7 Wege ein Buch zu schreiben

7 Wege ein Buch zu schreiben #1 All in my head

6. September 2017
Ein Buch schreiben

Nach vielen Beiträgen über das Schreiben, wie man schreibt, wie man plottet, starke Charaktere erfindet, auf Ideen kommt oder in den richtigen Workflow – fiel mir auf, dass es für die meisten, die ein Buch schreiben wollen, immer noch das Schwierigste ist, ein Buch zu beginnen. Also anzufangen zu schreiben. Also dachte ich mir, okay, dann gebe ich einfach mal ein paar Tipps, wie man anfangen kann. Und im gleichen Moment wurde mir klar, dass es sooo viele verschiedene Möglichkeiten gibt, ein Buch zu beginnen, dass ich vielleicht darüber bloggen sollte.

Also, voilà, meine Blogreihe über die 7 verschiedenen Arten ein Buch zu schreiben. Am Ende dieser Blogreihe gibt es dann einen schönen Fragebogen/Test, mit dem ihr herausfinden könnt, welches für euch die beste Methode ist, ein Buch zu schreiben. Wird das anstrengend? Wird das mühsam? Nein, ganz im Gegenteil. Lehnt euch zurück und genießt die Reise in die Köpfe verschiedener Schriftsteller und Denkweisen. Lasst euch inspirieren von Ideen und Tricks, findet heraus, wie ihr so tickt, was euch Spaß macht, wie ihr EUER erstes Buch schreiben wollt. Let’s go.

Wie beginne ich ein Buch?

Ich habe mich mal zurückerinnert an die Zeit, als ich mein erstes Buch geschrieben habe. Um es gleich zu sagen: Sein zwanzigstes Buch schreibt man ganz anders als sein erstes Buch. Das ist fast so wie beim Kinderkriegen, wobei zwanzig Kinder, nun ja … Daher sind allerdings auch die Tipps von erfahrenen Schriftstellern zwar sehr inspirierend, treffen aber oft nicht den Punkt. Klar, irgendwann weiß man, dass es gut ist, sich eine Struktur anzulegen, zu plotten oder was auch ímmer, aber am Anfang hat man ganz andere Probleme. Man will überhaupt erstmal – anfangen.

Als ich dann so darüber nachdachte, wann genau ich mein erste Buch begonnen habe, da wurde mir klar, dass es nicht erst der Moment war, als ich mich an den Schreibtisch gesetzt habe. Oder die Datei eröffnet, oder mir auch nur Notizen gemacht habe. Nein, meine Reise begann viel früher – im Kopf. Und genau auf diese Reise nehme ich euch jetzt in diesem ersten Blogbeitrag mit. Ein Buch – das überwiegend im Kopf entsteht.

Ausdenken und vorstellen

Ich bin gut darin, mir Dinge auszudenken. Das ist vermutlich ein Grund, warum ich überhaupt angefangen habe, Bücher zu schreiben. Ich habe mir schon als Kind Spiele ausgedacht, da ich mir gerne Was-wäre-wenn-Situationen überlege. Kurz: Tatsächlich beginne ich mit meinen Geschichten und Büchern in meiner Vorstellung. Bevor ich mir irgendeine Notiz mache, bevor ich mir einen Plan mache, bevor ich plotte oder  drauflosschreibe, denke ich über Situationen, Charaktere und eine gute Story nach. Baue um und verschiebe, durchdenke und verwerfe. Wie geht das?

Kopfarbeit

Wenn man viel mit dem Kopf arbeitet, dann muss es ein paar wichtige Bedingungen geben, damit man gut nachdenken, mit Ideen herumspielen, oder einfach nur vor sich hinträumen kann. Zum Beispiel Ruhe. Oder einen geschützten Ort. Wichtig ist auch, dass der Kopf frei ist. Sorgen, Kummer und Angst sind die absoluten Feinde kreativer Gedanken. Natürlich kann man gerade diese Gefühle oft schlecht unter Kontrolle bekommen. Nach einem Arbeitstag fällt es schwer, abzuschalten. Da ist es einfacher, sich einen Film anzusehen, statt einen eigenen in seinem Kopf ablaufen zu lassen. Also helft eurem Kopf bei der Arbeit. Bereitet Kopf und Körper vor. Gebt ihm eine Massage, eine Meditation, schöne Musik zum Entspannen, vielleicht ein Glas Rotwein. Schafft ideale Kopf-Arbeits-Bedingungen und genießt eure Kopfzeit.

