7 Wege ein Buch zu schreiben

7 Wege ein Buch zu schreiben #3 Kreatives Schreiben

20. September 2017
Kreatives Schreiben – was ist das genau?

Okay, ja, es hört sich einfach gut an. Nicht Schreiben-schreiben, was irgendwie nach Pflicht und Arbeit klingt, sondern Kreatives Schreiben! Da fallen einem Tonklumpen ein, auf die man einschlagen und die man bearbeiten kann oder bunte Tücher, mit denen man frei durch den Raum tanzt. Wir sind kreativ! Keine (Schreib-)regeln, was für eine Befreiung!

Nur um das zu klären: Abgesehen von dem, was einem so bei kreativem Schreiben einfällt und wie offen man diesen Begriff verstehen will, gibt es auch eine Definition. Was man eigentlich nur wissen braucht, wenn man mit Schreibfachleuten zusammensitzt oder Schreibunterricht geben will. Für alle anderen zur Klärung:

Kreatives Schreiben ist eine Bezeichnung für Schreibansätze, die davon ausgehen, dass Schreiben ein kreativ-sprachlicher Prozess ist, zu dem jeder Mensch methodisch angeleitet werden kann. Kreatives Schreiben geht damit über klassischen Schreibunterricht hinaus, indem der Schwerpunkt auf den Prozess des Schreibens selbst gelegt und „durch assoziative, gestaltende und überarbeitende Methoden trainiert“wird. (Wikipedia)

Kreatives ScheibenJa, stimmt, das ist sehr vage. Irgendwie unklar. Ich habe darüber schon mal eher grundsätzlich gebloggt, aber heute nehme ich das mal ein wenig auseinander. Oder anders gesagt, konzentriere mich auf „assoziative und gestaltende“ Methoden, das Spiel mit der Sprache und ein paar Tricks und Kniffe, mit denen man sich freischreibt. Alle anderen Aspekte des Kreativen Schreibens lasse ich mal beiseite, bzw. vertage sie auf die nächsten Wochen.

Was bedeutet Kreatives Schreiben?

Okay, es gibt diese Tage, da hört sich alles, was ich schreibe ganz fürchterlich an. Steif und mechanisch und langweilig. Als ob ich einem Vortrag zuhören würde, dabei will ich doch eigentlich diese aufgeregte, gemütliche, intime, knisternde, erhebende Stimmung erzeugen, die mir auch beim Schreiben so viel Spaß macht. Meist bin ich überarbeitet oder einfach – uninspiriert. Dann helfen mir die Tricks und Kniffe des Kreativen Schreibens. Nicht mehr in Worten und Sätzen und in Kapiteln zu denken, sondern in Wortklängen und Satzwellen, in Farben und Tönen, ohne einen Gedanken an Sinn und Plot und Abgabetermin und sogar meine Charaktere einfach – draulosschreiben.

Einfach drauflos

Kreatives SchreibenEinfach drauflos heißt, ohne Nachzudenken. Ohne zu kritisieren oder zu urteilen. Es fließen zu lassen. Für viele ist es eine Methode, anzufangen oder Schreibblockaden zu lösen, doch warum nicht ein ganzes Buch auf diese Art schreiben? Sich nie Regeln unterwerfen, immer nur das aufzuschreiben, was einem gerade in den Sinn kommt, sich alle Freiheiten nehmen? Geht das? Wird das Ergebnis dann nicht – kompletter Unsinn sein? Nä, erstaunlicherweise nicht. Vertraut mir, am Ende ist alles viel braver, als man denkt. Gerade, was einem beim Aufschreiben noch vollkommen konfus vorkommt, kann mit ein paar Einschüben am Ende ein guter Text werden.

Außerdem – wir leben in postmodernen Zeiten. In denen gibt es hyperrealisitische Bilder, aber auch Maler, die Farbklecks auf der Leinwand verteilen. Es gibt klassische Orchestermusik – und Punk. Es gibt das klassische Ballett und Free Dance. Und – hey – so ist es auch in der Literatur. Klar, die Grenze zwischen Kunst und Kauderwelsch (wo kam dieses Wort gerade her??) ist sehr schmal, aber wenn ihr merkt, dass dies eure Methode ist, mit der ihr eure Idee aufgeschrieben bekommt, dann ist Kreatives Schreiben perfekt – und alle anderen sollten eben ihr Ding machen. Udn damit das jetzt nicht so vage bleibt, wie der Begriff, hier ein paar genauere Anleitungen.

Assoziatives Schreiben

Assoziation kommt von lateinisch associare „vereinigen, verbinden, verknüpfen, vernetzen“. In diesem Fall Worte und Gedanken. Nehmen wir an, ich will etwas über Wasser schreiben. Fantasy. Für Kinder. Und statt mich mit all den Fragen – Wassernixen? Meeresgötter? Meerjungfrauen? herumzuplagen, schreibe ich auf, was mir geade einfällt. Zu Wasser.

Es ist nass und eigentlich kann ich es nicht leiden. Als Kind habe ich vom Tauchen immer Ohrenschmerzen bekommen und einmal ist mein Vater einfach zusammen mit mir untergetaucht, weil ich so ein Schisshase war. Das war schrecklich und hat die Sache nicht besser gemacht. Eigentlich wirklich ein ganz schlechtes Beispiel für Erziehung und …

Okay, das war Realtime kreatives Schreiben. Das, was so aus mir herausgeflossen ist. Ist das Schreibmaterial? Irgendwie sinnvoll? Wozu? Hm. Ich würde sagen, so ganz nebenbei habe ich meine Geschichte gefunden. Ein Mädchen, das Angst vor dem Wasser hat. Vielleicht erzählt sie diese Geschichte sogar am Anfang, falls das Buch für ältere Kinder ist. Oder … und so weiter. Assoziatives Schreiben heißt, sich von einem Bild, einem Wort, einer Idee, einer Erinnerung zur nächsten zu bewegen, ohne zu urteilen.

