Starke Charaktere

Starke Charaktere #4 Mentoren

12. Juli 2017

Okay, nachdem es letzte Woche so leidenschaftlich um Feinde ging, wird es jetzt so richtig mollig und nett, denn Mentoren sind so etwas wie der sichere Hafen, in den der Held eurer Geschichte einfahren kann. Auch der Leser hat immer das Gefühl, dass alles gut wird, wenn der Mentor auftritt. Aber, okay, was ist ein Mentor genau?

Mentoren

Zuerst einmal – Mentoren sind nicht notwendigerweise Männer. Euer Mentor kann natürlich auch eine Mentorin sein. Um die Bedeutung des Mentors besser zu verstehen, tauche ich mal in die Herkunft des Wortes Mentor ein:

Mentor (griechisch Μέντωρ) ist eine Sagengestalt der griechischen Mythologie, genauer gesagt aus Homers Odyssee. Als Odysseus in den Trojanischen Krieg zieht, geht er zu seinem Freund Mentor und bittet ihn, sich um seinen Hausstand zu kümmern. Wie das in griechischen Sagen so üblich ist, spielen die Götter eine große Rolle. Athene, die Göttin der Weisheit und Kriegskunst, nutzt Mentors Körper, um in seiner Gestalt sowohl Odyseus Sohn Telemachos als auch Odysseus Ratschläge zu erteilen oder Mut zu machen. Okay, Bingo, hier habt ihr die Funktion eines Mentors:

Von der Rolle des Mentor für Telemachos im homerischen Epos leitet sich der Begriff Mentor für einen älteren, klugen und wohlwollenden Berater eines jungen Menschen her. (Wikipedia)

Was einen Mentor ausmacht

Wer gute Ratschläge erteilt, sollte Ahnung von den Sachverhalten haben,  zu denen er berät. (Und, ja, in diesem Fall bin ich eure Mentorin :) Mentoren kennen sich zumeist in der Welt, die der Held betreten will, besser aus. Helfen ihm auf den Weg. Sie sind dabei nicht auf ihren Eigennutz bedacht und wollen den Held weder manipulieren, noch in den Schatten stellen. Also irgendwie schon fast Übermenschen. Was nicht heißt, dass sie überheblich, superernst, schwer oder behäbig sein müssen. Denkt an Dumbledore (mein Gott, er hat tatsächlich einen Wikipedia-Eintrag) aus „Harry Potter“ oder Gandalf aus Tolkiens „Herr der Ringe“ . Dumbledore und Gandalf sind sich sehr ähnlich, was sicher daran liegt, dass der „Herr der Ringe“ eine große Inspiration für J.K. Rowling war. Beide sind Zauberer und große, alte Männer mit langen weißen Bärten und haben diesen speziellen Humor, der ihre sonstige Ernsthaftigkeit so charmant bricht. Wenn Dumbledore zum Beispiel die Festessen auf Hogwarts eröffnet und „Haut rein!“, ruft. Kurz: Mentoren müssen keine bierernsten, steifen Lehrertypen sein, sie können durchaus Humor haben.

Mentoreneigenschaften

Mentoren oder Mentorinnen sind ganz besondere Charaktere. Sie haben in der Regel schon eine Menge vom Leben gesehen, sind noch voll kampffähig, wissen aber, dass es weitaus vernünftiger und wichtiger ist, ihr Wissen in den Dienst des jüngeren Helden zu stellen, damit er seinen Weg finden kann. Mentoren:

  • haben viel Wissen angesammelt
  • haben Lebenserfahung
  • geben ihr Wissen gerne weiter
  • erwarten keine Gegenleistung
  • bestärken den Helden oder die Heldin
  • machen Mut
  • schützen den Helden
  • führen die Heldin in die richtige Richtung, ohne diese selber gehen zu müssen
  • sind nachsichtig, wenn die Helden Fehler machen oder ihren Rat (erst) ignorieren
Die Funktion der Mentoren

Mentoren treten in Geschichten immer dann auf, wenn die HeldIn nicht weiter weiß. Gerade am Anfang, wenn der Weg noch nicht klar ist oder eine neue Welt betreten wird, sind sie wichtig. Denkt an Morpheus aus der Matrix. Er macht es Neo überhaupt erst möglich, in die Welt der Matrix einzutreten. Andere Mentoren sind auf den ersten Blick viellicht sogar unauffällig, helfen dem Helden aber unterwegs. Mir fällt spontan Nigel aus „Der Teufel trägt Prada“ ein, der der Heldin bei ihrer äußeren Verwandlung hilft. Mentoren müssen also keine Megagrößen wie Dumbledore oder Gandalf sein, sondern können in einer weniger fantastischen Geschichte auch der Postbote oder der gute Freund, die Eltern oder andere Verwandte sein.

Falsche Mentoren

Manchmal wird der Held durch falsche Mentoren getäuscht. Vermutlich kennt ihr das besonders gut aus dem realen Leben. Menschen, die euch scheinbar helfen wollen, euch dabei aber kleinhalten. Die für ihren Rat  – unangemessen – bezahlt werden wollen. Die ihren Rat überhaupt nicht geben, weil sie Angst haben, ihr werdet sie damit ausstechen oder überholen. Schlechte Eltern oder Lehrer könnten das sein oder auch ein eifersüchtiger Exfreund. Hier merkt ihr vermutlich schon, dass falsche Mentoren ganz schnell zu Feinden werden.

Lieblingscharaktere

Nach meiner Erfahrung schleichen sich Mentoren meist ganz von alleine in die Geschichten ein. Und das ist gut so. Ihr braucht sie für die Heldin, um die Moral der Welt, in der sich euer Held bewegt, deutlich zu machen. MentorenDer Held mag vergessen, was gut und richtig ist, der Mentor darf das niemals. Daher tut es auch so gut, wenn der Mentor in einer Geschichte auftritt. Ich erinnere mich, dass mir eine ganz Schulklasse – jeder Schüler einzeln – zu Radio Gaga (ups, das Buch hat tatsächlich auch einen Wikipedia Eintrag! Verrückt) ihre Meinung geschrieben hat. Ein noch sehr junger Schüler schrieb mir, dass sein Lieblingscharakter Herr Friedländer sei. Der alte Herr Friedländer bei dem Rocco sich ausspricht, der ihm hilft, den Radio Turm zu finden, der ihm beisteht, als seine Eltern nicht da sind. Ich war damals unheimlich gerührt, da es eine Nebenfigur mit einer wirklich kleinen „Rolle“ ist und – was soll ich sagen – beim Schreiben auch einer meiner Lieblingscharaktere wurde. Friedländer wusste immer, was gut und richtig ist. Ah, ich liebe Mentoren. Ich bin übrigens auch ein Dumbledore-Fan. Solche humorvollen und weisen Mentoren wünscht man sich doch für sein Leben!

In diesem Sinne – bis nächste Woche, in der es um (hilfreiche) Freunde gehen wird.

xoxo

Katrin

#rbpub #redbugwriting #amwriting

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