In meinem Kopf …

…herrscht nicht die wunderbare Ordnung, die ich gerne hätte. Und das ist gut so. Manchmal spiegelt mein Schreibtisch meine Gedanken und alles, was mir gerde durch den Kopf geht, ganz gut wieder. Komplettes Chaos. Ist das schlimm? Nicht unbedingt. Klar, ist es gut, wenn man in Strukturen denken kann. Das wird man brauchen. Aber das kreative Chos im Kopf ist gar nicht so schlecht,  denn es unterscheidet sich sehr von dem Chaos auf meinem Schreibtisch. Es hat einen entscheidenden Vorteile: Der Kopf sortiert für mich. Keine Ahnung, wie das geht. Aber auf wundersame Weise bleiben am Ende nur die guten Ideen übrig, die weniger guten scheinen sich in Luft aufzulösen.

Ein eindeutiger Vorteil an der Arbeit im Kopf ist daher nicht nur die Umweltverträglichkeit, sondern auch die Zeitersparnis. Statt sich mit Ideen auf dem Papier oder Computer herumzuschlagen, die nicht funktionieren, wird der Kopf sie einfach  – verdrängen, vergessen, aussortieren. Besonders empfehle ich diese Methode daher den Tagträumern und Chaoten unter euch. Was für euer alltägliches Leben der Horror ist – Termin beim Zahnarzt vergessen, die Steuererklärung verdrängt – ist für eure kreative Arbeit ein Segen. Ungute Dinge, schlechte Ideen, nicht funktionierende Stories – lösen sich einfach in Vergessen auf.

Gedanken sind frei

Es gibt diesen Tipp von vielen Autoren: Hab immer etwas zu schreiben dabei, damit du dir deine wunderbaren Ideen gleich notieren kannst. Ich habe das eine zeitlang sehr intensiv getan und dann meine so wertvollen Aufzeichnungen später nie lesen können. Und festgestellt, dass mich meine Notizen auch nie wieder interessiert haben. Mein Kopf hatte längst weitergedacht, den Abfall beseitigt, die brillanten Ideen in einen Extraordner gepackt. Wo ist die grandiose Idee auf dem Zettel? Nun, entweder sie hat überlebt oder sie ist untergegangen. Ganz unabhängig davon, ob ich sie aufgeschrieben habe oder nicht. Vertraut eurem Denken.

Checkliste für die Kopfarbeit

Okay, Zeit für eine Checkliste. Gehört ihr zu den Autoren, die ihr Buch im Kopf beginnen sollten? Was braucht ihr?

  • Vorstellungskraft
  • Phantasie
  • Logisches Denken
  • Ein gutes Gedächtnis
  • Lust zu träumen
  • Zeit zum Nachdenken
  • Ruhe zum Abschalten
  • Einen sicheren Ort
Und dann das Buch schreiben

Ja, klar. Irgendwann will das Buch aus dem Kopf heraus und dann muss man mit dem Aufschreiben anfangen. Wie lange ist das? Hm. Es gibt Autoren, die denken jahrelang über ihr Buchprojekt nach und schreiben es erst auf, wenn sie alles genau im Kopf durchdacht haben. Andere – wie ich – wollen die Idee eher grob umrissen haben, damit im Schreibprozess noch genug Freiraum ist. In der Regel spürt man, wenn eine Idee aufs Papier will. Durch das Denken kommt dann nichts Neues mehr hinzu, man wiederholt sich, langweilt sich vielleicht sogar beim Nachdenken über sein Projekt. Der nächste Arbeitschritt steht an, jetzt heißt es: Buch schreiben.

