstehen nur Figuren aus Papier. Oder bin ich da zu streng?
    Und ein Pseudonym … ich kann es mir dann vorstellen, wenn ich unglaublich peinliche Dinge schreiben will, oder wenn man vielleicht in einem ganz anderen Genre unterwegs ist und was neues probieren will. Aber selbst dann ist mir der Gedanke fremd. Man sollte doch zu dem stehen, was man tut, oder nicht? Oder hat es auch etwas mit Maßschneiderei zu tun? Mir hat auch jemand gesagt, mein Name passe gar nicht zu meinem Genre, da sollte ich mir doch was Netteres suchen … :-D Ja nun, schön ist mein Name nicht, aber eben meiner!

    • Reply Katrin 3. Oktober 2017 at 12:14

      Nein, du bist nicht zu streng. Vielleicht einfach nur erfahren ;)

      Sich ein Pseudonym zu geben hat viel mit Autoren-Branding zu tun, aber natürlich auch mit einem mangelnden Selbstbewusstsein. Viele Autoren fangen mit Pseudonym an, weil sie das Gefühl haben, (gerade bei Liebesromanen) sie könnten viel besser/oder bessere Literatur schreiben, wenn sie „richtig“ schreiben würden.
      Haben sie Erfolg, taucht dann auf einmal der echte Name auf. Am Erfolg will das „echte“ ICH auf einmal teilhaben.
      Mir tut das immer leid, weil ich denke, diese Autoren werden ihren Erfolg nie richtig genießen könne, weil sie sich immer verstellen und herumtricksen, statt einfach zu sich zu stehen.

      • Reply Andrea 3. Oktober 2017 at 14:15

        Genau meine Gedanken. Ich könnte es noch ein wenig nachvollziehen, wenn es denn wenigstens – wie soll ich das sagen? – echte Pseudonyme wären, die den Eindruck vermitteln, jemand könne wirklich so heißen. Oder könnte in Bezug zum Autor selbst stehen. Wenn ich beispielsweise Bertha Fleischklopfer hieße, dann könnte es in der Tag schwierig sein, heißblütige Liebesdramen mit diesem Namen zu verzieren. Andererseits: Nenne ich mich nur Ariane Rosamunde Passioné oder April Loveley, wieviel Bezug habe ich dann eigentlich zu diesem Namen? Schreibe ich dann nicht auch automatisch ein wenig verstellter, ein wenig zu kontrolliert? (Da kommt natürlich wieder raus, dass ich nicht plotte, sondern mich treiben lasse und dann mit der Heldin gemeinsam die Probleme löse, die ich uns aufgetischt habe – also eher unkontrolliert alles fließen lasse)
        Und viel wichtiger: Verschenke ich nicht auch etwas ganz eigenes? Nur weil ich also Bertha Fleischklopfer heiße, heißt da ja nicht, ich kenne Liebe und Leidenschaft nicht – ich muss nur ganz andere Hürden überwinden als eine Miriam Rosenstengel. Und genau das könnte ich mit reinbringen: diese Überraschung, etwas anderes hinter einer Hülle zu finden, das Umdenken von Klischees und das Spielen mit ihnen.
        Aber dann wieder … wenn ich in manche Bücher hineinschaue, insbesondere im Liebessektor, wo Frauen laut hauchen und Männer sanft brummen, Knie zittern und Klöße geschluckt werden, schnell geschlichen und leidenschaftlich gemeckert wird – da macht das Pseudonym vielleicht Sinn, weil man hofft, der Peinlichkeit des Entdecktwerdens zu entgehen. Aber wenn man derlei schon fürchtet – weshalb dann der ganze Terz? Weil man ein maßgeschneidertes Produkt zu verkaufen hofft?
        Ach, ich bin gerade garstig, ich kann auch nett :-)

        Ich stoße übrigens gerade überall auf dich, herzlichsten Glückwunsch – ich freue mich jedes Mal :-)

        • Reply Katrin 3. Oktober 2017 at 18:18

          Also den Liebesroman von Bertha Fleischklopfer will ich auf jeden Fall lesen!

          Wenn man sich am Ende die Autoren ansieht, die bleiben, also länger einen Wert für die Leser, die Literatur haben, dann sind das ganze Persönlichkeiten. Die in der Welt eine Haltung eingenommen haben (oder einnehmen), die für etwas stehen. Natürlich mit ihrem Namen.

          Klar, für viele Autoren ist Schreiben ein Geschäft und die Produkte (Bücher) müssen daher bestmöglichst ankommen. Dazu gehört ein wohlklingender Name (oder mehrere) genauso dazu, wie ein Inhalt, der wenig Widerstand für den Leser bedeutet.

          Und dann – und das liebe ich – gibt es so Querköpfe wie Astrid Lindgren oder J.K. Rowling, denen raten alle ab, das Buch so oder so zu schreiben – und sie haben trotzdem Erfolg. Für mich gilt: Das sind Vorbilder, die anderen blende ich aus.

          • Andrea 4. Oktober 2017 at 10:47

            Ach, ja! Wenn es nicht so entsetzlich kitschig, albern, amerikanisch, pathetisch oder sonstwie seltsam klänge, dann hätte ich einfach: Ich liebe dich für deine Sätze geschrieben :-D Allerdings müsste ich dann jeden Kommentar mit „Gute Nacht, John-Boy“ beenden …
            Ich ziehe immer schon das Buch vor, bei dem ich auch ein Bild des Autors vor Augen habe, ich möchte dessen Stimme durchschimmern sehen, ohne dass es nur um ihn geht. Aber wenn ich die Wahl habe, dann nehme ich auch immer noch den Autor, der sich selbst beweihräuchert, aber schreiben kann und authentisch ist und nicht den, der mir ein seelenloses Produkt präsentiert, das für mich maßgeschneidert sein soll und doch immer zwischen wird. Konkret wären das beispielsweise Jane Austen gegen Goethe – beide beherrschen ihr Metier und die Sprache, beide zeigen sich unverstellt, doch die Eine nimmt sich nicht wichtig und der andere lässt jede Person nur Sprachrohr für den großen Meister sein. Aber habe ich die Wahl zwischen Goethe und Bertha Fleischkopfers Pseudonymprodukt, dann darf der alte Mann doch große Reden schwingen.
            Ungleich schwieriger ist natürlich das Schreiben einer solchen Geschichte, die die eigenen Leseansprüche befriedigt :-D

          • Katrin 7. Oktober 2017 at 23:14

            Liebe Andrea,
            danke! Ich mag pathetisch und auch etwas kitschig ;)

            Und was du über Goethe und Jane Austen schreibst – genau! Goethe ist genial – aber manchmal auch etwas unerträglich. Gerade für uns Frauen. Jane Austen, gutes Beispiel für eine Frau, die sich durch das Schreiben Gehör verschafft hat. In der Zeit war das nicht selbstverständlich.

            Zu fragen: Wer bin ich? Was will ich schreiben? Finde ich sehr spannend. Das einfach mit Pseudonym und „machen, was alle machen“ zu lösen, eigentlich sehr schade. Man verschenkt den Prozess der Selbsterkenntnis und ganz sicher wird das mit Blick auf den Markt Geschriebene in ein paar Jahren absolut unrelevant sein. Egal wie groß der Hype gerade ist.

            Eigene Leseansprüche und Schreiben – ja, ein großes Thema. Das muss man – glaube ich – im Prozess herauskriegen. Also was man den Lesern zu geben hat. Manches sieht beim Schreiben unbedeutend aus und wird dann ganz groß. Das kann einem niemand sagen, auch kein Lektor oder Verleger (die schon gar nicht …).

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