7 Wege ein Buch zu schreiben

7 Wege ein Buch zu schreiben #2 Recherche

13. September 2017
Recherche oder die Suche nach dem Thema

Heute geht es um – Recherche. Trocken, öde, langweilig? Nö. Doch leider von vielen Autoren schändlich vernachlässigt. Da wird am Porsche der Kofferraum hinten aufgemacht (obwohl da der Motor ist) oder über Nachtclubs oder Bars geschrieben, ohne jemals dort gewesen zu sein. Gerade wenn man cool sein will, wird es superpeinlich, wenn man sich nicht auskennt. Recherche ist eigentlich immer wichtig, wenn man ein Buch schreibt, egal ob ein Sachbuch, einen Thriller oder eine Liebesgeschichte. Das nur vorweg, denn jetzt geht es darum, wie man ein Buch mit Recherche beginnt. Und ja, vielleicht erstaunlich, aber damit kann man beginnen.

Am Anfang war – die Recherche

Sagen wir, ihr habt überhaupt keine Ahnung, worüber ihr schreiben wollt. Absolut blank. Ihr habt kein Thema, keine Handlung, keine Ahnung? Nicht schlimm. Fangt mit einem Ort an – New York oder Unterschleißheim. Fangt mit einem Event an – Weihnachten oder ein Begräbnis. Fangt mit einem Charakter an. Einem schrägen oder ganz braven. Gebt ihm oder ihr einen Beruf, eine Tätigkeit, die euch interessiert. Feuerwehrmann oder Poledancerin. Gebt ihm oder ihr Dinge: Ein Haus, ein Auto, Freunde. Und, hey, ihr steckt sofort drin in der Recherche: Wo und wie ist das in New York? Wie läuft ein Begräbnis ab? Wie geht Poledance?

Denn Ach, von Feuerwehrleuten verstehe ich nichts, ich lass meinen Chakrater doch besser bei der Bank arbeiten, da arbeite ich auch – könnte ziemlich langweilig werden. Begebt ihr euch aber auf die Recherche, und findet etwas über den Beruf des Feuerwehrmannes/frau heraus oder eure kleines Dorf, dann wird es spannend. Was? Die Feuerwehrleute haben auch eine Stange, an der sie sich herunterrutschen lassen? Dann könnte doch der Feuerwehrmann auf eine Poledancerin treffen und dann … und so weiter. Denn das ist das Grandiose an der Recherche. Sie liefert euch Themen und interessante Infos einfach so, on the go.

Google oder legwork – wie geht Recherche?

Wahnsinn, in was für einer Zeit wir leben. Wir brauchen uns eigentlich überhaupt nicht mehr aus dem Haus zu bewegen, um das meiste zu tun, wofür wir früher, nun, dann doch mal vor die Tür gehen mussten. Schriftsteller finden das, als ausgewiesene Stubenhocker, besonders grandios:

Im Gegensatz zu meinen Helden bin ich nie in Ostdeutschland gewesen und habe die Reise nur mit Google Maps unternommen. Da kann man von oben nicht sehen, wie hoch die Berge sind. Aber ich war nie ein großer Freund der Recherche. (Wolfgang Herrendorf zu „Tschick“, FAZ)

Ja, das geht. Und auch wenn Herrendorf sagt, er sei kein großer Freund der Recherche, dann hat er aber doch recheriert. Im Netz. So macht man das heute. Sehr angenehm muss ich sagen. Ich liebe es, wenn ich beim Schreiben nicht aufstehen muss und in einem Buch nachschlagen, sondern einfach nur ein paar Klicks von der nächsten Info entfernt bin. Trotzdem kann und sollte man sich manchmal einen Weg nicht ersparen.

Raus in das Leben

Es ist großartig zu googeln. Aber wenn Herrendorf mal in die Gegend gereist wäre, die er in Tschick beschreibt, dann wäre ihm der Geruch aufgefallen. Der Staub, die Art, wie die Luft schmeckt und wie die Leute dort so drauf sind. Und das hätte seinem Buch – ich sag’s einfach – gutgetan. Manchmal sollte man einfach rausgehen.

Im 4.Teil der Loving-Serie geht es unter anderem um ein (Musik)Festival. Ich finde, das passt in die Zeit um zwanzig, Ich erinnere mich an meine Festivalzeiten. Genial. Und weil ich meinen Schreibtisch auch nicht so gerne verlasse, habe ich gegoogelt. Das geht ziemlich gut, da es viele Videos gibt und Fotos und Berichte und so weiter. Trotzdem war ich nicht so ganz zufrieden. Eher zufällig hat meine Tochter Amber für unsere Familie Karten für ein großes Theaterfestival in der Nähe von Berlin geholt. Und zwar schon sehr früh, denn die sind schnell ausverkauft.