Innere Bilder

Kreatives SchreibenEs geht auch mit inneren Bildern. Statt zu schreiben, schließe ich erst einmal die Augen. Hände anwärmen, über die Augenhöhlen legen, damit es richtig dunkel wird. Kinotime. Alles ist schwarz, also frage ich: An welchem Ort sehe ich mein Geschichte beginnen? Wo wäre ich jetzt gerade gerne? (An dieser Stelle schließe ich die Augen):  Das erste Bild, das in mir auftaucht, ist ein realer Ort. Die Biosphäre in Potsdam, die  … und genau hier fange ich nun an zu schreiben. Dabei halte ich das innere Bild im Blick und versuche nicht oder wenig auf den Text zu sehen.

Ich gehe über die Hängebrücke. Unter mir Palmen, das Geräusch von fließendem Wasser, Vogelgezwitscher. Ist das echt? Ich bin mir nicht sicher, besonders, als ich einen Lautsprecher entdecke. Klar, das hier ist eine Art Botanischer Garten, aber eigentlich nur eine Halle. Ich erinnere mich an die Ausstellung zu den Schmetterlingensarten an diesem Ort, Schmetterlinge, die alle frei herumflogen. War das so? Und dann der Geruch. Nach Modder, aber diese angenehme Art, moderig, tropisch, lehmig, süßlich. Als ob jeden Moment eine Ananas im Gebüsch auftauchen könnte oder eine Schlange. Ja, mit gelben Augen. Dschungelbuch …  

Texte, die mit inneren Bildern entstehen, sind erstaunlich anschaulich. Und genau das will man als Autor erreichen. Bilder sehen, Bilder beim Leser erzeugen. Bilder, die einem beim Schreiben helfen.

Von Gefühlen leiten lassen

Wenn ich emotional schreiben will, werde ich das nicht mit einem sachlichen Stil erreichen. Warum also nicht gleich mit einem Gefühl beginnen? Sagen wir … Zufriedenheit. Ich spüre in mir nach, wie fühlt sich das an? Wann habe ich das Gefühl, sehr zufrieden zu sein? Ich bin zufrieden …

… nachdem ich Sex hatte, eindeutig. Dieses satte Gefühl, nichts mehr tun zu brauchen. Diese Ruhe im Kopf und das leichte Hungergefühl im Magen, als hätte man sooooo viel geleistet. Ja, die Menschheit vorangebracht. Oder es versucht. Die entspannten Muskeln, die glatte Hautoberfläche, die träge Müdigkeit. Danach kann ich so gut schlafen. Ahhh, so gut schlafen. 

(Musste das sein, Katrin? Aber so ist das, wenn man sich gehen lässt ;) Okay, was mach ich damit? Was soll das? Hm, na ja, meine Protagonisten haben öfter Sex und wenn ich eine Szene nach dem Sex beschreibe, kam es mir noch nie in den Sinn, sie aus dem Blickwinkel Zufriedenheit zu schreiben. Dabei – lag es so nah.

Für wen ist Kreatives Schreiben?

Für wen ist Kreatives Schreiben geeignet? Ich würde ja jetzt gerne sagen: für alle, aber vermutlich eignet es sich für bestimmte Menschen besser. Wieder mal eher für die Tagträumer. Was braucht man?

  • Zeit
  • Ruhe
  • Entspannung
  • Spaß an  Spielen
  • Einen großen Wortschatz
  • Die Fähigkeit zu visionieren (also sich innere Bilder vorzustellen)
  • Fantasie
  • Mut, sich auf Gefühle einzulassen

Kreatives SchreibenJa, auch Mut, denn Gefühle haben ist eine Sache, aber über sie zu sprechen oder schreiben eine andere. Hilfreich sind auch schöne Farben in der Umgebung, ein Blumenstrauß, nette Dinge, Bilder, Postkarten oder kleine Sachen, die einen inspirieren und an etwas erinnern. Oder – Musik.

Vom Kreativen Schreiben zum Buch

Und wie wird aus all dem dann ein Buch? Nun, durch eine liebevolle Überarbeitung. Und zwar sobald man etwas Abstand zu seinem Geschriebenen gewonnen hat. Abstand ist wichtig, damit man nicht gleich urteilt und den Text objektiver angehen kann. Und habt keine Angst davor, dass die Geschichte keinen Plot oder Plotpoints hat, das ist bei dieser Methode nicht so wichtig. Auch die Leser begeben sich eher auf eine Lesereise durch die Gedanken des Autors und seiner Bilder. Eher nicht für einen Thriller geeignet, aber es gibt ja noch andere Genres.

Eine Form des Kreativen Schreibens ist das biografische Schreiben. Und wenn ich biografisch sage, dann meine ich nicht, dass man seine Biografie schreibt. Eher, dass man in sich und seiner Vergangenheit und seinem Leben nach Geschichten sucht und sie dann mehr oder weniger genau weiterverarbeitet. Wie das geht? Sage ich euch dann nächste Woche.

Bis dahin

xoxo

Katrin

#redbugwriting #rbpub #amwriting

 

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