All in my head

Ich habe zurzeit drei angefangene und zwei angedachte Buchserien – und alle schwirren in meinem Kopf herum. Was könnte passieren, wer wird wichtig werden, was muss ich hier noch gemacht werden? Das Gehirn ist großartig, es schafft so etwas und arbeitet im Hintergrund für mich weiter, während ich hier sitze und einen Blogbeitrag schreibe oder gleich weiter an meinem derzeitigen Buchprojekt schreibe. Vermutlich ist es auch ein Training, das mich mittlerweile sehr unabhängig macht. Denn unter bestimmten  Bedingungen kann ich fast überall arbeiten. Wenn ich irgendwo anstehen muss, beim Radfahren, beim Spazierengehen oder als Mitfahrer auf dem Motorrad. Ist das nicht großartig!

Vielleicht gehört ihr ja zu den Autoren, die ihr Buchprojekt die ganze Zeit im Kopf haben und sich ständig ermahnen: Schreib es doch mal auf! Keine Sorge, denn vielleicht braucht der Kopf/das Buch noch etwas. Vertraut eurem Kopf, vertraut – euch!

Nächste Woche folgt dann gleich das Kontrast-Konzept. Wie beginnt ihr ein Buch mit Recherche? Sucht also erst alle Fakten und Daten und das Wissen zusammen, das ihr für eurer Buch braucht. Ist das langweilig? Ganz und gar nicht. Aber das erkläre ich in der nächsten Woche genauer.

Wie beginnt ihr ein Buch oder einen Blogartikel?

xoxo

Katrin

#rbpub #amwriting #redbugwriting

 

 

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8 Comments

  • Reply Andrea 6. September 2017 at 21:21

    Ach verdammt – schon wieder so ein wunderbarer Beitrag. Ich zügele mich und schreibe nun keine seitenlange Replik. Einfach nur: jajajaja!

    • Reply Katrin 7. September 2017 at 10:56

      Hi, hi, gegen seitenlange Repliken hätte ich nichts, ich mag deinen Schreibstil! :)

      • Reply Andrea 7. September 2017 at 12:59

        Sag, wenn du magst, dann schicke ich dir mein fertiges Projekt, einfach so …

        • Reply Katrin 7. September 2017 at 13:57

          Oh, interessant. Kannst du gerne machen :)

          • Andrea 7. September 2017 at 14:02

            Mail finde ich hier auf der Seite?

          • Katrin 7. September 2017 at 18:04

            Ja, schreib einfach „Für Katrin“ in den Betreff, dann kommt es sicher an.

  • Reply Roland 7. September 2017 at 10:06

    Hi Katrin
    deine gekonnt animierenden Beiträge bringen mich zum Schmunzeln. Deine Kunst besteht darin deine Leser zu motivieren, ihnen trotz aller Bedenken Mut zu machen: zu schreiben! Soweit sehr gut – aber ob das was dabei heraus kommt auch ‚ankommt‘ gelesen, gekauft wird – das ist dann dem Moloch Marketing unterworfen. Und dieses Untier hält viele von SchriftstellerInnen-Träumen ab.

    Die Gedanken sind frei, wenigstens das noch in unserer hektischen, betriebsamen Zeit. Aber was du auflistest was nötig sei um ein Buch anzufangen:
    – Vorstellungskraft
    -Phantasie
    -logisches Denken
    -gutes Gedächtnis
    -Lust zu träumen

    das hat man, oder hat man nicht. Das gibt es nicht zu kaufen und auch nicht einfach herbeizurufen. Die restlichen drei Umstände vielleicht schon: Zeit, Ort, Abschalten.
    Du weißt schon, dass ich mich angesprochen fühle – und trotzdem schreibe ich zwar, aber kein Buch. Ich wollte mich nur mal wieder melden, dass ich weiterhin euer Red Bugs Fan bin.

    Liebe Grüße
    Roland

    • Reply Katrin 7. September 2017 at 11:07

      Hi Roland,

      schön, mal wieder von dir zu lesen :)
      Ja, klar, ich weiß, dass nicht nur ein Buchprojekt in deinem Kopf herumschwirrt. Und stimmt schon, die würde ich dir gerne entlocken.
      Und dann – ich denke, dass jeder Phantasie und Vorstellungskraft hat, damit werden wir geboren. Die muss man nur hervorlocken oder sich erinnern.
      Und Marketing – hm. Bei all diesem „Geschrei“ um Hypes … eigentlich bin ich mir sicher: Was gut ist – bleibt.

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