Obwohl ich kurz vorher natürlich wieder dachte, was mache ich da überhaupt?, bin ich mitgefahren. Zelten, Musik bis früh in den Morgen, eine Komposttoilette. Freunde, dass kann man sich nicht ausdenken oder googeln. Das muss man erlebt haben. Die Leute, die herumlaufenden Kinder, die grandiosen Theateraufführungen, die kleine Gigs zwischendurch. Die Gespräche über Drogen beim Warten auf die Dusche. Ich könnte jetzt ein ganzes Buch über ein Festival schreiben und habe tatsächlich beschlossen, das Thema oder besser die Location für den 4. Loving-Band (Loving 4 you) noch stärker auszunutzen. Ein Sommer voller Festivals. Warum nicht? Wer den dritten Band gelesen hat, weiß, dass es genug schwere Themen gibt, also ist ein Gegengewicht gut.

Fakten und Historisches

Bücher, die in der Vergangenheit spielen oder einen historischen Hintergrund haben, würde ich sogar grundsätzlich mit einer Recherche beginnen. Die kann manchmal sehr lange dauern. Ken Follett recherchiert angeblich bis zu einem Jahr, bevor er einen Roman beginnt und hat dafür sogar einen Recherchespezialisten, der 1000 Dollar die Stunde bekommt. Okay … Nr. 6 seiner Schreibregeln lautet:

Schriftsteller sind keine gesegneten Stenografen, die ein göttliches Diktat empfangen. Deshalb musst du so lange recherchieren, bis du mit dem Stoff vertraut bist, intim wie Haut auf Haut. (Ken Follett. WELT)

Aber auch er liebt das Netz. Als man ihn fragte, ob er beim schreiben irgendwelche Stimulanzen braucht, war seine Antwort:

Ja, Google Earth. Dieses Programm ist für uns Schriftsteller die großartigste Erfindung aller Zeiten. Ich brauche zur Stimulierung meiner Fantasie einen visuellen Eindruck eines Dorfes in Bayern oder Sibirien? Klick, hier ist er! (Ken Follett. WELT)

Und wer sollte mit Recherche beginnen?

Ein Buch mit Recherche zu beginne, ist eindeutig etwas für Menschen, die es gerne sortiert und geordnet haben. Die in der Lage sind, sich eine übersichtliche Datei mit Fakten anzulegen oder ein geniales Schreibprogramm wie Scrivener zu bedienen, welches man mit Fakten vollladen kann, während man schreibt. Recherche ist etwas für alle, die gerne forschen, die Geocoaching lieben oder Schatzsuche. Die keine Hustenanfälle in staubigen Archiven bekommen und keine Hemmungen haben, jemanden mal nach etwas zu fragen. Auch, wenn es persönlich ist. Ich würde sagen, hilfreich ist:

  • Strukuriertes Denken
  • Wissenschaftliches Arbeiten
  • Lust, das Haus zu verlassen
  • Mut, Fragen zu stellen
  • Lust auf Archive, Akten, Bibliotheken
  • Zeit
  • Geduld
  • Lust auf fremde Sprachen, alte Karten
  • Abenteuerlust
  • Neugierde
  • Spass an der Suche
Recherche – erche -erche

Ruft Recherche in euer Leben und es wird lange weiterhallen. Denn es gibt da ein paar Dinge, die fallen mir immer wieder auf. Wenn man sich erstmal auf eine Frage einlässt, dann kommen die Informationen darüber von ganz allein in das Leben. Vielleicht, weil die Antennen für das Thema schon aufgestellt sind. Denkt an irgendetwas: vegan, Militär, Blitzschlag – ich wette, euch fallen in nächster Zeit viele Berichte über dieses Thema auf. Kurz, das Gehirn vollbringt da wieder sein Wunderwerk und hilft mit, wenn wir uns auf die Suche begeben. Warum das so ist, könnte ich jetzt recherchieren … aber wer weiß, wo mich dass dann hinführt. Oder – eigentlich weiß ich es: in ein Labyrinth von Antworten und neuen Fragen.

Das ist etwas, was ich sehr liebe: Wenn man in seinem Recherche-Modus ist, stößt man auf immer neue Informationen, die einen zu weiteren Entdeckungen führen und so weiter. Und jede Entdeckung ist nicht nur ein Fakt, sondern eigentlich auch schon wieder eine Idee für eine Szene oder eine Handlung, einen Dialog. Irgendwann setzt sich so auf einmal auch die Handlung zusammen, die einem vorher einfach nicht eingefallen ist. Vielleicht, weil sie sich aus den Fakten und Informationen ergeben musste.

Wenn du also ratlos bist, womit du dein Buch beginnen willst, verlass dich auf deine Spürnase. Denk an eine Sache, die dich interessiert und dann leg los.

Nächste Woche beschäftige ich mich mit Kreativem Schreiben. Ein Begriff, der oft sehr allgemein verwendet wird, aber eine ganz bestimmte Bedeutung hat. Kreatives Schreiben eigent sich ganz hervorragend, wenn man ein Buch beginnen will. Wie das geht, erzähle ich nächste Woche.

Was recherchiert ihr gerade?

xoxo

Katrin

#redbugwriting #amwriting #rbpub

 

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